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People | 13.11.2018

"Hoppalas sind menschlich"

In ihrem neuen Kabarett „Hoppala!“ begibt sich Nadja Maleh einmal mehr in ihre multiple Welt von schrägen Frauencharakteren und zieht am 28. November im Linzer Posthof Zwischenmenschliches pointiert durch den Kakao.

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Gute Mischung Nadja Maleh ist als Tochter einer Tirolerin und eines Syrers in Wien aufgewachsen. Das Verbindende auf der Welt hat ihren Stil als Kabarettistin beeinflusst. (© Markus van der Man)

Ein paar Stunden vor der Vorpremiere ihres neuen und mittlerweile fünften Soloprogramms „Hoppala!“ im Wohnpark Alterlaa treffe ich Nadja Maleh (46) im Café Westend in Wien zum Interview. Von Nervosität keine Spur. Das war nicht immer so: „Vor meinem ersten Solokabarett vor elf Jahren hatte ich Herzrhythmusstörungen und Panikattacken. Das ist mittlerweile vorbei, auch deshalb, weil ich meinen Stil gefunden habe“, erklärt die sympathische Kabarettistin, Schauspieleri und Sängerin, die uns im Interview verrät, dass sie für Peter Klien Regie führt, zum Herunterkommen meditiert und,  dass das Verbindende auf der Welt ihren Stil als Kabarettistin beeinflusst hat.

 

Mit „Hoppala!“ bringen Sie nun Ihr fünftes Soloprogramm auf die Bühne. Was hat sich seit Ihrem ersten Soloprogramm vor elf Jahren verändert?

Nadja Maleh: Ich habe mich verändert und weiterentwickelt, und mit mir haben sich auch meine Programme weiterentwickelt. Ich habe meine Schiene gefunden und singe jetzt auch immer mehr. Ich bin glücklich, dass ich das Leben kann, was ich mir im tiefsten Inneren immer gewünscht habe.

 

Wie darf man sich Ihre Arbeit als Kabarettistin vorstellen. Wie lange arbeiten Sie an einem Programm?

Ich stehe in der Früh auf und pupse Konfetti. (lacht) Nein, Spaß beiseite. Es ist ein sehr umfassender Job. Die letzten zehn Jahre habe ich auch mein Management selber gemacht, was mit viel Bürokram verbunden war. Seit einem Jahr habe ich mit Karin Friedl eine super Managerin. Damit ich irgendwann zwei Stunden geballtes Programm im Kasten habe, schreibe ich im Prinzip andauernd. Aber ich mache auch noch viele andere Sachen, die in mein Berufsbild passen: Ich führe Regie für Kollegen wie Stefan Haider oder Peter Klien und halte Schauspielworkshops und Firmentrainings.

 

Was inspiriert Sie?

Es ist eine Melange mit verschiedenen Zutaten, wie etwa ein Lied, das ich im Radio höre oder ein Graffiti an der Wand. Und natürlich inspiriert mich das Beobachten des Alltags.

 

Können Sie uns verraten, was uns in „Hoppala!“ erwartet?

Meine Programme handeln immer von einem Thema, das mich persönlich beschäftigt, und da gehören Hoppalas einfach dazu. Wenn man genau aufpasst, hört man dieses Wort sicher mehrmals täglich, es ist tief in unserem Sprachgebrauch drinnen. Und wenn wir ehrlich sind, geht es im Leben auch darum, wie man mit Fehlern oder Schwächen umgeht. Ich behaupte, dass die Evolutionsgeschichte voller Hoppalas ist. Die Welt ist dem lieben Gott passiert. Und so gehe ich mit erfundenen und echten Hoppalas durch die Evolution.

 

Ihre Figuren sind sehr vielfältig und reichen von der Inderin Mandala bis hin zur Russin Olga. Werden wir diese alten Bekannten auch im neuen Programm treffen?

Natürlich! Auch in „Hoppala!“ gibt es einen rasanten Figurenwechsel mit alten „Bekanntinnen“ und neuen Bekannten. Und es gibt viele tolle neue Songs.

 

Apropos Songs, im September ist Ihr zweites Album „Songs Vol. 2“ erschienen. Was taugt Ihnen mehr: Kabarett oder Musik?

Das ist schwer zu sagen. Die Kombination von beiden ist meine Glückseligkeit. Genau auf diese Art und Weise will ich mich ausdrücken.

 

Ihre Mutter ist Tirolerin, Ihr Vater war Syrer. Wie sehr haben die zwei verschiedenen Kulturen Ihr Aufwachsen geprägt?

Ich bin in Wien aufgewachsen und habe zu Hause beide Kulturen hautnah erlebt. Meine Schulferien habe ich abwechselnd in Tirol und in Syrien verbracht. Als Kind ist man flexibel und bewertet nicht. Wir sind alle Menschen, wir haben alle dieselben Gefühle, egal, welche Religion wir haben oder welche Gewürze wir verwenden. Das Verbindende auf der Welt hat auch meinen Stil als Kabarettistin beeinflusst.

 

Wie sehr betrifft Sie der Krieg in Syrien. Haben Sie dort noch Verwandte?

Ich habe noch Familie in Damaskus. Gott sei Dank geht es ihnen gut und zwar im Sinne von: sie leben und überleben. Jeder Krisenherd ist furchtbar, aber jener in Syrien betrifft mich besonders, weil ich so oft in diesem Land war und es ein Teil meiner Identität ist. Ich kenne die Syrer als großzügige, liebevolle Menschen. Sie können nichts dafür, dass Krieg ist. Man muss es ihnen ermöglichen, irgendwohin zu gehen, wo sie sicher sind. Diese Menschen sind die Opfer vom Terrorismus.

 

Gibt es ein Thema, das Sie in Ihren Kabaretts nicht ansprechen würden?

Nein, denn es gibt in meinen Augen nichts, was man nicht mit Humor sehen kann. Humor will nicht ins Lächerliche ziehen im Sinne von zerstören, Humor will einen neuen Blickwinkel auf etwas werfen und ein Werkzeug sein, wie man neu und mit Leichtigkeit auf etwas blicken kann. Humor setzt allerdings voraus, dass man eine gewisse Distanz zu einem Thema hat. Nur dann kann man über sich selber lachen.

 

Ihr Terminkalender ist prall gefüllt. Von Oktober bis Dezember stehen Sie laufend mit Ihrem neuen Programm auf der Bühne. Wie schalten Sie ab?

Ich bin der Meditationstyp und mache Yoga. Je älter ich werde, desto mehr brauche ich die Ruhe. Das bin ich meiner Selbstverantwortung schuldig.

 

Oberösterreich-PREMIERE:

Nadja Maleh – „Hoppala!“: am 28.11.2018 um 20 Uhr im Posthof Linz

Tickets: Tel.: 0732/78 18 00, E-Mail: [email protected], Online-Kartenkauf: http://ticket.posthof.at