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People | 04.12.2017

Karriere im Petticoat

Kaum mit dem Musical-Studium fertig, setzte sich Veronika Riedl unter 600 österreichischen und deutschen Bewerbern beim Casting durch und wurde mit der Hauptrolle der „Sandy“ in der Neuproduktion von „Grease“ besetzt. Im März steht das Energiebündel aus Ternberg gleich zweimal in der Linzer TipsArena auf der Bühne.

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Als „Sandy“ im Musical „Grease“ trägt Veronika Riedl Petticoat und Lockenkopf, bei unserem Shooting in der Bar Rooftop 7 in Linz zeigt sie sich in trendigen Outfits vom Valerie Store in der Schmidtgasse in Wels. (© Sarah Katharina)

Hamburg, München, Düsseldorf ... – ehe sie für unser Covershooting in der Bar Rooftop 7 im Hotel Schwarzer Bär in Linz vor der Kamera stand, tourte Veronika Riedl fast zwei Monate lang mit der Neuproduktion des Musicals „Grease“ durch Deutschland. Bevor es nun Mitte Dezember mit Vollgas weitergeht, bekamen wir die Chance, die fesche Blondine aus Ternberg näher kennenzulernen. Zum Musical kam die talentierte Sängerin und Tänzerin erst relativ spät, denn bevor sie sich fürs Studium am Vienna Konservatorium in Wien entschied, verdiente sie ihre Brötchen in der Softwarebranche. Das Studium wurde im Schnelldurchgang absolviert, und noch bevor sie ihr Diplom in den Händen hielt, hatte sie nach ihrem ersten Casting die Hauptrolle der „Sandy“ im Musical „Grease“ in der Tasche. Seither ist kein Stein auf dem anderen geblieben. Wie es ihr als absolute Newcomerin bei der Premiere von „Grease“ in der Musical-Hauptstadt Hamburg ergangen ist und wie sie sich auf der körperlich anspruchsvollen Tour fit hält, hat uns Veronika Riedl im Interview verraten.

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Eleganz mit Sexappeal. Veronika Riedl im langen, an der Vorderseite geschlitzten Kleid vom Valerie Shop in Wels (© Sarah Katharina)

Sie haben relativ spät damit begonnen, Musical zu studieren. Was hat Sie dazu motiviert?

Ich wollte immer einen bodenständigen und vor allem auch sicheren Beruf haben, um in meiner Freizeit das machen zu können, was mir Freude macht. Nach ein paar Jahren im Job lernte ich eine junge Musical-Studentin kennen. Sie hat mich inspiriert und der Gedanke, ein Studium zu beginnen, hat mich nicht mehr losgelassen. Als Folge habe ich mich beim Vienna Konservatorium angemeldet.

 

Was genau haben Sie vorher beruflich gemacht?

Ich war und bin nach wie vor im Kundensupportbereich bei der Softwarefirma BMD in Steyr beschäftigt. Im Moment habe ich meine Stunden allerdings sehr reduziert und mache hauptsächlich Seminare und Online-Seminare als Trainerin.

 

War das Singen schon immer Ihre Leidenschaft?

Ja, ich habe immer schon gerne gesungen und war hobbymäßig in verschiedenen Chören aktiv. Vor dem Studium habe ich vier Jahre lang eine Gesangsausbildung für klassischen Gesang absolviert.

 

Das Studium haben Sie in nur drei Jahren absolviert und dabei sogar ein Jahr übersprungen. Sind Sie ein Naturtalent?

Bei der Aufnahmeprüfung musste ich vorsingen, tanzen und auch schauspielen, und da bin ich gleich ein Jahr später eingestuft worden. Meine klassische Gesangsausbildung ist mir sicher zugutegekommen.

 

War „Grease“ Ihr erstes Engagement nach dem Studium?

Ja, ich habe heuer im Juni mein Diplom am Vienna Konservatorium gemacht. Kurz vorher war ich beim Casting für „Grease“ in Wien – da hat es sofort gepasst. Es war für mich schon eine kleine Sensation, eine Rolle bei „Grease“ zu bekommen, und dann noch die Hauptrolle! Das ist einfach unglaublich. Damit hätte ich im Leben nicht gerechnet.

