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People | 01.09.2015

Make-up-Artist Claudia Kriechbaumer folgt ihrer Leidenschaft

"Follow your passion" lautet das Motto von Make-up-Artist und Unternehmerin Claudia Kriechbaumer. Im Interview erzählt die Linzerin, wie sie es von der Krankenschwester zur Chefin der Cambio Beautyacademy geschafft hat.

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© Judith Bender-Jura

Unglücklich im Job als Krankenschwester, machte sich Claudia Kriechbaumer auf die Suche nach ihren Talenten. Fündig wurde sie bei einem Urlaub in den USA, als sie ein Plakat entdeckte, auf dem eine Frau eine andere schminkte. Genau das möchte ich machen, dachte sich die Linzerin und hielt an ihrem Traum fest. Die Powerfrau machte in Miami eine Ausbildung zum Make-up-Artist. Heute ist die 29-Jährige stolze Inhaberin der Cambio Beautyacademy in Linz und in Mödling, einer Kaderschmiede, in der VisagistInnen ausgebildet werden. 

 

Warum haben Sie den sicheren Beruf Krankenschwester an den Nagel gehängt?

Es war nicht unbedingt mein Traumberuf, aber ich komme aus einer sehr bodenständigen Familie, und da waren künstlerische Berufe einfach nicht so gefragt. Nachdem ich zwei Jahre als Krankenschwester gearbeitet hatte, entschloss ich mich nach einem Urlaub in Miami, die Ausbildung zum Make-up-Artist zu machen. Auf der Suche nach meinen Talenten ist mir eingefallen, dass ich als junges Mädchen meinen Freundinnen gerne die Haare gemacht habe. Wir haben uns schon damals mit Leidenschaft gegenseitig geschminkt und neue Looks ausprobiert. 

Die Ausbildung zum Make-up-Artist haben Sie in Miami gemacht. Wie ist es dazu gekommen?

Nachdem ich vom Urlaub aus Miami zurückgekommen bin, habe mich über die Ausbildung zum Make-up-Artist im Internet informiert. Natürlich habe auch recherchiert, ob es etwas Gleichwertiges in Österreich gibt. Dem war aber nicht so. Darüber hinaus muss ich gestehen, dass mich Miami magisch angezogen hat. Ich wollte unbedingt wieder dort hin. Das war allerdings nicht einfach. Es hat ein Jahr gedauert, bis ich das Visum und auch die finanziellen Mittel zusammen hatte. 

Wie war die Ausbildung in Miami?

Die war richtig streng. Wir mussten fünf Tage die Woche die Schulbank drücken und es gab Schuluniformpflicht. Man musste jeden Tag anwesend sein. Ich habe einmal nach einer Party die Schule geschwänzt und musste Tags darauf sofort zum Rapport zur Direktorin. Außerdem hatten wir jeden Montag einen Test und am Wochenende praktischen Unterricht. Von Miami habe ich im Prinzip nicht viel gesehen.

Welchen Abschluss haben Sie dort gemacht?

Ich habe einen Abschluss als Make-up-Artist und Skincare-Coach gemacht. 

Wurde diese Ausbildung in Österreich anerkannt?

Nein, leider nicht. Um einen Gewerbeschein lösen zu können, musste ich den gesamten Lehrgang am WIFI nachmachen. Das war natürlich schlimm für mich. Zumal ich voll motiviert aus Miami zurückgekommen bin und endlich Geld verdienen wollte. Im Nachhinein gesehen, war es aber das Beste, was mir passieren konnte, denn für mich war der amerikanische Standard normal. Ich wusste nicht, dass die Ausbildung in Österreich völlig anders abläuft. Das war auch der Beweggrund, warum ich eine Make-up-Academy gründen wollte. 

War es schwierig, in Österreich als Visagistin Fuß zu fassen?

Ja, das war hart. Es ist viel Energie und viel Geld geflossen. Ich hing sehr lange in der Luft, ohne zu wissen, ob ich damit überhaupt einmal Geld verdienen kann. 

Wo haben Sie in Österreich zu arbeiten begonnen?

Ich habe mich in ein Studio in Linz eingemietet und begann dort als selbstständige Visagistin zu arbeiten. Ich habe mir einen Kundenstock aufgebaut und geschaut, dass ich irgendwie über die Runden komme. 

Was hat Sie dazu bewogen, die Cambio Beautyacademy zu gründen?

Ich habe bei einer großen Kosmetikfirma Seminarteilnehmerinnen für deren Kosmetiklinie ausgebildet. Viele davon haben angefragt, ob sie bei mir eine Visagisten-Ausbildung machen könnten. Damals war ich gerade einmal drei Monate selbstständig und habe an so etwas überhaupt nicht gedacht. Als immer mehr Anfragen kamen, hat mich meine Freundin Nicole Schalk extrem unterstützt. Sie hat mir bei der Konzeptionierung geholfen und relativ schnell war die Cambio-Beautyacademy geboren. 

Wann genau war das?

Das war vor drei Jahren. Wir starteten in einem Friseur-Studio mit fünf Schülerinnen auf Biertischen (lacht).

Wie sind Sie auf den Namen "Cambio" gekommen?

Der Name ist Nicole Schalk eingefallen. "Cambio" heißt Verwandlung und das fanden wir absolut passend.

Seit dem Vorjahr gibt es die Cambio Beautyacademy nicht nur in Linz (Franckstraße), sondern auch in Mödling. Wie viele Visagistinnen haben Sie bereits ausgebildet?

