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People | 24.10.2016

"Karate ist Kampfkunst"

Ewald Roth macht seit seinem elften Lebensjahr Karate. Er wurde zwölffacher Staatsmeister und Weltmeister im Teambewerb. Im Moment arbeitet er an einer ganz besonderen Herausforderung: den letzten Vorbereitungen für die Karate-Weltmeisterschaft in Linz.

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Ewald Roth macht seit seinem elften Lebensjahr Karate. (© Josef Derflinger)

Von 25. bis 30. Oktober findet in Linz die Karate-Weltmeisterschaft statt (www.karate2016.at). Die Organisation dieses Riesen-Events läuft seit November 2010, als sich Österreich entschieden hat, sich um die Austragung zu bewerben. Dabei immer an vorderster Front: der langjährige Karate-Bundestrainer Ewald Roth. Wir haben mit dem Welser über das Besondere an Karate gesprochen – und warum Preisgelder dabei kein Motivationsgrund sind.

 

Oberösterreicherin: Ende Oktober ist Linz Austragungsort der Karate-Weltmeisterschaft. Wie laufen die letzten Vorbereitungen?

Ewald Roth: (lächelt) Es ist schon sehr viel Arbeit, seitdem sich Österreich entschieden hat, sich um die Austragung zu bewerben. Das war im November 2010, nach der Weltmeisterschaft in Belgrad. Der Organisationsaufwand für eine Veranstaltung dieser Größe ist immens. Im Moment laufen noch die letzten Vorbereitungen für die einzelnen Delegationen, die alles eher kurzfristig planen.

 

Wie schwierig war es, die Weltmeisterschaft nach Linz zu holen?

Es war eine immense Herausforderung, weil Linz weltweit natürlich kaum jemand kennt. Im Gegensatz zu Wien, zum Beispiel. Trotzdem habe ich intensives Lobbying für Linz betrieben, und es freut mich ganz besonders, dass wir uns gegen Karate-Großmächte wie die Türkei und Indonesien durchsetzen konnten. Am Ende war es eine einstimmige Entscheidung für Oberösterreich.

 

Tatsächlich werden zwischen 1.500 und 1.700 Sportler aus 135 verschiedenen Nationen dabei sein. Was bedeutet das für Oberösterreich?

Die Karate-WM ist die größte Sportveranstaltung des Landes, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt. Diese Dimension hatte noch keine andere Sportveranstaltung in Österreich, wage ich jetzt mal zu behaupten. Zumindest was die Teilnehmerzahl betrifft. Leider ist das in den Köpfen der Menschen noch nicht angekommen. Karate ist eine so genannte Randsportart, weil es in der öffentlichen Wahrnehmung lediglich Fußball, Tennis und den Skisport gibt.

 

Wie sehr schmerzt Sie das?

Ich bin zu lange im Geschäft, als dass mir das noch wehtun würde. Natürlich ist es bedauerlich, weil Karate eine sehr trainingsintensive Sportart ist und sich dennoch kaum Geld damit verdienen lässt. Wobei das ja für die meisten Sportarten gilt. Man wird nicht reich damit, das war mir immer bewusst. Auch eine Weltklassesportlerin wie Bettina Plank verdient de facto kein Geld damit. Sie muss sich für 500 Euro Preisgeld durch ein Weltklasse-Starterfeld kämpfen. Dafür zieht sich ein anderer nicht einmal die Schuhe an.

 

Preisgelder sind bei Karate demnach kein Motivationsgrund?

Alle unserer Sportler wissen, dass es bei uns um die Sache an sich geht. Sie müssen ihr Ziel und ihre Vision kennen. Und sie müssen bereit sein, ihren Traum zu leben und den Preis dafür zu zahlen. Das macht es ein Stück weit leichter, die Leute zu motivieren – weil sie schon motiviert sind. Natürlich muss man sie unterstützen, wo es geht. Aber dass ich als Trainer meine Leute zum Training motivieren muss, das gibt es bei uns nicht! Wenn der Trainingsplan zwei Einheiten pro Tag vorsieht, dann werden diese zwei Einheiten auch absolviert. Da gibt es keine Diskussionen. Und das ist auch das Schöne, wenn man mit solchen Sportlern arbeiten kann.

 

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Arnold Schwarzenegger hat Ewald Roth höchstpersönlich zur Karate-WM nach Linz eingeladen. (© Josef Derflinger)

Wünschen Sie sich mehr mediale Aufmerksamkeit? Besonders jetzt, wo die Weltmeisterschaft in unserem Land stattfindet?

