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People | 24.06.2015

Johann Jascha – eine Atelierstory

Der oberösterreichische Maler, Zeichner, Skulpteur und Schreiaktivist Johann Jascha (73) zählt seit mehr als vier Jahrzehnten zu den vielseitigsten Künstlern Österreichs. Grund genug für uns, ihn – und seine bezaubernde Frau Charlotte – in seinem Atelier in Wilhering bei Linz zu besuchen.

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Johann Jascha: der Künstler in seinem Atelier. (© Anja Gubo)

Künstler haben den Ruf, abgehoben, unnahbar und überheblich zu sein. Das mag durchaus auf viele zutreffen, jedoch gewiss nicht auf Johann Jascha. Der Oberösterreicher konzentriert sich lieber auf das Wesentliche: seine Kunst. Und das sehr erfolgreich seit den 1960er-Jahren. Sein Talent fiel einem Lehrer bereits in der Mittelschule auf, von 1963 bis 1967 studierte Jascha Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Wien, schloss mit Diplom ab. 1975 folgte das Diplom für Medailleurkunst, Kleinplastik und Reliefkunst und 1976 das Diplom für Zeichnung. Seit den 1970er-Jahren hat Jascha an rund 400 Ausstellungen im In- und Ausland mitgewirkt, zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten und sich bei Auslandsaufenthalten, die ihn nach Südafrika, Haiti, Bali, Thailand oder in die Karibik führten, Inspirationen für seine Bilder geholt. Erst 2013 erhielt der Künstler den Kulturpreis des Landes Oberösterreich für Bildende Kunst. Seine Plastiken, Bilder und Grafiken befinden sich teilweise im öffentlichen Raum, etwa auf der Fassade der PlusCity in Pasching oder an der Decke der Linzer Taubenmarkt-Arkade. Bekannt wurde Johann Jascha auch durch seine mimischen Auftritte und Schreiaktionen in den 1960er- und 1970er-Jahren als Protest gegen die akademische Kunstszene. 

Seit über 30 Jahren an Johann Jaschas Seite steht seine Frau Charlotte, die als Modedesignerin nicht nur für die perfekt sitzenden Outfits ihres Mannes verantwortlich ist und seine größte Unterstützerin sowie stolzeste Bewunderin ist, sondern auch seine schärfste Kritikerin: „Ich hasse seine Schreiaktionen“, meint sie keck, als sie uns das Video der neuesten Schreiaktion ihres Mannes zeigt, die er bei der Eröffnung seiner aktuellen Ausstellung in der Galerie ICON in Linz aufführte. 

 

Indien, Thailand, Ägypten, Tobago … Sie waren viel im Ausland unterwegs. Inwiefern haben fremde Länder und Kulturen einen Einfluss auf Ihre Werke? 

Ich bin in die exotischen Länder gefahren, um im Winter in einer nicht so grauen Atmosphäre wie bei uns hier eine andere Art von Inspiration zu finden, ein Arbeitsklima, das von Wärme und Licht durchflutet ist. Das Meer und die vielen Farben in den südlichen Ländern haben mich sehr beeinflusst, etwa die der indischen Saris. Die Farben entsprechen ganz den Bedürfnissen meines Charakters. 

Jedes Jahr fixieren meine Frau und ich mindestens einmal im Jahr einen Monat Arbeitsklausur in Ländern, in denen die Sonne scheint. Dort gelingt eine Arbeitsdichte, die sonst in Wilhering aufgrund der vielen Ablenkungen nicht möglich ist. Das heißt, die wichtigste Arbeitsphase im Jahr ist dieser Aufenthaltsaufenthalt. Manche meiner Arbeiten sind „Dreikontinentenblätter“, weil ich sie immer wieder mitgenommen habe und daran weitergezeichnet habe, sodass die Einflüsse von verschiedenen Kulturen in jeweils einer Zeichnung passierten. 

 

Gilt das auch für die Bilder der aktuellen Ausstellung, die seit Anfang Mai zu sehen ist? 

