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People | 01.07.2019

"Ich habe das Draufgänger-Gen"

Nach erfolgreichen Jahren in der Speditionsbranche erfüllte sich Julia Panholzer (33), besser bekannt als „Weintante July“, einen Traum und bringt mit ihrer Weinmarketing-Agentur „Good Wine Agency“ frischen Wind in die heimische Weinszene.

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© Ines Thomsen

Im Alter von 24 Jahren hatte die erfolgreiche Speditionslogistikerin Julia Panholzer von Paletten und Co. die Nase voll und ging mit ihrem damaligen Freund auf Weltreise, wo sie in Argentinien ihre Liebe und Leidenschaft zum Wein entdeckte. Nach Lehrjahren bei Weingutbesitzer Clemens Strobl und einem großen niederösterreichischen Winzer hat die quirlige Linzerin alias „Weintante July“ nicht nur ihre eigene Weinlinie geschaffen und im großen Stil personalisierte Wein unter die Leute gebracht, ganz aktuell hat sie dem größten rotweinproduzierenden Betrieb Österreichs durch einen gut durchdachten Marktauftritt zu einem neuen Image verholfen. Im Interview verrät die attraktive Blondine, dass sie die Anna Wintour des Weins werden möchte, welchen Tropfen sie selbst bevorzugt, und dass sie es ohne Draufgänger-Gen nie so weit gebracht hätte.

 

OBERÖSTERREICHERIN: Von der Speditionskauffrau zur Weinexpertin – wie ist es dazu gekommen?

Julia Panholzer: Ich habe Speditionslogistik gelernt und jahrelang in Hörsching am Flughafen gearbeitet. Bereits im Alter von 20 Jahren war ich in der Überseespedition als erste Frau in OÖ im Vertrieb sehr erfolgreich tätig. Nach einigen Jahren wurde ich abgeworben und bin zu einem der größten Spediteure der Branche gewechselt. Irgendwann kam allerdings der Punkt in meinem Leben, wo ich etwas anderes machen wollte. Damals war ich 25 Jahre alt, und mir war klar, dass ich einen völligen Neustart wagen muss.  

 

Wie haben Sie herausgefunden, wo es hingehen soll?

Ich habe meinen gut bezahlten Job gekündigt und bin auf Weltreise gegangen. Während dieser Auszeit wollte ich mir im Klaren darüber werden, wo es künftig hingehen soll. Mit meinem damaligen Freund war ich in der Karibik, in den USA und in Südamerika. In Argentinien habe ich zum ersten Mal einen Malbec getrunken und war auf Anhieb begeistert. Ich habe mich in diesen argentinischen Rotwein verliebt und mich in die Thematik der Weinherstellung eingelesen. Damals wäre ich allerdings nie auf die Idee gekommen, beruflich einmal etwas mit Wein zu machen. Wie denn auch? Ich komme aus Linz. Die Stadt ist kein Weinbaugebiet, und ich hatte auch sonst nicht wirklich einen Bezug zur Thematik Wein. Aber der Wein hat mich nicht mehr losgelassen. 

 

Wann sind Sie wieder nach Linz zurückgekehrt?

Nach sieben Monaten sind wir wieder zurückgekommen, und ich habe mich auf Jobsuche begeben. Unter anderem sah ich, dass der aus Linz stammende Weingutbesitzer Clemens Strobl eine Stelle für seine Weinmanufaktur besetzte. Das hat mich interessiert, und nach einem Gespräch mit ihm habe ich für eines seiner Weingüter, mit Sitz am Wagram in Niederösterreich, zu arbeiten begonnen. Es war wirklich hart und ein tougher Einstieg, aber im Endeffekt war es die beste Ausbildung, die man in dieser Branche bekommen kann. Clemens hat es verstanden, dass sich selbst der beste Wein nur in Kombination mit einem guten Marktauftritt vertreiben lässt. Ich habe viel von ihm gelernt, er war definitiv mein erster Mentor.

 

Wie lange haben Sie dort gearbeitet?

