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People | 06.09.2017

„In Ebensee fühle ich mich zuhause“

Christian Rainer, Herausgeber und Chefredakteur des Nachrichtenmagazins „profil“, im persönlichen Talk über seine neu entdeckte Liebe zu Ebensee, seine Rolle als liebender Vater und warum er sein momentanes Liebesglück ein bisschen privater halten möchte.

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© Lucia Vilsecker

Christian Rainer empfängt uns in seinem Büro in der Wiener Innenstadt. Sechster Stock, Blick über die City. Charmant, authentisch und kultiviert bis in die Haarspitzen ist der 55-jährige Herausgeber und Chefredakteur von profil. Extrovertiert, den Frauen zugetan und polarisiernd – auch das ist Christian Rainer. Nur wenige wissen, dass er im Salzkammergut geboren und aufgewachsen ist. Und eben dort zieht es ihn in letzter Zeit immer öfter hin, weil er sich dort jetzt zuhause fühlt. Das Gespräch mit einem Heimkehrer.

 

Sie sind seit Juli 1998 Herausgeber und Chefredakteur von profil und bezeichnen diese Aufgabe als den „spannendsten Job des Landes“. Was reizt Sie auch nach so vielen Jahren noch daran?

Es gibt im Moment nur einen Job, der spannender ist, und das ist der des Außen­ministers, so wie ihn Sebastian Kurz macht. Wissend allerdings, was für ein Sadomaso-Trip die Bundespolitik ist, beneide ich ihn nur sehr virtuell. Das Schönste an meiner Arbeit ist das Team. Jeden Morgen in ein Umfeld von intelligenten, herzlichen und diskussionsfreudigen Menschen zu kommen, ist ein unglaubliches Privileg. Auch die Tatsache, dass wir ein Nachrichtenmagazin machen dürfen, das die gesamte Bandbreite vom Kirtag am Ballhausplatz bis zu den Gamsjaga-Tagen in Ebensee bespielt, ist sehr spannend. Selbst wenn Universalmagazine in Zeiten wie diesen nicht gerade die Cashcow Nummer eins des Print-Business sind.

 

Wie sind Sie zum Journalismus gekommen?

Zum Journalismus bin ich ganz klar über Kurt Waldheim gekommen. Ich war nie ein politischer Mensch, aber wie er als Bundespräsidentschaftskandidat mit der österreichischen Geschichte und den dunkelsten Kapiteln des Landes oder überhaupt der Menschheit umgegangen ist – zwischen Lüge und Verdrängung –, das hat mich empört. Ich war wütend, bin auf die Straße gegangen und habe mich politisch engagiert. Eines Tages bin ich zum Falter (Anm. d. Red.: Wiener Stadtzeitung) gegangen und habe zu Armin Thurnher, dem Herausgeber, gesagt: Ich will schreiben! Und er hat zu mir gesagt: Dann schreib! So wurde ich Journalist und bin es immer geblieben.

 

Knapp 20 Jahre als profil-Herausgeber, das bedeutet beinahe 1.000 Cover. Was war rückblickend Ihr bestes?

(zieht einen Bilderrahmen hervor und zeigt es uns) Das ist ganz klar dieses hier. Das war der Beginn der schwarz-blauen Koalition im Februar 2000. Wir haben damals „Die Schande Europas“ getitelt, dazu ein Foto von Wolfgang Schüssel und Jörg Haider, als sie den Koalitionspakt unterzeichnen. Das war der Tabubruch schlechthin für mich. Wir haben nicht erwartet, dass Österreich ein radikal rechtes Land wird, aber es war das erste Land Europas, in dem man einen Menschen, über den man sagen kann, dass er ein Rechtsradikaler ist, einen Koalitionsvertrag hat unterschreiben lassen. Dafür hätte ich meinen Job gegeben!

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Zünftig: Daheim im Salzkammergut in der Lederhose von Rudolf Daxner. (© Privat)

Am 15. Oktober stehen die Nationalratswahlen an. Es schaut nach einem knappen Rennen zwischen Kurz, Kern und Strache aus. Werden Sie sich wie bei der Bundespräsidentenwahl vergangenen Winter mit profil wieder klar positionieren?

