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People | 14.12.2016

"Ich will ganz vorne mitmischen"

Vincent Kriechmayr aus Gramastetten zählt zu den besten Skirennläufern Österreichs. Doch der 25-Jährige will mehr: Er will zu den Besten der Welt gehören!

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© Energie AG

An diesem Wochenende startet der Oberösterreicher Vincent Kriechmayr (25) in den Skiweltcup. Die Vorbereitung für diese Saison ist gut für ihn verlaufen. Er ist in Form und freut sich auf die ersten Rennen. Im Interview erzählt er, warum es ihm nicht reicht, aufs Podest zu fahren – er will ganz oben stehen.

 

Sie starten dieses Wochenende in den Skiweltcup. Wie ist es Ihnen bei der Vorbereitung gegangen?

Vincent Kriechmayr: Meine Vorbereitung ist sehr gut gelaufen. Ich bin verletzungsfrei geblieben, das ist wichtig. Wie es allerdings wirklich läuft, kann man erst bei den Rennen sagen. Ich habe das Gefühl, dass ich auf einem guten Weg bin, und ich freue mich jetzt schon darauf, wenn die Saison losgeht!

 

Sie haben gerade Verletzungen angesprochen. Wie geht es Ihnen, wenn Sie von einer Verletzung wie der von Eva-Maria Brem hören, die für die ganze Saison ausfallen wird?

Glücklicherweise ist mir noch keine gröbere Verletzung passiert – ich klopfe immer dreimal auf Holz, wenn ich von Verletzungen spreche. Aber es ist natürlich für jeden Sportler eine herbe Enttäuschung, wenn er die ganze Zeit hart trainiert und dann nicht fahren kann. Mir ist bewusst, dass der Skisport mit einem hohen Verletzungsrisiko verbunden ist, trotzdem habe ich das nicht ständig im Hinterkopf. Es wäre falsch, mit so einer Einstellung ins Rennen zu gehen, weil ich denke, dass es einen nur blockieren würde.

 

Wie sind Sie zum Skifahren gekommen?

Meine Eltern haben im Winter immer als Skilehrer gearbeitet. Darum bin ich auch schon sehr früh auf Skiern gestanden und es hat mir großen Spaß gemacht.

 

Wollten Sie schon als Kind Skirennläufer werden?

Ich denke schon, dass ich das immer wollte. Zumindest soweit ich mich erinnern kann, war es immer mein Traum (lacht).

 

Ihre Karriere ist in den vergangenen Jahren stetig bergauf gegangen. In der vorigen Saison haben Sie im Gesamtweltcup Platz 14 erreicht. Was haben Sie sich für dieses Jahr vorgenommen?

Ich habe mir kein konkretes Ziel gesetzt und möchte auch nicht ergebnisorientiert sein. Was ich will, ist, stetig einen Schritt nach vorne zu machen und besser zu werden. Je besser ich fahre, desto mehr Punkte erreiche ich auch und umso besser wird meine Platzierung im Gesamtweltcup. Wenn mir das gelingt, bin ich sehr zufrieden.

 

Das Training kann gut laufen, das Rennen dann weniger. Wie gehen Sie mit Rückschlägen um?

Ich muss sagen, dass ich noch keine richtigen Rückschläge zu verkraften hatte. Ein schlechtes Rennen gehört für mich dazu, das ist für mich persönlich kein Rückschlag. Eine schlechte Saison hingegen wäre es schon. Glücklicherweise ist es bei mir stetig bergauf gegangen, ich bin gesund, und allen, die mir wichtig sind, geht es auch gut. Ich habe ein schönes Leben und wirklich keinen Grund, mich zu beschweren.

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FOKUSSIERT. Die Vorbereitung – hier am Rettenbach Ferner – ist gut gelaufen. (© EXPA/Johann Groder)

Sie beschreiben sich selbst als ehrgeizig und zielstrebig. Sind Sie das schon immer gewesen?

Ich denke schon, wobei es nicht immer so ausgeprägt war wie jetzt. Ich wollte immer gut Ski fahren, aber jetzt will ich zu den besten der Welt gehören. Und bei Weltklasseathleten gehört es dazu, dass sie ehrgeizig und zielstrebig sind. Von nichts kommt nichts!

 

Wissen Sie noch, was am 8. März 2015 war?

(Überlegt und zögert) Nein, weiß ich im Moment nicht …

 

An diesem Tag sind Sie in Kvitfjell zum ersten Mal aufs Stockerl gefahren – mit einem zweiten Platz im Super-G hinter Kjetil Jansrud.

Ja, stimmt! Natürlich erinnere ich mich gern daran, das war ein cooles Ereignis, aber ich hätte das jetzt nicht mehr auf den Tag genau sagen können. Das hat vermutlich damit zu tun, dass ich nicht „nur“ aufs Podest fahren will. Ich möchte ein Rennen gewinnen und zu den Besten der Welt zählen. Mein Ziel ist es, ganz vorne mitzumischen, und dafür arbeite ich auch sehr hart.

 

Haben Sie auch so etwas wie eine Lieblingsstrecke, auf der Sie besonders gern fahren?

Die Strecke in Kvitfjell beim Super-G mag ich sehr gern und natürlich Kitzbühel. Das ist ein Klassiker, und es ist immer etwas Besonderes, vor heimischem Publikum zu fahren. Es gibt immer wieder Strecken, die einem taugen, wobei man überall schnell sein muss, wenn man bei den Besten sein will.

 

Ihr Bekanntheitsgrad ist besonders nach dem vorigen Winter gestiegen. Werden Sie auf der Straße erkannt?

Nein, das ist gar kein Problem. Ich kann noch unerkannt und total entspannt zum Beispiel über die Landstraße spazieren. Aber ich hoffe natürlich, dass sich das noch ändert – weil es ein Zeichen dafür ist, dass man viel erreicht hat, dass man es geschafft hat. Es wäre dann eine nette Begleiterscheinung, auf der Straße von den Menschen erkannt zu werden.

 

Gibt es auch Vorbilder für Sie?

Sportlich gesehen habe ich keine Vorbilder mehr, aus diesem Alter bin ich heraußen (lacht). Allerdings kann man sich von Weltklasseathleten, wie etwa Marcel Hirscher einer ist, sehr viel abschauen und lernen. Zum Beispiel was die Professionalität betrifft und wie zielstrebig sie jeden Tag arbeiten. Es ist nicht umsonst so, dass die besten Sportler der Welt auch am härtesten arbeiten.

 

Und was macht Vincent Kriechmayr am liebsten, wenn er nicht auf seinen Skiern steht?

Wenn ich daheim in Gramastetten bin, helfe ich gern in unserer Landwirtschaft mit. Dabei kann ich super abschalten und eine Distanz zum Sport bekommen. Darum reden wir daheim auch nicht übers Skifahren. Wenn ich einen freien Tag habe, genieße ich die Ruhe und gönne auch meinem Körper eine Pause. Ich brauche keine zusätzlichen Hobbys, weil ich sonst eh so sportlich bin. Der Körper braucht Zeit, um zu regenerieren und wieder neue Kraft zu tanken. Nur wenn man ihm nicht zu viel zumutet – und das ist besonders in jungen Jahren eine große Gefahr –, kann man bei den Rennen ausgeruht und fokussiert am Start stehen.