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People | 03.04.2018

"Inhalt statt PR-Blabla"

Vor zehn Jahren war es ein Zufall, der Doris Strugl in die Selbstständigkeit führte. Heute ist die ehemalige ORF- und APA-Journalistin nicht nur mit ihrer PR-Agentur auf der Überholspur. Die 36-Jährige gibt dank eigener Lizenz auch auf der Rennstrecke Gas.

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Trendy im floral gemusterten Blazer von „Selendi – Die Mode“. (© Sarah Katharina Photography)

Für unser Covershooting treffen wir Doris Strugl im Hotel am Domplatz in Linz. In Outfits von „Selendi – Die Mode“ macht die 36-jährige Linzerin eine Top-Figur. Mode und gepflegtes Aussehen spielen für die Unternehmerin, die regelmäßig als Moderatorin auf der Bühne steht, schon berufsbedingt eine große Rolle. „Wenn alle Augenpaare auf dich gerichtet sind, geht es darum, sich wohlzufühlen. Das gibt Selbstsicherheit, und die strahlt man auch aus “, so die Powerfrau, die sich mit ihrer Agentur auf die Themen Gesundheit, Wirtschaft und Politik spezialisiert hat. Kommunikation ist ihre große Stärke, nicht umsonst wurde sie vor Kurzem zur Botschafterin der Österreichischen Gesellschaft für Dekubitusprävention bestellt. Welche Aufgaben diese Funktion mit sich bringt und wie sie und ihr Mann, der Politiker Michael Strugl, es trotz voller Terminkalender schaffen, gemeinsam Zeit zu verbringen, erzählt die Strahlefrau im Interview.

 

Frau Strugl, seit Kurzem sind Sie Botschafterin der Österreichischen Gesellschaft für Dekubitusprävention. Wie legen Sie diese Rolle an?

Ich darf die Non-Profit-Organisation, für die ausschließlich ehrenamtliche Mitarbeiter im Einsatz sind, dabei unterstützen, ihre wichtigen Anliegen und Empfehlungen nach außen zu kommunizieren. Das Thema Dekubitus (Wundliegen, Anm. der Redaktion) ist nicht besonders sexy und wird daher öffentlich wenig diskutiert. Das ist aber notwendig, denn auch hier gilt es, wie generell in der Gesundheit, auf Prävention zu setzen. Mit fachlich fundierten Empfehlungen, die sich vor allem an Pflegemitarbeiter richten, ist es das Ziel der Gesellschaft, die Situation für Betroffene zu verbessern. Es geht einerseits um die Sensibilisierung und andererseits um Kompetenzvermittlung. Zusätzlich wollen wir erreichen, dass sich noch mehr Menschen ehrenamtlich engagieren.

 

Man spürt, dieses Thema ist Ihnen ein persönliches Bedürfnis. Woher kommt das?

Ich habe mich schon in meiner Kindheit für soziale Anliegen engagiert. Ich bin damals als zwölfjähriges Mädchen in meiner Heimatgemeinde Gunskirchen von Tür zu Tür gegangen und habe
Unterschriften gegen Tierfabriken und -ver­suche gesammelt. Mein Bruder und ich haben diese soziale Ader von unserer Mutter geerbt. Sie hat uns immer angehalten, uns für andere einzusetzen und Verantwortung zu übernehmen. Mein Engagement zum Thema Dekubitus, wovon ja überwiegend ältere Menschen betroffen sind, hat aber auch sicher mit meiner Großmutter zu tun, zu der ich eine sehr enge Bindung hatte.

 

Wann haben Sie gemerkt, dass Ihre berufliche Zukunft in der Kommunikationsbranche liegt?

Bereits sehr früh. Ich war schon als Kind sehr kreativ: Ich habe gemalt, Gitarre gespielt, war in einer Theatergruppe und habe im Kirchenchor gesungen. Deutsch war definitiv mein Lieblingsfach, vor allem das Schreiben von Aufsätzen habe ich geliebt. Mit Mathematik stehe ich bis heute eher auf Kriegsfuß (lacht).

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Seit einem halben Jahr ist Doris Strugl mit Politiker Michael Strugl verheiratet. Die gemeinsame Zeit muss das Paar gut planen. (© Sarah Katharina Photography)

Vor zehn Jahren haben Sie im Wirtschaftsressort beim „Standard“ in Wien Ihre journalistische Karriere begonnen. Nur ein Jahr später haben Sie sich selbstständig gemacht. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?

