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People | 21.05.2018

Keine Zeit für Partys

Während sich viele ihrer Altersgenossinnen in „extreme couching“ üben, brilliert die 18-jährige Sarah Lagger gleich in sieben Disziplinen.

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Siebenkämpferin Sarah Lagger (© Christian Hofer, Backaldrin)

Wir haben mit einer der erfolgreichsten Siebenkämpferinnen Österreichs, die für das Kornspitz Sport Team regelmäßig Rekorde bricht, über den inneren Schweinehund und andere Motivationskiller gesprochen.

 

Sarah, lass mich raten, Sport ist sicher dein Lieblingsfach in der Schule, oder?

Sarah Lagger: Ja, das ist es. Aufs Training freu ich mich noch mehr als auf die Pausenglocke. (lacht)

 

Wann und wie bist du zum Siebenkampf gekommen?

Meine Eltern und ich waren in meiner Volksschulzeit auf der Suche nach einer Sportart, bei der ich mich auspowern konnte. Zu Hause kletterte ich auf Bäume und lief herum, ohne wirklich müde zu werden. Mein heutiger Trainer Georg Werthner führte 2008 Tests in meiner Schule durch, dabei fiel ich durch meine Schnelligkeit auf. Von da an ging ich regelmäßig ins Training und nahm an vielen Kinderzehnkämpfen teil. Dadurch bin ich dann auch zum Siebenkampf gekommen.

 

Bleibt neben Schule und Training noch Zeit für anderes?

Es kann schon ziemlich stressig sein, aber ich schaue immer, dass auch Zeit für Familie und Freunde bleibt. Ein zusätzliches Hobby geht sich aber nicht mehr aus. An den Wochenenden schlafe ich mich richtig aus, um mich vom Training zu erholen. Da bleibt dann meistens keine Zeit für Partys. Nach den wichtigen Wettkämpfen im Sommer bleiben dann immer ein paar Wochen, wo ich viel mit Freunden unterwegs bin und meine Ferien genieße.

 

Kennst du eigentlich auch diesen berühmten inneren Schweinehund, der einen mit aller Gewalt auf die Couch zwingen möchte?

(lacht) Ja, den kenne ich natürlich. Besonders in stressigen Schul- oder harten Trainingswochen möchte man manchmal einfach nur faul im Bett liegen und schlafen. Dann denke ich immer an meine Ziele und warum ich jetzt aufstehen muss – und gehe trainieren. Wenn ich dann fertig bin, fühle ich mich gut, weil ich meinen inneren Schweinehund besiegt habe.

 

Ich nehme an, Disziplin brauchst du auch, was deine Ernährung betrifft?

Natürlich kann ich nicht alles essen,  was ich will, vor allem, was Süßigkeiten betrifft, muss ich mich zurückhalten. Gewicht spielt in meiner Sportart schon eine Rolle. Da ist es wichtig, ab und zu auf die Waage zu steigen und, wenn es sein muss, ein bisschen abzunehmen. Zum Glück mag ich gesunde Sachen wie Gemüse, Hülsenfrüchte oder Obst sehr gerne.

 

Gerade im Bereich Ernährung gibt es viele Mythen. Woran orientierst du dich in der Frage, was auf den Teller kommt?

Ich habe keinen speziellen Ernährungsplan, sondern versuche, mich möglichst ausgeglichen zu ernähren. Meistens esse ich das, was mir gerade schmeckt und worauf ich Lust habe. Meine Mama kocht sehr gut, vielfältig und verwendet viele regionale Produkte. Wenn ich mir unterwegs etwas zu essen kaufe, ist Fast Food für mich eigentlich nie eine Option. Auch Nahrungsergänzungsmittel verwende ich nicht.

 

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Spaß am Sport ist die Hauptantriebsfeder für die 18-jährige Leichtathletin Sarah Lagger. (© Christian Hofer, Backaldrin)

Wie gehst du mit dem Druck um, der sicher vor Wettkämpfen spürbar wird?

Kurz vor großen Wettkämpfen gehe ich oft in den Wald oder einfach in die Natur. Irgendwohin, wo ich ganz alleine bin und mich entspannen kann. Dann imitiere ich die sieben Disziplinen und gehe den Wettkampf im Kopf durch. Oder manchmal lege ich mich einfach in eine Wiese und höre Musik. Auch das Reden mit Vertrauenspersonen hilft mir dabei, mit dem Druck umzugehen.

 

Bist du bei Wettkämpfen nur auf deine Leistung konzentriert oder spielt dein Aussehen dabei auch eine Rolle für dich?

Meine Leistung steht immer im Vordergrund, aber natürlich ist es mir, gerade bei größeren Wettkämpfen, schon wichtig, wie ich ausschaue. Wenn ich mich auf einen Wettkampf vorbereite, mache ich mir Gedanken darüber, was ich anziehe und wie ich aussehe. Dadurch fühlt man sich auch wohler. Spätestens nach dem 800er sehe ich aber ziemlich k. o. und im Gesicht eher wie eine Tomate aus – da hilft auch das beste Make-up nichts. (lacht)

 

Du hast schon große Erfolge gefeiert. Welche Ziele steckst du dir für die Zukunft?

Das Wichtigste für mich ist, dass ich verletzungsfrei bin, mich kontinuierlich steigere und Spaß daran habe. Dieses Jahr werde ich beim Hypomeeting in Götzis starten und dann im Juli bei den U20 Weltmeisterschaften in Tampere in Finnland um die Medaillen mitkämpfen. Das große Ziel ist, 2020 bei den Olympischen Spielen in Tokio dabei zu sein.

 

Strebst du eine Karriere im Spitzensport an oder hast du einen anderen Berufswunsch?

Kommendes Jahr werde ich meine Matura machen. Danach will ich zum Heeressport und mich auf den Sport konzentrieren. Nebenbei möchte ich aber auf jeden Fall studieren.


INFO:

Der Siebenkampf (100-Meter-Hürdenlauf, Hochsprung, Kugelstoß, 200-Meter-Lauf, Weitsprung, Speerwurf, 800-Meter-Lauf) ist eine olympische Leichtathletikdisziplin der Frauen. Das Pendant bei den Männern ist der Zehnkampf.