Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 16.03.2015

Ich bin eine Einzelgängerin

Am 11. Jänner feierte Christine Kaufmann ihren 70er, noch bis Ende Mai steht sie im Linzer Landestheater für das Stück „Funkelnde Geister“ auf der Bühne. Im Interview erzählt sie, warum sie noch nie so glücklich war wie jetzt.

Bild 003.jpg
"Ich spiele eine exzentrische Persönlichkeit und das gefällt mir sehr gut." (© Andreas Röbl)

Ich treffe Christine Kaufmann und ihre Enkelin Dido Sargent im Musiktheater in Linz. Wenn man die beiden Frauen sieht, würde man nicht glauben, dass es sich um Großmutter und Enkelin handelt. Dass Christine Kaufmann noch bis Ende Mai im Landestheater Linz auf der Bühne steht, ist im Prinzip Dido zu verdanken: Die 29-jährige gebürtige Amerikanerin lebt seit 2009 in Linz und arbeitet am Landestheater als Modistin und Kostümbildnerin. Sie hat auch die Kostüme für das Stück, in dem ihre Großmutter spielt, entworfen.  

 

Frau Kaufmann, wie haben Sie Ihren 70er gefeiert?

Ich habe viele Blumen bekommen und einen sehr schönen Brief vom Bundespräsidenten. Ich wollte eigentlich nach Mallorca fliegen, aber es war sehr stürmisch und ich habe Flugangst. Deshalb bin ich zu Hause in München geblieben und habe so gefeiert, wie es mir gefällt:
in kleinem Rahmen mit großen Gesprächen.

 

Sie wurden 1963 für Ihre Rolle in „Stadt ohne Mitleid“ mit dem Golden Globe ausgezeichnet. Welche Erinnerungen haben Sie an Hollywood?

Seitdem ich ein kleines Mädchen war, habe ich immer gearbeitet. Als ich nach Amerika kam, waren Heirat und Kinder für mich absolut begehrenswert. In der Ehe mit Tony Curtis habe ich die Welt der Stars aus der zweiten Reihe miterlebt. Ich bin aber relativ schnell wieder nach Europa zurückgegangen, weil ich festgestellt habe, dass ich nicht in Amerika leben kann. 

 

War das mit ein Grund, warum Ihre Ehe mit Tony Curtis in die Brüche ging?

Ich habe Tony mit 17 Jahren kennengelernt. Als ich meine Kinder bekommen habe, habe ich aufgehört ihn zu lieben und nur mehr meine Kinder geliebt. Das kann passieren. Er war ein sehr interessanter und intelligenter Mann, aber wie viele Stars ein Narzisst. 

 

Vier Jahre nach der Scheidung entzog Ihnen Tony Curtis Ihre Töchter Allegra und Alexandra, damals sechs und acht Jahre, und nahm sie mit in die USA. Warum hat er Ihnen das angetan?

Er hat eine Frau geheiratet, deren Wunsch es war, die Kinder um sich zu sammeln. Tony und ich haben uns im Prinzip immer ganz gut vertragen, das Problem war diese Frau. Ich bin von Tony Curtis weggegangen, ohne auch nur irgendetwas mitzunehmen. Ich habe nur das Kindergeld für meine Töchter bekommen. Als er mir die Kinder weggenommen hat, musste er das Kindergeld auch nicht mehr bezahlen. Es hat ihn sehr gekränkt, dass ich ihn verlassen habe. Im Prinzip wollte er mich ruinieren, das ist ihm aber nicht gelungen. 

 

Wie lange waren Ihre Kinder in Amerika und wie haben Sie das ausgehalten?

Meine Kinder waren circa sieben Jahre lang in Amerika. Wir haben allerdings jeden Sommer sechs Wochen miteinander verbracht. Ich glaube, wenn man sechs Wochen lang sehr intensiv zusammen ist, hat das manchmal ein größeres Gewicht, als wenn man jeden Tag die Pfannkuchen macht. 

 

Sie waren vier Mal verheiratet und hatten Liebhaber wie Warren Beatty oder Eric Clapton. Welcher Mann in Ihrem Leben hat Ihnen am meisten bedeutet?

