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People | 08.08.2016

„Ich durfte alles ausprobieren“

Martin Hainberger ist der neue Direktor des Casino Linz. Im Interview erzählt der 49-Jährige, warum er gern Lotto spielt und was den Reiz eines Besuches im Casino ausmacht.

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© Casinos Austria

Im Linzer Casino herrscht gähnende Leere. Kein Wunder, es ist früher Vormittag und wir sind mit dem neuen Direktor Martin Hainberger zum Interview verabredet. Der 48-Jährige gehört beinahe schon zum Inventar des Casinos am Schillerpark – und das im positivsten Sinne. Schließlich arbeitet er seit 28 Jahren hier, hat klein mit einem auf drei Monate befristeten Administrationsjob begonnen und nun die Führung des Unternehmens übernommen.

 

Sie arbeiten seit 1988 im Casino Linz. Heute, 28 Jahre später, sind Sie der Direktor des Hauses. Hätten Sie sich das damals gedacht?

Nein, damals auf keinen Fall, weil ursprünglich mein Bruder als Croupier hier arbeiten wollte. Er wurde in Evidenz gehalten und zwei Jahre später angerufen, ob er noch Interesse hätte, in der Administration zu arbeiten. Für ihn hat es nicht mehr gepasst, dafür umso besser für mich, da ich mitten im Studium und der Job erst mal auf drei Monate befristet war. Das ist dann sukzessive immer wieder verlängert worden und mittlerweile sind 28 Jahre daraus geworden (lacht).

 

In der heutigen Zeit ist es eher ungewöhnlich, so lange bei ein und demselben Unternehmen zu arbeiten. Welche Vorteile sehen Sie darin?

Ich habe immer Vorteile darin gesehen, weil es für mich ein Zeichen der Loyalität zur Firma ist. Bei Casinos Austria ist es überhaupt eher üblich, viele Jahre dabei zu sein. In den vergangenen Jahren habe ich allerdings bemerkt, dass man immer auch ein bisschen eigenartig angesehen wird, wenn man so viele Jahre in ein und demselben Unternehmen arbeitet. Ich glaube, die heutige Jugend ist eher versucht, verschiedene Bereiche und auch verschiedene Unternehmen zu testen. Das habe ich intern bei uns gemacht. Ich habe bei der Administration im Eingangsbereich begonnen, bin weiter zur Jeton-Kassa aufgestiegen, und vor 17 Jahren hat sich die Möglichkeit ergeben, den Veranstaltungsbereich aufzubauen. Das ist heute der Marketing- und Sales-Bereich, das war ein wichtiger Schritt für mich.

 

Was war das Spannende daran, diesen Bereich aufzubauen?

Mich hat besonders fasziniert, dass ich meine ganze Kreativität einbringen konnte. Unser langjähriger Direktor Josef Kneifl hat erst kürzlich zu mir gesagt, ihn wundere, dass mir in den 17 Jahren nie die Kreativität ausgegangen ist. Das ist ein schönes Kompliment für mich. Ich durfte immer alles ausprobieren. Bis auf Schlamm-Catchen war alles dabei (lacht). Mein besonderes Steckenpferd wurden im Lauf der Zeit dann die vielen Charity-Veranstaltungen. Kreativ sein zu können und dabei noch Gutes zu tun, das ist schon eine klasse Sache!

 

Jetzt ist der nächste Schritt getan: Sie sind seit 1. Juli der neue Direktor des Casinos. Ist Ihnen diese Entscheidung leicht gefallen?

Für mich ist es eine Riesenauszeichnung, dass mich der Vorstand von Casinos Austria als Nachfolger von Direktor Kneifl vorgeschlagen hat. Es wäre beinahe fahrlässig, das nicht anzunehmen (lächelt). Mein Bereich wird damit wieder größer, die Entscheidungen werden spannender und umfangreicher. Und es ist das erste Mal in Österreich, dass jemand aus dem Marketing einen Casinobetrieb übernimmt. Das ist eine interessante und für mich besonders gute Entscheidung. 

