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People | 28.10.2019

„Ich liebe die Komödie“

Im Mai wurde Julia Windischbauer (23) mit dem bedeutenden O. E. Hasse-Preis für herausragenden Schauspielnachwuchs ausgezeichnet. Damit reiht sich die Linzerin in die Liste bekannter Preisträger wie Cornelius Obonya oder Christoph Waltz.

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© Fabio Froschauer

Mit zwölf Jahren stand Julia Windischbauer zum ersten Mal auf der Bühne und spielte im Stück „Der Froschkönig“ die Hauptrolle. Seit Mai hat die gebürtige Linzerin, übrigens als erste Österreicherin seit 2003, den bedeutenden O.E. Hasse-Preis für herausragenden Schauspielnachwuchs in der Tasche.  Wie sie zum Schauspielen gekommen ist und mit welchen Zielen sie in die Zukunft geht, erzählt die quirlige Schauspielerin, die seit 2016 an der Otto-Falckenberg-Schauspielschule in München studiert, im Interview.

 

Erst kürzlich erhielten Sie den O.E. Hasse-Preis 2019. Welche Bedeutung hat dieser Preis für Sie?

Julia Windischbauer: Mich zum jetzigen Zeitpunkt durch diese Auszeichnung auf Augenhöhe mit großartigen Schauspielerinnen und Schauspielern zu begeben ist unheimlich toll. Für mich ist dieser Preis eine Motivation in Richtung Zukunft und ein großes Zeichen der Anerkennung. Das Feuer muss ich selber entfachen, aber das macht mir eine riesige Freude, und daran werde ich weiter arbeiten.

 

Wie sind Sie zum Schauspielen gekommen?

Mein Opa spielte jahrzehntelang in einer Amateur-Theatergruppe in Linz. Dadurch hatte ich meine ersten wichtigen Berührungspunkte mit dieser Welt. Bereits im Alter von vier Jahren durfte ich beim Ticketverkauf mitmischen und in der Pause Getränke ausgeben. Ich habe nahezu jede Vorstellung vom Balkon aus verfolgt. Schon damals entwickelte ich eine richtige Leidenschaft, bis ich mit zwölf Jahren das erste Mal selbst auf der Bühne stand.

 

In welchem Stück haben Sie damals mitgespielt?

Ich war in der Titelrolle von „Der Froschkönig“ zu sehen. Es war ein tolles Erlebnis, vor allem, weil ich neben meinem Opa, der den echten König spielte, auf der Bühne stehen durfte. Danach verschlug es mich für sechs Jahre an die Musical Theatre Academy Puchenau, auf der neben Schauspiel viel Tanz und auch Gesang angeboten wurde. Am meisten begeisterte mich aber von Beginn an der Schauspielunterricht. Um diesen nach Abschluss der Musical Theatre Academy zu vertiefen, ging ich an das Theaterstudio des Landestheaters Linz. Da wurde mehr experimentiert, als unterrichtet – das hat mir gefallen.

 

Wann war Ihnen klar, auch beruflich ins Schauspielfach gehen zu wollen?

Schon während meiner Schulzeit im BRG Hamerlingstraße in Linz war mein Berufswunsch Schauspielerin. Nach dem Gymnasium studierte ich English and American Studies an der Universität Wien und habe auch Theater-, Film- und Medienwissenschaften gewählt. Ich war allerdings nur in drei Vorlesungen, weil mir alles viel zu theoretisch war. Zeitgleich konnte ich die Praxis aber hautnah am Wiener Burgtheater im Jugendclub „Wiener Brut 6.0“ erleben und war Teil einer Stückentwicklung des Landestheaters Linz. Mir war klar: So will ich arbeiten. Morgens in Linz aufwachen, das begonnene Stück vom Vorabend fertig lesen, danach zur Anprobe ins Landestheater gehen, um von dort mit dem Zug nach Wien zur Probe zu fahren. Dann  abends wieder zurück nach Linz düsen, um entweder selbst zu spielen oder in einer der beiden Städte ins Theater zu gehen. Genau das spornte mich damals schon an.

 

Aktuell studieren Sie an der Otto-­Falckenberg-Schule in München und sind festes Ensemblemitglied der Münchner Kammerspiele. Wie oft kommen Sie noch in Ihre Heimat Linz?

Ich versuche, alle zwei Monate nach Linz zu kommen, um meine Familie zu sehen. Ich schätze es sehr, dass meine Lieben versuchen, bei fast jedem Event in München dabei zu sein, und immer als lässiger Linz-Leondinger Fanclub dort aufwarten. (lacht) Die oberösterreichischen Bühnen sind etwas ganz Besonderes, weil ich sie mit dem Wort „Heimat“ verknüpfe, auch wenn ich bei Weitem noch nicht auf jeder gestanden bin.

 

Gibt es eine Traumrolle?

Für mich gibt es nicht „die eine“ Traumrolle. Ich versuche, jeder Figur, die ich spiele, ein klein wenig von meinen Träumen einzuverleiben. Ich glaube, dass Schauspiel im Grunde die Verknüpfung meiner eigenen Umwege, Entscheidungen und Gefühle mit denen des jeweiligen Stückes oder der Thematik ist. Vor allem möchte ich meine Berufung nutzen, um die Dinge, die mir wichtig sind und für die ich mich einsetze, ebenda zum Ausdruck zu bringen. Ich liebe die Komödie, vor allem jene, in der einem das Lachen im Hals steckenbleibt.

 

Mit welchen Zielen gehen Sie in die Zukunft?

Ich möchte mit dem, was ich machen darf, Menschen berühren und Geschichten erzählen. Ich möchte Träume hochfliegen lassen. Ich möchte Scherben geruhsam zusammenkehren. Ich möchte schreien und tanzen und wütend sein können. Ich möchte weinen und lachen und die Zeit, die uns hier bleibt, so intensiv leben, wie es nur geht.