Ich war mit allen Männern auch nach den Beziehungen befreundet. Mit Tony Curtis gab es Auseinandersetzungen wegen der Kinder. Aber ich habe 2009, ein Jahr bevor er gestorben ist, noch mit ihm telefoniert. Wir waren gute Freunde, aber keine guten Ehepartner. 

 

In Linz stehen Sie noch bis Ende Mai als Geisterbeschwörerin auf der Bühne. Was gefällt Ihnen an der Rolle?

Ich spiele eine exzentrische Persönlichkeit und das gefällt mir sehr gut. Die Linzer sind ein ganz tolles Theaterpublikum, sie lachen an den richtigen Stellen und sind sehr warmherzig. Außerdem war meine Enkelin für die Kostüme verantwortlich. Ich werde mein Engagement in Linz sicher als eine meiner positivsten Theatererfahrungen in Erinnerung halten. 

 

Wie sind Sie als Großmutter?

Mein Enkelin und ich sehen uns nicht häufig, aber wenn, dann ist unser Zusammentreffen sehr intensiv. Wenn Dido zum Zahnarzt muss, dann kommt sie nach München. Ich bin eben eine richtige Oma (lacht).

 

Wie ich gehört habe, haben Sie in Linz auch schon Freundschaften geschlossen?

Ja, mit der Rechtsanwältin Viktoria Neuner und ihrer Familie bin ich mittlerweile sehr gut befreundet. Wir haben uns kennengelernt, als sie, ihre Mutter und ihre Schwester ein Selfie mit mir machten. 

 

Im März halten Sie eine Lesung in der Kanzlei von Viktoria Neuner?

Darauf freue ich mich sehr. Ich lese aus meinem Buch „Scheinweltfieber“. Das ist eine gute Gelegenheit, Menschen, die nicht auf der Bühne stehen, zu erklären, wie wichtig sie sind. Je besser das Publikum, desto besser das Spiel. Sie sind 70 Jahre alt, haben Ihr eigenes Kosmetikunternehmen, stehen noch immer auf der Bühne – andere Frauen sind in diesem Alter in der Pension … Ich habe sehr viel Kraft und Energie, weil ich gewisse Sachen nicht aufgeben will und kann. Meine Energie bekomme ich von der Arbeit. 

 

Wenn man Sie auf Beauty-OPs anspricht, werden Sie sauer. Worin liegt nun das Geheimnis Ihres guten Aussehens? 

Das ist eine Mischung aus guten Genen und Pflege. Seitdem ich ein Teenager war, habe ich mich immer um meine Erscheinung gekümmert. Ich weiß sehr viel über Pflege, ich nehme Nahrungsergänzung und ich weiß sehr genau, was ich tun muss, wenn meine Haut trocken wird. Das, was man isst und macht, spiegelt die Haut wieder. Diese Tatsache wird von vielen Menschen unterschätzt. Und ich bin eine Lichtanhängerin; es gibt ein Lichtlifting, das ich sehr gut finde. Viel besser, als wenn man an sich rumschneiden lässt und sich Gift in die Haut spritzt. 

 

Was war das Beste in Ihrem Leben?

Was vergangen ist, ist für mich irrelevant, weil es vorbei ist. Wichtig ist die Änderung des Bewusstseins durch Erfahrung. Und zwar dahingehend, wie man diese Erfahrungen verwertet. Jane Fonda hat in einem Interview gesagt, dass sie noch nie so glücklich war wie jetzt. Das kann ich absolut unterschreiben. 

 

Wie lebt Christine Kaufmann?

Ich bin sehr gerne alleine. Ich bin eine Einzelgängerin und brauche es nicht, dass Leute mich anschauen, damit ich mich lebendig fühle. Ich fühle mich wahnsinnig wohl, wenn ich mit dem Fahrrad fahren und den Himmel anschauen kann. Das ist mein größter Luxus.

 

Vermissen Sie einen Mann in Ihrem Leben?

Nein, nein und nochmals nein! Ich habe vier ganz liebe männliche Freunde, mit denen ich mich regelmäßig treffe. Es wird oft unterschätzt, wie wichtig Männerfreundschaften für Frauen sind. Ein Mann sieht Dinge aus einer anderen Perspektive als Frauen. Ich bin zwar emanzipiert, aber nicht „entMannzipiert“.