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People | 17.01.2017

„Meine Familie macht mich glücklich!“

Landeshauptmann Erwin Pröll will alle Ämter niederlegen. Zu seiner Nachfolge nimmt er zunächst nicht Stellung, doch Johanna Mikl-Leitner gilt schon lange als Favoritin. Wir baten die Landeshauptmann-Stellvertreterin zum persönlichen Gespräch – über Politik, Karriere, Familie und einen Ausblick auf 2017.

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(© Helmut Lackinger)

Johanna Mikl-Leitner, 52, ist eine, die gerne lacht, Geselligkeit lebt und dabei nie den wachen Blick darauf verliert, was gerade wichtig ist. Wann immer man sie bei mehr oder weniger offiziellen Anlässen trifft, kommen Freunde auf sie zu, Wegbegleiter aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen und wollen mit der „Hanni“ reden – und sie nimmt sich Zeit für Gespräche. Daheim, in Niederösterreich. Head-lines wie „Die eiserne Hanni“ oder „Die heilige Johanna“ aus ihrer Zeit als Innenministerin in der wohl schwersten und politisch herausforderndsten Zeit der Zweiten Republik sind Geschichte. Hier ist die Landespolitikerin „eine von ihnen“, eine, die für die Menschen und ihre Bedürfnisse eintritt. Man vertraut ihr, schätzt ihre Professionalität, ihre Erfahrung, ihr unkonventionelles Anpacken – und ihre Freundlichkeit. Eine Politikerin ohne Allüren und mit einer großen Hinwendung zum Du.

NIEDERÖSTERREICHERIN: Frau Landeshauptmann-Stellvertreterin, Ende April sind Sie nach fünf Jahren in der Bundespolitik nach NÖ zurückgekehrt. Haben Sie es je bedauert, das Amt der Innenministerin für die Landespolitik aufgegeben zu haben? 

Johanna Mikl-Leitner: Bedauert habe ich es nie. Aber es ist nicht so, dass ich nicht gerne als Innenministerin gearbeitet habe. Für mich ist es ein erfolgreiches Kapitel, das ich geschlossen habe, und jetzt schlage ich ein neues Kapitel in Niederösterreich auf. In meiner Heimat, wo ich mit meiner Familie zuhause bin. 

Neben dem Finanzressort haben Sie von Wolfgang Sobotka noch die Bereiche Arbeitsmarkt, Gesundheit, Natur im Garten oder die Musikschulen übernommen – eigentlich alle wesentlichen Themen des Lebens. Wie schaffen Sie das?

Vor allem mit einem ausgezeichneten Team. Alleine ist so etwas natürlich nicht zu schaffen. Ich habe unglaublich engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um mich. Menschen, die etwas bewegen wollen. Und ich muss schon zugeben, dass diese gemeinsame Begeisterung für unsere Aufgaben auch bei mir noch einmal zusätzliche Energien freisetzt. 

 

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Tierliebe. Über die Initiative www.animalhope-nitra.at kam die Familie gegen eine Spende, die der Versorgung anderer in Not geratener Tiere zugutekommt, zu ihrem neuesten Familienzuwachs: Milou (5 Monate) ist eine Retriever-Mischlingshündin aus dem Tierheim Nitra, Slowakei. (© privat)

Sie wollen Frauen fördern, indem Sie z.B. den Frauenanteil in Führungspositionen der ARGE Eigenheim bis 2020 erhöhen wollen ...

Das war mir immer ein großes Anliegen. Mein Befund ist: Wir sind in zu vielen Bereichen noch viel zu weit entfernt von einer echten Gleichberechtigung. Und das ärgert mich. Vor allem, wenn ich an meine beiden Töchter denke. In den Bereichen, wo es mir möglich ist, versuche ich das zu ändern. Aber für uns alle liegt noch viel Arbeit vor uns.

Wichtig sind Ihnen auch junge Familien. So soll mit dem Projekt „Wohn.Chance“ das Wohnen auch für die kleine Brieftasche ermöglicht werden ...