 

Wie viele Menschen haben beim Casting mitgemacht?

Alleine in Wien waren es 100 Bewerberinnen und Bewerber. Weitere Castings haben aber auch noch in Hamburg, Stuttgart und Hannover stattgefunden. Insgesamt waren es sicher an die 600 Bewerber.

 

Wie war es, als Sie erfahren haben, dass Sie die Hauptrolle der „Sandy“ spielen würden?

Anfangs habe ich das überhaupt nicht realisiert, dann war es natürlich der Oberhammer. Sogar am Konservatorium waren vom Direktor über die Lehrenden bis hin zu meinen Studienkollegen alle begeistert. So etwas hat es auch dort noch nie gegeben. Gerade für Frauen ist es irrsinnig schwierig, Fuß zu fassen. Von meinem Abschlussjahr hat bisher nur eine meiner Kolleginnen ein längeres Engagement bekommen, und auch sie ist mit mir im „Grease“-Ensemble dabei.

 

Am 3. Oktober ging in Hamburg die Premiere über die Bühne. Was für ein Gefühl war das? Waren Sie sehr nervös?

Wir hatten in Bremen eine Vorpremiere mit geladenen Gästen, bestehend aus Schülern, Mitgliedern von Chören und sozialen Vereinen. Das Publikum war total begeistert. Bei der Premiere in Hamburg war das aber ein komplett anderes Gefühl. Hamburg ist ja die Musicalstadt schlechthin, da war ich vor unserem Auftritt unglaublich nervös.

 

Waren Familie und Fans aus der Heimat bei der Premiere in Hamburg dabei?

Ja, meine Eltern sind gekommen, und einige Bekannte und Freunde aus meiner Heimatgemeinde Ternberg waren auch dabei.

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Vom Konservatorium auf die Bretter, die die Welt bedeuten – für Veronika Riedl ist der Traum von einer Musicalkarriere wahr geworden. (© Sarah Katharina)

Wie lange bereitet man sich auf so eine Rolle vor?

Insgesamt hatten wir viereinhalb Wochen lang intensive Proben.

 

„Grease“ lebt von mitreißenden Choreografien, temporeichen Tanzeinlagen und Hebefiguren. Wie anstrengend ist die Tour und wie halten Sie sich fit?

Die Tour ist körperlich sehr anstrengend. Positiv ist allerdings, dass wir schon während der Studienzeit eine gute Kondition aufgebaut haben. Wir hatten 14 Stunden die Woche Tanz, und glauben Sie mir, Ballett ist mit Sicherheit das Anstrengendste, was ich bisher im sportlichen Bereich gemacht habe.

 

Wie groß ist der Cast?

Wir sind 25 Personen.

 

Was ist die größte Herausforderung?

Dass mein erster Job gleich eine Hauptrolle ist, ist natürlich eine absolute Feuerprobe und Herausforderung. Dazu kommt, dass auch mein Bühnenpartner Alexander Jahnke, der die männliche Hauptrolle spielt, ein absoluter Newcomer im Musicalbereich ist.

 

Alexander Jahnke war in der letzten DSDS-Staffel der Zweitplatzierte. Haben Sie auch einmal damit geliebäugelt, bei einer Castingshow mitzumachen?

Als ich 16 Jahre alt war, wollte ich beim Casting für Starmania in Linz mitmachen. Ich habe mich aber im Datum geirrt und bin zwei Tage zu spät zum Casting gekommen. Das hat wohl nicht sein sollen (lacht). Heute würde ich bei einer Castingshow nicht mitmachen, da man einen Stempel aufgedrückt bekommt. Das sehe ich bei Alexander sehr gut.

 

In „Grease“ sind der coole „Danny“ und die anfangs schüchterne „Sandy“ das Liebespaar schlechthin. Hat die Chemie zwischen Ihnen und Alexander Jahnke auf der Bühne auf Anhieb gestimmt?

Es hat schon eine Weile gedauert, bis wir aufeinander eingespielt waren. Mittlerweile sind wir aber schon ziemlich locker und es funktioniert super.