Ich war sehr stark in die Familie Strobl integriert. Nach zwei intensiven Jahren war es allerdings an der Zeit, meinen eigenen Weg zu finden. Dieser Schritt war für mich sehr emotional. Mir war klar, dass ich in der Weinbranche und auch in Linz bleiben möchte.  Eines Tages bin ich mit meiner Freundin und Gastronomin Tanja Wimmer in die Wachau gefahren und habe in einer Vinothek Johann Müllner, einen der größten Winzer in der Umgebung, kennengelernt. Das war ein Glücksfall, denn er wurde mein zweiter Mentor, mein Weinpapa, dem ich alles zu verdanken habe.

 

Wie hat er Sie unterstützt?

Schon damals nannten mich Freunde und Bekannte „Weintante July“, das hat ihm gefallen. (lacht) Johann Müllner war von meinen umfassenden Weinkenntnissen und meiner Leidenschaft begeistert. „So etwas wie dich gibt es in der Weinbranche nicht“, meinte Hansi und motivierte mich dazu, meine eigene Weinlinie zu kreieren. Also habe ich gemeinsam mit ihm unter „July‘s Choice“ meine eigenen Weine entwickelt. Wir nahmen seinen Grundwein und haben ihn nach meinen Anforderungen und meinem Geschmack ausgebaut. Schon damals hatte ich ein Gespür für Design und Aufmachung. Ich war in den gesamten Produktionsprozess involviert und übernahm auch das gesamte Marketing.

 

Wie hat sich die Weinlinie verkauft?

Der Wein hat sich sehr gut verkauft, und ich konnte viele Kontakte in der Wein- und Gastrobranche knüpfen. Große Unterstützung erhielt ich von Anbeginn vom Linzer Getränkehändler Weinturm Spirits & More, der die Weine für mich in ganz Österreich vertrieb. Aber rein wirtschaftlich gesehen war es schwierig. Als Zwischenhändlerin ist mir pro Flasche wenig geblieben. Ich habe erkannt, dass dieses Projekt funktionieren kann, aber nur dann, wenn man die Marke so aufgebaut hat, dass sie selbsterklärend ist.

 

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Angelika Sommer, Traubenlieferantin mit Herz und Seele, und July im Weingarten (© Ines Thomsen)

Dann haben Sie auch Konzept-Weine gemacht. Können Sie uns erklären, was das ist?

Im Wahlkampf zur letzten Nationalratswahl bin ich mit ein paar Linzer Wahlunterstützern von Sebastian Kurz zusammengesessen. Daraus ist der „Kurz-Wein“ entstanden. Wir haben eigene „Kurz-Etiketten“ im damaligen Wahlkampf-Look entworfen. Anfangs habe ich nur ein paar Muster gemacht, aber dann sind immer größere Bestellungen eingegangen. Wir schickten den Wein bis in die Clubs nach Vorarl­berg. Dadurch entstand ein neuer Business Case, nämlich Konzept-Weine bzw. personalisierte Weine für Anlässe aller Art, Jubilare und bestimmte Industriezweige. Schließlich bekam ich den Zuschlag vom Raiffeisenverband Österreich, und ich kreierte eine eigene Edition für das Jubiläum „200 Jahre Raiffeisen“. Ich habe mich um Produktion, Design, Logistik, Marketing und Kommunikation nach außen gekümmert. Dieses Jahr mit der Raiffeisen-Gruppe hat mir viele Erkenntnisse und sehr positiven Austausch geboten. 

 

Ist Ihnen dieser Business Case aufgegangen?

Ja, denn zu guter Letzt hat mir mein Wissen über Genossenschaften, das ich durch die Zusammenarbeit erlangt habe, dazu verholfen, ein neues tolles Projekt an Land zu ziehen. Eine Genossenschaft ist im Prinzip eine Vereinigung von mehreren Familien und Personen zu einem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb, im Prinzip also etwas absolut Positives! Das Wort ist leider verstaubt, oft heißt es, Genossenschaften hätten keine Authentizität. Dem muss ich völlig widersprechen, denn mehr Authentizität kann es kaum geben. Es stehen oft bis zu 100 Familien dahinter! Das muss endlich kommuniziert werden, genau darum kümmere ich mich – im Sinne des Weines, im Sinne des Landes.

 

So wie bei den Eichenwald Weinen, die Sie ja sehr erfolgreich betreuen. Können Sie uns erklären, was Sie da  machen?

