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People | 17.03.2015

„Ich wusste, dass es funktioniert“

Whisky im beschaulichen Mühlviertel zu brennen – an dieser Idee hat Peter Affenzeller (28) nie gezweifelt. Und er sollte Recht behalten. Heute ist er mit seinen Produkten international erfolgreich und heimst eine Auszeichnung nach der anderen ein. Wir haben ihn in seiner modernen Destillerie in Alberndorf, 20 Kilometer nördlich von Linz, besucht.

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"Ich war einfach überzeugt davon, dass es funktioniert. "

Sie haben vor zehn Jahren erstmals Korn gebrannt. Damals waren Sie 18 Jahre alt. Wie kommt man als junger Mann auf diese Idee?

Der Ursprung liegt darin, dass wir auf unserem Haus hier schon immer ein Getreidebrennrecht hatten. Ich bin also schon als Kind dabei gewesen, wenn Kornschnaps gebrannt wurde. Später habe ich mit meinen Freunden beim Fortgehen Whisky mit allem Möglichen getrunken. Und irgendwann haben wir ihn pur verkostet, da ist dann die Sensorik mit ins Spiel gekommen – welche Aromen man schmecken konnte. Das hat mich fasziniert und ich wollte selbst versuchen, Whisky zu brennen.

 

Wie lernt man das? Learning by Doing?

Ja, es war sehr viel Learning by Doing. Ich habe experimentiert, Kurse besucht und mit Brennkollegen über deren Erfahrungen gesprochen. Dabei hat es immer wieder welche gegeben, die mir keinen Einblick in ihre Arbeit gewähren wollten. Andere haben mich sehr unterstützt und mir weitergeholfen. Grundsätzlich haben mich am Anfang viele belächelt, aber ich habe immer gewusst, dass es funktionieren wird.

 

Das Mühlviertel ist nicht unbedingt als typische Region für Whisky bekannt. Warum waren Sie sich Ihrer Sache dennoch so sicher?

Der Beginn war alles andere als einfach. Gehen Sie mal als junger Mann auf die Bank und sagen, dass Sie Geld für eine Whisky-Destillerie im Mühlviertel brauchen ... (lächelt). Glücklicherweise haben mich meine Eltern immer unterstützt. Und warum ich mir so sicher war? Das kann ich nicht genau sagen. Ich war einfach überzeugt davon, dass es funktioniert. Ich habe nie an meiner Idee gezweifelt. Das ist die beste und wichtigste Voraussetzung, um erfolgreich zu sein.

 

Was machen Sie vielleicht anders als Industriehersteller – und sind deshalb auch so erfolgreich?

Wir brennen hier absolut langsam und nicht industriell. Auf diese Weise haben Geist und Aromen entsprechend viel Zeit, sich zu verbinden. Liegt es einmal im Fass, wird zum Beispiel keine Pumpe mehr verwendet, weil es die Aromatik zersetzen würde. Wir bearbeiten es nur noch sehr schonend und kontrollieren jeden Monat, ob es richtig reift.

 

Und Ihre Familie unterstützt Sie dabei?

Ja, meine ganze Familie ist stark involviert. Dass jeder integriert ist, war mir immer sehr wichtig. Mittlerweile stellen wir 15.000 Liter Whisky im Jahr her. Wir bauen sogar das Getreide selbst an. Dafür ist zum Beispiel mein Vater zuständig. Meine Mutter hingegen für die Abfüllung. Die Hauptverantwortung für das Produkt liegt bei mir. 

 

2014 war Ihr Jahr. Sie wurden mit dem Jungunternehmerpreis ausgezeichnet und Ihre Edelbrände wurden mit internationalen Prämierungen nahezu überhäuft. Wie soll es in diesem Jahr für Sie weitergehen?

Ja, das war wirklich ein sehr gutes Jahr (lacht). Im Moment bauen wir gerade ein Café inklusive Sonnenterrasse dazu, die Eröffnung ist für April geplant. Dort werden wir sogar einen Whisky-Kaffee servieren, der extra für uns gemacht wird. Mein Namenskollege Peter Affenzeller aus Freistadt ist mit seiner kleinen, aber feinen Rösterei dafür genau der richtige Partner für uns. Der Kaffee wird nicht alkoholisch sein, sondern dezent aromatisch nach Whisky schmecken. Dazu gibt es regionale Mehlspeisen und Säfte. Handelsübliche Limonaden würden nicht zu unserem Konzept passen.

 

Ihr Konzept baut stark auf Regionalität. Woher kommt Ihre Verbundenheit mit dem Mühlviertel?

Zum einen liegt das daran, dass das Mühlviertel viel zu bieten hat. Mit den Produkten, die mit so viel Liebe und Sorgfalt produziert werden, brauchen wir uns nicht zu verstecken. Außerdem mag ich die Handschlagqualität der Menschen hier. Auf der anderen Seite hat es bestimmt auch mit der Geschichte unseres Hauses zu tun. Ich habe einmal die Chronik des Hofes gelesen, die ein paar Jahrhunderte zurückgeht. Es ist beeindruckend, wie viele Generationen hier schon sehr hart gearbeitet haben. Das war für mich Motivation genug, um weiterzumachen. Jetzt leben das Haus und die Chronik weiter – wenn auch nicht mehr im landwirtschaftlichen Bereich.