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People | 18.03.2019

„Hört auf zu sudern!“

In ihrem neuen Kabarettprogramm „Pathos“ setzt sich Angelika Niedetzky mit Suderern und Raunzern auseinander. Wir haben mit der gebürtigen Oberösterreicherin über Schweigeklöster, das Älterwerden und ernsthafte Frauenrollen gesprochen.

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Es läuft gut für Schauspielerin und Kabarettistin Angelika Niedetzky. Am 13. Februar feierte ihr viertes Solo-Kabarett „Pathos“ in Wien Premiere, sie wird in einer neuen Serie mitspielen, und im Sommer steht sie beim Theatersommer Haag in der Shakes­peare-Komödie „Maß für Maß“ auf der Bühne.

Ihren 40er, den sie am 2. Februar  zelebrierte, nimmt die attraktive Blondine ziemlich gelassen. Kein Wunder, denn angesichts der guten Auftragslage gibt es keinen Grund zum Sudern.

 

Wo­rum geht es in Ihrem vierten Solo­programm „Pathos“ und was hat Sie dazu inspiriert?

Angelika Niedetzky: Das Wort „Pathos“ bedeutete ursprünglich so viel wie leiden oder etwas erdulden müssen. Diese Bedeutung hat sich im Lauf der Zeit drastisch geändert. Heute drückt man mit „Pathos“ die Leidenschaft aus. Und diese geht im stressigen Alltag immer mehr verloren und weicht dem Jammern und Sudern. Die Frage, wie etwas besser werden kann und wie man problemorientiert handelt, hat mich zu diesem Kabarett inspiriert.

 

Wie gehen Sie persönlich mit Suderern und Raunzern um?

Bis zu einem gewissen Grad lasse ich mich natürlich auch ansudern. Aber ich schalte immer öfter auf Durchzug und versuche auch Telefonate, in denen nur gejammert wird, so schnell wie möglich zu beenden. Suderei ist nie konstruktiv.

 

Geben Sie dem Publikum in „Pathos“ Anleitungen, wie man das Sudern vermeiden kann?

Ja, ich zeige auf witzige und übertriebene satirische Art und Weise auf, was man im Leben machen kann, damit es einem besser geht. Da gibt es die unterschiedlichsten Therapien. Und sollten diese nicht helfen, holt man sich halt für den Ehemann einen Hundetrainer oder man begibt sich ins Schweigekloster. Dort kann man sich nämlich nicht beschweren, weil man ohnehin nicht reden darf. (lacht) Ah ja, und es gibt da auch so ein Flüssignahrungsmittel für Pferde, das nehme ich seit ein paar Wochen – und es hilft großartig.

 

Wirklich?

Ja, ich nehme die Dosis für ein 1.000 Kilo schweres Pferd, und alles wird wieder gut. (lacht)

 

Sudert auch Angelika Niedetzky manchmal?

Klar bin ich hin und wieder gefährdet – Anlässe gibt es ja genug! Aber ich bin draufgekommen, dass Jammern und Sudern nichts bringt. Ich halte mich fern von Menschen, die mich nicht weiterbringen.

 

Wie kommt Ihr neues Programm beim Publikum an?

Ich bin damit vollauf zufrieden, es ist schon jetzt mein Lieblingsprogramm. Es spielt sich sehr kurzweilig und kommt auch beim Publikum sehr gut an. Wohl auch deswegen, weil sicher jeder von uns so klassische Suderanten kennt.

 

In den meisten Filmen verkörpern Sie die lustige Sexbombe. Im Burgenland-Landkrimi „Grenzland“ waren Sie als Frau eines Arabisch-Dolmetschers in einer ernsten Rolle zu sehen. Würden Sie sich solche Rollen öfter wünschen?

Ja, auf jeden Fall. Ich bin Regisseur Marvin Kren, der beim Landkrimi Regie geführt hat, sehr dankbar dafür, dass er in mir nicht nur die lustige, verruchte Frau sieht. Marvin hat mich übrigens auch für eine Historienserie engagiert, die im Jahr 2020 im ORF zu sehen sein wird. Das wird sehr spannend. Mehr wird aber nicht verraten ...

 

Beim diesjährigen Theatersommer in Haag stehen Sie in der Shakespeare- Komödie „Maß für Maß“ auf der Bühne. Welche Rolle werden Sie spielen?

Eine Art Puffmutter. Aber nicht wie im heutigen Sinn, sondern eher eine Frau, die für Genuss, Weltoffenheit,  und Spaß steht.

 

Stadt Haag ist in der Nähe von Plesching, wo Sie aufgewachsen sind ...

Ja, das freut mich besonders. Die Proben beginnen Ende Mai, und am 3. Juli geht die Premiere über die Bühne. Ich werde sicher eine Zeitlang die Zelte bei meinen Eltern in Oberösterreich aufschlagen. 

 

Neues Kabarett, Filmdreh ... – Sie sind ziemlich eingespannt zurzeit.

Dazu kommt noch, dass Gery Seidl den Witze-Stammtisch „Sehr witzig“ auf Puls 4 verlassen wird und ich mir künftig den Host mit Lydia Prenner-Kasper und Gerald Fleischhacker teilen werde. Mitte Februar beginnen die ersten Drehtage. Es gibt also viel zu tun.

 

Was taugt Ihnen mehr: Fernsehen, Bühne oder Kabarett?

Genau diese Mischung macht mir Spaß, da ich die Abwechslung brauche. Momentan hat allerdings mein Kabarett „Pathos“ absolute Priorität.

 

Streaming-Dienste wie Netflix boomen. Wie sehen Sie dieser Entwicklung als Schauspielerin entgegen?

Ich bin davon überzeugt, dass Strea­ming-Dienste in Zukunft sogar noch viel wichtiger werden. Ich weiß, dass ich jetzt gegen meine eigene Branche spreche, da ich viel im Fernsehen mache, aber die Zukunft liegt sicher woanders, und für uns Schauspieler öffnen sich dadurch neue Türen.

 

Am 2. Februar sind Sie 40 geworden. Hat es wehgetan?

Nein. (lacht) Aber natürlich spielt das Älterwerden in meiner Branche eine Rolle. Mittlerweile habe ich schon Mütter gespielt und Töchter an meine Seite bekommen. Aber solange ich gute Angebote bekomme, mache ich mir keine großen Sorgen. Ganz im Gegenteil, meine Karriere hat sich in eine gute Richtung entwickelt und es ist noch viel drin. Wenn ich mir meine Kollegin, die Gitti Krenn, im Burgenland-Krimi anschaue, dann finde ich das großartig. Sie ist super drauf, das macht Hoffnung.

 

Am 8. März ist Weltfrauentag. Möchten Sie uns Frauen etwas mit auf den Weg geben?

Also, die ungerechte Gehälterverteilung zipft mich schon an, aber es liegt halt leider Gottes auch daran, dass sich Frauen oft nicht trauen, das einzufordern, was ihnen zusteht. Ich wünsche mir, dass Frauen selbstsicherer auftreten. Man kann nicht alles auf den Staat und die Regierung – von der ich übrigens im Moment überhaupt kein Fan bin – schieben. Sich immer nur auf die anderen zu verlassen hilft meistens nichts.

 

Wobei wir wieder beim Sudern sind ...

Ja, genau. Damit schließt sich der Kreis zu meinem Programm „Pathos“.

 


Tickets und Termine zum neuen Kabarett „Pathos“ von Angelika Niedetzky unter www.angelikaniedetzky.com!