Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 05.05.2020

Mamas sind besonders gefordert

Sie sind Unternehmerinnen, Chefinnen, Mamas. Drei Powerfrauen haben uns erzählt, wie sie die Corona-Krise erleben und managen.

Bild shutterstock_158445608.jpg
© Shutterstock

Eva-Maria Pürmayer ist Chefin im Genießerhotel Bergergut in Afiesl, Elisabeth Bräutigam arbeitet als ärztliche Direktorin im Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern und Vera Groiss ist Diplom-Ingenieurin der Architektur und im Familienunternehmen in Aigen-Schlägl tätig. So unterschiedlich die drei Frauen auch sind, eines haben sie gemeinsam: Sie erleben die Corona-Krise hautnah - als Unternehmerinnen, Chefinnen, Mamas. Wir haben nachgefragt, wie es ihnen dabei geht.

 

Vera Groiss - Architektin und Unternehmerin

Vera Groiss und ihr Mann David teilen sich seit dem Shutdown neben ihrer Arbeit im Familienunternehmen „Wohnkultur Groiss“ die Betreuung ihrer 19 Monate alten Tochter. „Das ist mitunter ziemlich chaotisch“, so die junge Mama. 

 

Wie geht es Ihnen?  Was ist gerade die größte Herausforderung?

Grundsätzlich geht es meiner Familie und mir gut und wir sind gesund. Unser Unternehmen hatte einen sehr guten Start in das neue Jahr, wir hatten viel vor. Unter anderem war ein Zubau geplant und wir wollten die Werkstatt erneuern, das haben wir mittlerweile auf 2021 verschoben. Der Shutdown durch das Coronavirus war eine komplette Vollbremsung für uns. Anfangs habe ich alle Maßnahmen mit Engelsgeduld mitgetragen, aber jetzt merke ich, dass es mühsam wird. Besonders Ostern ohne die Familie zu verbringen, war ein einschneidender Moment. 

Ihr Schauraum ist seit Mitte April wieder geöffnet. Kehrt in Ihrem Unternehmen schon wieder so etwas wie Normalität ein?

Von Normalität sind wir noch weit entfernt! Das Wichtigste war für uns sicherzustellen, dass alle Mitarbeiter bleiben können. Aus Sicherheitsgründen haben wir uns entschieden, die Mitarbeiter in Teams aufzuteilen, um gewährleisten zu können, dass zu keinem Zeitpunkt zu viele Mitarbeiter in der Firma sind. Wir bieten auch Online-Termine für unsere Kunden an, weil eine dreistündige Besprechung mit Schutzmasken schwierig und anstrengend ist. 

Wie managen Sie derzeit die Betreuung Ihrer Tochter? 

Das ist extrem herausfordernd für uns, nachdem wir uns sehr strikt an die Auflagen halten, dass Großeltern und Enkelkinder nicht zusammenkommen sollen. Besonders meine Schwiegermutter hat uns bis dahin sehr viel bei der Kinderbetreuung geholfen. Jetzt teilen sich mein Mann und ich die Betreuung unserer Tochter und reagieren im Moment. 

Wie schauen Sie in die Zukunft?

Ich bin optimistisch und habe keine Existenzängste, weil unser Unternehmen gesund genug ist, um diese Krise auszuhalten. Worüber ich mir Gedanken mache, sind die wenigen sozialen Kontakte unserer Tochter. Das halte ich für problematisch, weil ich nicht weiß, was es mit ihr macht, wenn sie über längere Zeit keinen Kontakt zu anderen Kindern und auch zu ihren Großeltern haben darf. 

Eva-Maria Pürmayer, Chefin vom Bergergut in Afiesl

Gemeinsam mit Sohn Leopold beim Wildkräuter-Sammeln: "Dafür bleibt sonst kaum Zeit", sagt Pürmayer. 

 

Wie hoch ist Ihr täglicher Stress-level gerade?

So entschleunigt – eine gute Seite der Krise – war die Zeit für die Familie bei mir noch nie. Wir, als kleine Familie, sind in diesen vergangenen Tagen öfter am Esstisch zusammengesessen als die gesamten letzten fünf Jahr davor. So einen bewussten und konsequenten Familientag pro Woche werden wir jedenfalls auch nach „Corona“ beibehalten. Im Moment sind wir auch viel in unserem (leeren) Hotel und renovieren in und rund um unser kleines, feines Haus, das ja als Bergergut schon über Jahrzehnte hier steht und auch schon einige Krisen gemeistert hat, aber noch nie so lange geschlossen war. Das ist eine neue Herausforderung.

Ihr Hotel samt Restaurant ist seit Mitte März geschlossen. Was ist im Moment die größte Herausforderung?

Im Moment gilt der 15. Mai als „das“ Datum für eine Wiedereröffnung. Die große Frage ist aktuell aber noch, mit welchen Auflagen und Umständen wir rechnen müssen. Es ist bestimmt ein Vorteil für uns, dass wir nur 35 Zimmer haben. Unsere Stärken, wie zum Beispiel, dass wir gänzlich auf Buffets verzichten und unsere Saunen für maximal vier Gäste geeignet sind, zählen jetzt mehr denn je. Was mir Sorgen bereitet, sind die Grenzöffnungen nach Tschechien und Deutschland. Unsere wunderbaren Zimmermädchen wohnen nur wenige Kilometer von uns entfernt, aber in einem anderen Land. Und auch viele unserer Gäste, besonders im Sommer, kommen aus Deutschland. 

