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People | 17.06.2020

Kunst als Leidenschaft

Sie hat Kunstgeschichte studiert und einen Teil der Kunstsammlung von Francesca von Habsburg betreut. Seit 2016 lebt und arbeitet die Linzerin Mia Laska als Art Consultant in Los Angeles. Warum es sie ausgerechnet nach Kalifornien verschlagen hat, erzählt die 34-jährige Kunstexpertin im Interview.

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© Chris Singer

Los Angeles war schon immer ein fruchtbarer Nährboden für Kreative, seit einigen Jahren erlebt die Metropole an der Westküste der USA einen ungeahnten Boom. Grund genug für Mia Laska nach L.A. zu übersiedeln. Bereits während ihres Studiums der Kunstgeschichte und Publizistik in Wien hat die gebürtige Linzerin einen Teil der Kunstsammlung von Francesca von Habsburg betreut, das Studio von Eva Schlegel gemanagt und für das Artist Department des Life Balls gearbeitet. Im Vorjahr hat die 34-jährige Oberösterreicherin mit zwei Branchenkennerinnen die Experience Agency TAKE THIS WALTZ mit Sitz in Wien gegründet. 

 

Office am Rodeo Drive. Durch ihre langjährige Erfahrung und beste Connections ist Mia Laska am Kunstmarkt zu Hause. Als Art Consultant hat sie ihre Zelte in einem Office am berühmten Rodeo Drive aufgeschlagen. Der Wiener Fotograf Chris Singer hat die attraktive Linzerin einen Tag lang in Los Angeles begleitet. Uns hat die sympathische Kunstexpertin am Telefon verraten, inwieweit der internationale Kunstmarkt von der Corona-Krise betroffen ist, wie sie mit ihrem Mann, dem Linzer Johannes Ochsner, in L. A. lebt und was sie aus  ihrer Heimat vermisst.  

 

OBERÖSTERREICHERIN: Frau Laska, warum hat es Sie vor vier Jahren ausgerechnet in die kalifornische Hollywood-Metropole verschlagen?

Mia Laska: Die Stadt hatte schon immer eine vitale und faszinierende Kreativszene. Jeder spricht von Hollywood, aber es existiert hier auch eine überwältigende Anzahl an hervorragenden Kunstschulen. Vor einigen Jahren hat ein Hype eingesetzt: Viele Galerien aus New York und auch aus Europa haben hier Zweigstellen eröffnet, um den Künstlern in Los Angeles eine Plattform zu bieten. Aber auch weil hier reichlich Kapital vorhanden ist. Ich persönlich war schon immer viel und gerne im Ausland unterwegs. Als Teenager habe ich ein Jahr lang in Argentinien gelebt, später in New York und São Paulo. Damals hat sich die Aufmerksamkeit der Kunstwelt stark auf L. A. gerichtet, das fand ich spannend und wollte ein Teil davon sein.

 

Was gefällt Ihnen an Los Angeles und wie leben Sie?

Mein Mann und ich leben in einem kleinen Haus direkt am Meer. Die Stadt ist sehr weitläufig und man hat viel Platz. Dadurch sind jedoch auch die Distanzen enorm weit und man verbringt viel Zeit im Auto. Landschaftlich gesehen ist die Gegend rund um Los Angeles äußerst vielfältig. Meer, Berge und Wüste sind in unmittelbarer Umgebung und man könnte theoretisch an einem Tag Ski fahren und surfen gehen. Kulturell gesehen ist die Stadt ein riesiger Melting Pot, in dem die verschiedensten Kulturen aus der ganzen Welt zusammenkommen. Besonders schön sind auch das tolle Licht und die sensationellen Sonnenuntergänge. Ironischerweise ist es die schlimme Luftverschmutzung, welche die Farben so strahlen lässt.  

 

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© Chris Singer

Wie ist durch das Coronavirus aktuell die Situation in L. A.?

Die Ausgangsbeschränkungen sind sehr streng und es wird gemunkelt, dass sie noch länger andauern werden. Für uns ist es nicht so schlimm, weil wir von zu Hause aus arbeiten können. Für viele Amerikaner ist es sicher bedeutend schwieriger. Aufgrund der äußerst schwachen sozialen Strukturen ist die Krise oft existenzbedrohend, allerdings werden solch schwierige Situationen auch als Chance wahrgenommen. 

 

Sie arbeiten als Art Consultant. Können Sie uns beschreiben, wie Ihre Tätigkeit genau aussieht?

Mein Job ist sehr vielseitig. Einerseits arbeite ich eng mit jungen Künstlern zusammen, um ihnen einen guten Start in den Kunstmarkt zu verschaffen. Andererseits berate ich Kunstsammler bezüglich eben dieser jungen Kunstszene. Ich suche und finde, vermittle, positioniere und unterstütze beim Kauf und etwaigen Wiederverkauf. Ich kümmere mich darum, dass die Arbeiten professionell installiert oder sicher gelagert werden. Ebenso verwalte ich hinter den Kulissen viele private Archive. 

 

Wovon hängt es ab, ob ein Künstler bei Sammlern ankommt und seine Werke gekauft werden?

