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People | 14.02.2017

Liebe ohne Grenzen

Vier Paare, sechs unterschiedliche Kulturen. Anlässlich des Valentinstages haben wir mit Paaren in multikulturellen Beziehungen über ihre Liebe und den damit verbundenen Herausforderungen gesprochen.

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Hanna Sheu mit ihrem Mann Shahram Tahamtani und Töchterchen Nara. (© Privat)

Südkorea liebt Persien in Linz

Hanna Sheu (46) & Shahram Tahamtani Omran (49)

„Wir sind ja geradezu prädestiniert für so eine Multikulti-Beziehungsstory“, lacht Hanna Sheu. Seit 27 Jahren sind die Schönheitschirurgin aus Südkorea und ihr Mann, der Perser Shahram Ali, bereits zusammen. Heute lebt und arbeitet das Paar im medizinischen Bereich in Linz.

„Ich bin mit meiner Familie im Alter von zehn Jahren von Südkorea nach Wien übersiedelt“, erzählt Hanna Sheu. Ihr Mann Shahram Ali kam während des Irakkrieges im Alter von 16 Jahren mit einem Studentenvisum in Österreichs Bundeshauptstadt. Kennen- und lieben gelernt haben sie sich beim Medizinstudium in Wien. Die Anfänge haben sich jedoch schwierig gestaltet. Fast drei Jahre lang war das junge Paar gezwungen, sich heimlich zu treffen. „Meine Familie ist radikal katholisch und hat für mich damals bereits zwei Auslandskoreaner ausgewählt. Sogar an unserem Hochzeitstag wollten sie die Heirat mit Shahram Ali noch verhindern“, erinnert sich Hanna. Ganz anders wurde die Beziehung von Shahram Alis Familie aufgenommen. „Sie sind sehr liberale Moslems und haben mich von Anfang an mit offenen Armen aufgenommen. Meine Schwiegermutter besucht uns fast jedes Jahr einmal in Linz und wir haben ein supergutes Verhältnis“, schildert Hanna.

Mittlerweile hat das Paar eine fünfjährige Tochter namens Nara, was auf Koreanisch „Heimat“ bedeutet. Das Thema Religion hat bei Hanna und Shahram Ali nie eine große Rolle gespielt. Tochter Nara soll selbst einmal wählen, welche Konfession sie für sich in Anspruch nehmen will.

Multikulti zieht sich bei der kleinen Familie durch den gesamten Alltag. Aber nicht die jeweilige Herkunft, sondern die Charakterzüge stehen im Vordergrund. „Während mein Mann manchmal zu höflich ist, sage ich ganz klar, was ich denke und was Sache ist“, schildert Hanna. Typisch Österreichisch, Persisch oder Südkoreanisch gibt es nicht. „Bei uns ist alles bunt durchgemischt“, so die Beauty-Ärztin. Wenn Shahram Ali sagt, dass er Moslem ist, wird er vor allem seit dem Hass auf den Islam immer wieder angefeindet. „Und auch aufgrund meines asiatischen Aussehens mache ich immer wieder schlechte Erfahrungen. Das ist schon traurig“, erklärt Hanna Sheu.

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Beverley Allen-Stingeder mit ihrem Mann Franz und den Töchtern Melissa (l.) und Zarina (r.). (© Privat)

Mühlviertlerin mit afrikanischen Wurzeln

Beverley Allen-Stingeder (49) & Franz Stingeder (50)

"Ich bin eine Mühlviertlerin mit afrikanischen Wurzeln", sagt Beverley Allen-Stingeder lachend. Denn geboren wurde die 49-Jährige, die in Linz als Berufsschullehrerin arbeitet, im westafrikanischen Sierra Leone, doch bereits im Alter von zehn Jahren kam sie mit ihrer Mutter nach Oberösterreich. Und hier lernte sie auch ihren Mann Franz kennen. Er war in der Handelsschule eine Klasse über ihr. Nach einer kurzen Liaison als Teenager trennten sich die Wege der beiden allerdings. „1995 haben wir uns dann zufällig in einem Restaurant wieder getroffen, in dem ich als Betriebsleiterin gearbeitet habe", erinnert sich Allen-Stingeder. „Seitdem sind wir ein Paar und seit 14 Jahren sind wir auch verheiratet."

Als Franz Stingeder seinen Eltern damals von seiner neuen „farbigen" Freundin erzählte, dachten diese im ersten Moment, er mache einen Scherz. „Als sie Beverley dann aber kennenlernten, haben sie sie sofort ins Herz geschlossen", erzählt Stingeder. Ebenso wie er als „weißer" Mann von der Familie seiner Frau akzeptiert und liebevoll aufgenommen wurde. Kulturelle Unterschiede spürt das Ehepaar keine. Diese kommen vielmehr bei großen Familientreffen zum Tragen. „Es wird anders gegessen, gefeiert und diskutiert", erklärt die Puchenauerin. „Aber wir sind sehr offen in allen Dingen. Für uns ist das vollkommen normal."

