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People | 28.10.2015

Kitschig-grindig, laut und wüd

Fotzhobl musizieren und singen, wie ihnen der Mund „gwoxn“ ist. Am 9. Oktober wird ihr neues Album „Kokolores“ releast. Wir haben sie zum Talk gebeten.

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Die Fünf Jungs von "Fotzhobl" (© Stefan Wolfsteiner)

Fotzhobl steht für die musikalischen Mundartkreationen von fünf Burschen zwischen 25 und 33 Jahren, die ihren Musikstil als „Goschnrock“ bezeichnen. Einen „Fotzhobl“ (zu Hochdeutsch Mundharmonika) spielt keiner in dem Quintett. Dass sich die fünf textlich kein Blatt vor den Mund nehmen, beweisen sie erneut mit ihrem neuen Album „Kokolores“, das am 9. Oktober releast wird. Wir haben Jörg Grubmüller (Gesang), Max Hauer (Klavier, Gitarre), Clemens Meißl (Gitarre), Hannes Engl (Bass) und Florian Brandstetter (Schlagzeug) zum Talk im Kulturzentrum Hof in Linz getroffen, wo sich auch der Proberaum der Band befindet. 

Seit wann gibt es Fotzhobl schon? Wie ist es zur Gründung gekommen – und zum eigentümlichen Namen? 

Uns gibt es seit 2007. Wir hatten davor schon alle in einer Band gespielt. Auf der Party eines Freundes kamen wir zusammen, spielten Cover-Lieder, und es hat gut gepasst. Später haben wir uns wieder getroffen und beschlossen, dass wir gemeinsam eigene Musik machen wollen. Es war dann auch relativ schnell klar, dass unsere Texte in Mundart sein sollen. Für unseren Texter Jörg ist es einfacher, sich darin auszudrücken. 

Zum Bandnamen: Wir wollten einen Namen, der etwas mit Musik zu tun hat, und da „Schneizhodern“ – unsere zweite Wahl – nichts damit zu tun hat, entschieden wir uns für „Fotzhobl“. (Lachen)

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Das Cover der neuen CD "Kokolores"

Ab 9. Oktober gibt es euer neues Album „Kokolores“ zu kaufen. Was erwartet die Hörer?

Die Hörer erwartet bei diesem Album das erste Mal der Schritt in ein Genre hinein. Bei unseren vorigen Alben haben wir immer ein wenig herumexperimentiert, haben Balladen, Punk- und Rocknummern aufgenommen. Live taugt uns das aber gar nicht. Wir wollten also ein Album, das mehr livetauglich ist und rockiger. Unseren Stil würde ich als Goschnrock bezeichnen. Das Album ist sehr roh – im positiven Sinne. 

Jörg: Was die Texte betrifft, ist das ganz unterschiedlich. Da gibt es kein Konzept, ich schreibe immer über das, was uns gerade beschäftigt. Ganz spontan und ungeplant.

 

In eurem Pressetext ist zu lesen: „Kokolores“ erkundet „das Österreichische mit der adäquaten Grundhaltung: raunzend-rau, kritisch-grindig, laut und wüd“. Die typischen Klischees über Österreicher?

Österreicher raunzen schon sehr gerne. Das ist etwas typisch Österreichisches. Wir sind schon gesellschaftskritisch in unseren Texten und auch politisch, aber auch selbstkritisch, es ist also keine direkte Kritik an Österreich. Wir sind keine Fans von Dinge-aufs-Auge-Drücken, man soll die Leute mit den Texten eher zum Denken anregen, dass sie auf gewisse Dinge selber draufkommen.

 

Im Video zum neuen Song „So Wos Von Do“ sieht man euch als Cheerleader. Zwei von euch sind ja Teil der ersten und einzigen männlichen Cheerleader-Formation Österreichs, der „Fearleaders“. Wie seid ihr darauf gekommen?

Die Fearleaders gibt es seit 2012. Wir haben uns im Rahmen des Vienna Roller Derbys entwickelt. Roller Derby ist ein brutaler, feministischer, punk-rockiger Frauensport, der aus Amerika kommt. Die Fearleaders sind die offiziellen Chear­leader der Vienna Roller Girls, das heißt, während sich die Mädels niederrempeln, schwingen wir unsere Hüften (lachen). Wir tauschen die Geschlechterrollen. Das Video gibt es übrigens auf YouTube zu sehen. 

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Die Fearleaders in Action. (© Jakob Schrödel)

Wie reagieren die Leute auf euch? Belustigt? Ohne euch nahetreten zu wollen, aber Cheerleader sind ja doch normalerweise zum großen Teil weiblich und sexy … 

Wir sind sexy und tragen sexy Klamotten – oder willst du uns beleidigen? (Lachen) Aber im Ernst, die Reaktionen waren bisher durchwegs positiv. Alle, die uns gesehen haben, finden die Idee super und cool, was wir machen. Auch wenn die Fearleaders sicher einen witzigen Aspekt haben, es soll keine reine Belustigung sein. Wir sind das, was Cheerleading sein soll: Unterhaltung pur. 

Die Fearleaders unter euch sind natürlich gute Tänzer und Bewegungstalente. Tanzt ihr auch bei euren Konzerten oder rockt ihr da ganz „klassisch“ die Bühne? 

Klar, wir können tanzen und machen richtige Choreographien, auch sehr akrobatische, wie etwa die klassischen Pyramiden, die jeder aus dem Cheerleading kennt. Auf der Bühne als Fotzhobl tanzen wir allerdings nicht. (Lachen)

 

Was sind eure Brotberufe? 

Chillen! (Lachen) Nein, also wir haben alle ganz unterschiedliche Berufe, vom Krankenpfleger über den Bauern oder Bewegungs-Designer bis hin zum Gymnasiallehrer für Sport … Die Fotzhobl und auch die Fearleaders sind unser Hobby und unsere Leidenschaft, aber ich weiß gar nicht, ob wir das überhaupt hauptberuflich machen wollen würden. Es ist ja schön, wenn man ein Hobby hat, das man nicht zum Beruf machen muss. 

 

www.fotzhobl.at

www.facebook.com/FearleadersVienna

www.facebook.com/Fotzhobl