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People | 04.11.2015

Immer am Ball

Snooker: Nationalsport in England, Randsport in Österreich. Dass es auch hierzulande Talente gibt, die am besten Weg sind, international durchzustarten, beweist der Welser Paul Schopf, Snooker-Staatsmeister 2014. Ein Gespräch über die Faszination Snooker.

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(© Heidemarie Pleschko)

Pool-Billard kennt jeder und erfreut sich großer Beliebtheit. Bei Snooker sieht die Sache schon anders aus. Jemand, der sich damit besonders gut auskennt, ist Paul Schopf. Der 26-jährige Welser ist österreichischer Snooker-Staatsmeister, dreifacher Vize-Staatsmeister und dreifacher Junioren-Staatsmeister, um nur einige seiner Erfolge zu nennen. Pokale stehen jedenfalls unzählige in der Regalwand im ASKÖ Paul Schopf Snooker Club in Wels. Was Snooker eigentlich ist, wie Paul Schopf als „typischer Fußballer“ zu dem Sport gekommen ist und was ihn an dem Sport so fasziniert, darüber plauderte er mit der Oberösterreicherin

 

Für alle, die Snooker nicht kennen: Was ist der Unterschied zwischen Snooker- und Pool-Billard? 

Kurz erklärt: Der Tisch ist größer, die Kugeln sind kleiner, das Lochen ist schwieriger, es gibt sehr viele mehr Zusatzregeln, mehr Fouls, deutlich mehr Möglichkeiten, und Snooker ist taktischer als Pool. Abgesehen von „English Billard“, einer Mischung aus Snooker und Karambol, gibt es bei Snooker nur eine Art zu spielen, während es bei Pool viele gibt … 

Inwiefern ist Snooker technisch schwieriger als Pool?

Man muss für Snooker viel präziser sein. Die Technik muss ausgereifter sein, weil die Distanzen, die mit den Bällen zu bewältigen sind, größer sind. Es kommt bei Snooker auf andere Dinge drauf an als bei Pool. Ich kann mich als Snooker-Spieler nicht hinstellen und sagen, dass Snooker schwieriger ist, denn ich kann selbst nicht so gut Pool spielen, es ist einfach etwas ganz Anderes. Bei Pool hat man jedenfalls als Anfänger schneller Erfolgserlebnisse. 

 

Im Gegensatz zu England, China und Indien ist Snooker in Österreich eine Randsportart. Wie kamen Sie dazu? 

Österreich zählt als aufstrebendes Snooker-Land. Ich kam mit 14 Jahren zu dem Sport, habe ganz klassisch mit Pool begonnen. Irgendwann war dann Snooker interessanter …

 

Sind Sie ein typischer Snooker-Spieler? 

Nein, gar nicht. (Lacht) Snooker liegt mir eigentlich nicht. Ich bin ganz klar ein Fußballer! Ich bin ein total emotionaler Mensch, schreie herum beim Fußballspielen oder -zuschauen. Bei Snooker sollte man Emotionen total verstecken, am besten gar nichts sagen und zeigen. Man lernt irrsinnig viel durch Snooker, ich würde sogar sagen, meine Persönlichkeit hat sich durch den Sport verändert. Ich bin ruhiger und cooler geworden. Snooker ist ein emotionales Training.

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Bei Snooker müssen 15 rote und sechs andersfarbige Bälle versenkt werden. (© Heidemarie Pleschko)

Muss man als Snooker-Spieler sportlich sein?

Ja, Snooker ist schon ein Sport, das darf man nicht unterschätzen. Ich mache viel Ausgleichssport, gehe zum Beispiel laufen, um fit zu sein. Bei langen Partien muss man stundenlang stehen und gehen. Snooker ist in der Hinsicht vergleichbar mit Golf. Man denkt auch immer, Golfer müssen nicht fit sein, aber bei zehn Kilometern, die man pro Tag schon mal geht, braucht man eine gewisse Fitness. 

 

Snooker ist nicht nur technisch, sondern auch mental sehr anspruchsvoll. Spiele gehen oft über Stunden. Wie schafft man es, die Konzentration so lange aufrechtzuerhalten? 

Indem man sich nicht ständig konzentriert. (Lacht) Immer dann, wenn der Gegner am Stoß ist, sollte man sich entspannen, das Einkreiden des Queues ist hier sehr hilfreich. 

 

Sie haben einen eigenen Verein, den ASKÖ Paul Schopf Snooker Club. Kann jeder beitreten?

