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People | 07.04.2020

Innen und außen schön

Dermatologin Kerstin Ortlechner ist in Oberwödling im Bezirk Grieskirchen aufgewachsen. Vor einem Jahr hat sie in Wien ihre eigene Ordination eröffnet. Ihr großes Fachwissen hat sich die Ärztin in New York angeeignet, wo sie viele Stars behandelt hat.

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© Chris Singer

Ihre Ordination in Wien-Hernals  gleicht einem coolen New Yorker Loft. Kein Wunder, hat die Ärztin Kerstin Ortlechner doch im Big Apple in der Praxis ihres Mentors Dr. David A. Colbert, einem weltweit führenden Dermatologen, reichlich Erfahrung gesammelt. Die Arbeit dort mit Topmodels und Schauspielern hat die gebürtige Oberösterreicherin nicht abheben lassen. Im Gegenteil: Ihr herzliches und einfühlsames Wesen sorgt dafür, dass man sich in ihrer Gesellschaft sofort wohlfühlt. Im Umgang mit Patienten ist der Dermatologin Authentizität das Wichtigste. „Das habe ich meiner oberösterreichischen Herkunft zu verdanken“, lacht Kerstin, die übrigens, bevor sie Profi-Kicker Manuel Ortlechner geheiratet hat, Rühringer hieß. Beim Shooting mit der Oberösterreicherin erzählt die attraktive Blondine, wie ihr vierjähriger Sohn Julian ihr Leben verändert hat, was ihr an der Selbstständigkeit gefällt, und natürlich hat sie auch gute Tipps in Sachen Schönheit für uns parat. 

 

OBERÖSTERREICHERIN: Wie war Ihr Aufwachsen in Oberwödling bei Grieskirchen? 

Ich habe meine Kindheit geliebt. Wir haben viel im Wald gespielt und sind recht ungezwungen groß geworden. Nachdem ich am BORG Grieskirchen die Matura absolviert hatte, begann ich in Innsbruck Medizin zu studieren. 

 

Was hat Sie zum Medizinstudium motiviert? Sind Sie  familiär vorbelastet? 

Nein, in meiner gesamten Familie gibt es keinen einzigen Mediziner. Aber die Anatomie von Mensch und Tier hat mich schon immer interessiert und fasziniert. Wahrscheinlich auch deshalb, weil ich auf einem Bauernhof aufgewachsen bin. 

 

Sie haben eine Ausbildung zur Allgemeinmedizinerin, zur Notärztin und zur Sportärztin gemacht. Wie sind Sie schließlich zur Facharztausbildung Dermatologie und Venerologie gekommen?

Da ich auf Nummer sicher gehen und die gesamte Medizin verstehen wollte, habe ich meine Ausbildung zur Allgemeinmedizinerin gemacht. Sportmedizin kam dazu, weil ich selbst gerne Sport mache und natürlich auch wegen meines Mannes Manuel. Zur Notfallmedizin hat mich mein Interesse an der Akutmedizin geführt. Im Zuge meiner Turnus-Ausbildung hat sich dann allerdings meine Leidenschaft für Dermatologie herauskristallisiert. Es gibt kein Fach, bei dem man ästhetischer, feiner und mikrochirurgischer arbeiten kann als in der Dermatologie. Das gefällt mir. 

 

Ihren Mentor haben Sie in New York in Dr. David A. Colbert, dem Gründer der New York Dermatology Group, gefunden. Wie ist es dazu gekommen?

Das war reiner Zufall. Ich war noch mitten in der Facharztausbildung zur Dermatologie, als ich eines Tages beim Durchscrollen am Handy gesehen habe, dass sich die Stars und Promis in Amerika immer nur von einem bestimmten Arzt behandeln lassen, das war David A. Colbert. Ich wollte ihn unbedingt kennenlernen. Also habe ich ihm einfach ein Mail geschrieben. Nur eine Stunde später hatte ich seine Antwort in meinem Postfach und er hat mich nach New York eingeladen. Einen Monat danach saß ich auch schon im Flieger. Dr. Colbert hat mir bei meiner Arbeit und im Umgang mit den Super-VIPs beinhart auf die Finger geschaut und mir einen Job angeboten. So ging ich im Wintersemester 2014 nach New York, um für ihn zu arbeiten. Es war grandios. Ich bin mit Dr. Colbert immer noch im regen Austausch.  