Nein, wir werden uns nicht wieder so klar positionieren. Wir halten sowohl Christian Kern als auch Sebastian Kurz für ausgezeichnete Politiker. Sie gehören meiner Meinung nach zu den besten Politikern Europas. Ich schätze auch Ulrike Lunacek sehr, was allerdings derzeit bei den Grünen passiert, ist verheerend. Die Grünen sind mittlerweile die einzigen, die für „grenzenlose Menschlichkeit“ stehen könnten – um es so positiv zu nennen –, aber das nutzen sie nicht aus. Es ist selbstzerstörerisch. Dass wir die FPÖ für unwählbar halten, ist kein großes Geheimnis.

 

Wie definieren Sie die Rolle eines Journalisten: reine Analyse, Meinungsbildner, moralische Richtungsweisung?

Alles minus das Wort „moralisch“. Wir analysieren, wir recherchieren, wir versuchen einzuordnen und sind damit meinungsbildend und richtungsweisend, aber nicht moralisch.

 

Sie sind in Ebensee aufgewachsen, leben allerdings seit Ihrer Studienzeit in Wien. Mittlerweile verbringen Sie wieder fast jedes Wochenende im Salzkammergut und haben sogar das Haus Ihrer Eltern übernommen, was Sie sich davor nie hätten vorstellen können. Woher kommt dieser Sinneswandel?

Diese Rückkehr hängt ganz intensiv mit dem Tod meiner Eltern zusammen. Meine Mutter starb erst vor wenigen Monaten hochbetagt mit 95 Jahren. Davor war ich sehr viel in unserem Haus in Rindbach. Und plötzlich habe ich bemerkt, dass ich mich dort zuhause fühle. Besonders das Entrümpeln dieses riesigen Hauses, diese physische Arbeit des Sich-Trennens, hat eine Bindung erzeugt, die mich richtig wundert. Das ist ganz eigenartig. Irgendjemand hat einmal diesen gescheiten Satz gesagt: Heimat ist dort, wo man fühlen gelernt hat. Und in Ebensee habe ich das erste Mal gelacht, geweint, die Zärtlichkeit einer Mutter empfunden, die intelligente Zuneigung eines Vaters, meine Kindheit – das war alles in Ebensee. Die Wut, das erste Mal verliebt zu sein – sie hieß Barbara (lacht) – oder mein erster und einziger Heiratsantrag (lacht wieder), das war im Kindergarten, sie hieß Sonja und hat Nein gesagt. Das hat vielleicht mein Leben geprägt (zwinkert). Ich suche mir jetzt schon mein Fleckerl auf dem Friedhof in der Kohlstatt, dort will ich begraben sein.

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So kennt man Christian Rainer: als „Wiener“ im Burgtheater. (© Privat)

Sie sind beim Fetzenzug dabei – verkleidet wohlgemerkt, gehen gern Bergsteigen und fühlen sich in Ebensee daheim. Dieses Bild des naturverbundenen, bodenständigen Christian Rainer lässt sich nur schwer verbinden mit jenem Bild des...

(stellt die Frage selbst zu Ende)... schnöseligen, Hochdeutsch sprechenden Mannes mit dem Gel in den Haaren?

 

Ja, mit diesem Bild, das man aus den Medien von Ihnen hat...

Ich denke, dass es ein bisschen mit meinem Elternhaus zusammenhängt. Mein Vater war Werksdirektor bei Solvay, klassisch mit Chauffeur und Villa, wie es damals üblich war. Meine Mutter war Sudetendeutsche, meine Kindheit habe ich Hochdeutsch sprechend in einem goldenen Käfig verbracht. Ich bin mit 18 Jahren nach Wien geeilt, um Jus und Volkswirtschaft zu studieren. Drei Jahrzehnte lang bin ich nur selten nach Ebensee zurückgekehrt. Das ist die eine Welt, aber die andere ist jene, die ich jetzt gerade wieder entdecke und  erobere. Es hat auch nicht geschadet, dass ich sechs Jahre Psychoanalyse bzw. -therapie gemacht habe. Das hat meinen Eltern und mir sehr geholfen. Übrigens lerne ich jetzt langsam Ebenseerisch. Wenn ich mit Ebenseern spreche, habe ich zumindest den Tonfall schon so drauf, dass ich mir selbst nicht mehr peinlich bin.