Das war eher ein Zufall. Ein Freund von mir hat mit seiner Eventagentur eine große Veranstaltung in Wien organisiert. Ich bin ihm immer in den Ohren gelegen, nicht nur als Redakteurin, sondern auch als Moderatorin arbeiten zu wollen. Also hat er gemeint, das wäre meine Chance. Hauptmoderator des Events war Tom Walek von Ö3 – ich hatte nicht nur deshalb riesigen Respekt. Kurz vor Beginn war ich so nervös, dass ich am liebsten wieder nach Hause gefahren wäre. Auf der Bühne ging‘s dann. Wobei,  gut war ich nicht. Zu meiner Überraschung wurde ich von da an regelmäßig gebucht und wurde mit jeder Moderation sicherer. Übung macht eben den Meister.

 

Vom ORF in Wien über die Presseagentur APA bis in die Presseabteilung eines Krankenhauses. Sie haben in sämtlichen renommierten Medienunternehmen des Landes gearbeitet. Wie wichtig war diese Diversität für Ihr heutiges Berufsleben?

Das war und ist sehr wichtig. Da ich lange als Journalistin gearbeitet habe, weiß ich, wie ein Redakteur tickt und was er braucht. Das war sehr hilfreich für meinen Job als Pressesprecherin, den ich über fünf Jahre ausgeübt habe. Von dieser Erfahrung profitieren heute meine Kunden, die ich mit meiner Agentur in Sachen PR berate und betreue. Der Erfahrungsmix aus Journalismus und PR ist ein großer Vorteil.

 

Moderation, Interview- und Medientraining, PR und Journalismus – Ihr Aufgabengebiet ist sehr vielseitig. Was machen Sie am liebsten?

Na ja, irgendwie hängt ja alles zusammen. Es gibt viele Synergien in diesen Bereichen. Wenn ich mich zum Beispiel auf eine Podiumsdiskussion mit Experten aus dem Gesundheitswesen vorbereite, ergibt sich dadurch ein Thema, über das ich dann in dem Magazin, für das ich schreibe, berichte. Genau diese Möglichkeiten und Vielfalt sind es, die ich an meinem Job so liebe.

 

Live-Moderationen sind sicher sehr herausfordernd. Ist Ihnen schon einmal ein Hoppala passiert?

Da erinnere ich mich an eine meiner ersten Moderationen. Es war eine Staats­preisverleihung mit dem damaligen Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner, bei der ich die Preisträger in einer bestimmten Reihenfolge auf die Bühne bitten sollte. Mein Anfängerfehler war, dass ich meine Moderationskarten nicht nummeriert hatte. Ich bin total durch­einandergekommen. Wie heißt es so schön, aus Erfahrung wird man klug (lacht).

 

Die Medien- und PR-Branche ist sehr schnelllebig geworden, und es gibt auch immer mehr Kommunikationskanäle. Wie schwierig ist es, am Ball zu bleiben?

Natürlich muss man sich auf die Veränderungen, die die Digitalisierung und die sozialen Medien mit sich bringen, einstellen. Umbrüche gab es in der Medienbranche aber schon viele, das ist nichts Neues. Damals wie heute gilt, sich daran anzupassen und Entwicklungen nicht hinterherzulaufen. Was aus meiner Sicht immer Gültigkeit haben wird und sowohl für die PR als auch den Journalismus gilt, ist Content. Ich stehe für Inhalt, nicht für PR-Blabla. Das gilt sowohl für Debatten als auch für PR-Artikel oder redaktionelle Berichte.

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„Wenn man sich wohlfühlt, strahlt man das auch aus“, lautet das Credo von Doris Strugl. (© Sarah Katharina Photography)

Wie hat sich Ihre Agentur in den vergangenen zehn Jahren entwickelt?

Ich habe mich 2009 selbstständig gemacht. Währenddessen habe ich weiter für den ORF, die APA und als Pressesprecherin gearbeitet. Meine Aufträge wurden über die Jahre mehr und mehr. Ich habe pro Woche sicher bis zu 60/70 Stunden gearbeitet. 2015 war ich dann an einem Punkt, an dem ich wusste, ich muss einen Entschluss fassen. Ich habe mich damals für meine Agentur entschieden. Das war eine der besten Entscheidungen meines Lebens.

 

Was gefällt Ihnen an Ihrem Job?

Die Vielfältigkeit, sowohl thematisch als auch die Tätigkeiten be­tref­fend. Heute führe ich durch eine Po­diums­diskussion zu einem Wirtschaftsthema, und morgen schreibe ich einen Artikel über Gesundheitspolitik. Parallel dazu stehe ich vor der „LASK TV“-Kamera und bereite einen Unternehmer auf einen bevorstehenden Interviewtermin oder eine Pressekonferenz vor.

 

Was ist die größte Herausforderung in Ihrem Job?