 

 

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Kerstin Ortlechner in einem roten Kleid von Callisti beim Fotoshooting in ihrer Ordination, die einem coolen New Yorker Loft gleicht. (© Chris Singer)

Welche Topmodels und Schauspieler  haben Sie behandelt?

Darüber darf ich nicht sprechen. Ich musste sogar eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben. Aber es waren sämtliche Topmodels sowie auch Weltklasse-Schauspieler dabei. 

 

Wie war das?

Diese Stars sind auch nur Menschen wie du und ich. Am meisten fasziniert war ich von ihrem speziellen Charisma. Auch im Umgang waren sie sehr nett und unkompliziert. 

 

Vor gut einem Jahr haben Sie in Wien-Hernals Ihre eigene Ordination eröffnet. Was hat Sie dazu motiviert, sich selbstständig zu machen?

Da ich Teamplayer bin, wollte ich eigentlich im Krankenhaus bleiben. Letztendlich hat mir dieses System aber die Freude daran genommen. Ich hatte extrem viele Arbeitsstunden und Nachtdienste. Oft musste ich auch ad hoc für Kollegen einspringen, wenn sie krank waren. Das lässt sich sehr schwer mit Kind und Familie vereinbaren. Nach meiner Zeit im Krankenhaus habe ich in Wien bei Dr. Eva Wegrostek gearbeitet. Damals reifte der Wunsch, mich mit einer eigenen Ordination selbstständig zu machen. Ich wollte einfach meine eigene Philosophie und Einstellung zur Medizin rüberbringen.

 

Ist die Selbstständigkeit nun familienfreundlicher?

(lacht) Wahrscheinlich nicht, aber ich kann mir manches selbst einteilen, und wenn Julian krank ist oder Geburtstag hat, kann ich bei ihm zu Hause bleiben. Ich habe auch keine Weihnachts- und Osterdienste mehr. Natürlich sitze ich oft sehr lange in der Ordination oder arbeite am Sonntag von daheim aus. Am meisten nerven mich die bürokratischen Sachen. Aber ich will mich gar nicht beschweren, da mir mein Job unheimlich viel Spaß macht. Ich fühle mich wohl und es ist genau meins. 

 

Was ist Ihnen im Umgang mit Ihren Patienten wichtig?

Am wichtigsten ist es, authentisch zu sein. Dahingehend ist es sicher ein Vorteil, dass ich das oberösterreichische Landmädel geblieben bin (lacht). Ich will meinen Patienten nichts aufdrängen und habe auch schon welche weggeschickt, wenn ich nicht zu hundert Prozent hinter einer Behandlung stehe. Man muss auf die Menschen eingehen und ihnen zuhören, vor allem bei Hautproblemen steckt oft mehr dahinter, als man sieht.  

 

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© Chris Singer

Ihre Leistung geht auch sehr stark in Richtung Ästhetik ohne Skalpell. Wann sollte man nun mit Filler-Behandlungen wie Botox oder Hyaluron beginnen?

Das kann man nicht pauschalieren, es ist sehr individuell. Es gibt Patientinnen mit 25 Jahren, die eine Zornesfalte minimieren wollen und dann wiederum gibt es welche, die mit 45 Jahren beginnen wollen, ihre Haut zu reparieren. Ganz wichtig ist die Prophylaxe. Daher ist es optimal, in jüngeren Jahren mit geringen Dosen zu beginnen. Wenn einmal tiefe Falten vorhanden sind, kann man keine Wunder mehr bewirken. Aber es gibt Grenzen. In Amerika lassen sich schon 18-jährige Mädchen unterspritzen, bei mir ist alles unter 25 Jahren ein No-Go. Übertrieben aufgespritzte Lippen mache ich nicht, das passt nicht zu mir. Es muss natürlich sein und in Richtung Prophylaxe gehen. 

 

Was ist für die Hautalterung das Schlechteste?

Am schlechtesten ist zu viel Sonne, gefolgt von Rauchen. Auch der Lifestyle spielt eine große Rolle. Falsche Ernährung, Stress, wenig Schlaf – all das sind Faktoren, die die Hautalterung beschleunigen. Auch das Bluelight von Handy, Tablet und Computer darf nicht unterschätzt werden. In Sachen Hautalterung spielt die Genetik nur zu 20 Prozent eine Rolle, 80 Prozent sind Ursachen von außen. 

 

Sie sind auch als Medical Expert für L’Oréal tätig. Wie sieht hier Ihr Aufgabengebiet aus?

