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People | 26.09.2016

"Ich hasse nett!"

Mit ihrer unverkennbaren Stimme hat Michelle es in den Schlagerhimmel geschafft. Wir trafen die attraktive 44-Jährige in Linz zum Interview.

Michelle ist ein lebender Fels in der Schlager-Brandung und weiß mit ihrem Charme zu überzeugen. Im neuen Album „Ich würd‘ es wieder tun“, das im April erschienen ist, singt die Deutsche über die Schönheit des Lebens und seine Vergänglichkeit. Der OBERÖSTERREICHERIN erzählt sie im Interview von ihrer Vergangenheit, ihren Träumen und dem Leben abseits des Aufnahmestudios …

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MICHELLE PUR. Schwere Schicksalsschläge machten die Sängerin nur stärker. (© Sandra Ludewig)

Michelle, Ihr Longplayer ist seit April auf dem Markt. Wie lange haben Sie daran gearbeitet? Was sind die Kriterien, damit ein Lied es in die Playlist Ihrer CD schafft?

Michelle: Wir haben ein Dreivierteljahr an der CD gearbeitet. Im End-effekt hatten wir fast 800 Songs, die eingereicht wurden und von denen wir uns zwanzig aussuchten. Dieser Prozess ist langwierig, aber wichtig, bevor man dann zum leichtesten Part übergeht: der Aufnahme im Studio. Musikalisch kann man noch einiges verändern – wir hatten tolle Songs mit tollen Texten und toller Melodie, doch das gewisse Etwas fehlte. Das ist ein Gefühlsding, ich nehme nur auf, was zu mir passt und was „Michelle“ ist!

Was genau ist „Michelle“?

Auf jeden Fall immer echt. Ich glaube, dass ich jemand bin, der sehr gerne aus dem Leben singt und Momente mitnimmt. Meine Lieder haben mal Tiefgang, mal zeigen sie die Leichtigkeit des Lebens und beinhalten schöne Geschichten. Auch mein Titellied „Ich würd‘ es wieder tun“ ist Michelle pur: Ich bereue nichts, stehe hinter mir selbst, tue, was ich für richtig halte, und lasse mich nicht verbiegen. Diese Botschaft zieht sich durchs ganze Album.

Was haben Sie am ersten Erscheinungstag von „Ich würd‘ es wieder tun“ empfunden? Wie kam es zu dem Titel?

Nachdem ich die Songs aufgenommen habe, liegt der weitere Verlauf nicht mehr in meiner Hand. Das Ding ist sozusagen „geboren“ und ich mache mir keine weiteren Gedanken mehr. Wem das Album und meine Musik gefällt, dem gefällt‘s, und wem es nicht gefällt, dem gefällt es nicht. So einfach ist das! (Lacht) Also grundsätzlich spiegelt der Titel meine Lebenseinstellung wider – ich würde alles Positive wie auch Negative erneut tun. Zu dem Zeitpunkt, wo man es getan hat, war es für einen selbst das Richtige, auch wenn sich später rausstellt, dass man etwas falsch gemacht hat.

Mit nur 14 Jahren waren Sie erstmals Sängerin einer kleinen Band. War das Ihr Start ins Musik-Business?

Ich wollte immer Musik machen. Dass ich mit 14 Jahren schon in einer Band war, hat allerdings einen anderen Grund: In diesem Alter lebte ich auf der Straße und fand dann bei einer Familie Unterschlupf, so kam ich mehr oder weniger aus Glück zu dieser Band. Ich passte auf die Kinder der Familie auf, im Gegenzug durfte ich dort wohnen und das kleine Studio im Keller benutzen. Die Sängerin der Band, die dort probte, fiel mal aus, ich sprang für sie ein und von da an zog ich jedes Wochenende mit den Musikern von Pub zu Pub und verdiente mein Geld.

Sie mussten ein paar schwere Schicksalsschläge erleiden, so hatten Sie mit nur 31 Jahren einen Schlaganfall und waren 2008 gezwungen, sich wegen Privatinsolvenz aus dem Musik-Business zurückzuziehen.Ihr Comeback folgte 2009 – was hat Ihnen geholfen? Was war Ihre Motivation, zur Musik zurückzukehren?