Dabei handelt es sich um eine Winzergenossenschaft in Horitschon im Burgenland. Als ich das erste Mal zu einer Besprechung dorthin fuhr, bin ich aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen. Das Gebäude der Genossenschaft ist ein Monument! Die Winzergenossenschaft – übrigens der größte rotweinproduzierende Betrieb in Österreich – verkaufte sich unter dem Namen „Vereinte Winzer Blaufränkisch Land eGen“. Ich habe mir kein Blatt vor den Mund genommen und ehrlich gesagt, dass es Veränderungen im Design und der gesamten Aufmachung bedarf, um sich in Zukunft nicht von Gebindepreisen abhängig zu machen. In Zeiten wie diesen, mit der Globalisierung des Weinmarktes, muss man schon etwas Besonderes bieten, um Absatz im Flaschensegment zu generieren. Auch der sperrige Name musste geändert werden. Um das alles haben wir uns gekümmert.

 

Wie hat man darauf reagiert?

Alleine der Blick auf Veränderung hat meiner Meinung nach für einen Push gesorgt. Es war tatsächlich nur ein gut gemeinter Ratschlag, da ich die Mannschaft vor Ort und die Top-Qualität der Weine schon immer geschätzt habe. Gemeinsam mit dem Vorstand der Genossenschaft haben wir begonnen, an dem Projekt zu arbeiten. Unser Ziel war und ist es, die Erträge für die Traubenlieferanten in Zukunft wieder so zu steigern, dass es wirtschaftlich bleibt, die familiären Weinberge zu versorgen und instand zu halten. Dies ist nur über den Flaschenverkauf möglich, weshalb man sich für eine interne Umkrempelung entschieden hat. Wir wurden mit einem Konzeptentwurf beauftragt.

 

Und Sie haben den Auftrag angenommen?

Ja, sicher! Schon damals habe ich mit meinem heutigen Geschäftspartner Balázs Vernes zusammengearbeitet. Er ist Szene-Grafiker in Wien und in der Gastroszene etabliert. Gemeinsam haben wir das Projekt übernommen. Das Gesamtkonzept haben wir auf der Generalversammlung vorgestellt, und wir haben auch erklärt, wie ich auf den Namen EICHENWALD gestoßen bin. Der Eichenwald spielt in der Historie der Region eine besondere Rolle. Horitschon heißt „Die Leut bei den Eichen“. Es gibt viele Mythen und Sagen, die wir rund um das Blaufränkischland aufgearbeitet haben. Diese bieten den Grundstock für den neuen Markenauftritt und sorgen für Bezug zur Region. Die Designs der unterschiedlichen Etiketten wurden schon bei internationalen Designwettbewerben eingereicht. Es ist schön zu sehen, wie sich die Zulieferer durch den gemeinsamen und geschlossenen Auftritt wieder zu einer richtigen Community entwickeln. 

 

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Der Vorstand der Eichenwald Weine eGen mit Weintante July vor dem monumentalen Eichenwald Keller in Horitschon (v.l.): Vorstandsmitglied Christian Strobl, Obmann Ernst Mayrhofer, July, Geschäftsführer Johannes Forauer (© Ines Thomsen)

Wo gibt es den Wein?

Einstweilen bei Nah & Frisch, Unimarkt sowie beim KASTNER Abholmarkt und Gastrodienst. Die Genossenschaft „Vereinte Winzer Blaufränkisch Land eGen“ war in Kooperation mit der Rewe Gruppe. Wir sind dort mit der neuen Marke wieder vorstellig geworden. Grundsätzlich besteht das Interesse der Weiterlistung, sobald vom alten Wein alles aufgebraucht ist. Gas­tronomisch liefern wir bereits bis in die Spitzengastronomie am Arlberg. Die Liebe, die hinter den Eichenwald Weinen steht, gehört nun auch marketingtechnisch gepusht. In dieser Winzergenossenschaft sind Weinbauern, die den Wein mit ganz viel Herzblut produzieren, manche sogar in ihrem Vorgarten. Viele Familien machen das rein hobbymäßig, weil es Tradition ist. Ich will die Menschen hinter dem Wein zeigen. Von der 80-jährigen Dame bis zum 20-jährigen jungen Mann, es gehört einfach aufgeklärt, dass echte Menschen Wein für echte Menschen machen. Es gehört wieder mehr Schwung und Sexyness in die Weinbranche. Die Eichenwald Weine sind mein Herzensprojekt.