 

Wo können Sie sich vorstellen, neue Wege zu gehen?

Das kann ich jetzt noch nicht konkret sagen, wobei viel mit dem neuen Eigentümer des Hauses zu tun hat, der ja eine Neugestaltung des Gebäudes plant (Anm. d. Red.: PlusCity-Boss Ernst Kirchmayr). Das wird auf jeden Fall spannend, weil ein gröberer Umbau des gesamten Komplexes geplant ist. Hier unsere Ideen und Visionen einzubringen, ist im Moment das Wichtigste und auch Zukunftsträchtigste. Das ist eine Riesen-Chance! Was das Casino betrifft, konnte ich schon bisher sehr viel mitgestalten. Den Weg, den wir eingeschlagen haben, die breite Masse anzusprechen, möchte ich auf jeden Fall beibehalten. 

 

Täuscht es oder hat das Casino über die Jahre hinweg nichts an Reiz und Faszination verloren? Was macht einen Abend im Casino immer noch so besonders?

Casino an sich ist schon eine Faszination. Nicht umsonst kommt in jedem zweiten James Bond-Film ein Casino vor. Dazu kommt, dass man volljährig sein muss und einen Ausweis braucht, um hinein zu dürfen. Man übertritt damit sozusagen eine Art Schwelle. Und es geht um Geld. Sobald man das eigene Geld einsetzt, man gewinnt oder verliert, geht es immer um Adrenalin. Für viele Besucher ist auch das Beobachten anderer Spieler ein besonderer Reiz. 

 

Als Mitarbeiter haben Sie Spielverbot in allen österreichischen Casinos. Wären Sie grundsätzlich jemand, der gern spielt?

Ich spiele gern Lotto, also ja. In Österreich darf ich allerdings in keinem Casino spielen. Um spielen zu können, müsste ich ins Ausland fahren. Das ist mir zu aufwändig und dafür habe ich auch viel zu wenig Zeit. Wenn, dann spiele ich am liebsten Roulette. 

 

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Familienglück. Martin Hainberger mit seiner Frau Veronika und Tochter Franziska (© privat)

Sie sind verheiratet und sehr engagierter Vater einer fünfjährigen Tochter. Wird Ihnen mit der neuen Position noch genug Zeit für Familie und auch Hobbys bleiben?

So genau kann ich das jetzt nicht sagen, weil ich es ja noch nicht weiß. Momentan ist aber extrem viel los. Wobei ich versuche, jeden Tag eine Stunde Sport zu machen: laufen oder auf dem Hometrainer. Meistens in der Früh, weil ich ein Frühaufsteher bin. Wenn ich es am Morgen nicht geschafft habe, kann es auch sein, dass ich am späteren Abend noch eine Einheit Sport mache. Dabei komme ich gut runter und der Kopf wird wieder frei. Das ist mir wichtig. Privat könnte es nicht besser sein. Unsere Tochter ist ein absoluter Sonnenschein und ich vermisse sie immer sehr, wenn ich beruflich unterwegs bin. 

 

Wenn alles – Familie, Job – so perfekt ist: Wird das irgendwann selbstverständlich oder sind Sie immer noch dankbar dafür?

Dankbar und demütig – diese beiden Worte beschreiben es wohl am besten. Und ich hoffe sehr, dass es noch lange so wundervoll bleibt. 

 

Ich habe gehört, dass Sie auch ein leidenschaftlicher Maler sind ...

Ich habe früher sehr gern gemalt und voriges Jahr wieder damit begonnen. Im Nachhinein gesehen glaube ich, dass es ein Zeichen dafür war, wieder etwas zu verändern. Meine Kreativität musste da schon wieder woanders raus. Davor hatte ich nämlich lange nicht das Bedürfnis zu malen. 

 

Was malen Sie am liebsten?

Großflächige Öl- und Acrylbilder. Ich habe versucht, Bilder, die mir gefallen und die ich mir nicht leisten konnte, einfach nachzumalen. Darum hängen heute viele gefälschte Van Goghs bei uns zu Hause (lacht).