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People | 24.07.2015

„Ich werde kürzer treten“

Frank Elstner kennt man als TV-Moderator und Erfinder der Sendung „Wetten, dass..?“, mit der er deutsche Fernsehgeschichte geschrieben hat. Dass er in Linz geboren wurde, wissen allerdings die wenigsten …

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© SWR / Jacqueline Krause-Burberg

Dienstag, 10:30 Uhr. Pünktlich auf die Minute ruft Frank Elstner zum vereinbarten Interviewtermin an. Wir plaudern mit dem TV-Moderator und „Wetten, dass..?“-Erfinder über seine Geburtsstadt Linz, sein ausgeprägtes Faible für die Automarke Porsche und erfahren, warum er dieses Jahr mit seiner Talkshow „Menschen der Woche“ aufhören wird.

 

Herr Elstner, Sie wurden 1942 in Linz geboren, weil Ihre Eltern hier damals als Schauspieler ein Engagement hatten. Welche Erinnerungen haben Sie noch an Linz?

An Linz habe ich wunderbare Erinnerungen, aber erst als Erwachsener. Ich habe dort meine Fernsehsendung „Nase vorn“ moderiert und beim Eiszauber sowie bei der großen Klangwolke mitmo-deriert. In Linz habe ich auch „Wetten, dass..?“ gemacht. In Linz habe ich gemerkt, dass die Linzer Torte völlig anders aussieht, als man sie in Deutschland beschreibt. Und in Linz habe ich auch einen meiner besten Freunde, den ich jedes Jahr besuche.

 

Sie haben im April Ihren 73. Geburtstag gefeiert. Für die meisten Menschen ist das ein Alter, in dem sie ihren Ruhestand genießen. Sie hingegen sind mit mehreren Sendungen im Fernsehen vertreten und haben eine eigene Firma, die Fernsehformate entwickelt. Haben Sie manchmal nicht auch das Gefühl, etwas kürzer treten zu wollen?

Ich habe tatsächlich vor, kürzer zu treten. Ich werde noch in diesem Jahr mit meiner Talkshow „Menschen der Woche“ aufhören, die ich jetzt 15 Jahre lang jeden Samstagabend moderiert habe. Weil ich das Wochenende auch gern mal mit meiner Familie verbringen möchte. Ich werde mich schrittchenweise zurückziehen.

 

Sie werden dem Fernsehen aber erhalten bleiben?

Ich weiß nicht, wie heftig mich die Fernsehdirektoren künftig noch einsetzen werden. Fix ist, dass ich im nächsten Jahr gemeinsam mit Ranga Yogeshwar wieder „Die große Show der Naturwunder“ machen werde. Das mache ich sehr gern und darauf freue ich mich schon. 

 

Warum liegt Ihnen das Fernsehen so am Herzen? Begonnen haben Sie Ihre Karriere ja beim Radio …

Das Radio an sich ist das faszinierendste Medium, das es überhaupt gibt. Ich mache keinen Unterschied, ob ich Radio oder Fernsehen mache. Ich bin ein Erfinder von Programmen, und die finden nun mal im Radio oder Fernsehen statt. Solange mir etwas einfällt, werde ich mitmischen. Und solange man mir etwas abkauft, werde ich auch weiter etwas verkaufen. 

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Gemeinsam mit Ranga Yogeshwar moderiert Frank Elstner "Die große Show der Naturwunder". (© SWR / Andrea Kremper)

Sie sind der Erfinder von „Wetten, dass..?“, einer der erfolgreichsten Sendungen im deutschsprachigen Fernsehen. Haben Sie vielleicht schon etwas Neues in der Schublade, das ein ähnlich großer Erfolg werden könnte?

(Lacht) Wenn Sie ein Fernseh-Erfinder sind, dann sind Sie immer der Meinung, dass jede Idee, die Sie haben, ein großer Erfolg wird. Ich habe in meiner Schublade noch zwei Dutzend Sendungen, aber dafür muss man erst einmal Partner finden, die die eigene Ansicht teilen. Als ich damals losgerannt bin und dem ZDF gesagt habe, dass wir in Zukunft in ganz Europa wetten werden und das eine Riesengeschichte wird, habe ich jemanden gefunden, der mir das geglaubt hat. Aber ich bin auch schon losgerannt, habe den Leuten etwas anderes erzählt und da hat mir keiner geglaubt. Das ist in unserem Beruf so!

 

Was muss eine Sendung heute haben, um erfolgreich zu sein? Kochsendungen scheinen im Moment offenbar sehr gut zu funktionieren ...

