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People | 06.08.2019

"Ich will Frauen ermutigen"

Es ist nie zu spät für einen Neubeginn: Barbara Holter führt nach ihrem Biologie-Studium ein erfülltes Leben als Hausfrau und Mutter von drei Kindern. Erst mit 50 Jahren fängt sie an, ihr künstlerisches Talent zu entfalten. Und schafft es damit bis nach New York.

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Barbara Holter war 50 Jahre alt, als sie mit der Malerei durchstartete. (© Karl Pramendorfer)

Über 300 Künstler aus 39 Ländern stellten ihre Exponate Anfang April bei der 41. Art Expo in New York aus. Barbara Holter (63) aus Tollet bei Grieskirchen war eine davon. Das Besondere: Die Biologin und dreifache Mutter begann erst mit 50 Jahren, sich der Malerei zu widmen.

 

Vorbildwirkung.

30 Jahre lang hatte sie keinen Pinsel angerührt. Die Erziehung und musikalische Förderung ihrer Kinder, der Garten und die Unterstützung ihres Mannes Klaus, Rechtsanwalt von Beruf, waren ihr Lebensinhalt. Es war eine bewusste Entscheidung für die Familie, die Barbara Holter stets mit viel Freude erfüllte. Heute sind die Kinder 36, 34 und 32 Jahre alt. Und ihre Mutter ist eine Künstlerin mit Vorbildwirkung. Und zwar dafür, dass es nie zu spät ist, seine Träume zu leben.

 

OBERÖSTERREICHERIN: Frau Holter, welches Gefühl war es, fünf Bilder bei der Art Expo in New York auszustellen?

 

Barbara Holter: Es war mir eine große Freude und eine besondere Lebenserfahrung. Gerade auch deshalb, weil ich es als Solokünstlerin schaffte und nicht von einer Kunstgalerie betreut und vertreten wurde.

 

Wie kam es dazu?

Als ich im Alter von 50 Jahren wieder zu malen begann, habe ich sehr naturalistisch gemalt, wie auch meine Mutter. Daraufhin besuchte ich in Linz einen Kurs bei der Moskauer Künstlerin Ekaterina Walser-Vassilieva, um abstrakt malen zu lernen. Sie war es schließlich, die mich dazu ermutigte, mich bei der Art Expo in Rom zu bewerben. Dort wurden Galerien auf mich aufmerksam, und so ergaben sich weitere Ausstellungen in London und Mailand. Da ich ein großer New York-Fan bin, wollte ich schließlich dort mein Glück versuchen und bewarb mich sechs Monate vor der Expo mit zehn Bildern. Ich war völlig überwältigt, dass es tatsächlich klappte.

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Schöner Nebeneffekt: Die abstrakten Bilder sorgten bei der Ausstellung für Gesprächsstoff. (© Privat)

Hat die Ausstellung in New York etwas bewirkt?

Sie hat mich dazu animiert, mich mehr mit der New Yorker Schule und dem abstrakten Expressionismus zu befassen. Imponierend in diesem Kontext finde ich das Buch „Ninth Street Woman“, wo sich Malerinnen wie Lee Krasner, Elaine de Kooning und Helen Frankenthaler in einer männerdominierten Welt durchsetzten und für ihre Rolle als Künstlerin kämpften. Ich denke, dass mich dieses Thema in meinen künftigen Bildern noch beschäftigen wird.

 

Die Weichen wurden in Ihrer Kindheit gestellt. Ihre Mutter war eine akademisch ausgebildete Malerin und Sie bekamen beim Beobachten eine erste Ahnung von Bildaufbau und Zeichnung. War die Mutter Ihr Vorbild?

Meine Mutter war als selbstständige Künstlerin eine starke Persönlichkeit und auch ein Vorbild für mich. Das Talent und die Grundausbildung habe ich von ihr.

 

Was sagen Ihr Mann und Ihre Kinder zu Ihrer künstlerischen Selbstentfaltung?

Sie unterstützen mich alle sehr. Etwa drei Jahre, nachdem ich zu malen begonnen hatte, bekam ich von meinen Kindern zum Geburtstag meine erste Ausstellung geschenkt. Jeder lieferte seinen Beitrag: Meine Tochter kümmerte sich um das Event- und PR-Management, der ältere Sohn, er ist Musiker, um die musikalische Umrahmung und mein jüngster Sohn, ein Elektrotechniker und Mechatroniker, um Technik und Beleuchtung. Ich war sehr gerührt.

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Aufregend: Die Grieskirchner Künstlerin stellte in New York bei der 41. Art Expo aus. (© Privat)

Wie war die Resonanz auf Ihre allererste Ausstellung in Ihrem Heimatort Tollet?

Ganz ehrlich: Ich rechnete mit der Aussage „Schon wieder eine Hausfrau, die zu malen beginnt“. Doch wider Erwarten wurde ich sehr in meinem Tun bestärkt. Es war Ansporn, weiterzumachen.

 

Sie malen mit Öl- und Aquarellfarben. Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?

Meine ersten Bilder waren Blumenmotive. Ich habe mich dann vom naturalistischen Stil zur abstrakten Malerei weiterentwickelt. In New York erntete ich viel Aufmerksamkeit dafür und hörte immer wieder, wie außergewöhnlich mein Stil sei.

 

Wie erleben Sie die Malerei?

Als sehr impulsiv und emotional. Ich male gerne auf großen Formaten am Boden und meistens an mehreren Bildern parallel.

 

Malen Sie vorwiegend zu Hause oder auf Reisen?

Vorwiegend zu Hause. Von Reisen hole ich mir allerdings gerne Inspirationen. Da ergänzen sich mein Mann und ich recht gut. Er ist Jurist, aber ebenfalls künstlerisch veranlagt. Wir begeben uns gerne gemeinsam auf Motivsuche.

 

Haben Sie einen Leitsatz?

Es kommt im Leben immer alles, wie es kommen muss. Wichtig ist, ein Ziel vor Augen zu haben.

 

Wie lautet Ihre Botschaft an andere Frauen?

Ich möchte andere Frauen ermutigen. Während meiner Ausstellung in New York kam ich mit vielen Frauen ins Gespräch, die mir ihre Anerkennung ausdrückten. Ohne es zu beabsichtigen, zeigte ich dort nicht nur meine Kunst, sondern wurde auch zum Vorbild dafür, dass es nie zu spät ist, neu anzufangen oder eine Leidenschaft wieder aufzunehmen.