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People | 24.04.2018

Investor im Unruhestand

Christian Trierenberg zieht sich heuer aus dem operativen Geschäft seiner Tann Group in Traun zurück. Warum er die frei werdende Zeit überwiegend in der Steiermark verbringen wird, erklärt der Industrielle im Interview.

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Der Industrielle Christian Trierenberg möchte sich künftig mehr um sein Weingut Georgiberg in der Steiermark kümmern. (© Marija Kanizaj)

Christian Trierenberg produziert in seinem Unternehmen in Traun Spezialpapier und ist mit Tipping-Papier für die Tabakindustrie einer der ganz großen Player auf dem Weltmarkt. In der Steiermark besitzt der Unternehmer das Weingut Georgiberg und hält Anteile bei der Vulcano Schinkenmanufaktur. Ein Talk über viele Pläne und einen Ruhestand, der keiner ist.

 

Herr Trierenberg, wie geht es Ihnen mit der aktuellen Raucherdebatte?

Trierenberg (winkt ab): Lassen wir das lieber aus. Erkennbar ist, dass Rauchen überall rückläufig ist. Das wird sich auch in den nächsten Jahren nicht ändern.

 

Womit machen Sie dann Geschäfte?

Wir haben in den letzten zehn Jahren mit der Diversifikation begonnen und setzen unter anderem auf Selbstklebeetiketten und Verpackung.

 

Ihre Tochter Catharina ist schon in der Geschäftsführung. Wie lange wollen Sie noch bleiben?

Ich werde mich dieses Jahr operativ komplett zurückziehen und nur mehr in der Holding bzw. im Aufsichtsrat aktiv sein.

 

War das eine schwere Entscheidung?

Irgendwann muss man aufhören.

 

Tun Sie das wirklich?

Ich möchte mich mehr um mein Weingut Georgiberg kümmern.

 

Mit welcher Idee muss man zu Ihnen kommen, um Sie als Investor zu gewinnen?

Bei Vulcano hat es so funktioniert, dass wir über das Genussregal der Familie Polz Herrn Habel kennenlernten. An seinem Unternehmen (Vulcano, Anm.) habe ich mich beteiligt, weil mir das Produkt gut gefallen hat. Ich finde es wichtig, hochwertige Produkte hochzuhalten. Schlechte Qualität gibt es ohnehin genug.

 

Planen Sie neue Investitionen?

Nein! Meine beiden (Georgiberg und Vulcano, Anm.) reichen mir völlig.

 

Wie oft fragt man bei Ihnen an?

Zwei- bis dreimal im Jahr.

 

Denken Sie darüber nach?

Nein, ich bleibe bei meinen beiden Investitionen. Wenn man sich zurückziehen will, muss man mitdenken. Es bleibt ja nicht beim Investieren, da kommt auch Arbeit dazu. Es gilt, Ideen und Know-how einzubringen. Nur Geld zu geben ist mir zu wenig.

 

Haben Sie für Georgiberg eine neue Strategie?

Zum Wein bin ich gekommen, weil ich eine Liegenschaft in der Südsteiermark erworben hatte, die Weingärten enthielt. Für mich war es Neuland; ich kann zwar viel zur kommerziellen Entwicklung beitragen, beim Produkt  aber eher weniger. Hier muss ich mich auf meine Mitarbeiter verlassen. Ich habe nur eine klare Vorstellung davon, wie der Wein schmecken soll (schmunzelt).

 

Wie weit kann man sich bei solchen Investments Bauchgefühl leisten?

Beim Weingut war mehr Emotion als sonst involviert. Mittlerweile hat es eine Größenordnung angenommen, bei der Emotion alleine zu wenig ist.

 

Können Sie sich an eine Fehlinvestition erinnern?

Wenn ich meine ganzen 42 Jahre nehme, in denen ich gearbeitet habe, kann ich sagen: Man kann nie alles richtig machen. Aber zu 85 Prozent ist es gut gegangen.

 

Wie gingen Sie mit den 15 Prozent um?

Die muss man mitnehmen. Daraus lernen und schauen, dass man es besser macht.

