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People | 29.09.2015

"Ich gebe gerne Wissen weiter"

Ab Oktober 2015 kann man in der Linzer Tabakfabrik „Fashion & Technology“ studieren. Designerin Ute Ploier wird den Lehrgang an der Kunstuni leiten. Im Interview erzählt die gebürtige Linzerin, was die Studierenden erwartet.

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Designerin Ute Ploier wird den Lehrgang "Fashion & Technology" leiten. (© Philipp Horak, pixelkinder.com)

Insgesamt 20 Studierende werden ab Oktober 2015 mit dem Lehrgang „Fashion & Technology“ an der Kunstuni in der Linzer Tabakfabrik beginnen. Neun junge Leute sind bereits Fixstarter für den Lehrgang, der von der erfolgreichen Designerin Ute Ploier geleitet wird. Es sind vom Seil-bahn-techniker bis hin zum Tänzer allesamt sehr spannende junge Menschen. Am 10. und 11. September finden die nächsten Zulassungsprüfungen statt.  

 

Worin sehen Sie Ihre wichtigste Aufgabe als Leiterin des Lehrganges „Fashion & Technology“?

Meine Kernkompetenz ist die von einem Artdirector. Ich stelle das Team von Lehrenden zusammen und helfe den Studierenden bei ihren Designprojekten. Ich werde sie besonders im Hinblick auf zeitgenössisches Mode- und Accessoires-Design unterstützen. 

 

Wie darf man sich den Studienzweig „Fashion & Technology“ in Linz vorstellen? 

Im ersten Schritt ist es ein Bachelorstudium, das sieben Semester dauert. Durch Methoden wie 3D-Print, Digitaldruck, Lasercutting und Prototyping ist in der Modewelt sehr viel im Umbruch. Wir wollen die Studierenden an diese neuen Technologien heranführen, ihnen aber auch eine breite klassische Ausbildung im traditionellen Sinn bieten. Unser Ziel ist es, einen guten Übergang zwischen Alt und Neu zu schaffen. 

 

Sie leben in Wien. Werden Sie für Ihre Professur zwischen Linz und Wien pendeln?

Ich werde pendeln, da mein Büro und meine Familie in Wien sind. Aus diesem Grund werde ich mir die Professur mit
Dr. Christiane Luible teilen. Sie hat in den letzten Jahren sehr erfolgreich in Genf einen Bachelor- und Masterstudiengang für Mode aufgebaut.

 

Wird man in Linz auch den Master in „Fashion & Technology“ machen können?

Wenn alles nach Plan verläuft, wollen wir in zwei Jahren mit dem Masterstudium starten. 

 

Wie wichtig ist es Ihnen, Wissen weiterzugeben?

Das macht mir irrsinnig viel Spaß. Es ist sehr befriedigend, wenn man mit Studierenden arbeitet. Ich lerne auch für mich selber immer wieder sehr viel von den Studenten. 

 

Sie haben sich nach Ihrem Studium selbstständig gemacht. Würden Sie das heute wieder machen? 

In der Modebranche hat sich in den letzten zwölf Jahren, also in recht kurzer Zeit, ganz viel verändert. Heute ist es für junge Labels viel schwieriger geworden, eigene Brands aufzubauen. Im Zuge der Globalisierung ist es kaum mehr möglich, dass man es aus eigener Kraft ohne Investor schafft. Ich bin damals ins kalte Wasser gesprungen. Heute bin ich froh darüber, es gemacht zu haben. Es war aber auch noch die Zeit, wo es funktionierte. 

 

Gibt es etwas, das Sie bei der Ausbildung auf der Hochschule für angewandte Kunst vermisst haben?

Die Universität für angewandte Kunst ist eine sehr gute Schule, die sich im Bereich Modedesign hauptsächlich darauf konzentriert, dass große Namen eingeladen werden. Raf Simons, der heute Chefdesigner von Dior ist, war einer meiner Lehrer. Was ich in meiner Ausbildung vermisst habe, waren die komplementären Fähigkeiten wie Marketing, Produktion, Kalkulationen, Businesspläne – sie gehören heute für einen selbstständigen Designer einfach dazu. 

 

2003 gründeten Sie Ihr Menswear-Label „Ute Ploier“. Wo wird Ihre Mode verkauft?

Hauptsächlich im asiatischen Raum. In Österreich verkaufe ich wenig, ich bin aber dabei, einen eigenen Showroom aufzubauen. Ich arbeite gerade an einer zweiten Womenswear-Kollektion, für die ich auch in Österreich einen Markt sehe. Frauen sind in Sachen Mode experimentierfreudiger. 

 

Was hat Sie dazu bewogen, eine Womenswear-Kollektion zu entwerfen?

Meine Hochzeit. Ich habe kein Brautkleid gefunden, das meinen Vorstellungen entsprochen hat, also habe ich mein Kleid selbst entworfen. Dabei habe ich gemerkt, dass es mir sehr viel Spaß macht. 

 

Sie sind erfolgreiche Designerin, Professorin und Mutter einer fünfjährigen Tochter. Wie bringen Sie das alles unter einen Hut?

Nur mit präziser Organisation. Ich plane meine Termine monatelang voraus. Meine Eltern in Linz unterstützen mich. Auch mein Mann ist selbstständig und wir wechseln uns in Sachen Kinderbetreuung ab. 

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Hell und offen: die Räume für den Lehrgang "Fashion & Technology" in der Linzer Tabakfabrik. (© Philipp Horak, pixelkinder.com)

INFO:

Modeschöpferin Ute Ploier wurde 1976 in Linz geboren. Sie absolvierte die Modeklasse an der Universität für angewandte Kunst in Wien und gründete 2003 ihr Männermodelabel. Zudem war sie Gastdozentin an Kunsthochschulen in der Schweiz und in Schweden. Als Freelance-Designerin entwirft sie unter anderem auch Kollektionen für Kunden wie TopMan, Gössl oder ÖBB.