Afrikanische Traditionen werden im Hause Allen-Stingeder übrigens dann gelebt, wenn Mama Beverley afrikanisch kocht oder ihren Töchtern Zarina (17) und Melissa (15) die Haare flechtet und mit ihnen Englisch-Kreolisch spricht: „Das ist meine Muttersprache, und die beiden möchten sie jetzt lernen."

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Katrin und Andreas Papastefanidi. (© Privat)

Sirtaki und Lederhose

Katrin (43) und Andreas Papastefanidis (55)

Ganz klassisch im Urlaub auf Kreta hat die Steyrerin Katrin Papastefanidis (43) vor zwölf Jahren den Griechen Andreas (55) kennengelernt, seit 2013 sind die beiden verheiratet. „Es war Liebe auf den ersten Blick, und ich habe den gesamten Urlaub mit Andreas verbracht. Bereits eine Woche nach meiner Rückkehr nach Österreich hat er mich überraschend besucht", erinnert sich die Geschäftsführerin vom Museum Arbeitswelt in Steyr. Die ersten Reaktionen im Familien- und Freundeskreis waren erfreut, aber auch skeptisch und abwartend, ob das junge Paar eine binationale Distanzbeziehung wirklich schaffen würde. „Sechs Monate nachdem wir uns kennengelernt haben, bin ich zu Andreas nach Athen gezogen, meine Familie hat mich dabei zum Glück sehr unterstützt", erzählt Katrin. Auch von Andreas' Familie und seiner Tochter (14) aus erster Ehe wurde die Steyrerin mit offenen Armen aufgenommen. „Sie ließen mir genug Zeit und Raum, um mich einzuleben", so Katrin. Auch als das Paar vor sieben Jahren nach Österreich übersiedelte, erhielten sie große Unterstützung von Familie und Freunden.

Andreas hat sich bestens eingelebt, steht auf Lederhose, Speck und Stelze. Da beide Länder und Kulturen hauptsächlich christlich geprägt sind, gibt es in den Bräuchen nur geringe Unterschiede. „Ich fühle mich in der griechischen Lebensweise und Kultur sehr wohl", schwärmt Katrin. Andreas hingegen schätzt den österreichischen Way of Life. „Es war nur sehr traurig, wie im Zuge der Finanzkrise die öffentliche Meinung über die Griechen durch die Medien sehr negativ geprägt wurde und Andreas das in vielfacher Hinsicht zu spüren bekam."

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Dominik Derflinger und Hannah Guo. (© Privat)

Liebe auf Chinesisch

Dominik Derflinger (28) und Hannah Guo (29)

Seit drei Jahren lebt und arbeitet der Linzer Dominik Derflinger (28) in Hangzhou, einer knapp Neun-Millionen-Einwohner-Stadt in China. Hätte er im Vorjahr nicht die sympathische TV-Lokalreporterin und Fernsehsprecherin Hannah Guo (29) kennengelernt, wäre er schon längst wieder in Österreich.

„Als ich meine damalige Arbeit bei Bosch und somit China verlassen wollte, drehte ich mit meiner Drohne das Video „Thank you Hang­zhou", um der Stadt Lebewohl zu sagen. Kaum ins Internet hochgeladen, wurde es unerwarteterweise sehr populär. Hannah machte mein damals erstes Interview mit mir – und kurz darauf hatten wir unser erstes Date", erinnert sich Dominik Derflinger.

Mittlerweile war die hübsche Chinesin sogar schon in Österreich und schwärmt von ihrem Besuch: „Dominiks Familie hat bei meiner Ankunft sogar die chinesische Nationalflagge auf die Terrasse gehängt, das hat mich total überrascht! Ich liebe die österreichischen Berge und Seen, in denen man sogar schwimmen kann – für uns Chinesen ist das nicht selbstverständlich. In China gibt es leider nur wenige Gewässer, in denen man baden kann."

An Hannah schätzt Dominik, dass sie ihn bei allem, was er macht, unterstützt. „In China ist der Druck, mit Ende 20 verheiratet und finanziell abgesichert sein zu müssen, enorm groß. Hannah geht es nicht darum, einen reichen, sondern den richtigen Mann gefunden zu haben. Sie steht hinter mir, baut mich auf und gibt mir die Kraft, die ich brauche, um mein eigenes Business zu starten", freut sich der oberösterreichische Fotograf und Drohnenflieger. Kulturelle Unterschiede werden nur selten zum Problem, das junge Paar schwimmt auf derselben Wellenlänge. Von der Direktheit der Europäer lässt sich Hannah nicht einschüchtern: „In China wird leider oft nicht gesagt, was man denkt. Am westlichen Kommunikationsstil gefällt mir, dass man ehrlich zueinander ist und sagt, was einem nicht passt." Mittlerweile ist die größte Kulturdifferenz für Hannah das Essen: „Doch glücklicherweise respektieren wir uns auch hierbei und fragen uns gegenseitig täglich: Ist dir heute nach Westlich oder Chinesisch?"