 

Wird man als Frau in der Weinbranche unterschätzt? 

Ich liebe es, unterschätzt zu werden, denn wenn die Erwartungshaltung niedrig ist, dann kann man nur gewinnen. Über die letzten Jahre habe ich mir ein großes Wissen angeeignet und kann mich mit Experten austauschen. Ich bin eine der wenigen Frauen in Österreich, die sich so eindringlich mit dem Thema Wein beschäftigt, ohne Wurzeln zu einem Weingut, einem Handel oder einer Gastronomie. 

 

Sie haben auch ein Projekt in Miami, USA, laufen. Können Sie dazu etwas verraten?

Für dieses Projekt haben wir in einem Team aus verschiedenen Experten ein aromatisiertes weinhaltiges Getränk mit CBD (Hanf-Inhaltsstoff Cannabidiol, Anm.) entwickelt. Es handelt sich um einen magischen Wein, der  in Österreich leider noch nicht erhältlich ist. Man hat uns den Markteintritt durch die Novel Food-Verordnung reglementiert. In den USA ist CBD seit November 2018 legal. Der amerikanische Markt ist riesig, und gemeinsam mit unseren amerikanischen Partnern planen wir gerade den Markteintritt. Miami ist meine Herzensstadt – ich kann mir durchaus vorstellen, teilweise auch dort zu leben. Unser Wein unter dem Label „CBDesanto“ wird unter anderem als hochwertiger aromatisierter Spritzer mit Geheimformel für den dortigen Markt in Dosen gefüllt. 

 

Die vergangenen Jahre waren sehr turbulent. Haben Sie den Schritt in die Selbstständigkeit schon einmal bereut?

Nein, überhaupt nicht. Denn: Wenn man liebt, was man macht, ist es keine Arbeit. Natürlich gab es auch Rückschläge, aber das Positive hat immer überwogen. Ich habe mir vorgenommen, die Anna Wintour des Weins zu werden. Am schwierigsten in der Anlaufphase war es, Tochter zu sein. Weil sich meine Eltern, insbesondere meine Mutter, große Sorgen gemacht haben. Aber sie haben mich vom ersten Schritt an immer unterstützt und sind meine größten Fans. Ich liebe sie!

 

Ihr Lieblingswein?

Das ist die „Zeitreise“ der Eichenwald Weine eGen. Eine Cuvée, die einfach unkompliziert Spaß macht. 

 

Wie halten Sie sich fit?

Ich bin auf dieser Welt, um in der Weinbranche mitzumischen, dazu gehört auch, den Wein regelmäßig zu trinken. (lacht) Ich vertrage mein Lieblingsgetränk, als würde Rotwein durch meine Adern fließen. Ein Achterl ist gut für Kreislauf und Seele, körperlich halte ich mich mit Mandu in Schuss.

 

Wie gehen Sie mit Druck um?

Ich kann mit Druck sehr gut umgehen, sonst hätte ich wohl das erste Jahr und einen Clemens Strobl nicht überstanden. (lacht) Wäre es der falsche Weg, müsste ich ununterbrochen gegen etwas ankämpfen, und das ist zum Glück nicht der Fall. Ich will Wein machen, wo mein Name als Gütesiegel dahintersteht. Man soll sich darauf verlassen können, dass Wein von der „Good Wine Agency“ ein guter Wein mit Herz ist.

 

Gibt es einen Mann an Ihrer Seite?

Ich bin Single. Und das war die letzten Jahre auch notwendig. Denn sobald ein Kerl in deinem Hirnkastl herumkrebst, bist du abgelenkt. Grundsätzlich sei aber zu sagen, dass sich meine Prioritäten verschoben haben. Ich will mir mit 35 Jahren ein Imperium aufgebaut haben. Mann und Familie – ich schließe in meinem Leben überhaupt nichts aus – aber nicht um jeden Preis.