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People | 05.09.2018

Krebs und ein Baby im Bauch

Während der Schwangerschaft erhält die Innviertlerin Lydia Hargassner die Diagnose Blasenkrebs. Am 26. April 2018 kommt Söhnchen Raphael gesund zur Welt. Der Leidensweg einer jungen Frau, die nicht aufgibt und sich ihrem Schicksal mutig stellt.

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Lydia Hargassners Freundin, die Fotografin Eva Maria Wöckl, hat die Geburt von Raphael auf wunderschönen Fotos festgehalten. (© Eva Maria Wöckl)

Ich besuche Lydia Hargassner zu Hause in Aurolzmünster. Mit strahlendem Lächeln und einem flotten Kurzhaarschnitt kommt mir die junge Mutter lächelnd im Stiegenhaus entgegen. In der Wohnung erwarten mich ihr Mann Andreas, der dreijährige Samuel und Baby Raphael. Auch Schwiegermutter Theresia und ihre Freundin, die Fotografin Eva Maria Wöckl, sitzen rund um den Esstisch. Was anfangs von den Ärzten als Blasenentzündung diagnostiziert wurde, stellte sich nach sechs Wochen als aggressiver Blasenkrebs heraus. Ihrer eigenen Intuition und Hartnäckigkeit ist es wahrscheinlich zu verdanken, dass Lydia Hargassner heute am Leben ist.

Blutstöcke im Urin. Nachdem sie ein paar Monate zuvor ein Kind verloren hatte, freute sich Lydia Hargassner Ende 2017, wieder schwanger zu sein und ihrem dreijährigen Söhnchen Samuel ein Geschwisterchen schenken zu können. Aber ab der sechsten Schwangerschaftswoche fühlt sich die 35-jährige Innviertlerin schlapp und müde, und neben der Übelkeit hat sie ständig das Gefühl, krank zu sein. „Da meine erste Schwangerschaft mit Samuel absolut komplikationslos verlief, machte mich das misstrauisch“, erzählt Lydia Hargassner. Der Schock sitzt tief, als sie in der 26. Schwangerschaftswoche Blutstöcke im Urin entdeckt. Sofort fährt sie ins Krankenhaus, wo sie nach einer Blasenspiegelung mit der Diagnose Blasenentzündung wieder nach Hause geschickt wird. Eine Woche später bemerkt sie wieder eine große Menge Blut im Urin und fährt erneut ins Krankenhaus, dieses Mal in ein anderes.

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Lydia Hargassner und Baby Raphael mit Chefredakteurin Ulli Wright (© Eva Maria Wöckl)

Gutartiger Tumor. „Ich wusste und spürte, dass etwas nicht stimmte“, schildert Lydia. Im Krankenhaus wird erneut eine Blasenspiegelung gemacht. Dieses Mal sieht man allerdings ganz deutlich, dass sich in der Blase ein Papillom (gutartiger Tumor, Anm. der Redaktion) befindet. „Im Krankenhaus meinte man, dass dieses Papillom erst nach Ende der Schwangerschaft operativ entfernt werden sollte. An Blasenkrebs hat damals niemand gedacht“, erinnert sich Lydia. Vor allem auch deshalb nicht, weil sie keine Risikopatientin war. Denn an Blasenkrebs erkranken in erster Linie ältere Menschen, starke Raucher oder Menschen, die beruflich viel mit Giftstoffen zu tun haben. „All das traf bei mir nicht zu“, schildert Lydia. 

Hochzeit vorverlegt. Dennoch lässt ihr diese Diagnose keine Ruhe. Nach dem Termin im Krankenhaus beginnt sie, ihre Angelegenheiten zu regeln. Sie erkundigt sich, ob ihr Mann und die Kinder Anspruch auf Witwer- bzw. Waisenpension haben, auch die standesamtliche Hochzeit wird vorverlegt. Und ihr Gefühl gibt ihr recht: Als sie erneut Blut im Urin vorfindet, fährt sie wieder ins Krankenhaus, wo man ihr Antibiotika verschreibt. Schließlich sucht sie den Rieder Urologen Gerhard Hermandinger auf. Ein großes Glück, wie sich später herausgestellt. „Dr. Hermandinger hat mir mit Sicherheit das Leben gerettet. Er hat bei der Untersuchung auf der Blase ein Gewächs gesehen und sofort Alarm geschlagen. Um eine Gewebeprobe zu erhalten, wurde ein Teil des Tumors abgetragen und untersucht. Am 28. März erhält Lydia in der 32. Schwangerschaftswoche dann die niederschmetternde Diagnose: bösartiger Blasenkrebs. Man schlägt der jungen Frau vor, das Baby in der 36. Schwangerschaftswoche mit einem Kaiserschnitt zu holen und gleichzeitig den Tumor zu entfernen.

Recherchen im Internet. Lydia Hargassner findet keine Ruhe mehr und googelt ausführlich über Tumore auf der Blase. Dabei stößt sie auf den Tiroler Urologen Hannes Steiner. „Der renommierte Wahlarzt ging damit nicht konform, das Baby per Kaiserschnitt zu holen und gleichzeitig den Tumor zu entfernen, und meinte: Wenn Sie meine Frau wären, würde ich diese Behandlungsart nicht zulassen. Die Blase muss raus.“ Nach diesem Gespräch war Lydia klar, dass Blase, Gebärmutter und alles andere, was zur Genesung nötig ist, entfernt werden muss. „Dozent Dr. Steiner hätte mich auch operiert, allerdings gibt es am Sanatorium Kettenbrücke keine Neonatologie, und da Raphael als Frühgeburt geplant war, war eine Operation dort nicht möglich“, so Lydia.

 

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Lydia und ihr Mann Andreas mit Baby Raphael (© Eva Maria Wöckl)