Als Einzelunternehmerin bin ich alles in einer Person. Von der Sekretärin, die meine Termine koordiniert, über die Buchhalterin bis hin zur Verantwortlichen für Marketing und PR. Schließlich muss ich ja meine Leistungen auch entsprechend verkaufen. Das ist vor allem zeitlich oft eine Herausforderung, wovon sicher alle Einzelunternehmer ein Lied singen können. Man überlegt sich zweimal, ob man sich eine Auszeit gönnt und auf Urlaub fährt. Und auch dann fällt das Abschalten oft sehr schwer.

 

Wie gehen Sie mit Rückschlägen um?

Den ersten Auftrag, um den ich mich bemüht und in den ich viel Zeit und Energie investiert habe, nicht zu bekommen, war eine riesengroße Enttäuschung. Ich habe an mir und meiner Kompetenz gezweifelt. Mit der Zeit habe ich gelernt, dass das einfach dazugehört. Man kann nicht immer nur gewinnen und muss auch Rückschläge einstecken können, ohne sich dadurch verunsichern zu lassen.

 

Im Vorjahr haben Sie bei einer Protestaktion in Linz schwimmend die Donau überquert und sind mit einem Fallschirm aus einem Flugzeug gesprungen. Außerdem haben Sie eine Rennlizenz. Sie sind ein mutiger Mensch?

Die Vorliebe für schnelle Autos habe ich von meinem Vater. Das macht mich aber noch nicht zu einem mutigen Menschen. Ich finde, Mut beweist man, wenn man zu sich und seinen Überzeugungen steht, auch wenn man damit nicht auf Gegenliebe in seinem Umfeld stößt. Wenn man sich von seinen Zielen nicht abhalten lässt und auch Niederlagen einstecken kann und weitermacht, auch wenn es schwierig ist. Und genau daran habe ich mich immer gehalten. So holt man sich zwar manchmal eine blutige Nase, aber am Ende kann man sich immer im Spiegel anschauen.

 

Sie habe eine Top-Figur und schauen blendend aus. Wie wichtig sind Ihnen Mode und gutes Aussehen?

Mein Aussehen ist mir wichtig. Ich achte sehr darauf und beschäftige mich gerne mit der Frage „Was zieh ich an?“. Das hat für mich nichts mit Oberflächlichkeit zu tun. Ich finde, man ist es sich selbst schuldig, eine Idealversion von sich zu sein, wenn auch nicht jeden Tag. Ich liebe meine bequeme Jogging-Hose, aber eben nur, wenn ich abends auf der Coach sitze. Wertschätzung den Mitmenschen gegenüber drückt man auch damit aus, wie man sich ihnen präsentiert.

 

Seit 2015 sind Sie und Landeshauptmann-Stellvertreter und Wirtschaftslandesrat Michael Strugl ein Paar, im November des Vorjahres haben Sie geheiratet. Wie lebt es sich an der Seite eines Spitzenpolitikers?

Es braucht ein gutes Zeitmanagement. Für uns gilt: Planung ist das halbe Leben (lacht). Meistens nutzen wir dazu das gemeinsame Frühstück am Sonntag. Jeder hat seinen Terminkalender vor sich und wir besprechen die kommende Woche. Wir achten darauf, nicht nur Zeit füreinander zu finden, sondern auch unsere Familien und Freunde regelmäßig zu sehen. Zusätzlich soll jeder auch noch Raum für sich haben. Jedes Paar weiß, dass das nicht einfach ist, und es gelingt auch nicht immer. Da braucht es dann Verständnis.

 

Ihr Job ist sicher stressig. Wie kommen Sie runter?

Ich habe mich in Yoga versucht, das war aber nicht meins. Das beste Mittel gegen Stress ist für mich die Natur. Allein bei einem Spaziergang versuche ich ganz bewusst, alle Eindrücke, Geräusche und Gerüche wahrzunehmen, und ehe ich mich versehe, denke ich nicht mehr an sämtliche To-dos. Das Alternativ-Programm ist ein Besuch bei meinen Eltern. Meine Mutter kocht für uns, wir gehen mit dem Hund spazieren und reden über Gott und die Welt.

 

Wo sehen Sie Ihre Agentur in fünf Jahren?

Ich habe schon oft mit dem Gedanken gespielt, meine Agentur mit Mitarbeitern zu verstärken. Derzeit arbeite ich projektbezogen mit anderen Agenturen oder Freelancern zusammen. Das funktioniert sehr gut, aber die vielen Aufträge könnten eine zusätzliche Verstärkung notwendig machen. Unabhängig davon möchte ich offen bleiben für Themen, Aufgaben und Projekte.