 

Was würden Sie – rück­blickend betrachtet – ganz anders machen?

(lacht) Da würden wir morgen noch dasitzen!

 

Was macht für Sie den Reiz des Unternehmerseins aus?

Das ist für mich, etwas Positives zu schaffen und weiterzuentwickeln. Als ich von Kolumbien zurückgekommen war, machte die Tann rund 400 Millionen Schilling Umsatz. Ich sagte zu einem Partner, dass mein Ziel wäre, eine Milliarde zu machen. Dieser meinte, das sei unmöglich. Heute macht Tann 250 Mio. Euro Umsatz.

 

Und wie lange dauerte es, bis Sie „Ihre“ Milliarde hatten?

Etwa fünf bis sechs Jahre.

 

Sie als Person haben die Internationalisierung vorangetrieben – wie war das, rückblickend betrachtet?

Die Internationalisierung war für mich nie ein Problem. Unseren ersten Auslandsbetrieb hatten wir in Kolumbien. Dort lebte ich neun Jahre, in Medellin, um genau zu sein.

 

Die Drogenhochburg! Wie war das? Sind Sie Pablo Escobar begegnet?

Wir bekamen den Drogenkrieg ziemlich mit. Man musste natürlich gut aufpassen und wissen, wie man sich bewegt. Dann war es relativ ungefährlich. Escobar wohnte in etwa 500 Metern Luftlinie von mir. Ich habe ihn hin und wieder aus der Ferne, bei den legendären Pferdeauktionen in unserem Ort, gesehen.

 

Es gibt kaum Interviews mit Ihnen, über Geld reden Sie gar nicht gern.

Das habe ich immer versucht zu vermeiden. Unser Unternehmen hatte immer einen Exportanteil zwischen 96 und 99 Prozent, und daher war es auch nicht so wichtig, mit der heimischen Presse zu reden. Mir war und ist offen gesagt relativ wurscht, was man in Österreich über mich denkt. Und was Geld betrifft: In Österreich nehmen die Leute den Umsatz, multiplizieren ihn mit zwei und glauben, das liegt auf der Bank. Wenn man einen Betrieb hat, heißt es nicht automatisch, dass man auch Geld hat. Dieses Thema schürt nur die Neiddebatte. Ich würde lieber über Georgiberg reden.

 

Dann tun wir das. Haben Sie das Gefühl, hier angekommen zu sein?

Ja, zu 80 Prozent gehöre ich sicher dazu. Wir produzieren guten Wein und erhalten pro Jahr zehn, zwölf Auszeichnungen. Unser Bekanntheitsgrad ist noch nicht der, den wir uns wünschen würden, aber das ist klar. Denn die arrivierten Weinbauern der Gegend sind ja schon seit 50, 60 Jahren im Geschäft. Das aufzuholen ist herausfordernd.

 

Was ist Ihre Strategie? Hochpreisige Terroir-Weine?

Wir haben Terroir-Weine, deren Lagen zu den besten in der Südsteiermark gehören. Das Problem ist ein anderes: 95 Prozent aller Weine, die in Österreich verkauft werden, kosten im Geschäft unter fünf Euro. Da bleibt für den Produzenten nicht viel übrig. Die Herausforderung ist, die anderen fünf Prozent über die richtigen Kanäle zu vertreiben.

 

Wie kann man sich hier positionieren?

Qualität geht über Quantität. 80 bis 90 Prozent arbeiten nach dem gleichen Schema. Man muss versuchen, andere Wege zu finden – andere Verpackungen beispielsweise, um auf sich aufmerksam zu machen. Ähnlich läuft es bei Vulcano. Damit erreichen wir auch nur zehn bis 15 Prozent der Bevölkerung. Hier ist Luft nach oben.

 

Steht für Georgiberg ein Rebranding an?

Für gewisse Bereiche sicher. Man muss eine Marke etablieren und Aktionen setzen, die Aufmerksamkeit erregen. Das betrifft das ganze Areal, und es ist uns recht gut gelungen. Im Moment sind wir sicher eines der schönsten Weingüter der Region. Auch das Restaurant hat sich gut etabliert.