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People | 10.07.2017

"Kurz ist ein Glücksfall"

Wie seine Auftakttour durch Oberösterreich gelaufen ist, was er als Vize von ÖVP-Parteichef Sebastian Kurz auf die Beine stellen möchte und wie er Oberösterreich in neue Zeiten führen will, erzählt Landeshauptmann Thomas Stelzer im Interview.

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Mathias Lauringer – Studio 365

Wir treffen Landeshauptmann Thomas Stelzer am Linzer Schlossberg. Immer wieder bleiben Menschen stehen, geben ihm die Hand und plaudern ein paar Worte mit ihm. Nach einer intensiven Startphase ist der 51-jährige gebürtige Linzer als Landeshauptmann von Oberösterreich angekommen. Politisch gesehen ist seit seiner Angelobung am 7. April in Österreich kaum ein Stein auf dem anderen geblieben: Reinhold Mitterlehner ist als ÖVP-Parteichef zurückgetreten, Sebastian Kurz hat dessen Position eingenommen, und am 15. Oktober wird in Österreich der Nationalrat neu gewählt. Obwohl eine heiße Phase bevorsteht – ein Kroatienurlaub mit der Familie sowie die Tickets für das Robbie Williams-Konzert in Wien sind gesichert, erzählt Thomas Stelzer im Talk mit der OBERÖSTERREICHERIN.

 

Herr Landeshauptmann, in welchem Alter sind Sie aktiv in die Politik eingestiegen und was hat Sie daran fasziniert?

Zu Beginn meines Studiums mit 19 Jahren. Fasziniert hat mich vor allem, dass man Dinge in Bewegung setzen kann. Wir haben damals in Linz in einer jungen ÖVP-Ortsgruppe eine Aktion zum reinen Wasser gestartet, was sofort mediales Interesse hervorgerufen hat. Etablierte Politiker haben sich bei mir gemeldet. Das hat mir gezeigt, was man alles bewirken kann. Diese Faszination hält bis heute an.

 

Waren Sie familiär „vorbelastet“?

Von der Einstellung her sicher, aber es war niemand in meiner Familie politisch aktiv.

 

Vor Kurzem wurden Sie zum stellvertretenden ÖVP-Bundesobmann, also zum Vize von Parteichef Sebastian Kurz, gewählt. Welche Aufgaben werden da auf Sie zu kommen?

Ich freue mich sehr, im Team von Sebastian Kurz dabei zu sein. Ich sehe mich als Bindeglied, das die Inte­ressen der Länder einbringen wird.

 

Mit Casino-Vorständin Bettina Glatz-Kremsner, der Bregenzer Stadträtin Veronika Marte sowie der steirischen Landesrätin Barbara Eibinger-Miedl holt sich Sebastian Kurz frische Gesichter und vor allem ein Frauen-Trio ins Stellvertreter-Team. Was halten Sie von dieser Strategie?

Wir haben in der ÖVP mit Sebastian Kurz einen Neubeginn und setzen auch in der personellen Aufstellung auf einen Neustart. Dass dabei sehr engagierte und toughe Frauen in verantwortungsvolle Positionen kommen, ist gut und wichtig. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit.

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Auszeit mit der Familie: Am Vatertag ging es für Landeshauptmann Thomas Stelzer mit Frau Bettina und den Kindern Lena und Lukas nach Verona. (© privat)

Wie stehen Sie zur Neuerung in der ÖVP?

Man muss sich eingestehen, dass wir in der ÖVP an einem Scheidepunkt standen. Wir haben bei der letzten Wahl nicht sehr gut abgeschnitten, aber uns war klar, wenn wir mit Sebastian Kurz einen Neubeginn wagen, dann kann das Erfolg bringen. Es schaut momentan sehr gut aus, und wir werden alles dazu beitragen, dass auch die Wahl am 15. Oktober gut ausgeht. Der Neubeginn wird auch von der Bevölkerung positiv wahrgenommen. Es ist ein Aufschwung spürbar.