Wir veranstalten zweiwöchige Intensivkurse und auch eine berufsbegleitende Ausbildung. Insgesamt haben wir in den vergangenen drei Jahren 150 Leute ausgebildet. 

Übrigens war auch ein Mann dabei.  

Ist diese Ausbildung bei uns in Österreich anerkannt?

Ja. Nachdem die Mädchen ihre Kurse und Praxisstunden bei uns absolviert haben, können sie einen Gewerbeschein lösen. 

Worauf legen Sie bei der Ausbildung Wert?

Unsere Ausbildung hat sich in den letzten Jahren ständig weiterentwickelt. Bei uns steht die Qualität im Vordergrund, das sieht man auch daran, dass unsere Ausbildung extrem praxisorientiert ist. 

 

Wie groß ist das Cambio-Team in Linz? 

Die Studio-Crew besteht aus einer Nageldesignerin, einer Lash-Stylistin und drei Visagistinnen. Die Cambio-Crew besteht aus den Trainerinnen Dana und Marlies. Marlies ist auch meine Geschäftspartnerin. Nicole Schalk ist für die Grafik und das Eventmanagement zuständig. 

Und in Mödling?

In Mödling haben wir eine Studiopartnergemeinschaft mit zwei Fotografen. Durch die Zusammenarbeit entstehen ganz tolle Synergien. Die Fotografen haben viele Jobs und arbeiten mit meinen Visagistinnen und Schülerinnen zusammen. 

Sind weitere Studios in Planung?

Eigentlich schon, das hat aber noch Zeit. Wir möchten nicht zu schnell wachsen, sondern auf Qualität achten. Tirol und Salzburg wären gute Standorte. 

Kann man sich im Cambio-Studio auch schminken lassen oder ist das eine reine Kaderschmiede?

Man kann sich auch schminken lassen, allerdings nur nach Terminvereinbarung. Ich arbeite während der Woche sehr viel auf Fotoshootings oder Terminen und am Wochenende ist eine von uns Mädels mit der Ausbildung beschäftigt. 

Sie schminken für die Miss Austria Corporation, bei Shootings für die Oberösterreicherin und andere Magazine. Welche Promis haben Sie schon aufgehübscht?

Promis aus der nationalen Szene wie Silvia Schneider, Silvia Schachermayer, Doris Golpashin, die Ex-Miss Austria-Missen Amina Dagi und Julia Furdea oder Kiki von Germany’s Next Topmodel. 

Wen würden Sie gerne einmal schminken?

Ich würde gerne die Victoria’s Secret Engel schminken. 

Was lieben Sie an Ihrer Arbeit?

Ich liebe die Abwechslung und kann immer wieder in die Modeszene reinschnuppern. Dabei lerne ich viele tolle Leute und kreative Köpfe kennen. Es macht aber auch Freude, Frauen von nebenan mit Make-up-Tipps Freude zu bereiten. Das ist sehr emotional, persönlich und überhaupt nicht oberflächlich.

Sie sind seit ein paar Monaten mit "Mr. Whisky" Peter Affenzeller zusammen. Sie sind beide Unternehmer. Bleibt genug Zeit für Gemeinsamkeit?

Ja sicher, es liegt alles an der richtigen Einteilung. Man braucht ein gutes Zeitmanagement. Ich glaube, je länger man selbstständig ist, desto besser hat man das im Griff. Somit bleibt am Abend fast
immer Zeit für Gemeinsamkeiten. 

Wie wichtig ist Ihnen gutes Aussehen?

Wenn man so viel mit der Materie Schönheit zu tun hat, dann verschwimmen die Grenzen. Das Schönheitsideal wird anders wahrgenommen. Wenn man nur mit extrem hübschen Mädchen zu tun hat, dann zählen einfach innere Werte mehr als das Äußere.

Was sind Ihrer Meinung nach die größten Schmink-Fauxpas?

Zu dunkler Make-up-Rand und blauer Lidschatten bis zur Augenbraue gehen gar nicht. Ein zu überladenes Make-up ist für mich der größte Fauxpas.

Können Sie uns in Sachen Make-up ein absolutes Must-have für den kommenden Herbst/Winter verraten?

Eindeutig „Baking“: Dabei lässt man den Concealer bis zu zehn Minuten einwirken und verblendet ihn anschließend. Durch die Wärme verbindet er sich perfekt mit der Haut, was tolle Konturen schafft und bombenfest hält. 

Was machen Sie gerne in der Freizeit?

Da lautet mein Motto „Back to the roots“. In meiner Freizeit trage ich kaum bis gar kein Make-up und bin gerne in der Natur. Ich habe meinen Hauptwohnsitz in Linz, am liebsten verbringe ich jedoch Zeit mit meiner Familie in Pregarten. 

Welche Projekte stehen in der Cambio Beautyacademy demnächst an?

Am 4. September laden wir ab 18 Uhr zum Tag der offenen Tür ins Cambio-Studio in die Franckstraße 43 in Linz ein. Aufgrund der vielen Anfragen starten wir im November noch eine zusätzliche Diplom-Visagistenausbildung in Form eines Intensivkurses und einer berufsbeglei­tenden Variante. Auch bei der Vienna
Fashion Week wird unser Team plus Schülerinnen im Stylingteam mitwirken. www.cambio-beautyacademy.com

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Claudia Kriechbaumer (M.) mit Geschäftspartnerin Malies Pinsker (l). und Grafikerin Nicole Schalk. (© Judith Bender-Jura)
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Im Cambio-Studio: Dana Vuck, Nicole Schalk, Claudia Kriechbaumer, Marlies Pinsker (© Judith Bender-Jura)