Ja. Ich bin ein Künstler, der schon so vieles in sich aufgenommen hat über Naturerlebnisse und Kulturerlebnisse, dass mein Inneres voll ist mit Informationen und Erlebnissen. Es geht darum, sich in der künstlerischen Arbeit gedanklich leer zu machen und das dann aus den eigenen Tiefen das herauszuholen im schöpferischen Arbeitsprozess. Die erste Ebene ist die Malerei auf Papier, die zweite Ebene ist die Zeichnung in diese gemalten Farbräume. So ergibt sich auch eine gewisse Trennung von Zeichnung und Malerei, der Hintergrund geht räumlich in die Tiefe und die Zeichnung in diesen Farbraum tanzt, schwebt, flirrt, schwingt … Zu sehen ist das derzeit in der Galerie ICON.

 

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Farbkräftig sind Jaschas Arbeiten. (© Anja Gubo)

Was ist das Thema der Ausstellung? 

Das Thema ist die abstrakte Kunst, die Andeutungen zu Figur, Kopf, Gesicht, Maske, Landschaft hat.

 

Wie würden Sie Ihre Kunst in wenigen Worten beschreiben? 

Ich mache starkfarbige Arbeiten auf Papier, die sehr oft mehrere Horizonte in sich tragen, wie Farbabfolgen, in denen die Linienfiguren und Masken und Gesichter tanzen.   

 

2008 heirateten Sie Ihre damalige Lebensgefährtin Charlotte, die als Modedesignerin ebenfalls kreativ arbeitet. Was verbindet Sie künstlerisch?

(Lacht) Es gibt mehr die Kontraste. Die Mode beschäftigt sich stark mit dem äußeren Erscheinungsbild und schaut, dass die Oberfläche – das Dressing – stimmt. Ich beschäftige mich dagegen sozusagen mit den inneren Werten, versuche, allgemeine und tiefe Erkenntnisse in Farbe und Zeichnung zu übertragen. Das heißt, es geht um die Rhythmik des Lebens, das Aufbauen der Welt … Ein Kunstwerk sollte so sein, dass es immer gültig ist, nicht wie Mode, die von den Modepäpsten immer wieder verändert wird. Es geht in der Kunst nicht um Trends wie bei der Mode. Ich habe nie an Kunsttrends gearbeitet. Das Bild sollte sich immer erneuern, mit der Fantasie des Betrachters. 

Charlotte Jascha wirft an dieser Stelle ein: Man muss dazu sagen, Johann und ich kannten uns 2008 schon 25 Jahre lang und anstatt der silbernen Hochzeit beschlossen wir zu heiraten.

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Charlotte Jascha ist seit über 30 Jahren die Frau an Johann Jaschas Seite. (© Anja Gubo)

Erwin Wurm hat in einem Interview einmal gesagt: „Als Künstler kann man nicht in Pension gehen.“ Teilen Sie seine Meinung? Das gesetzliche Pensionsalter haben Sie ja bereits erreicht …

Der Künstler geht in Pension, aber seine künstlerische Entwicklung nicht. Diese hört erst dann auf, wenn einem nichts mehr einfällt. Man braucht als Künstler einen Impetus, ein inneres Brennen, um immer wieder Kunst zu entwickeln. Der Pensionsübergang war unbemerkbar für mich. 

 

Wie oft verweilen und arbeiten Sie hier in Ihrem Atelier in Wilhering? 

Wenn ich von der Kunst ermattet umfalle, gibt hier im Atelier zwar eine Schlafgelegenheit, ich wohne aber in Linz (schmunzelt). Der Blick in die Natur, auf das Stift Wilhering ist traumhaft … ein perfekter Ort, um Kunst zu schaffen. Ich bin meistens hier. Mein Atelier in Wilhering ist eines der ganz wenigen für einen Künstler ausgebauten Ateliers. Es wurde extra für den Künstler Fritz Fröhlich ausgebaut; ich habe es 2003 übernommen.

www.jascha.at

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Jaschas Bilder sind aktuell in der Galerie ICON in Linz zu sehen. (© Bild vom Künstler zur Verfügung gestellt)