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People | 22.03.2017

"Man braucht auch Glück"

Marc Pircher, Volksmusikstar aus Tirol, feiert heuer 25 Jahre Bühnenjubiläum. Trotz dieser beeindruckenden Zahl ist Erfolg für ihn nie selbstverständlich gewesen, weshalb er seinem aktuellen Album auch den Titel „Warum gerade ich“ gegeben hat.

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Marc Pircher ist Vollblutmusiker – und das seit 25 Jahren. (© Gerald Lobenwein)

Mittwochmittag im Restaurant des Courtyard Marriot Hotels in Linz. Interviewtermin mit Volksmusikstar Marc Pircher. Denn der sympathische Tiroler hat viele Fans in Oberösterreich. Wir haben mit ihm über sein Bühnenjubiläum und das aktuelle Album gesprochen und nachgefragt, wie es ihm zu Hause als Hahn im Korb geht.

 

Sie werden im April 39 Jahre alt und feiern heuer 25 Jahre Bühnenjubiläum. Wie geht es Ihnen, wenn Sie auf diese vielen Jahre zurückblicken?

Ich bin sehr stolz darauf, schon so viele Jahre erfolgreich zu sein. Darum habe ich auch den Titel meines neuen Albums „Warum gerade ich“ bewusst so gewählt. Es war für mich einfach auch mal an der Zeit, Bilanz zu ziehen. Und ich frage mich tatsächlich, warum ausgerechnet ich so viel Glück gehabt habe. Denn neben meinem Talent und dem Fleiß braucht man immer auch ein bisschen Glück. Und dafür bin ich sehr dankbar.

 

Sie haben den Erfolg demnach nie als selbstverständlich empfunden?

Nein, nie! Zum Beispiel habe ich erst seit dem Sommer eine Managerin an meiner Seite. Davor habe ich den Großteil dieser Arbeit immer selbst gemacht. Wenn man tagtäglich dafür kämpft, weiterzukommen und dranzubleiben, verliert man die Bodenhaftung nicht. Ich wusste immer, dass ich etwas leisten muss. Dann bleibt man auch dankbar, dass es nach all den Jahren noch so gut läuft.

 

Gibt es einen Moment, der Ihnen in diesen 25 Jahren besonders in Erinnerung geblieben ist?

Der Sieg beim Grand Prix der Volksmusik 2003! Das war einer der größten Meilensteine und hat meine Karriere sehr positiv beeinflusst. Ein Jahr später hatte ich meinen Riesenhit „Sieben Sünden“. Da haben sich dann gewisse Türen automatisch aufgetan. Das sind Meilensteine, die jede Karriere hat, und daran erinnere ich mich natürlich besonders gern.

 

Und was würden Sie rückblickend nicht mehr machen?

Ich würde mir vermutlich meine rasche Zusage bei „Dancing Stars“ ein bissl besser überlegen (lacht). Das war brutal anstrengend und sehr zeitintensiv. Natürlich habe davon profitiert, was den Bekanntheitsgrad betrifft, aber wenn man das noch nie gemacht hat, ist es extrem schwierig.

 

Auf Ihrer Jubiläums-CD sind auch fünf Ihrer Hits, die Sie in Nashville neu aufgenommen haben. Dort, wo schon Elvis Presley, Roy Orbison und Dolly Parton gesungen haben. Spürt man diesen besonderen Spirit beim Musikmachen?

Absolut, das war ein unvergessliches Erlebnis. Ich wollte schon immer einmal mit meinen Jungs aus der Band nach Nashville fliegen. Als die Verantwortlichen meiner Plattenfirma davon gehört haben, haben sie anlässlich meines Bühnenjubiläums alles in die Wege geleitet, dass dieser Traum für uns wahr werden konnte. Bei den Musikern, mit denen wir in Nashville spielen durften, sind wahre Legenden dabei gewesen. Zum Beispiel war einer von ihnen sogar noch in der Band von Johnny Cash. Sie haben nur drei Töne gespielt und ich war schon total geflasht (lacht). Das war wirklich das Größte, was ich als Musiker je erlebt habe.