Ich halte Vorträge und mache Schulungen für Pharmazeuten und Apothekenangestellte. Ich fliege zu L’Oréal nach Paris, um neue Produkte und die Wissenschaft sowie die Inhaltsstoffe dahinter anzusehen. Weiters halte ich bei Produkteinführungen Pressekonferenzen und bin in Sachen Awareness unterwegs. 

 

Ihr Mann ist Ex-Profikicker Manuel Ortlechner. Ich habe gelesen, dass Sie seine Jugendliebe sind. Wie haben Sie einander kennengelernt? 

Wir sind seit 20 Jahren zusammen und seit sieben Jahren verheiratet. Kennengelernt haben wir uns auf dem HAK-Maturaball in Ried im Innkreis. Es war Liebe auf den ersten Blick. 

 

Was macht Ihr Mann beruflich? Seine Profi-Karriere hat er ja schon beendet.

Er ist als Experte für den TV-Sender Sky und die Fußball-Plattform „Player Hunter“ im Einsatz. 

 

 

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In ihrer Praxis trägt die Dermatologin normalerweise weiße Hosen, Shirts und Sneakers. Fürs Shooting schlüpfte sie in eine sexy Robe von NIKO NIKO Design. (© Chris Singer)

Sie und Ihr Mann sind in Wien auch immer wieder gern gesehene Society-Gäste. Was erdet Sie, was gibt Ihnen Bodenhaftung?

Wir sind bodenständig und geerdet, weil wir beide vom Land kommen und ein sehr gesundes Elternhaus haben. Und wenn ich einmal glaube, abheben zu müssen, holt mich meine Mama wieder runter. Dann fahr ich heim nach Oberwödling und gehe im Wald spazieren. Unsere Society-Auftritte versuchen wir in Grenzen zu halten. Wenn wir eingeladen sind, dann sind das aber meistens sehr schöne Events, die wir genießen.

 

Ihr Sohn Julian ist vier Jahre alt. Wie hat denn das Muttersein Ihr Leben verändert?

Massiv! Die ersten drei Monate nach Julians Geburt bin ich mit vielen, für mich komplett neuen Herausforderungen konfrontiert worden. Ich bin ex­trem ehrgeizig und perfektionistisch, und wenn dann so ein kleines Wesen geboren wird, stellt es die ganze Welt auf den Kopf. Heute gehe ich in meiner Mutterrolle auf. Ich liebe Julian über alles und er ist das Wichtigste in meinem Leben. Job und Muttersein gut zu vereinen, ist für mich die größte Herausforderung. Julians Großeltern von beiden Seiten unterstützen mich sehr, obwohl sie in Oberösterreich leben. Meine größte Hilfe ist aber mein Mann Manuel.

 

Was machen Sie für Ihr gutes Aussehen?

In der Früh setze ich auf Hautpflege mit Antioxidantien, am Abend auf Retinol. Ich verwende ausreichend Sonnenschutz, trinke viel Wasser, mache zweimal die Woche Sport und versuche mich gesund zu ernähren. Ab und zu mache ich auch Botulinumtoxin-Behandlungen. 

 

Bei unserem Shooting tragen Sie Kleider von NIKO NIKO Design und Callisti. Was bedeutet Mode für Sie?

Ich liebe Mode! Da ich im Alltag in der Ordination immer ungeschminkt, mit weißen Hosen, Shirts und Sneakers herumlaufe, mag ich es, mich manchmal so richtig aufzubrezeln. 

 

Sie sind Mutter, Ärztin und Unternehmerin, das ist sicher sehr stressig. Wie schalten Sie ab?

Klar gibt es Momente, in denen mir alles zu viel wird und in denen ich an meine Grenzen stoße. Abschalten kann ich in der Natur beim Wandern, Laufen oder Ski fahren. Ich liebe es aber auch, zu reisen und die Welt kennenzulernen. 

 

Wie definieren Sie Schönheit?

Schönheit ist ein sehr inflationär verwendeter Begriff mit vielen Facetten. Schönheit bezieht sich nicht nur auf Menschen, sondern auch auf die Natur und Ereignisse. Wenn zum Beispiel ein Kind auf die Welt kommt, ist das wunderschön. 

 

Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Hoffentlich noch in meiner eigenen Ordination, mit derselben Motivation und lieben Patienten, und natürlich mit meinem Mann und einem gesunden Kind. Mehr brauche ich nicht. Wenn es in fünf Jahren noch so ist wie jetzt, dann ist alles bestens.