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People | 22.02.2017

"Ich habe meinen Lebenstraum erfüllt"

Die Gunskirchenerin Tanja Nicholls wollte sich ein Jahr Auszeit nehmen und die Welt bereisen. Daraus wurde auch eine berufliche Neuorientierung, denn heute arbeitet sie als Yogalehrerin in Wels.

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Tanja Nicholls war erfolgreiche Marketing- und Vertriebsmanagerin. Dass sie einmal als Yoga-Lehrerin arbeiten würde, hätte sie nicht geglaubt. (© Julia Sonnleitner)

Es war ein Bild in ihrem Kopf, das Tanja Nicholls nicht mehr losgelassen hat. „Ich habe mich im Ruhestand auf einer Terrasse in einem Schaukelstuhl sitzen gesehen“, erzählt sie. „Eine Freundin neben mir, ein Glas Prosecco in der Hand und wir erzählen uns von unseren Reisen. Da war mir klar: Wenn ich das möchte, muss ich jetzt etwas dafür tun, um Erinnerungen zu schaffen.“ Das war im Herbst 2012. Die Entscheidung, dass sie sich ein Jahr Auszeit von ihrem Job im Marketing- und Vertriebsmanagement nehmen werde, war gefallen. Eine Entscheidung, die ihr Leben grundlegend verändern würde. „Das wusste ich zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht“, sagt Nicholls lachend. „Es war ja nie geplant, dass ich einmal als Yogalehrerin arbeiten würde. Im Nachhinein gesehen habe ich mir damit aber einen Lebens­traum erfüllt.“

Yoga in ursprünglicher Form. Yoga wollte sie nämlich eigentlich nur für sich selbst lernen. Und zwar dort, wo es herkommt – in Indien. „Yoga ist ja viel mehr als die Asanas, so nennt man die verschiedenen Körperstellungen bzw. Übungen, die man bei uns in der westlichen Welt kennt“, erklärt sie. „Es ist der Weg des Lebens und besteht aus insgesamt acht Schritten. Die Asanas sind nur einer davon. Es geht darum, den Geist durch Bewegung zum Stillstand und zur Ruhe zu bringen.“

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Beim Yoga geht es immer darum, den Geist durch Bewegung zur Ruhe zu bringen. (© Julia Sonnleitner)

Intensive Erfahrung in Indien. In Indien absolviert Tanja Nicholls einen Monat lang ihre erste international zertifizierte Yogalehrer-Ausbildung in klassischem Hatha Yoga. „Wir waren im sprichwörtlichen Nirgendwo, ringsherum war nichts außer Gegend“, erinnert sie sich. „Wir hatten nur einen halben Tag in der Woche frei, die restliche Zeit standen Unterricht und Lernen auf dem Programm. Der Tag begann um 05:30 Uhr und dauerte bis 19:30 Uhr. Dazu kam die reinste Form der Ernährung – vegan, keine Gewürze, kein Zucker und Kaffee, keine Tees und Nachtschattengewächse. Sprich, wir durften nichts essen, was das Feuer im Körper entfachen könnte. Das war eine wirklich intensive Erfahrung.“

Rund um den Erdball. Nach ihrer Yoga-Ausbildung in Indien reist Tanja Nicholls weiter nach Thailand, wo sie an einem weltweit bekannten Institut die traditionelle Thai-Massage lernt. Danach geht es für sie weiter nach Gua­temala in Zentralamerika. Dort widmet sie sich vertiefend dem Yoga und der Meditation. Wie schon in Asien unterrichtet sie auch hier immer wieder zwischendurch Yoga in kleinen Gruppen. „In El Salvador habe ich dann einen Yoga-Lehrer aus New York kennengelernt, der sich dem Acro-Yoga verschrieben hat“, erzählt sie. „Bei diesem Partner-Yoga wird Yoga mit Akrobatik kombiniert. Das erfordert Vertrauen und eine gute Kommunikation. Er hat mich in sein Studio nach New York eingeladen, um bei ihm eine weitere Yogalehrer-Ausbildung zu absolvieren.“

Dieser amerikanische Lehrer ist es auch, der Tanja Nicholls dazu ermutigt, selbst Yoga zu unterrichten. Was sie dann auch tut: Zurück in Europa erst in Spanien, dann in den Niederlanden, auf Teneriffa und Mallorca. Seit vergangenen Herbst ist sie wieder zurück in Oberösterreich und lehrt in der La Via Lounge im Schloss Pollheim in Wels (www.pulsatori.com) alles, was sie rund um den Erdball gelernt hat.

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Yoga ist immer und überall möglich – wie hier über den Dächern Wiens. (© Julia Sonnleitner)

Den Geist zur Ruhe bringen. „Durch Yoga habe ich gelernt, mehr meinem Gefühl zu vertrauen, obwohl ich von meinem Ursprung her eher ein Kopfmensch bin“, sagt Nicholls. „Je mehr ich das mache, umso richtiger fühlt sich der Weg an, den ich gehe.“

Auch ihre Schwierigkeit, nicht abschalten zu können, habe sich durch Yoga gelöst. Denn egal, welchen Yoga-Stil man praktiziere, sagt sie, gehe es immer darum, den Geist zur Ruhe zu bringen. Bei den Asanas ist es zudem das Ziel, den Körper gesund zu erhalten, da alle Positionen vier Elemente vereinen: Balance, Stabilität, Kräftigung und Dehnung. „Es geht nicht darum, einen Spagat zu schaffen“, betont sie. „Viel wichtiger ist, diese Gesundheit im Alltag so lange wie möglich zu erhalten und sowohl Geist als auch Körper Momente des Rückzugs zu gönnen. Wir sind jeden Tag dermaßen vielen Reizen ausgesetzt, dass diese Momente immer wichtiger werden.“