 

Sie richten sich demnach in Ebensee gerade häuslich ein?

Ja, ich richte mir alles so, dass ich mich dort wohl fühle. Man sieht mich dort auch mit dem Balkenmäher im Blaumann. Ich stehe dann in der Werkstatt, wo noch das Werkzeug hängt, mit dem ich schon als Kind mit meinem Vater gebastelt habe. Wenn ich jetzt darüber spreche, bekomme ich direkt feuchte Augen, weil es die verlorene Kindheit, die verlorenen Eltern sind, aber auf der anderen Seite ist es auch die Verwurzelung. Das spüre ich dort sehr stark.

 

Sie sind Vater von Zwillingen, Noomi und Lola, die jetzt 14 Jahre alt sind. Wie darf man sich Christian Rainer als Papa vorstellen?

(schmunzelt) Da ich ein extrem regelmäßiger Gelegenheitsvater bin, jedes Wochenende also, habe ich es relativ leicht. Weil es nicht der Alltag ist, sondern der Urlaub und das Wochenende. Da kann man Kindern mehr bieten. Es ist eine Mischung aus Wurs­telprater und Do&Co, Running Sushi, Kino und Kletterhalle. Wir waren eben erst auf Hawaii. Ich bin – zu meiner eigenen Überraschung – ein sehr liebender und fürsorglicher Vater geworden. Man versucht, als Vater nicht jene Fehler zu machen, die meine Elterngeneration noch gemacht hat.

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Kaum zu erkennen: der profil-Chef beim Fetzenfasching in Ebensee. (© Privat)

Gibt es Werte, die Ihnen wichtig sind und die Sie auch Ihren Töchtern vermitteln möchten?

Ehrlichkeit, das direkte Ansprechen und Besprechen von Dingen, Handschlagqualität, die generationen- und parteienübergreifend ist. Wenn man den Ebenseern nachsagt, sie seien stur und schwierig, ist das eine Form, sie zu beschreiben. Aber die andere ist Direktheit und Ehrlichkeit.

 

Sie führen ein halböffentliches Privatleben, haben den Ruf des Womanizers und hatten auch immer wieder Beziehungen mit prominenten Damen wie Franziska Weisz und Nadja Bernhard. Pflegen Sie diesen Ruf noch immer?

Als Journalist trifft man eher eine Schauspielerin oder ZiB-Moderatorin, weil es das Freundes- und Bekanntenumfeld ist. Das hat nichts mit Planung zu tun. Wenn man das Glück hat, einen Zugang zu so tollen Frauen zu haben, dann versucht man auch, eine Beziehung aufzubauen. Allerdings muss man aufpassen, dass die Beziehung nicht zu viel Künstlichkeit erfährt, wenn das Privatleben, jeder Spaziergang zum ständigen Grüßen und Sich-Spiegeln in den Menschen, die mit einem sprechen wollen oder einen anstarren, wird.

 

Im Moment soll eine 24-jährige Studentin Ihr Herz erobert haben. Sie hat dazu bereits klar Stellung genommen, von Ihnen gibt es – außer gemeinsamen Fotos – keinen Kommentar. Wollen Sie Ihr Liebesglück dieses Mal etwas privater halten?

Ja, deshalb habe ich selbst nie etwas dazu gesagt. Ich habe das Zerstörerische der Öffentlichkeit schon gesehen, die Boulevard-Medien nehmen einfach Fotos von Facebook runter und veröffentlichen sie mit oder ohne erfundene Kommentare. Das ist Teil dieses öffentlichen Lebens und ich beklage mich auch gar nicht darüber. Schützen muss man nur die Kinder. Natürlich erwähne ich sie, weil sie Teil meines Lebens sind, aber ich bin sehr zurückhaltend mit Kinder-Fotos. Man muss sehr aufpassen, dass sie nicht in den Strudel der Öffentlichkeit kommen.