Wir versuchen, für jeden leistbares Wohnen zu schaffen. Starter-Wohnungen für die Jungen, Betreutes Wohnen, umfangreiche Förderungen für Familien und vieles mehr. Wir wollen so vielen Niederösterreicherinnen und Niederösterreichern wie möglich dabei helfen, sich ihren Lebenstraum erfüllen zu können. Damit sie aus ganzem Herzen sagen können: Zuhause ist es am schönsten!

Sie waren sozusagen ein „Überraschungskind“, als Sie nach Ihrer Zwillingsschwester Nelly geboren wurden – und kein zweiter Strampler da war. Was hat Sie Ihre Familie gelehrt? Welche Stärken haben Sie als jüngstes von vier Kindern mitgenommen? 

Meine Eltern mussten viel arbeiten. Sie standen ständig im Geschäft. Und trotzdem ist es ihnen gelungen, für uns Kinder ein Leben in Geborgenheit zu schaffen. Ich bin in der Nähe des Eisernen Vorhangs aufgewachsen, aber ich hatte eine sehr schöne Kindheit. Und als jüngstes von vier Kindern entwickelt man natürlich vor allem Eines: Durchsetzungskraft (lacht).

Sie haben einmal gesagt: „Ohne meinen Mann könnte ich meinen Job nicht machen.“ Nun hat er selbst als Kaufmännischer Direktor des Landesklinikums Hollabrunn nicht nur einen verantwortungsvollen Job, er ist auch Hobbymaler. Ein Bild, welches Sie zeigt, hat den Titel „Wirbelwind“ und hing im Foyer des Ministeriums. Sind Sie ein Wirbelwind, und wo hängt das Bild jetzt?

Der „Wirbelwind“ hängt noch immer im Ministerium – und niemand kennt mich besser als mein Mann (lacht herzlich).

 

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Familienmensch. Bei der Angelobung zur Landeshauptmann-Stellvertreterin: Dir. Andreas Mikl, Larissa (11), Johanna Mikl-Leitner, Anna (15) (© Helmut Lackinger)

Ihre Töchter Anna (15) und Larissa (11) sind in der Pubertät, eine Zeit, in der die Mama als Gesprächspartnerin ganz wichtig ist. Schaffen Sie neben Ihrem vollen Arbeitspensum noch Freiräume für ganz normale Alltags-Aktivitäten mit den Mädeln?

Es ist ähnlich wie in meiner Kindheit, die gemeinsame Zeit ist das Wertvollste für uns. Dann gehen wir gemeinsam Rad fahren, Ski fahren oder Schwimmen. Aber natürlich ist die Zeit oft knapp bemessen. Und – genau wie meine Eltern – schaffen wir dennoch ein Familienleben, in dem Geborgenheit und Zusammenhalt über allem steht. Das ist zumindest das Gefühl, das mir meine beiden Töchter vermitteln. Und das macht mich glücklicher als alles andere.

Sie gelten als sehr modebewusst. Obwohl Sie einfache Schnitte bevorzugen, beeindrucken Sie mit einem unvergleichbaren Stil und auffallenden Accessoires. Entwerfen Sie auch selbst? 

(lacht) Nein. Wenn ich mal dazukomme, in ein Geschäft zu gehen und mich was anspringt, dann kaufe ich es mir. Aber dafür nehme ich mir eigentlich am wenigsten Zeit. Da gibt es dann schon Wichtigeres für mich. 

Was sind Ihre politischen Perspektiven für 2017? Worauf liegt Ihr besonderer Fokus?

In meinem Ressort steht für mich der Arbeitsmarkt an erster Stelle. Arbeit ist das wichtigste für die Menschen. Es geht darum, ein sinnerfülltes, selbstbestimmtes Leben führen zu können. Ich will gemeinsam mit vielen anderen dafür sorgen, dass wir in Niederösterreich die bestmöglichen Rahmenbedingungen für mehr Arbeitsplätze schaffen. Das ist in ganz Europa das bestimmende Thema der kommenden Jahre – und damit natürlich auch bei uns.

 

Was wünschen Sie unseren Landsleuten für 2017?

Nichts ist so wertvoll wie ein Leben in Gesundheit. Das wünsche ich Ihnen allen. Und viel Freude mit Ihrer Familie und Ihren Freunden!

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Offen gesagt. Im Gespräch mit Chefredakteurin Angelica Pral-Haidbauer (© Helmut Lackinger)