 

Wie darf man sich so ein Tourleben vorstellen?

Wir reisen von Stadt zu Stadt und wohnen im Hotel. Zwischen den einzelnen Aufführungen sind wir mit dem Tourbus unterwegs. Nach den Aufführungen gehen wir meistens gemeinsam essen, dann geht es ab ins Bett.

 

Von Oktober bis November waren Sie in Deutschland unterwegs. Hat Ihnen die Heimat gefehlt?

Anfangs hatte ich schon Bedenken, dass mir meine Freunde und die Familie sehr fehlen würden. Ich muss aber ehrlich zugeben, dass es gar nicht so schlimm war. Auf der Tour tut sich immer wahnsinnig viel und man erlebt jeden Tag neue Eindrücke. Die Zeit vergeht wie im Flug.

 

Wo und wie leben Sie in Österreich?

Während des Studiums habe ich in Wien gewohnt. Nach der Tour muss ich schauen, wie und wo es weitergeht.

 

Wie reagieren die Ternberger auf Ihre Musical-Karriere?

Sehr positiv, und das freut mich ganz besonders. Meine Eltern werden oft auf meine Karriere angesprochen und sind unheimlich stolz auf mich.

 

Gibt es einen Mann an Ihrer Seite?

Im Moment nicht.

 

Wie ist „Grease“ in Deutschland angekommen?

„Grease“ ist ein Gute-­Lau­ne-­Musical. Oft ist das Publikum schon vor dem Schlusslied aufgesprungen und hat mitgetanzt. Eine solche Reaktion ist natürlich doppelt schön.

 

2018 haben Sie mit „Grease“ mehr als 20 Auftritte quer durch ganz Österreich. Gibt es auch Tage, an denen Sie nicht auf die Bühne wollen?

Energiemäßig ist es ab und zu schon sehr anstrengend. Vor allem am Wochenende spielen wir immer Doppelshows, dabei gilt es, zwei Auftritte hintereinander zu absolvieren. Wir spielen immer von Dienstag bis Sonntag. Montag ist unser einziger freier Tag. Aber auch wenn ich einmal einen Durchhänger habe, sobald ich auf die Bühne gehe, ist die ganze Energie wieder da, weil es einfach unglaublich viel Spaß macht. Das geht auch meinen Kollegen so.

 

Was motiviert Sie?

Singen, Tanzen und Schauspielen ist meine Leidenschaft. Dass ich das alles tagtäglich machen kann und es mittlerweile ein Job ist, motiviert mich unendlich.

 

Was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit?

Ich spiele sehr gerne Volleyball oder gehe ins Kino und treffe mich mit Freunden. Außerdem lese und male ich gerne. Und natürlich ist auch Shoppen eine Leidenschaft von mir.

 

Haben Sie auf der Tour einen Glücksbringer?

Ja, bevor ich auf Tour ging, schenkten mir meine Freunde einen kleinen Stern. Den habe ich immer dabei.

 

Gibt es eine Traumrolle?

Ich würde gerne die „Scaramouche“ im Queen-Musical „We will rock you“ oder die „Amneris“ in „Aida“ spielen.

 

Das Musical „Grease“ gibt es seit 1971, den gleichnamigen Film mit John Travolta und Olivia Newton John in der Hauptrolle seit 1978. Wie gut kannten Sie „Grease“, als Sie zum Casting gingen?

Das werde ich häufig gefragt, und ich muss zugeben, dass ich schon sehr lange ein „Grease“-Fan bin. Bevor wir abends ausgegangen sind, haben sich meine Freundinnen und ich den Film immer wieder reingezogen. Daher ist es für mich ein absoluter Traum, die Rolle der „Sandy“ spielen zu dürfen.

 

Am 6. und 7. März gastieren Sie mit „Grease“ in der TipsArena in Linz. Wie ist es, so nahe der Heimat auf der Bühne zu stehen?

Das ist natürlich ganz besonders aufregend. Ich bekomme jetzt schon ständig Nachrichten von Bekannten, die mir mitteilen, dass sie nach Linz kommen werden. Meine Kollegen von BMD kommen sogar mit dem Bus.