 

Wie lange kennen Sie Sebastian Kurz schon?

Seitdem er in die Junge ÖVP kam, sind wir immer wieder im Austausch. Wir sind in gutem Kontakt und mittlerweile ist eine Freundschaft entstanden.

 

Kann Kurz die ÖVP am 15. Oktober an die Spitze führen?

Das glaube ich in jedem Fall. Sebastian Kurz ist nicht nur für die ÖVP, sondern für ganz Österreich ein Glücksfall und eine absolute Ausnahmeerscheinung. Alleine wie er als Außenminister in der EU fast alle Staaten durch sein Vorausgehen mitgenommen hat, ist eine Ausnahmeleistung.

 

Im Mai waren Sie auf Auftakt-Tour in allen Regionen Oberösterreichs unterwegs. Rund 5.000 Menschen sind gekommen, um Sie persönlich kennenzulernen. Wie sind diese Tour-Stops abgelaufen?

Es war wirklich toll, die Säle waren übervoll und die Stimmung war ausgesprochen gut. Einerseits wollen die Menschen den neuen Landeshauptmann kennenlernen, aber es gibt auch ein sehr starkes Interesse für das politische Geschehen im Land. Die Tour-Stops haben gezeigt, wie wichtig in Zeiten von Social Media der persönliche Kontakt ist.

 

Seit Beginn der Tour hat sich einiges geändert. Reinhold Mitterlehner ist als Parteichef zurückgetreten, Sebastian Kurz ist an seiner Stelle, und wir haben eine Nationalratswahl am 15. Oktober. Wie haben das die Leute aufgenommen?

Ich war einer Neuwahl gegenüber sehr lange skeptisch, da ich der Meinung bin, dass man einen Auftrag, den man übernimmt, auch zur Gänze ausführen soll. Aber unsere Leute und Minister in der Regierung haben gesagt, dass nichts mehr weiterzubringen war. Dann zu sagen, wir bitten euch um eine Entscheidung, war mutig, aber auch richtig und hat das Leadership von Sebastian Kurz aufgezeigt.

 

Was brennt den Oberösterreicherinnen und Oberösterreichern unter den Nägeln?

Nummer eins ist das Thema Arbeitssicherheit. Den Menschen ist wichtig, dass es ausreichend Arbeit gibt und ihre Arbeitsplätze gesichert sind. Ein zweites Anliegen ist das Thema Sicherheit, das natürlich sehr stark von den derzeitigen Ereignissen in Europa geprägt ist. Aber auch im lokalen Bereich ist es den Menschen wichtig, auf öffentlichen Plätzen ein Gefühl von Sicherheit zu haben. Natürlich kommt auch die Asylthematik immer wieder zur Sprache. Wir können nicht grenzenlos Menschen aufnehmen, und es muss gewährleistet sein, dass jene, die bereits im Land sind, unsere Lebensweise annehmen, um ein gutes Mit­einander leben zu können.

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Als bekennender LASK-Fan freut sich Thomas Stelzer über den Meistertitel. (© ÖVP OÖ)

Sie sind nun fast 100 Tage Landeshauptmann. Wie sieht Ihre Bilanz aus?

Die ersten Wochen waren sehr intensiv und ich war auf vielen Terminen unterwegs. Es überrascht mich immer noch, wie viele Menschen auf der Straße auf mich zukommen und mir ihre Anliegen und Ideen mitteilen. Das freut mich. Wir haben aber auch inhaltlich einiges weitergebracht: Wir haben die Schuldenbremse eingeführt und verpflichten uns damit, ohne Schulden neu zu budgetieren. Weiters haben wir die Mindestsicherung im Land neu und nach gerechten Modellen aufgestellt und eine Verwaltungsreform gestartet.

 

Bei Ihrer Antrittsrede sagten Sie, dass Sie Oberösterreich in neue Zeiten führen wollen. Wie werden diese aussehen? Was sind die Schwerpunkte?

