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People | 04.05.2015

Körpersprache: Bewegung macht attraktiv

Verschränkte Arme, zusammengepresste Lippen oder nach innen zeigende Fußspitzen: Jeder Mensch spricht mit seinem Körper. Unbewusst und ständig. Stefan Verra, der „Rockstar“ der Körpersprache, verrät im Interview, wie man diese Zeichen entschlüsselt und warum ein Ziegelstein interessanter sein kann als eine nackte Pamela Anderson.

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"Jeder Mensch spricht in jeder Situation mit seinem Körper." (© Severin Schweiger)

Herr Verra, wir führen unser Interview am Telefon. Wie fühlt sich das für Sie als Experten für Körpersprache an, wenn Sie weder mich noch meine Reaktionen sehen können?

Gleich wie für Sie! Unsere Gehirne funktionieren nämlich gleich. Sie nehmen Informationen über die fünf Sinne auf. Die Augen sind dabei der aufnahmestärkste Kanal. Sie nehmen mehr Informationen auf als alle anderen Sinne zusammen. Unser Gehirn trickst uns deshalb aus, wenn wir einander nicht sehen. Wir machen uns also ein Bild im Kopf und stellen es uns ganz einfach vor. 

 

Ihr aktuelles Programm, mit dem Sie Mitte Mai auch nach Linz kommen, heißt „Ertappt! Körpersprache: Echt männlich. Richtig weiblich“. Gibt es Unterschiede in der Körpersprache zwischen Mann und Frau?

Grundsätzlich gibt es eine menschliche Körpersprache, die bei Mann und Frau gleich ist. Allerdings haben sich im Laufe der Evolution durchaus Unterschiede entwickelt. Das heißt: Ein paar der bekannten Klischees stimmen einfach. Männer sind aggressiver und beanspruchen mehr Territorium für sich. Sie streiten auch öfter mit anderen Männern. Das hat damit zu tun, dass sie früher jagen und verteidigen mussten. 

 

Gibt es etwas, das Männer körpersprachlich besser machen als Frauen?

Ein Tipp für Frauen, die in einem Unternehmen erfolgreich als Alphatier gesehen werden wollen: Sie müssen die gleichen Signale aussenden, die ein männliches Alphatier aussendet. Und das sind Signale, die Sicherheit versprechen. Eine gerade Körperachse zum Beispiel. Frauen tendieren oft dazu, mit einem Bein eingeknickt zu stehen und den Kopf etwas seitlich zu halten. Damit wirken sie zwar attraktiver und sympathischer, gleichzeitig machen sie sich so aber kleiner und verletzlicher. 

 

Und umgekehrt?

Frauen in jeder Kultur dieser Erde lächeln viel öfter als Männer. Da geht es anfänglich gar nicht um Sympathie, sondern um das Signal: „Ich bin nicht gefährlich“. Und wenn man mit Menschen leicht in Kommunikation treten möchte, ist es wichtig, im ersten Moment nicht als gefährlich zu wirken.

 

Körpersprache bestimmt unseren Alltag mehr, als wir glauben. Hat das damit zu tun, dass jeder unbewusst mit seinem Körper spricht?

Jeder Mensch spricht in jeder Situation mit seinem Körper. Sinngemäß möchte ich Aristoteles zitieren: „Wenn wir aufhören, mit unserem Körper zu kommunizieren, dann leben wir nicht mehr.“ Das bedeutet: Bewegung wirkt lebendig! Stocksteif dazustehen wirkt unattraktiv auf andere. Bewegung schenkt man auch mehr Beachtung. Ein Ziegelstein zum Beispiel ist per se nicht unbedingt interessant. Wenn er aber in ein Meter fünfzig Höhe auf einen zufliegt, wird man nur noch Augen für diesen gebrannten Tonklumpen haben – selbst wenn Pamela Anderson nackt neben einem steht. Leider haben viele Erwachsene natürliche Bewegung, Gestik und Mimik verlernt. Weil sie Angst haben, dann nicht mehr perfekt zu wirken. Doch genau das macht unnahbar. 

 

Sie schreiben in Ihrem Buch, dass wir innerhalb einer Viertelsekunde einen anderen Menschen eher positiv oder negativ einschätzen. Wirkung komme immer vor dem Wort. Was kann man tun, wenn man den ersten Eindruck versemmelt hat? Ist da überhaupt noch was zu retten?

Man kann schon retten. Zwar fällt die erste Entscheidung, noch bevor das Bewusstsein dazu geschaltet wird. Aber wir Menschen haben im Gegensatz zu den Tieren ein Bewusstsein mitbekommen, und mit dem können wir den ersten Eindruck sehr wohl revidieren. Allerdings ist es wahnsinnig schwer. Darum kann ich nur jedem empfehlen: Wer im ersten Moment gut ankommt, tut sich auch nachher wesentlich leichter.

 

Buchtipp:

„Hey, dein Körper spricht! Worum es bei Körpersprache wirklich geht“, Stefan Verra, Edel Verlag, 15,40 Euro

Wenn Sie Stefan Verra und sein Programm „Ertappt! Körpersprache: Echt männlich. Richtig weiblich“ live erleben möchten: Montag, 11. Mai, und Mittwoch, 9. Dezember, jeweils 20 Uhr, Festsaal Neues Rathaus Linz. 

Karten: www.oeticket.com