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Marc Pirchers aktuelles Album „Warum gerade ich“

Wie haben Sie die Lieder ausgesucht, die neu aufgenommen wurden?

Ich wollte jene Lieder nehmen, die mich weitergebracht haben. So ist zum Beispiel der Siegertitel beim Grand Prix der Volksmusik ebenso dabei wie „Alarmstufe Rot“, weil das seit Jahren ein versteckter Hit ist. Und das Geniale ist, dass diese fünf Nashville-Tracks nur auf den ersten 3.999 Exemplaren meiner Jubiläums-CD drauf sind. Somit ist es eine limitierte Edition und hat einen ganz besonderen Wert.

 

Neben Ihren bekannten Stimmungsliedern schlagen Sie auf der neuen CD auch ein bisschen sanftere Klänge an. Eine neue Richtung nach 25 Jahren?

Ich hatte schon immer auch langsamere Lieder und Balladen im Programm. Dieses Mal hat es sich so ergeben, dass es ein paar mehr Lieder geworden sind (schmunzelt). Mir ist wichtig, dass man auch bei dieser CD merkt: Das ist Marc Pircher! Man sollte die Wurzeln, aber auch den Fortschritt erkennen.

 

Sie sind ein Star der volkstümlichen Musikszene und haben viele Fans. Freuen Sie sich, dass diese Musikrichtung auch bei jüngeren Leuten immer populärer wird? Stichwort Andreas Gabalier ...

Natürlich freut mich das! Der Erfolg von Andreas Gabalier ist für die gesamte Branche gut, weil er das Publikum verjüngt. Das habe ich auch nach meinem Hit „Sieben Sünden“ so erlebt. Auf einmal war mein Publikum um 20 Jahre jünger – und das Schöne war, dass mir die Älteren trotzdem treu geblieben sind. Das ist auch heute noch so. Mein Publikum ist bunt gemischt, und das finde ich großartig.

 

Ihr Tourplan für 2017 ist ziemlich straff. Bleibt da noch genug Zeit für die Familie? Sie sind ja verheiratet und Vater von zwei kleinen Töchtern ...

Ich nehme mir diese Zeit zwischendurch immer wieder. Tatsächlich war mein Tourplan schon mal straffer, ich habe ihn schon etwas reduziert. Andererseits bin ich einfach wahnsinnig gern auf der Bühne. Ich muss deshalb immer versuchen, dass es weder zu viel noch zu wenig ist, also einen Mittelweg finden. Was natürlich nicht immer einfach ist. Wenn ich zu wenig unterwegs bin, ist es für mich ganz schlimm. Diese Leidenschaft für die Bühne brennt einfach in mir. Selbst meine Frau und meine Kinder sind es gewöhnt, dass ich nicht immer daheim bin. Wenn ich eine Woche am Stück da bin, kann es passieren, dass meine Kinder fragen: „Papa, wann fährst du wieder weg?“

 

Stichwort Familie. Wie geht es Ihnen daheim als „Hahn im Korb“?

Die Frauen haben bei uns daheim auf jeden Fall das Kommando. Alles dreht sich um unsere zwei Mädels. Alles ist rosarot, und das ist gut so. Ich fühle mich total wohl daheim.

 

Wobei tanken Sie wieder Kraft für Ihre Auftritte?

Im Winter habe ich das Skifahren  für mich entdeckt. Wir wohnen ja direkt an einer Skipiste und ich schnalle mir ganz oft schon frühmorgens um acht Uhr die Skier an. Im Sommer setze ich mich gern auf mein Rad zum Ausgleich. Ich habe ein Rennrad und ein E-Bike. Das tut mir sehr gut und dabei kann ich wunderbar abschalten.