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People | 04.11.2014

Kunst macht mich aus

Bei der look!-Gala am 16. Oktober im Wiener Rathaus wurde die englische Künstlerin Alison Lapper mit dem World Artist Award ausgezeichnet. Ihr 14-jähriger Sohn Parys überreichte ihr die Trophäe.

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Ich treffe Alison Lapper im Austria Trend Hotel in Wien zum Interview. Ihre Ausstrahlung lässt einen sofort vergessen, dass die Künstlerin ohne Arme und mit verkürzten Beinen zur Welt kam. Aufgeregt erzählt sie, dass man ihr Gepäck beim Flug von England nach Wien verloren hat. Erst einen Tag später wurden die Koffer geliefert. „Eine mittlere Katastrophe, da wichtige Medikamente und Behelfe im Gepäck waren“, so Alison. Aber what shalls: Aufgeben war nie das Ding der 49-Jährigen. Von der eigenen Mutter im Stich gelassen, wächst Alison in einem Behindertenheim in England auf. Mit 19 Jahren zieht sie nach London, macht den Führerschein, studiert an der University of Brighton und erwirbt 1994 ein Examen erster Klasse in Bildender Kunst. Große Bekanntheit erlangt sie durch die Skulptur „Alison Lapper Pregnant“, für die sie Bildhauer Marc Quinn nackt und hochschwanger Modell gestanden hat. Die Skulptur wurde 2005 am Trafalgar Square in London aufgestellt und sorgte für viel Diskussionsstoff. Im Interview erzählt die beeindruckende Frau, wie sie ihr Leben als Alleinerzieherin mit Sohn Parys meistert. 

Wie haben Sie reagiert, als Sie erfahren haben, dass Sie mit dem Look! World Artist Award ausgezeichnet werden?

Ich konnte es nicht glauben. Ich habe in Athen für die Mund- und Fußmalenden Künstler gearbeitet. Um ein Uhr Früh sah ich das E-Mail, in dem ich von meiner Nominierung erfahren habe. Ich habe mich irrsinnig gefreut und war sehr aufgeregt.

 

Wie war es, als Sie das erste Mal vor „Ihrer“ Skulptur von Marc Quinn standen? 

Es ist einfach unglaublich, wenn man sich selbst in einer derartigen Größe (fünf Meter) sieht. Noch dazu, wo ich ja nicht unbedingt groß bin (lacht). Vergangene Woche meinte man in einer Radiosendung in England, dass ich den bekanntesten Körper Großbritanniens habe. Ich finde das einfach großartig, weil ich nicht die Idealfigur habe. Es ist fantastisch, dass die Skulptur endlich von der Öffentlichkeit anerkannt und geschätzt wird. 

 

Das war aber nicht immer so?

Als damals bekannt wurde, dass die Skulptur am Trafalgar Square aufge-stellt wird, gab es viele böse Kommentare. Ich konnte es anfangs gar nicht glauben, wie über mich gesprochen wurde, aber ich nahm es nicht zu persönlich. 

 

Was ist das Beste, das Sie je in Ihrem Leben erreicht haben?

Mein Sohn. Noch dazu, wo man mir immer prognostiziert hatte, dass ich nie ein Kind haben würde. Und sollte ich schwanger werden, würde ich es nicht schaffen, das Kind auszutragen. Aber ich habe es geschafft und Parys

ist heute 14 Jahre alt. Es war das Schwierigste, was ich je gemacht habe, aber es war auch das Beste. 

 

Wie schwierig war die Zeit für Sie, als Parys ein Baby war?

Ich habe während der Schwangerschaft sehr viel darüber nachgedacht, wie es wohl sein würde, wenn er auf der Welt ist. Aber es ist erstaunlich, wie instinktiv Babys handeln. Parys wusste automatisch, wie er zu meiner Brust gelangen kann und vieles ergab sich einfach von selbst. Sogar die Hebammen waren erstaunt, wie gut er sich an mich angepasst hat und umgekehrt. 

 

Wann begannen Sie sich für Kunst zu interessieren?

Als ich drei Jahre alt war, habe ich mit den Füßen gemalt. Kunst ist für mich wie eine lange Reise, mit dem Ziel, immer besser zu werden. Kunst macht mich aus, und auch wenn ich nicht beeinträchtigt wäre, würde ich wahrscheinlich Kunst machen.

 

Um auf Ihre Schwangerschaft zurückzukommen: Wie haben Menschen darauf reagiert?

Nicht gut. Meine eigene Mutter sagte, dass ich kein Baby bekommen sollte und auch die Gesellschaft reagierte darauf teilweise sehr aggressiv.

 

Sie sind im Heim aufgewachsen. Könnten Sie sich vorstellen, dass Sie sich wie Ihre Mutter entscheiden würden?

Nein, niemals.

Ulli Wright

Strahlefrau: Alison Lapper
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Weltbekannt: Die Skulptur „Alison Lapper Pregnant“ bei der Eröffnung der Paralympics in London
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Strahlefrau: Alison Lapper zu Hause in Shoreham-by-Sea in West Sussex
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Künstlerin: Alison Lapper malt mit dem Mund.
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Freude: Alison Lapper mit Sohn Parys (14) und Uschi Fellner.