Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 13.03.2018

"Ich will Menschen berühren"

Er ist 33 Jahre jung und bereits Intendant des Musicalfrühlings in Gmunden: Der gebürtige Linzer Markus Olzinger stand früher selbst als Darsteller auf der Bühne. Heute zieht er im Hintergrund als Regisseur die Fäden.

Bild 1803_O_Maenner_Olzinger_Port.jpg
Vom Darsteller zum Regisseur: Markus Olzinger zeigt mit seinen Inszenierungen Musicals auf höchstem Niveau. (© Ingo Eisenhut)

Als Kind wollte er Clown und Zirkusdirektor werden. Heute ist Markus Olzinger Regisseur, baut Bühnenbilder und leitet den Musicalfrühling in Gmunden. Denn diesen hat der 33-jährige Linzer, der mittlerweile in Wien lebt, vor vier Jahren mitbegründet. Weil das Musical für ihn weitaus mehr als eine Halligalli-Show mit Gesang und Tanz ist. „Es ist moderne Kunst“, betont er bei unserem Interview in einem Linzer Kaffeehaus, wo er bei einem Cappuccino regelrecht ins Schwärmen kommt und auch erklärt, warum ihm wichtig ist, seine Zuschauer zumindest einmal zu Tränen zu rühren.

 

Sie sind bereits im Alter von zehn Jahren auf der Bühne des Linzer Landestheaters gestanden. War das schon immer Ihr großer Traum?

Ich bin in die Musik-Hauptschule Harbach gegangen und war dort im Kinderchor. Und mit dem haben wir im Stück „Der junge Lord“ mitgewirkt. Den Wunsch, auf der Bühne zu stehen, hatte ich aber schon im Alter von drei oder vier Jahren. Damals bin ich mit meinen Eltern in den Zirkus und ins Kasperltheater gegangen. Das hat mich fasziniert, obwohl ich nie damit zufrieden war, was ich gesehen habe. Ich war schon damals sehr kritisch und wusste genau, wie ich es machen würde. Mein Berufswunsch war, Clown und Zirkusdirektor zu werden – und dem bin ich bis heute in gewisser Weise treu geblieben (lacht).

 

Was fasziniert Sie daran?

Auf der Bühne kann man Seiten von sich zeigen und ausleben, von denen man oft selbst nicht weiß, dass man sie hat. Außerdem bin ich schon immer sehr kreativ gewesen und hatte eine sehr konkrete Vorstellung von Theater. Ich brauche etwas, wo ich diese Kreativität ausleben kann. Ich habe Musical studiert und vor zehn Jahren auch damit begonnen, Regie zu führen und Bühnenbilder zu bauen. Das war Learning by Doing.

 

Und warum ausgerechnet Musical?

Musical ist für mich moderne Kunst. Es wird zwar oft belächelt – insbesondere von Oper und Schauspiel –, aber ich finde völlig zu Unrecht. Denn für mich ist es oberste Liga, weil ein Musical viele Bereiche zusammenführt. Die Darsteller müssen wirklich viel können, und auch die Regie ist eine große Herausforderung. Ein richtig gutes Musical braucht viel Professionalität und ist weit mehr als eine Halligalli-Show mit Gesang und Tanz.

Bild 1803_O_Maenner_Olzinger_Foto1.jpg
(© Ingo Eisenhut)

Was muss ein Stück haben, um Ihr Interesse zu wecken?

Die Geschichte muss mich berühren, und auch die Musik muss erstklassig sein. Das alles muss zu 100 Prozent passen. Das Stück beim diesjährigen Musicalfrühling in Gmunden ist die deutschsprachige Erstaufführung des Broadway-Musicals „Jane Eyre“, nach dem gleichnamigen Roman von Charlotte Brontë. Es erzählt die Geschichte einer jungen Waisen, die nach einer schweren Kindheit eine Stelle als Gouvernante annimmt und sich in ihren Arbeitgeber verliebt. Es ist die Geschichte einer Liebe, die Mut erfordert, weil sowohl gesellschaftliche Grenzen als auch dunkle Geheimnisse überwunden werden müssen. Wir haben dieses Stück für den Musicalfrühling in Gmunden auch ausgesucht, um Gmunden ein Stück weiter zur Marke zu machen. Wir stehen für höchst qualitative Produktionen und zeigen Stücke, die in Österreich noch nicht aufgeführt wurden und die man sonst kaum sehen würde. Dadurch bekommen wir auch erstklassige Besetzungen – weil zum Beispiel die Darsteller unbedingt dabei sein wollen.

 

Den Musicalfrühling in Gmunden haben Sie gemeinsam mit Caspar Richter und Elisabeth Sikora vor vier Jahren gegründet. Wie ist diese Zusammenarbeit entstanden?