Theoretisch kann jeder beitreten. Ich sehe mir die Leute vorher an und bespreche mich mit den anderen Mitgliedern. Wir haben hier im Club Top-Material. Das Tuch etwa, mit dem die Tische bezogen sind, ist sehr teuer. Das Problem bei Anfängern ist, dass sie technisch noch nicht so bewandert sind und durch fehlende Technik das Tuch beschädigen könnten. Aber ich weise die Leute darauf hin, dann passt das schon.

 

Wie oft trainieren Sie? Haben Sie einen Trainer? 

Ich trainiere fünf Mal die Woche fünf Stunden am Tag. Wir, also das Nationalteam, haben einen Trainer: P. J. Nolan aus Irland von der „147 Academy“. Er kommt einmal im Monat für ein Wochenende her und trainiert mit den Top 8 bis 10 Österreichs. 

 

Sie sind seit Juli 2015 auch World Snooker Coach. Wie wird man das? 

Die Ausbildung ist zweitägig in England und kann theoretisch jeder machen, der etwas mit Snooker zu tun hat. Man muss sich dafür bewerben. Ich habe P. J. Nolan als Coach angegeben, als „Beweis“, dass ich Snooker ernsthaft betreibe.

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Siegertyp: Paul Schopf mit dem Staatsmeister-Pokal. (© Heidemarie Pleschko)

Sie geben Ihr Snooker-Wissen also auch weiter?

Ja, ich habe im Sommer ein Schüler-Camp organisiert, gemeinsam mit einem Pool-Club. Das Interesse war sehr groß unter den Kids. Sie haben gleich festgestellt, dass Snooker schwieriger ist, auch was das Verstehen des Spiels betrifft, aber es hat ihnen total Spaß gemacht. Das ist die Zukunft für mich: Ich möchte vor allem Jungen die Chance geben, Snooker zu lernen. Der Weg geht über die Schulen, dass die Schüler über so genanntes „Functional Snooker“ Mathematik und Englisch lernen. Das ist eine tolle Sache. Es fördert auch die Konzentrationsfähigkeiten der Kinder. 

 

Können Sie von Snooker leben? 

Ich hoffe, dass ich irgendwann von Snooker leben kann. Derzeit ist es zu wenig. Ich bin Semiprofi. Durch Sponsoren, Coachings, Preisgelder bleibt schon einiges übrig, aber zum Leben ist es zu wenig. 

 

Bleibt neben dem intensiven Training und Auslandsaufenthalten und Turnieren noch Zeit für einen „normalen“ Beruf? 

Ich war bis vor Kurzem beim Samariterbund angestellt, aber das ging zum Schluss nicht mehr. Es wurde zu viel. Ich helfe jetzt meinem Vater in seinem Betrieb, wenn ich Zeit habe. Dort habe ich die nötige Flexibilität, um mich voll auf Snooker zu konzentrieren. Mein Ziel ist natürlich die Main Tour, das ist eine Serie von Turnieren, bei der weltweit nur die besten 128 Spieler teilnehmen. Da gibt es auch als Nummer 60 oder 70 schon Preisgelder, die interessant sind … 

 

Was waren Ihre größten Erfolge? 

Ich durfte vor Kurzem erstmals bei einem Weltranglisten-Turnier mitspielen, das in China stattfand und auch im Fernsehen übertragen wurde. Das war eine wahnsinnig interessante Erfahrung. Wir spielten gegen die Chinesen, auch gegen Ding Junhui, einen der besten Snooker-Spieler weltweit, momentan Dritter in der Weltrangliste. Ich hatte schon ein paar Chancen, war aber sehr nervös beim Spielen. 

 

Welcher Sieg liegt Ihnen besonders am Herzen?

Das ist sicher der Staatsmeister-Titel. Davor war ich drei Mal knapp gescheitert, es war dann natürlich schon etwas Besonderes, den Titel endlich in der Tasche zu haben. Dass ich gerade die Nummer zwei in Österreich bin, freut mich auch sehr. 

 

Was macht die Faszination Snooker für Sie aus?

Dass ich mich auf dem Weg des Unerreichbaren befinde; dass ich weiß, dass ich nie alle Kugeln laufend reinschießen werde. Ich kann den ganzen Tisch ohne Fehler abräumen und beim nächsten Spiel verschieße ich dann einen leichten Ball. Das ist faszinierend.

 

Für alle, die jetzt neugierig geworden sind und Snooker mal ausprobieren wollen, bieten Sie Schnupperstunden an?

Ja, jeden Mittwoch gibt es bei mir im Club ein Schnuppertraining, Anmeldungen  bitte telefonisch unter 0650/3774669. Egal welches Alter, jeder kann kostenlos teilnehmen. 

Infos gibt es auch unter www.paulschopf-snooker.at.