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People | 02.05.2018

Keine Angst vor null Punkten

Cesár Sampson wird Österreich in zwei Wochen beim Eurovision Song Contest vertreten. Wir haben mit dem äußerst sympathischen 34-Jährigen über seinen Weg in die erste Reihe gesprochen.

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Cesár Sampson ist unser Mann in Portugal. Im ersten Semifinale des Eurovision Song Contest singt er am 8. Mai live in Lissabon um einen Platz im Finale. (© ORF/Thomas Ramstorfer)

Der Eurovision Song Contest (ESC) und alles, was dazugehört, ist für Cesár Sampson nichts Neues. Er war in den vergangenen Jahren sowohl als Produzent als auch als Background-Sänger bereits dabei. Neu ist, dass der gebürtige Linzer in diesem Jahr selbst in der ersten Reihe auf der Bühne stehen wird. Mit seinem Song „Nobody but you“ wird er Österreich vertreten. Wir haben mit dem äußerst sympathischen 34-Jährigen vorab gesprochen – über seinen Weg, seine Liebe zur Musik und wie sehr ihn seine Zeit als Sozialarbeiter geprägt hat.

 

Wie geht es Ihnen? Steigt die Anspannung bereits?

Cesár Sampson: Nein, im Gegenteil, meine Anspannung sinkt. Je mehr wir vorbereitet haben und je klarer alles wird, desto besser fühlt es sich für mich an. Es sind ja immer die unbekannten Variablen, die Nervosität bewirken (lächelt).

 

Sie sind kein unbekanntes Gesicht beim ESC und waren bereits als Produzent und Background-Sänger dabei. Wann haben Sie gewusst, dass Sie beim nächsten Mal gern in der ersten Reihe stehen möchten?

Ich bin immer wieder darauf angesprochen worden. Ich habe es lächelnd als Kompliment angenommen, aber es noch nicht für notwendig empfunden, tatsächlich in der ersten Reihe dabei zu sein. Nach dem Song Contest 2016 wurde ich dann konkret vonseiten des ORF gefragt – allerdings war das knapp vor der Deadline für die Länderausscheidung. Das ist sich zeitlich nicht ausgegangen, und so war ich im Vorjahr wieder im Produktionsstab für drei Länder. Als dann der Portugiese gewonnen hat und wir mit unserem Lied für Bulgarien sensationeller Zweiter geworden sind, war für mich klar, dass ich in Portugal gern als Sänger dabei sein möchte. Ich habe in diesem Land meine magischsten Konzerte erlebt und in dieser Hinsicht bin ich wohl sehr abergläubisch (lacht).

 

Was macht Ihr Lied „Nobody but you“ so besonders?

Ich hatte bei diesem Song nie das Gefühl, einen Kompromiss eingehen zu müssen. Oft ist es ja so, dass man Abstriche machen und einen Weg finden muss – zwischen dem, was einem persönlich taugt, und dem, was sozusagen auch der Masse gefällt. Die Frage, wie man das am besten vereinen kann, hat sich bei „Nobody but you“ nie gestellt. Der Song vereint ungewöhnliche und poppige Elemente, das ist also kein Widerspruch.

 

Und trotzdem ist es immer wieder so, dass an und für sich gute Lieder beim ESC schlecht abschneiden ...

Na ja, das hat immer auch damit zu tun, wie man Erfolg definiert. Bei Songs, die ich im Vorfeld als gut empfunden habe und die keine Fehler in der Produktion oder Performance gemacht haben, ist es noch nie passiert, dass sie schlecht abgeschnitten hätten. Da sollte immer ein guter Platz drinnen sein.

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Mit seinem Song „Nobody but you“ geht Cesár Sampson beim Eurovision Song Contest für Österreich an den Start. (© ORF/Roman Zach-Kiesling)

Spüren Sie vielleicht unbewusst die Befürchtung, mit null Punkten nach Hause zu gehen?

Nein, daran habe ich nicht eine Sekunde gedacht!

 

Beim Gedanken an das Millionen-Publikum beim ESC: Werden Sie da ein bisschen nervös oder freuen Sie sich darauf?

Ich mache das schon sehr lange und habe viel Erfahrung auf der Bühne. Die Anzahl der Menschen im Publikum hat noch nie negative Reaktionen bei mir hervorgerufen. Ich sehe das Millionen-Publikum als Pluspunkt. Und ich glaube, dass ich es als unangenehmer empfinden würde, wenn ich in einem kleinen Kämmerchen vor zwei Leuten singen müsste, die mir direkt ins Gesicht starren ... (lacht).

 

Im Internet kann man sich bereits sämtliche Beiträge der anderen ESC-Teilnehmer anschauen und anhören. Wissen Sie, was die Konkurrenz bringen wird oder lassen Sie sich überraschen?

