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People | 07.11.2016

"Ich würde wieder Wirt werden"

Günter Hager ist ein Urgestein der oberösterreichischen Wirte-Szene. Jetzt hat er ein Buch geschrieben. „Fucking Gastro“ – ein Frontbericht über den täglichen Wahnsinn in der Gastronomie.

Bild Guenter Hager (c) Markus Litzlbauer.jpg
© Markus Litzlbauer

Als wir Günter Hager erreichen, ist er gerade im Himalaya-Gebiet unterwegs. Auf dem Weg in seine beiden Waisenhäuser, die er in den vergangenen Jahren dort errichtet hat. Denn auch das ist der 61-Jährige. Sozial engagiert, demütig und dankbar, ausgesprochen nachdenklich.

Wir sprechen mit ihm allerdings über sein Buch, das Mitte Oktober erschienen ist. Und in dem er seinem Ärger über Auflagen, Behörden und auch Gäste Luft macht.

 

OBERÖSTERREICHERIN: Sie waren immer Gastronom mit Leib und Seele, haben im Lauf der Jahre internationale Promis bewirtet und mit dem „Allegro“ das erste Haubenrestaurant in Linz geführt. Was hat Sie nach 45 Jahren zu einem „Wut-Wirt“ gemacht?

Günter Hager: Ich bin überzeugt, dass in jedem guten österreichischen Wirt auch ein „Wut-Wirt“ steckt! Bei dem alltäglichen Kampf, den meine Gastro-Kollegen mit einer nicht endend wollenden Flut an Gesetzen, den peinlich kontrollierenden Behörden, dem finanziellen Druck der Banken und nicht zuletzt der immer schwieriger werdenden Mitarbeitersituation – und das bei fast 500.000 Arbeitslosen – könnte wohl jeder ein dickes Buch über seine Erlebnisse schreiben.

 

Hat es einen Auslöser gegeben, der Sie veranlasst hat, das Buch „Fucking Gastro“ zu schreiben? Sozusagen der berühmte letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat ...

Ich habe irgendwann damit begonnen, mir bestimmte ärgerliche Situationen zu notieren – sozusagen als Therapie. Irgendwann musste ich das Notizheft wechseln, weil es voll war. Das war der Zeitpunkt, an dem ich beschlossen habe, daraus ein Buch zu machen. Die Politik sorgt ja für permanenten Nachschub an peinlich-lustigem Material für weitere Bücher.

 

Sie sind im Buch sehr geradeheraus und sprechen Dinge, die aus Ihrer Sicht falsch laufen, offen an. Das erfordert auch ein gewisses Maß an Mut. Sind Sie ein mutiger Mensch?

Mein Vater hat mir in jungen Jahren beigebracht: „Bub, sei immer ehrlich und gerade!“ Das war sozusagen ein Leitsatz, der mein Leben sehr geprägt hat. Viele Menschen in meinem Umkreis konnten damit nicht umgehen. Oft haben sie sich erst viel später für die Ehrlichkeit meiner Worte bedankt. Und ich hasse nichts mehr als die ewige Raunzerei und Schönrederei des Durchnittsösterreichers.

 

Die ersten Reaktionen zeigen, dass Sie mit Ihrem Buch vielen Gastronomen aus der Seele sprechen. Was läuft falsch, dass es in einer Branche dermaßen großen Unmut gibt?

Würden unsere tausenden gutverdienenden Politiker, unsere Armeen an Beamten und Behörden, unsere unzähligen Funktionäre und Gutmenschen die Berge an Problemen mal endlich ehrlich ansprechen, wären wir schon um Lichtjahre weiter. Unsere Kinder hätten das Erbe eines schuldenfreien, erfolgreichen Österreichs sehr wohl verdient. Sie werden uns hier mal richtig große Vorwürfe machen. Ich habe mit meinem Buch versucht, meinen Teil dazu beizutragen, und hoffe, dass es mir meine Enkerl einmal danken werden.

Bild Guenter Hager  ( c) Markus Litzlbauer.jpg
© Markus Litzlbauer

Würden Sie sagen, dass die österreichische Wirtshaus-Tradition bereits auf dem besten Weg ist, auszusterben?

Die Linzer Landstraße hat vom Musiktheater bis zur Donau etwa an die 60 Gastro-Betriebe. Für den Linz-Besucher bleiben hier erkennbar – wenn man von einigen Insider-Lokalen absieht – nur noch der Klosterhof und das Josef als österreichische
Vertreter der Wirtshauskultur. Der Rest sind Systemgastronomie, Fast-Food-Konzepte und ausländische Lokale. Wer eine Zeitung lesen, sich auf ein Tratscherl treffen und Linz von seiner Gemütlichkeit her kennenlernen will, hat nicht mehr viel Auswahl. Was man auch nicht vergessen sollte: Mit dem Wirtshaus verschwinden auch deren Zulieferer, wie Landwirte oder Bäcker, und damit unsere heimische Kultur. Wollen wir das wirklich oder sind sich unsere entscheidenden Politiker dessen gar nicht bewusst?

 

Mit dem Wissen von heute: Würden Sie sich noch einmal dafür entscheiden, Wirt zu werden?

Ja, natürlich! Jedoch würde ich mit meinem mir hier angeeigneten Wissen ins Ausland gehen und dort meine Erfahrungen so teuer wie möglich verkaufen. Erfolgreiche Kollegen wie Wolfgang Puck in den USA zeigen, was möglich ist. Viele der momentan in Scharen ausgebildeten Gastro- und Hotelschüler praktizieren das ebenfalls. Leider bleiben uns nur die Ausbildungskosten, in den Genuss des Know-hows unseres Nachwuchses kommen andere. Unsere Ausbildungsauflagen kosten viel Geld, das uns am Ende des Tages bei den Gehältern wieder fehlt.

 

Ihr Sohn Andreas wird das „Josef“ möglicherweise weiterführen. Sie sagen, dass Sie sich nicht sicher sind, ob Sie ihm tatsächlich dazu raten sollen. Sie glauben demnach nicht, dass sich in nächster Zeit etwas in der Gastronomie zum Positiven ändern wird?

Lesen Sie das ganze Interview mit Günter Hager in der November-Printausgabe der OBERÖSTERREICHERIN!