Können Sie der Corona-Krise auch etwas Positives abgewinnen? 

Ganz klar, ja! Ich glaube, dass diese Krise auch ihre guten Seiten hat und große Chancen bietet, und ich hoffe, dass sich genau diese tief verankern werden. Veränderungen in Richtung mehr Tiefgang und Nachhaltigkeit sind, wie ich finde, notwendig. Wandlung ist das Prinzip des Lebens und auch des Unternehmertums. Für mich gilt jetzt, sich darauf einzulassen, wachsam zu bleiben und die eigenen Visionen zu stärken. Ich liebe Eigenverantwortung, Freiheit und Selbstbestimmtheit. Darum bin ich auch von Herzen gerne Unternehmerin. Das Risiko ist groß, aber das wusste ich mit dem Schritt in die Selbständigkeit. Wir haben uns – nach dem Freitod meines Vaters – gerade erst von der letzten Krise langsam erholt, jetzt stehen die nächsten Herausforderungen vor der Tür. Aber jammern gehört nicht zu meiner Lebensphilosophie. Ich suche immer Chancen und neue Möglichkeiten.

Mit welchem Gefühl schauen Sie in die Zukunft?

Ich bin davon überzeugt, dass die Stärken unserer so naturbelassenen Region Mühlviertel und die Stärken unseres kleinen, individuellen Hotels mit familiärer Unternehmensstruktur und klarer Ausrichtung auf Paare und nachhaltigen Genuss nun stärker denn je punkten können. Ich kann auf meine Familie und auf ein starkes, loyales und großartiges 40-köpfiges Team zählen. Dennoch empfinde ich persönlich auch Wehmut. Ich bin sehr gerne hier daheim, liebe aber auch die Ferne, die Vielfalt und Weite. Ich bin viel gereist und habe oft im Ausland gearbeitet. Jetzt, wo die Freiheit eingeschränkt wurde, wird mir das noch mehr bewusst. Auch diese Erfahrung, dass etwas für uns völlig Selbstverständliches von heute auf morgen nicht mehr gilt, finde ich wertvoll. Wobei mir die Verbindung mit anderen Menschen aus anderen Kulturen, mit einem sogenannten „Welt-Weitblick“  auf die wunderbare Vielfalt dieser Welt fehlt. Darauf würde ich nicht verzichten wollen.

Elisabeth Bräutigam, Ärztliche Direktorin

Die Medizinerin im Partnerlook mit ihrem Sohn Linus. 

 

Wie geht es Ihnen im Moment? Wie hoch ist der tägliche Stresslevel?

Im Moment geht es sehr gut und der Stresslevel ist im Sinken. Die vergangenen Wochen waren zeitlich und inhaltlich teilweise durchaus fordernd. Es ist mir aber gelungen, mich zwischendurch zu erholen, und so habe ich die anstrengendste Phase Ende März gut geschafft! 

Wie managen Sie Job und Familie bzw. Kinderbetreuung, nachdem Sie in Ihrem Job als ärztliche Direktorin momentan ja sehr gefordert sind?

In der akutesten Phase der Krise war ich teilweise von 6 bis 20 Uhr im Krankenhaus. Zum Glück hat mein Mann in dieser Zeit von zu Hause aus gearbeitet, sodass die Betreuung unseres Sohnes gut organisiert werden konnte. Er ist sieben Jahre alt und geht in die zweite Klasse Volksschule. Das Lernen daheim funktioniert mit ihm sehr gut, er ist glücklicherweise sehr wissbegierig. Ich bin wirklich stolz auf ihn, dass er das ohne große Diskussionen so gut macht. Anstrengend war und ist es aber für alle Beteiligten. Ich bewundere alle alleinerziehenden Eltern, die wirklich vor großen organisatorischen Belastungen stehen.

Können Sie der Corona-Krise auch etwas Positives abgewinnen?

Jede Krise kann eine Chance sein. Ich denke, man muss die Situation ohnehin annehmen, wie sie ist, und versuchen, die besten Konsequenzen und Ideen daraus abzuleiten. Ich für meinen Teil habe viele positive Aspekte im Krankenhaus bemerkt, der Zusammenhalt war und ist enorm und es macht viel Freude mit so tollen und lösungs­orientierten Menschen zu arbeiten. Es gibt auch im Privaten viele positive Aspekte der Krise, man muss sie nur sehen und zulassen. Für mich völlig neu waren und sind die ruhigen Wochenenden, ohne Freunde und Veranstaltungen. Aus dieser Leere habe ich mir aber eine Zeit für den Garten mitgenommen und ich habe schon viele Kleinigkeiten entdeckt, die mir bis jetzt völlig entgangen sind.

Mit welchem Gefühl schauen Sie in die Zukunft?

Zum Glück bin ich ein eher optimistischer Mensch und schaue daher grundsätzlich neugierig, freudig, aber auch wachsam in die Zukunft. Wir müssen sicher einige Verhaltensmuster umstellen, aber auch hier kann eine Chance liegen. Auf den Urlaub in Österreich freue ich mich zum Beispiel schon, ich habe mir eine gemütliche Zeit mit meiner Familie vorgenommen.