Als terminlich noch weniger bei mir los war, habe ich es mitverfolgt und mir die ersten 15 Länder angehört. Irgendwann ist aber der Punkt gekommen, an dem ich keine Zeit mehr dafür hatte. Als ich im Vorjahr als Produzent dabei war, habe ich mich intensiv informiert, und oft war es so, dass ein Song live dann völlig anders geklungen hat als die Studioaufnahme. Oder umgekehrt ein Song live positiv überrascht hat.

 

Wie gehen Sie mit Ihrem steigenden Bekanntheitsgrad um? Können Sie noch unerkannt durch Wien spazieren?

Mittlerweile ist es so, dass ich jeden Tag zwischendurch irgendwo Selfies mit Menschen mache, die mich erkennen. Aber die Österreicher sind da sehr taktvoll und gesittet. Das war noch nie unangenehm für mich.

Auf der Eurovision-Webseite werden Sie als „harter Typ mit zarter Stimme“ beschrieben. Sehen Sie sich selbst auch so?

(lacht auf) Tatsächlich? Also, ich würde mich überhaupt nicht als harten Typen beschreiben, aber vielleicht haben sie damit meine Muskeln gemeint? (lacht wieder) Ich würde mich selbst als ausgeglichen zwischen extrovertiert und introvertiert sehen, ich bin weder demonstrativ hart noch ein Weichei. Um Musik machen zu können, muss man allerdings auch sensibel sein.

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Unser Mann in Portugal: smart, sympathisch und mit viel Bühnen-Erfahrung (© ORF/Thomas Ramstorfer)

Sie kommen aus einer Künstler-Familie. War für Sie schon immer klar, dass Sie beruflich auch in Richtung Musik gehen werden? Wie findet man da seinen eigenen Weg?

Tatsächlich komme ich aus einer Musiker-Akademiker-Familie. Lediglich meine Mutter und mein Vater sind Künstler, alle anderen sind hauptsächlich Ärzte geworden. Ich bin da schon reingerutscht, lange bevor ich darüber nachdachte, was ich beruflich einmal machen möchte. Mein Skill-Set war also relativ klar definiert. Nach zehn Jahren Bühnenerfahrung habe ich dann mal eine Pause für mich eingelegt. Ich habe als Sozialarbeiter mit Jugendlichen und Menschen mit Behinderungen gearbeitet und zusätzlich mein Sport-Diplom gemacht. Auf diese Weise habe ich meinen Erfahrungsschatz erweitert.

 

Wie sehr hat Sie Ihre soziale Arbeit geprägt?

Ich habe sehr viel gelernt und es hat mich auch persönlich weitergebracht. Besonders die Arbeit mit Menschen mit Behinderungen schult die eigene Akzeptanz anderen Menschen gegenüber. Ich glaube, dass ich dadurch auch erwachsener geworden bin.

 

Wie sind Sie dann wieder zurück zur Musik gekommen?

Ich war ja nie ganz weg von der Musik, sondern habe in dieser Zeit im Hintergrund agiert und für andere Leute Songs geschrieben. Damals haben wir auch „Symphonix“ gegründet, das ist jene Produzentengruppe, mit der wir bereits sechs Lieder für den ESC produziert haben.

 

Sie sind in Linz geboren, haben allerdings den Großteil Ihres Lebens in Wien verbracht. Was verbindet Sie noch mit Oberösterreich?

Meine Großeltern leben in Oberösterreich, und natürlich viele andere meiner Verwandten. Das ist eine gute Kombination aus Wien und Oberösterreich.

 

Wie wichtig sind Sport und Bewegung für Sie?

Sport ist für mich überlebenswichtig geworden. Ich habe eine sehr gute Konstitution – allerdings erst, seitdem ich mich eingehend mit meinem Körper beschäftige. Davor war ich sehr anfällig für Erkältungskrankheiten. Mittlerweile habe ich einen natürlichen Drang nach Bewegung und trainiere fünf- bis sechsmal pro Woche. Im Moment schaffe ich es nur dreimal die Woche. Das ist das Minimum, aber es geht gerade nicht anders.

 

Wie wird es nach dem ESC für Sie weitergehen? Haben Sie Pläne?

Ich bin kein großer Planer, ich lege vielmehr die Karten lose auf den Tisch. Natürlich gibt es viele Angebote für Konzerte und Festivals nach dem ESC, aber ich möchte jetzt noch nicht alles detailliert durchplanen. Was es geben wird, sind Songs, Konzerte und verschiedene Projekte, in denen ich mich engagiere, etwa gemeinsam mit dem Malteser-Orden und dem Verein AFS, der für weltweiten kulturellen Austausch steht.