Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 10.11.2015

"Ich habe alles für ihn aufgegeben"

Seit 16 Jahren ist Andrea Kreuzmayr die Frau an der Seite von Waterloo. Für ihn hat die attraktive 56-Jährige alles aufgegeben. Warum sie das gemacht hat und dass es auch Momente gibt, in denen sie das bereut, hat sie uns erzählt. In einem Interview, in dem ausnahmsweise nicht der extrovertierte Sänger die Hauptrolle spielte.

Bild IMG_2483_klein.jpg
Andrea Kreuzmayr entspannt in ihrem Wohnzimmer. (© Anja Strobl-Gubo)

Wie haben Sie Ihren Mann, den bekannten Waterloo, kennengelernt?

Das war 1999 bei den Karl-May-Festspielen in Niederösterreich. Mein Sohn hat dort auch mitgewirkt und so hab ich den Hansi kennengelernt. Es war Liebe auf den ersten Blick, aber mir war damals nicht bewusst, dass ich Sozialhilfe für einen oberösterreichischen Indigenen leis­ten werde (lacht).

 

Wie sieht diese Sozialhilfe aus, die Sie Ihrem Mann leisten?

Ich kümmere mich um alles. Ich mache seine Termine, die Buchhaltung, der Computer ist nach wie vor unbekanntes Terrain für ihn. Wir besprechen Auftritte und Interviews im Vorhinein. Hier kümmere ich mich um unser Haus und den Haushalt. Ich halte ihm seit Beginn den Rücken frei. Ich bin sozusagen der Hansi, nur singen kann ich nicht (lacht wieder). 

 

Sie haben also alles für ihn aufgegeben? 

Es hat sich so ergeben, ja. Ich habe 20 Jahre lang als Fotografin gearbeitet, das ist sich durch seine unzähligen Termine nicht mehr ausgegangen. Ich bin auch für ihn nach Oberösterreich gezogen, obwohl ich meine Familie und Freunde natürlich in Niederösterreich habe. Wobei ich sagen muss, dass ich schon mein Leben lang eine Geberin war. Ich war nie eine Nehmerin. Das hat vermutlich mit meiner Kindheit zu tun. 

 

Was hat Sie zur Geberin gemacht?

Ich hatte keine leichte Kindheit. Meine Mutter war Alkoholikerin und ich habe mich sehr früh um meine Brüder kümmern müssen. Glücklicherweise hatten wir unsere Großeltern, die uns starken Halt gegeben haben. Aber damals hat es angefangen, dass ich sehr viel gegeben habe, sehr viel geben musste. Das war eine schwierige Zeit, aber ich bin auch dankbar für diese Erfahrung. Sie hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin. Ein sehr sozialer Mensch. Gottseidank hat es meine Mutter geschafft. Sie ist schon lange trocken und hilft nun selbst Menschen, die alkoholkrank sind.

Bild L1050219.jpg
Andrea und Hans Kreuzmayr haben bereits die ganze Welt bereist. (© privat)
Bild SV101121.jpg
Afrika und seine Menschen haben es Andrea Kreuzmayr besonders angetan. (© privat)

Hatten Sie nie das Gefühl, dass Ihnen das ganze Geben einmal zu viel wird?

Ein Zeichen hat mir mein Körper kurz vor unserer Hochzeit 2001 geschickt. Damals hatte ich einen Magendurchbruch. Glücklicherweise waren wir zu diesem Zeitpunkt in der Nähe von Linz und ich wurde sofort notoperiert. Eine halbe Stunde später – und ich wäre gestorben. Seitdem feiere ich am 27. Oktober meinen zweiten Geburtstag. 

 

Gibt es Momente, in denen Sie bereuen, alles zurückgelassen zu haben?

Natürlich gibt es die! Momente, in denen ich es gern anders hätte. Ich denke, das ist ganz normal, oder? Ich habe meinen Job sehr gern gemacht. Jetzt ist es mein Hobby. Ich fotografiere und male immer noch wahnsinnig gern. Hansis Fotos für seine Plakate oder CD-Cover stammen zum Beispiel allesamt von mir. Sehr viele Fotos habe ich auch auf unseren Reisen gemacht. Wir haben ja in den ersten zehn Jahren unserer Beziehung die ganze Welt bereist. Das war großartig! Darüber würde ich gern einen Bildband mit meinen Fotos machen.

 

Ist Ihnen ein Land besonders in Erinnerung geblieben?

Kenia ist zu meiner Lieblingsdestination geworden. Dieses Land ist unfassbar schön. Zu sehen, wie eine Elefantenherde vorbeizieht, und diese einzigartige Ruhe genießen zu können … Dort sieht man noch, wie schön unsere Erde war, bevor der Mensch sie zerstört hat. Ich könnte mir gut vorstellen, auf einer Lodge zu leben und mit Touristen Fotosafaris zu machen. Von irgendetwas muss man ja auch leben (lacht). Das wäre mein Traum!

In diesem Moment kommt Setter Max zu uns ins Wohnzimmer, drängt sich erst zur Fotografin, dann zur Redakteurin, um es sich dann auf dem Teppich vor unseren Füßen gemütlich zu machen. „Wie ihr seht, haben wir zwei Stars im Haus“, sagt Andrea Kreuzmayr lächelnd und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Dass er im Mittelpunkt stehen möchte, hat der Max von seinem Herrli.“

Bild 2015-09-27 14.06.11.jpg
Andrea Kreuzmayr mit Hund Max. (© privat)

Vermissen Sie Ihre Heimat Niederösterreich?

Ja, eigentlich schon! Ich habe dort die ers­ten 40 Jahre meines Lebens verbracht. Ich bin im Bezirk Neunkirchen aufgewachsen, meine Familie und Freunde leben immer noch dort. Die Menschen kennen mich, mein Leben und wie es war. So etwas kann man sich in 16 Jahren nicht irgendwo anders aufbauen. Und das geht mir immer noch ab.

 

Sie und Ihr Mann haben in Summe fünf Kinder in die Beziehung gebracht. Wie hat das Leben als Patchwork-Familie funktioniert?

Das hat super funktioniert – auch wenn es nicht immer einfach war, alles unter einen Hut zu bringen. Die Urlaube haben wir meistens zu sechst verbracht, die Kinder aufgereiht wie die Orgelpfeifen. 

 

Sie sind 56 Jahre alt und sehen umwerfend aus. Was machen Sie für Ihr Aussehen?

Meine Figur habe ich dem Umstand zu verdanken, dass ich eigentlich den ganzen Tag in Bewegung bin. Wenn ich nicht im Haushalt werke, bin ich bei meinen Blumen im Garten, die ich von unseren Reisen mitgenommen habe. Außerdem war ich schon immer ein eher sportlicher Typ. Als Schülerin habe ich Leichtathletik gemacht. Darum bin ich heute vermutlich immer noch sehr beweglich (setzt sich auf den Boden, nimmt ihr rechtes Bein nach oben und biegt es locker flockig hinter den Kopf). Jeden Morgen mache ich mit Hansi zehn Minuten Hardcore-Pilates, das ist sehr anstrengend. Wir fahren auch viel mit dem Rad, weil der Hund so viel Auslauf braucht. Und ich esse schon jahrzehntelang kein Fleisch mehr.

Bild SV101222.jpg
Andrea Kreuzmayr mit ihrem Mann Hans auf einer ihrer Reisen um die Welt. (© privat)