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People | 11.09.2018

Leben und lieben im JETZT

Dass im Krankenhausalltag auf einer Krebsstation neben großen Gefühlen auch Humor Platz hat, beweist der Linzer Onkologe David Fuchs (37) mit seinem Romandebüt „Bevor wir verschwinden“. Ein Interview über defibrillierte Schweine, Speiseeis in Urinproberöhrchen, Neunzigerjahre-Feeling und das Sterben.

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Der Linzer Onkologe David Fuchs (© Haymon Verlag/Fotowerk Aichner)

Mit dem Roman. „Bevor wir verschwinden“ ist dem Linzer Onkologen und FM4 „Wortlaut“-Gewinner David Fuchs eine außergewöhnliche Geschichte mit tragischem Hintergrund gelungen: Als angehender Arzt absolviert Benjamin ein Praktikum auf der Krebsstation. An seinem ersten Tag trifft er ausgerechnet dort nach Jahren seine Jugendliebe Ambros wieder. Dieser wird dort als Patient behandelt, sein Körper ist voller Metastasen. Inmitten des Krankenhausalltags nähern sich die beiden Männer wieder behutsam an – zwischen resoluten Krankenschwestern und röchelnden Zimmernachbarn, jovialen Oberärzten und unbelehrbaren Notfallskandidaten.

David Fuchs legt mit „Bevor wir verschwinden“ einen Roman vor, der als Hommage an den Augenblick gelesen werden kann. Die Geschichte spielt in Österreich zur Zeit des Jahrhundert­hochwassers 2002, wobei Rückblicke in die Neunzigerjahre eine Rolle spielen, die mit typischen Requisiten aus jener Zeit (wie etwa der längst in Vergessenheit geratene Discman) spielen. In ungewöhnlicher Schlichtheit erzählt der Onkologe eine Liebesgeschichte zwischen zwei jungen Männern, die ohne Happy End auskommen muss, jedoch mit reichlich Menschlichkeit und Gefühl für das Verschrobene im Menschlichen erzählt wird. An die Stelle von Klischee und Schwermut treten hier leise Töne und erheiternde Momente.

Herr Fuchs, was hat Sie als Arzt dazu bewogen, ein Buch zu schreiben?

Schreiben war genauso wie Lesen schon immer eine Leidenschaft von mir. Vor vier Jahren habe ich damit begonnen, mich intensiver mit Prosa auseinanderzusetzen. Dabei ist es das Ziel eines jeden, längere Texte zu schreiben. Und genau das habe ich gemacht.

Wie lange haben Sie an Ihrem Buch gearbeitet?

Die Idee zum Buch hatte ich bereits vor fünf Jahren. Vom ernsthaften Beginn bis zum einsendefähigen Manuskript habe ich dann etwa zwei Jahre gebraucht.

War es schwierig, einen Verlag zu finden?

Überraschenderweise gar nicht. Womöglich liegt das daran, dass einige meiner Texte bereits in Literaturzeitschriften veröffentlicht wurden. Eine große Rolle hat aber mit Sicherheit auch mein Sieg beim FM4 Kurzgeschichtenwettbewerb „Wortlaut“ vor zwei Jahren gespielt. Nachdem ich mein Manuskript an mehrere Verlage geschickt hatte, bin ich schließlich beim Haymon Verlag gut gelandet.

Sie arbeiten seit neun Jahren am Med Campus III (ehemaliges AKH, Anm. d. Red.) als Onkologe und Palliativmediziner. Wie viel von Ihrem Berufsalltag fließt in das Buch?

Das Setting des Buches, die Umgebung und vieles, was ich vom Krankenhaus­alltag beschreibe, kommt auch in der Realität vor. Wichtig war mir allerdings, dass keine realen Personen, weder seitens des Personals im Krankenhaus noch die Patienten betreffend, vorkommen. Durch meinen Beruf weiß ich, mit welchen Problemen Ärzte und Pflegepersonal zu kämpfen haben, und auch, wie sich ein Medizinstudent fühlt, wenn er das erste Mal zum Arbeiten auf eine Station kommt. Daher konnte ich ein sehr glaubhaftes Setting wiedergeben.

 

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