Ich selber! Ich denke, wenn man nicht mehr 100 Prozent geben kann, muss man etwas ändern, sich zurückziehen und erstmals wieder Kräfte tanken. Auch ich kann nur 100 Prozent geben, wenn ich gesund und glücklich bin. Die einjährige Pause hat mir sehr gut getan!

In dieser Zeit eröffneten Sie einen Friseursalon für Hunde. Wie kam es dazu?

Ich suchte nach einer Arbeit, die mir Spaß macht, meinen Kopf füllt und nichts mit der Branche zu tun hat. Wir haben Hunde aus Ungarn zu uns geholt, aufgepäppelt, familientauglich gemacht und vermittelt – nur meine kleine Fiona, ein chinesischer Schopfhund, aus einem ungarischen Tötungslager behielt ich mir.

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Sympathisch. Michelle im Interview mit Redakteurin Denise Derflinger (© Mathias Lauringer)

Bei „Deutschland sucht den Superstar“ saßen Sie Seite an Seite mit Dieter Bohlen in der Jury und teilten oft harte Kritik aus. Wie gehen Sie selbst mit Kritik um?

Die Menschen kritisieren mich viel zu selten, finde ich. Ich weiß, sie wollen nur nett sein, aber ich hasse nett! (Lacht) Ich bin mein größter Kritiker und erwarte auch von den Menschen, die mich kennen und mit denen ich zusammenarbeite immer absolute Ehrlichkeit. Es wäre ein falscher Ansatz, wenn man nur nett wäre, weil man nett sein muss. Ich bin ein sehr austeilender Mensch, sage meine Meinung und stehe dahinter. Auch bei DSDS rauben manche Menschen dir den letzten Nerv – jeder Mensch hat die Berechtigung, so zu sein wie er ist, aber manchmal muss man halt grob werden! (Lacht)

Sie sind Mutter von drei Töchtern. Gehen diese musikalisch gesehen in Ihre Richtung? Wie vereinbaren Sie Job und Familie?

Meine älteste Tochter absolviert nächstes Jahr die Theaterschule, sie liebt die Theaterbühne, dessen Geruch, die Masken, Kostüme ... Das Michelle-Gen hat eher meine mittlere Tochter bekommen, die steht gerne auf der Bühne und wird bestimmt den Sängerinnen-Weg einschlagen. Meine jüngste Tochter will immer noch Tierärztin werden, darüber freue ich mich sehr! Job und Familie lassen sich bei mir wunderbar vereinbaren – ich habe eine feste Kinderfrau, die zu uns kommt, wenn ich nicht zu Hause bin. Die Kinder kennen das nicht anders und lieben es! Eine Regelmäßigkeit und ein bestimmter Rhythmus sind mir besonders wichtig, deswegen kommt die Kinderfrau zu uns. So haben die Mädchen ihr geregeltes Umfeld. Wenn ich zu Hause bin, verbringe ich jede freie Minute mit meinen Kindern.

Ist jetzt, nachdem Ihr Album erschienen ist, ein bisschen Ruhe eingekehrt, oder haben Sie ein neues Projekt am Start?

Jetzt in den Sommerferien ist nicht so viel los. Ich gönne mir vier Wochen Urlaub und tanke Kraft, bevor wir mit der Vorproduktion für die Tournee ab Februar starten – wir sind übrigens auch in Österreich (St. Pölten: 9. Februar, Wien: 12. Februar, Graz: 13. Februar). Eventuell sitze ich 2017 wieder in der Jury von DSDS, aber das ist noch nicht sicher.

Lässt Ihr Job Freizeit zu? Haben Sie Zukunftspläne?

Wenn die Kinder in der Schule sind, habe ich den Vormittag für mich – da mache ich mit meiner Hündin Fiona Agility-Sport und verbringe viel Zeit in der Natur. Das war‘s – wo sind meine Hobbies geblieben?! (Lacht) Ich träume – wenn ich nicht mehr so viel arbeiten muss – von meinem eigenen Bauernhof. Dort möchte ich mich um Kinder kümmern, die ein schlechtes Zuhause haben und Hilfe brauchen.