Natürlich würden wir uns das wünschen! Aber es ist extrem schwierig, überregional wahrgenommen zu werden. Während der Karate-WM findet auch das Tennisturnier in der Wiener Stadthalle statt, wo Dominic Thiem spielen wird. Obwohl diese Veranstaltung nicht annähernd unsere Dimension erreicht, wird sie im Fernsehen übertragen. Karate hat einfach kein Massenpublikum. Von unserer WM wird es darum immer wieder zeitversetzte Einstiege geben, dann nehmen wir das Tennispublikum einfach mit (lacht).

 

Wie motiviert man die Oberösterreicher, sich die Karate-WM live in Linz anzuschauen?

Das wüssten wir selbst gern (lächelt). Eine Schwierigkeit ist bestimmt, dass Karate nicht so leicht zugänglich ist. Wenn man keine Ahnung davon hat, tut man sich bei bestimmten Bewerben als Zuschauer schwer. Da braucht man ein gewisses Hintergrundwissen und ein geschultes Auge, um sagen zu können, wer von beiden Sportlern der Bessere ist. Dazu kommt, dass Österreich grundsätzlich keine Sportnation ist. Das ist ein grundlegendes Problem. Der Sport hat in unserer Gesellschaft keinen Stellenwert und das bedauere ich sehr! Abgesehen vom gesundheitlichen und erzieherischen Wert ist es einfach schade, dass sich die Österreicher kaum für Sport abseits von Fußball oder Tennis interessieren. In anderen Ländern ist das Bewusstsein ein völlig anderes, wenn zum Beispiel eine Weltmeisterschaft im eigenen Land stattfindet. Das wollen die Leute sehen – auch wenn sie keine Beziehung zu dieser Sportart haben.

 

Sie haben Arnold Schwarzenegger Anfang des Jahres getroffen und ihn eingeladen, bei der Karate-WM dabei zu sein. Wissen Sie schon, ob er kommen wird?

Ich bin ganz intensiv dran, aber eine Zusage haben wir leider noch nicht. Er wird das aufgrund seines straffen Zeitplans sehr kurzfristig entscheiden. Ich hoffe, dass es uns gelingen wird, ihn nach Linz zu holen, weil er eine weltweite Lichtgestalt ist. Ihn kennt wirklich jeder auf jedem Kontinent und er ist überall positiv besetzt. Das habe ich auch gemerkt, als ich ihn getroffen habe. Er ist Ehrenpräsident der Special Olympics und höchst interessiert, da wir die Behindertensportler – ob körperlich oder mental gehandicapt – komplett in den Hauptbewerb der Weltmeisterschaft integrieren. Genau diese Standpunkte vertritt er nämlich auch.

 

Wie schätzen Sie als langjähriger Bundestrainer die Chancen der österreichischen Teilnehmer ein?

Die Chancen für unsere Sportler stehen grundsätzlich sehr gut. Das war auch ein Grund für unsere Bewerbung als Austragungsort. Ich habe damals schon gesehen, dass wir 2016 Sportler haben werden, die dann im Höchstleistungsalter sind. Und ihnen wollte ich eine Vision geben. Wir möchten nicht nur als Ausrichter brillieren, sondern in erster Linie sportlich erfolgreich sein. Da Karate aber eine Weltsportart ist, freuen wir uns schon, wenn wir eine einzige Medaille machen. Natürlich gibt es den Traum einer Goldmedaille – und der ist auch realistisch, weil Alisa Buchinger und Bettina Plank Nummer eins und zwei der Weltrangliste sind. Allerdings ist Karate eine sehr schnelle Sportart und ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit reicht, um einen Kampf zu verlieren. Prognosen sind daher extrem schwierig.

 

Sie haben 1971 im Alter von elf Jahren mit Karate begonnen. Was ist für Sie das Besondere an dieser Sportart?

Die Besonderheit ist, dass es unbegrenzte Entwicklungsmöglichkeiten gibt und dass es den Menschen in seiner Gesamtheit erfasst, erzieht und bildet. Karate ist mehr als eine Sportart, es ist eine Kampfkunst. Das möchten wir auch bei dieser WM vermitteln. Und wir wollen die Werte des traditionellen Karate transportieren. Karate kommt – wie alle fernöstlichen Kampfkünste – aus einem spirituellen Umfeld. Es geht nicht nur darum,
einen Wettkampf zu gewinnen, sondern einen Weg zu beschreiten, auf dem ich mich bemühe, mich körperlich und geistig weiterzuentwickeln.