Das war ein bisschen zufällig. Ich hatte den Auftrag, für eine kleine Produktion sowohl Regie als auch Bühnenbild zu machen. Ich habe mich da hineingehängt und am Ende wurde mir beides wieder weggenommen. Daraufhin habe ich beschlossen, mein eigenes Ding zu machen. Caspar Richter, der unter anderem Gründungsmitglied und Musikdirektor der Vereinigten Bühnen Wien war, und die großartige Darstellerin Elisabeth Sikora waren ebenso davon begeistert, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Das Stadttheater in Gmunden hatte ich von meiner Kindheit noch in sehr guter Erinnerung. Also haben wir dort unsere Idee vorgestellt und nach drei Jahren war es dann so weit: Wir haben mit „Blutsbrüder“ Premiere gefeiert.

 

Wie schwierig war es, mit „Jane Eyre“ die deutschsprachige Erstaufführung eines erfolgreichen Broad­way-Musicals ins beschauliche Ober­österreich zu holen?

Das war gar nicht so schwierig, weil wir uns aufgrund unserer bisherigen Produktionen sozusagen über Vorschusslorbeeren freuen konnten. Ich habe mit dem zuständigen Verlag gesprochen, und einen Monat danach hatten wir das Okay für die Rechte. Für mich ist „Jane Eyre“ eines der schönsten Musicals überhaupt – mit einer bewegenden Geschichte und großartigem Broadway-Sound.

Bild 1803_O_Maenner_Olzinger_Port1.jpg
Nur zu unterhalten ist Markus Olzinger zu wenig. Er möchte sein Publikum emotional berühren. (© Ingo Eisenhut)

Was macht den Musicalfrühling in Gmunden so besonders?

Wie vorhin bereits kurz angesprochen, stehen wir für höchste Qualität bei den Produktionen. Ich traue meinen Zuschauern etwas zu. Es geht uns nicht nur um reine Unterhaltung, wir wollen ein Erlebnis schaffen und die Menschen berühren. Ich gebe immer ein stilles Versprechen: Mindestens einmal im Stück sollen die Zuschauer lachen und einmal soll es so emotional werden, dass ihnen vielleicht sogar die Tränen kommen. Wir haben erstklassige Darsteller, einen gewaltigen Klangkörper mit Musikern aus dem Orchester in Brünn und ein Bühnenbild, das Effekte und viele optische Reize vereint.

 

Wie schwierig ist es, in Österreich in dieser Branche Fuß zu fassen?

Ich musste mir schon als Darsteller viel erarbeiten, was andere Kollegen vielleicht mit ihrem Talent geschafft haben. Dafür hatte ich einen großen Vorteil: meinen starken Willen und den unbändigen Drang, etwas zu machen. Wenn das nicht der Fall ist, kommt man nicht weiter und muss etwas nachmachen oder sich von anderen abschauen. Das ist auch das, was ich meinen Schülern immer wieder sage: Wenn sie etwas wirklich wollen, dann müssen sie zu 100 Prozent dahinterstehen, Tag und Nacht.

 

Ist die Arbeit mit Kindern eine Bereicherung für Sie?

Ja, ich unterrichte sehr gern. Einmal in der Woche bin ich dafür in der Linzer Musical-Schule „Schnuppdi“. Mir geht es dabei nicht nur um das Vermitteln von Gesangstechniken und Können auf der Bühne, weil ich von mir selbst weiß, wie viel mir diese Ausbildung insgesamt als Mensch gebracht hat. Es ist eine gute Art, zu lernen, über sich selbst zu reflektieren und sich so anzunehmen, wie man ist. Ich sage den Kindern immer, dass ich sie genau so sehen möchte, wie sie sind. Denn so sind sie perfekt und genau aus diesem Grund habe ich sie zum Beispiel für eine Rolle gecastet. Dieser Unterricht hat mir auch viel für meine Regie-Arbeit gebracht. Weil es immer um mehr geht, als mit den Menschen ausschließlich auf der künstlerischen Ebene zu arbeiten. Ich sehe immer den ganzen Menschen.

 

Wie schaut ein Arbeitstag im Moment bei Ihnen aus?

Momentan bin ich voll und ganz auf den Musicalfrühling fokussiert. Ich arbeite 24 Stunden am Tag daran, weil wir als kleines, freies Festival mit einem verhältnismäßig geringem Budget auskommen müssen. Ich bin als Intendant für die Gesamtleitung verantwortlich und kümmere mich auch um Organisation und Marketing. Seit Mitte Februar proben wir in Wien, ab Mitte März dann in Gmunden. Regie und Bühnenbild mache ich mit größter Freude und Liebe, das ist mein Spaß.


Musicalfrühling in Gmunden

In seinem vierten Jahr zeigt der Musicalfrühling in Gmunden die deutschsprachige Erstaufführung des Broadway-Musicals „Jane Eyre“, nach dem gleichnamigen Roman von Charlotte Brontë. Inszeniert wird das Musical von Markus Olzinger, für die musikalische Leitung zeichnet Caspar Richter verantwortlich. In den Hauptrollen zu sehen sind u. a. Elisabeth Sikora, Yngve Gasoy Romdal und Carin Filipčić.

Die Premiere findet am 22. März im Stadttheater Gmunden statt (weitere Aufführungen bis 8. April). Tickets ab 22 Euro gibt es bei Ö-Ticket sowie im Traunsee Tourismusbüro.

www.musical-gmunden.com