Jetzt, wo es uns gut geht, ist der richtige Zeitpunkt da, Änderungen einzuleiten. Denn wenn man erst dann an Änderungen denkt, wenn einen die Not dazu bringt, ist es meistens zu spät oder man hat keine Handlungsfreiheit mehr. Dafür ein Verständnis zu schaffen, ist mir ein großes Anliegen. Außerdem werden wir als Standort Oberösterreich mit Regionen auf der ganzen Welt gemessen. Daher müssen wir Dinge wie das Internet, eine optimale Infrastruktur, Forschung und breitere Bildung rasch vorantreiben.

 

Vor Kurzem posteten Sie auf Facebook ein Foto mit der Familie von einem Ausflug. Wie viel Zeit bleibt Ihnen als Landeshauptmann für die Familie?

Nicht sehr viel, das muss ich ehrlich sagen. Am ehesten kommen wir alle frühmorgens zusammen. Die wenige Zeit, die mir mit der Familie bleibt, versuche ich mir gut einzuteilen und zu reservieren, indem wir zum Beispiel an einem Feiertag einen Kurztrip machen oder indem ich beim Fußballspiel meines Sohnes bzw. beim Geigenkonzert meiner Tochter dabei bin. Die Phase, in der die Kinder mit uns leben, ist sehr kurz und darf man nicht an sich vorbeiziehen lassen.

 

Sie haben einen wichtigen Termin und eines Ihrer Kinder ruft an. Was machen Sie?

Entweder versuche ich, sie schleunigst zurückzurufen, aber noch besser ist WhatsApp, damit kann man auch während Sitzungen schnell reagieren (lacht).

 

Ihre Frau Bettina führt in Steyr ein Unternehmen mit rund 30 Mitarbeitern und ist Vorsitzende von Frau in der Wirtschaft im Bezirk Steyr. Wie viel ist unsere „First Lady“ mit Ihnen auf Terminen unterwegs?

Den Begriff „First Lady“ mag sie gar nicht (lacht). Bettina war auch bisher schon viel mit mir auf Terminen unterwegs, weil es eine gute Gelegenheit für uns ist, zusammen zu sein, und weil wir gleiche Interessen haben. Aber sie hat ihre Verpflichtungen und muss ein Unternehmen führen, da kann man sie nicht überbeanspruchen.

 

Der Sommer steht vor der Tür – ist angesichts der bevorstehenden Nationalratswahl ein Urlaub drinnen?

Wir werden einen Familienurlaub in Kroatien machen.

 

Wie intensiv wird für Sie der Wahlkampf in Oberösterreich?

Natürlich steht Sebastian Kurz im Wahlkampf vorne, da er unser Spitzenkandidat ist. Wir unterstützen ihn im Land und werden die intensive Wahlphase erst nach Schulbeginn im September starten. Da ist rund ein Monat Zeit – ich glaube, dass das genug ist.

 

Ich habe gehört, dass Sie ein Fan von Robbie Williams sind. Werden Sie Ende August eines seiner Konzerte besuchen?

Ja, klar, wir haben schon sehr bald Tickets gekauft und sind in Wien am Konzert.

 

Sie sind auch Fußballfan. Welchen Clubs drücken Sie die Daumen?

Ich bin in Linz aufgewachsen, und seit mich mein Papa das erste Mal ins Stadion mitgenommen hat, bin ich ein LASK-Fan. Deshalb freue ich mich sehr, dass der LASK wieder in der Bundesliga ist. Ich leide aber auch, dass die SV Ried absteigen musste. International beeindrucken mich die Bayern. Das eine oder andere Spiel konnte ich schon live miterleben und muss sagen, es ist schon etwas ganz Besonderes, was der FC Bayern abliefert.

 

Bei Ihrer Angelobung in Wien war Ihre Familie dabei. Was geht einem da durch den Kopf?

Die Angelobung beim Bundespräsidenten war für mich ein ganz besonderes Ereignis. Man merkt, dass man eine ziemlich große Verantwortung übernimmt. In so einem besonderen Augenblick tut es gut, wenn die Familie dabei ist.