Die Zeit hat sich sehr stark geändert. Dennoch hat es, seit ich Fernsehen mache, immer irgendwelche Dinge gegeben, die in Serie hergestellt worden sind. Auf einmal haben sie alle ein Quiz gemacht, Castingshows oder Kochshows. Das ist ein moderner Trend, der immer anhalten wird. Was mich allerdings ein bisschen beruhigt, ist, dass das Internet so viele Möglichkeiten bietet, womit es mit Sicherheit abwechslungsreicher in Zukunft wird. Heute arbeiten nicht mehr die 100 Auserwählten beim Fernsehen und denken, dass sie etwas Besseres sind, sondern es arbeiten Millionen im Internet und dabei wird man noch viele Überraschungen erleben. 

 

Sie haben in Ihren Sendungen im Lauf der Jahre unheimlich viele Menschen kennengelernt. Ist Ihnen ein Gast in besonderer Erinnerung geblieben?

Ja, natürlich, aber da würden Sie jetzt zwei Doppelseiten brauchen, voll geschrieben mit Namen, wenn ich Ihnen alle nenne … (lacht). Ich habe mehr als 6000 Interviews gemacht, da waren immer wieder Dinge dabei, die mich sehr berührt haben. Ich habe einmal eine Serie mit 138 Nobelpreisträgern produziert, die ich zu Hause und in ihren Labors besucht habe. Ich habe mich mit ihnen über ihre Arbeit und ihre Berufung unterhalten. Die Serie hieß „Die stillen Stars“ und ist im Kulturprogramm des ZDF gelaufen. Höchstwahrscheinlich kann ich hier sagen, dass mich alle 138 Nobelpreisträger ganz wesentlich beeindruckt haben. Oft haben sie mir die Frage übrig gelassen, ob Wissenschaft nicht überhaupt das Allerspannendste auf der Welt ist. 

 

Der 65er von Thomas Gottschalk wurde im Mai mit einer großen TV-Show zelebriert. Wäre das etwas, womit man Ihnen zum Beispiel zu Ihrem 75. Geburtstag eine Freude machen könnte?

Man hat mich das schon zum 65. und zum 70. Geburtstag gefragt. Beide Male habe ich abgelehnt. Was ich in zwei Jahren denke, kann ich jetzt noch nicht sagen, aber wenn man mich heute fragen würde, würde ich wieder absagen.

 

Über Ihr Privatleben ist nicht sehr viel bekannt. Was ich über Sie gelesen habe: dass Sie zum dritten Mal verheiratet sind. Das hätte ich – mit Verlaub – nicht erwartet ...

Was hätten Sie denn erwartet?

 

Dass Sie seit 40 Jahren mit der gleichen Frau verheiratet sind?

(Schmunzelt) Ich bin seit 30 Jahren mit der gleichen Frau zusammen.

 

Halten Sie Ihr Privatleben bewusst so gut es geht aus den Medien raus?

Ich bin der Meinung, dass meine Kinder Recht haben, wenn sie zu mir sagen: „Papa, mach du deine Karriere, aber bitte gib nicht unsere Antworten!“ Das heißt, dass die Kinder natürlich unbefleckt von der Popularität eines Vaters sein möchten. Sie haben alle ihre eigenen Karrieren gemacht und ich bin sehr stolz auf sie. 

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Die Talkshow "Menschen der Woche" wird Frank Elstner nur noch bis zum Herbst moderieren. (© SWR / Jaqueline Krause-Burberg)

Sie sind mit über 70 noch sehr fit und aktiv. Was tun Sie für Ihre Gesundheit?

Ich war einmal der Breitensport-Beauftragte des Präsidiums des deutschen Sportbundes. Von dieser Zeit habe ich etwas in unsere Familie hineingerettet: Wir sind alle sehr sportlich und bewegen uns viel. Wir leben gesund, also das, was man selbst dazu beitragen kann, damit man nicht krank wird, das tun wir. Das heißt natürlich nicht, dass wir den lieben Gott beeinflussen. Wenn der will, dass es aufhört, dann ist das seine Sache. Aber ich laufe jede Woche mindestens vier Mal eine Stunde durch den Wald, ich spiele Tennis und ich schwimme viel, wenn ein anständiges Schwimmbad oder Wasser in der Nähe ist. Wir sind eine Bewegungs­familie.

 

Machen Sie das dann auch gern mit Ihrer Frau zusammen?

Meine Frau ist 20 Jahre jünger und leider auch schneller. Das heißt, wenn, dann renne ich hinterher. 

 

Ich habe gelesen, dass Sie ein großer Porsche-Fan sind. Fahren Sie auch noch immer Porsche?

Nein, aber ich bin immer noch ein großer Porsche-Fan. Und ich schließe nicht aus, dass es mich noch einmal überkommt. Es gibt sogar einen Porsche-Händler in Wien, den ich regelmäßig besucht habe, weil ich nach einem ganz bestimmten Typ Wagen suche. Und wenn er diesen dann mal hereinbekommt, werde ich bestimmt wieder schwach werden.