Es kommt natürlich immer auf den individuellen Geschmack des Sammlers an. Um am Kunstmarkt erfolgreich zu sein, braucht ein Künstler vor allem Talent, aber auch Durchhaltevermögen und ein bisschen Glück. Das Zusammenspiel von Kuratoren, Galerien und Sammlern, aber auch Kritikern und Art Consultants ist für den individuellen Erfolg eines Künstlers nicht zu unterschätzen.  

 

Gemeinsam mit einem Partner in Beverly Hills handeln Sie auch mit hochkarätigen Kunstwerken, oft im Wert von mehreren Millionen Dollar. Wie darf man sich das vorstellen?

Im Vergleich zum Primary Market der Galerien, bei dem die Kunstwerke meistens direkt aus dem Atelier kommen, ist der finanzkräftige Secondary Market sehr stark auf Kunst als Investment fokussiert. Hier sind wir tätig und vermitteln zum Beispiel zwischen zwei Sammlern. Wir beraten unsere Kunden, wie sie ihr Vermögen in Kunst investieren können, aber auch inhaltlich, wenn sie eine neue Sammlung anlegen oder ihre existierende neu strukturieren möchten. Mein Partner ist Amerikaner, selbst begeisterter Kunstliebhaber und Sammler mit einem sehr guten Kundennetzwerk, nicht nur in Beverly Hills. Durch meine langjährige und internationale Tätigkeit kenne ich den Markt sehr gut und weiß, wo welche Arbeiten zu bekommen sind. Der Kunsthandel ist ein diskretes Geschäft, die wertvollsten Assets sind heiß umkämpft. 

 

 

 

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© Chris Singer

Was mögen Sie an Ihrem Beruf und welche Eigenschaften brauchen Sie dafür?

Mein Beruf ist sehr abwechslungsreich, oft bin ich an einem Tag Beraterin, Managerin, Pressesprecherin, Therapeutin und Handwerkerin in einem. Ich bin ständig im Austausch mit sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten aus verschiedenen Welten. Das macht mir Spaß und gibt mir Energie. Als Art Consultant muss man vor allem neugierig, gut organisiert, flexibel, spontan, diskret und sehr gründlich in der Recherche sein. Außerdem braucht man ein gutes Gespür für Menschen und natürlich auch für Kunst.

 

Sie haben in Wien Kunstgeschichte und Publizistik studiert. Woher rührt Ihr Interesse für Kunst?

Meine Eltern sind sehr kunstaffin und haben meinen Bruder und mich von Kindesbeinen an in Galerien und Museen mitgenommen. Sie sind mit vielen Künstlern befreundet und wir durften oft in deren Studios und bei Festen mit dabei sein. Was das Studium betrifft, so habe ich anfangs eher zum Journalismus tendiert. Dann habe ich allerdings neben des Studiums in der Christine König Galerie in Wien zu arbeiten begonnen und war viel in der Szene unterwegs, dadurch ist meine Entscheidung relativ rasch auf den Kunstbereich gefallen.

 

Sind Sie selber auch aktiv als Künstlerin tätig?

(Lacht) Nein, das überlasse ich lieber den anderen.  

 

Im Vorjahr gründeten Sie mit zwei weiteren Branchen-Kennerinnen in Wien die Experience Agency Take this Waltz. Was bieten Sie genau an?

Wir bieten zum einen komplett durchorganisierte Reisen, aber auch einzelne Events, die unsere Kunden direkt an die Quelle der Kunst- und Kulturproduktion bringen. Durch unsere Expertise und unser Netzwerk verstehen wir uns als Door-Opener und teilen mit unseren Kunden den exklusiven Blick hinter die Kulissen. Wir gewähren Eintritt in private Künstlerstudios und Sammlungen, Design-Ateliers, Werkstätten jahrhundertealter Traditionsbetriebe, aber auch in die Küchen Österreichs bester Köche. Unsere Experiences bewegen sich abseits des Mainstreams, sind im Netz so sonst nicht zu finden und normalerweise nur einem sehr ausgewählten Kreis vorbehalten. Wir bringen Kunstinteressierte aus aller Welt an Plätze, wo Kunst und Kultur tatsächlich stattfinden. 

 

Wie läuft die Agentur?

Das erste Jahr nach der Gründung ist sehr gut angelaufen. Durch Corona  mussten wir leider einige Veranstaltungen und Reisen absagen beziehungsweise verschieben. Unsere Kunden sind jedoch positiv gestimmt und wir werden vieles hoffentlich im Herbst und Winter nachholen können. Der Bedarf an besonderen und persönlichen Erlebnissen ist jedenfalls vorhanden.  

 

Wie sehr ist der internationale Kunstmarkt von den Einschränkungen durch das Coronavirus betroffen?

Die aktuelle Krise hat den Kunstmarkt schwer getroffen. Zurzeit verlagert sich vieles auf den Onlinebereich. In unserer Branche geht es jedoch sehr oft um den persönlichen Austausch und es macht natürlich einen Riesenunterschied, ob man ein zwei Meter großes Bild live oder nur digital am Bildschirm sieht. Es ist allgemein sehr spannend, wie sich die Dinge entwickeln werden, sowohl kreativ als auch wirtschaftlich. Kunst ist in dieser Liga ja schon ein Luxusprodukt. Ich denke, dass sich durch die Krise die Spreu vom Weizen trennen wird. Gute Künstler und gute Galerien werden es überstehen und sogar gestärkt daraus hervorgehen.