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People | 28.09.2020

"Ich habe noch viel vor"

Am 25. Juni beendete Ulrike Rabmer-Koller ihre Funktion als Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Österreich. Im Interview hat sie uns erzählt, wie es ihr als „Nur-Unternehmerin“ geht, warum sie keine Sesselpickerin ist und wer ihr größtes Vorbild ist.

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© Ulli Wright, Mathias Lauringer

An ihrem 54-jährigen Geburtstag treffe ich Ulrike Rabmer-Koller im hellen und freundlichen Büro ihres Unternehmens in Altenberg bei Linz. Im Innenhof des Bauernhofes, in dem die Rabmer Gruppe untergebracht ist, wurde bereits alles für eine Geburtstagsfeier mit dem Team gerichtet. Um sich künftig voll und ganz ihrem Unternehmen widmen zu können, beendete sie nach 17 Jahren im Einsatz für die Österreichische Wirtschaft am 25. Juni ihre Funktion als Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Österreich, um sich voll und ganz ihrem Unternehmen zu widmen.

Es braucht Erneuerung. Die Entscheidung als Vizepräsidentin der WKÖ aufzuhören, hatte für die zweifache Mutter mehrere Gründe und war gut überlegt. Zum einen will Ulrike Rabmer-Koller ihre beiden Kinder, Julian (23) und Bernadette (24), auf die Nachfolge im Unternehmen vorbereiten. „Außerdem bin ich der Meinung, dass man nicht zu lange in Funktionen sein sollte, da es auch hier Erneuerung braucht“, erzählt die Unternehmerin. Und dass sie keine Sesselpickerin ist, hat sie im April 2017 bewiesen, als sie nach eineinhalb Jahren an der Spitze des Hauptverbandes der  Sozialversicherungsträger von einem Tag auf den anderen zurückgetreten ist, weil es an politischem Reformwillen fehlte. „Als mir damals Bundeskanzler Christian Kern und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner signalisiert haben, dass die Zeit für eine Sozialversicherungsreform sicher nicht vor der nächsten Wahl 2018 kommen würde, konnte ich nicht einfach so zur Tagesordnung übergehen. Ich bin als große Reformerin angetreten und wollte etwas zum Positiven verändern. Da das nicht möglich war, bin ich gegangen“, erzählt sie. Ihr Ziel konnte sie aber dennoch erreichen. „Denn als der heutige Bundeskanzler Sebastian Kurz ein paar Monate nach meinem Rücktritt ÖVP-Bundesparteiobmann wurde, habe ich ihm meine Reformvorschläge vorgestellt und er hat sie dann auch aufgegriffen und umgesetzt. Das hat mich persönlich sehr gefreut, vor allem weil ich mein Ziel, die Sozialversicherung zu reformieren, erreicht habe, auch wenn ich nicht mehr an der Spitze war“, so Ulrike Rabmer-Koller.

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© Ulli Wright, Mathias Lauringer

Durch Zufall in die Politik gekommen. In die Politik ist sie mehr oder weniger durch einen Zufall gekommen. Nachdem sie sich als junge Unternehmerin beim Wirtschaftsbund Altenberg engagierte, wurde sie gefragt, ob sie bei der Gemeinderatswahl antreten möchte. „Da ich zu dieser Zeit hochschwanger zu meinem zweiten Kind war und die Firma international ausgebaut habe, bat ich darum, mich hinten, am letzten Platz aufzustellen. Bei der Vorwahl bekam ich aber so viele Stimmen, dass ich vorgerückt bin. Da konnte ich einfach nicht mehr Nein sagen. Als Gemeinderätin habe ich dann gesehen, wie viel man wirklich bewegen kann. Ein paar Jahre später bin ich in den Vorstand der Jungen Wirtschaft gekommen und von da wurde ich 2003 als erste Frau ins Präsidium der Wirtschaftskammer OÖ berufen“, erinnert sich Rabmer-Koller an die Anfänge zurück. Mann als große Stütze. Den Aufbau der Rabmer-Familiengruppe, in die sie 1992 einstieg und die sie seit 18 Jahren führt, das Familienleben mit zwei Kindern und ihre Funktionen als Interessenvertreterin in der Wirtschaft hat sie, dank viel Unterstützung, immer gut vereinbaren können. „Meine größte Stütze war sicher immer mein Mann Walther. Er ist selbst Unternehmer und als wir uns für Kinder entschieden haben, war klar, dass wir auch beide für sie da sein werden.“ War es für Ihren Mann je ein Problem, dass Sie so viele Jahre im Mittelpunkt der Öffentlichkeit standen? „Nein, überhaupt nicht, er ist eine sehr starke Persönlichkeit und hat mich auch darin bestärkt, 2003 das Angebot, Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Österreich zu werden, anzunehmen“, schwärmt Ulrike Rabmer-Koller und erzählt, dass ihr diese Entscheidung nicht leichtgefallen ist. „Das Unternehmen war in der Expansionsphase, ich hatte gerade die sechste Auslandsfirma gegründet, meine Kinder waren sechs und sieben Jahre alt und ich wollte eigentlich ablehnen. Mein Mann meinte aber: „Wenn jetzt endlich eine Frau gefragt wird und du ‚Nein’ sagst, dann wird es wieder ein Mann.“ Also habe ich es gemacht (lacht).

"Meine Mutter ist mein Vorbild. Sie hat mir gezeigt, dass ich als Frau viel erreichen kann." - Ulrike Rabmer-Koller

Erste Frau im Präsidium der Kammer. Erfreut zeigt sich Ulrike Rabmer-Koller auch, dass sich in den 25 Jahren, in denen sie aktiv war, für Frauen in der Politik vieles geändert hat. „Als ich damals in der 150-jährigen Geschichte der Kammer die erste Frau im Präsidium war, hat es einen ziemlichen Aufruhr gegeben. Noch dazu, weil ich relativ jung war. Heute ist das selbstverständlich und nichts Besonderes mehr. Dennoch glaube ich, dass es Vorbilder braucht und wir noch nicht am Ziel angelangt sind.“ Apropos Vorbilder, wer war bzw. ist Ihr größtes Vorbild? „Meine Mutter, denn sie hat den Spagat zwischen  Beruf und Familie sehr gut geschafft und mir gezeigt, dass ich als Frau viel erreichen und Karriere und Familie gut miteinander vereinbaren kann.

 

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Text: Ulli Wright  Fotos: Ulli Wright, Mathias Lauringer