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People | 02.11.2021

„Heute wird den Kindern zu vieles abgenommen“

Seine Altaussee-Krimis machten Herbert Dutzler zu einem der erfolgreichsten Autoren des Landes. Mit seinem neuen Roman „Die Welt war eine Murmel“ verlässt er erstmals die Krimipfade.

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© Fotos: Haymon Verlag/Fotowerk Aichner

Dass er Krimi kann, hat Herbert Dutzler mit seinen bisher neun Kriminalromanen um den liebenswürdigen Altausseer Polizisten Gasperlmaier bestens bewiesen. Am 30. Oktober feiert mit „Letzter Gipfel“ der bereits zweite Altaussee-Krimi des Schwanenstädter Autors um 20.15 Uhr auf ServusTV Premiere. Warum er die LeserInnen in seinem neuen Roman „Die Welt war  eine Murmel“ in die Zeit seiner eigenen Kindheit mitnimmt und was die Unterschiede von damals zu heute sind, hat uns der Schwanenstädter AHS-Lehrer und Autor im Interview erzählt.

OBERÖSTERREICHERIN: Herr Dutzler, mit Ihrem neuen Roman „Die Welt war eine Murmel“ haben Sie die Krimipfade verlassen und entführen die Leser in Ihre Kindheit. Inwieweit ist der Roman autobiografisch?

Herbert Dutzler: Vieles in dem Roman entstammt meinen eigenen Erinnerungen. Der Siegfried lebt jedoch in einer völlig anderen Familienkonstellation als ich, seine Familie habe ich frei erfunden. Zu dem Roman habe ich zahllose Rückmeldungen von LeserInnen erhalten, die eigene Erinnerungen in dem Buch wiederfanden.

Was hat Sie dazu motiviert, „Die Welt war eine Murmel“ zu schreiben?

Ich hatte mich schon lange mit dem Gedanken getragen, einmal etwas zu schreiben, was die Unterschiede zwischen der Welt vor 50 Jahren und heute illustriert. Dabei dachte ich zuerst an ein Kinder- oder Jugendbuch. Mein damaliger Lektor meinte aber, dass eher meine Generation Interesse an einem solchen Thema hätte. Ich finde, Jugendliche sollten es trotzdem lesen.

Sie sind in den 60er-Jahren aufgewachsen, was war damals gut, was war nicht so gut?

Schlecht waren die hygienischen Verhältnisse – zu wenig duschen, waschen, baden. Die autoritär geprägte Gesellschaft. Die Gewalt in der Erziehung (nicht bei mir!). Die miserablen Chancen für Frauen und Menschen aus der Unterschicht. Die Lehrer, von denen nicht wenige noch alte Nazis waren. Gut war, dass die Kinder viel selbstständiger waren. Den Ruf nach ständiger Betreuung und Kontrolle gab es nicht, man war meist sich selbst überlassen und war viel früher in der Lage, sich um eigene Angelegenheiten zu kümmern. Heute wird den Kindern zu vieles abgenommen, sie haben wenig Gelegenheit, ihr Leben selbst zu gestalten.

Ihre schönste Kindheitserinnerung?

Mit einem Karl-May-Buch außerhalb der Hörweite der Eltern zu sein.

Sie erzählen den Roman aus der Sicht eines zehnjährigen Kindes. Ist Ihnen das leichtgefallen?

Seltsamerweise sehr leicht. Ich erinnere mich noch an so vieles. Natürlich ist der Siegfried etwas obergescheit und reflektiert wahrscheinlich mehr, als das von einem Kind zu erwarten ist. Aber das ist in der Literatur ja erlaubt.

Mit Ihren Altaussee-Krimis wurden Sie einer der erfolgreichsten Krimiautoren den Landes. Wann hatten Sie als Autor Ihren Durchbruch?

Schon im Herbst 2011 rückte „Letzter Kirtag“ bei Amazon auf die Spitzenposition bei österreichischen Krimis, damals wohl hauptsächlich durch Mundpropaganda. Im Sommer 2012 landete „Letzter Gipfel“ bereits auf der Bestsellerwand in den Buchhandlungen – es ging also relativ schnell. Der dritte Gasperlmaier, „Letzte Bootsfahrt“ aus 2013 landete bereits auf Platz 1 in den Bestsellerlisten.

 

Lesen Sie die ganze Story in unserer aktuellen Ausgabe der OBERÖSTERREICHERIN! 

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© Herbert Dutzler, Die Welt war eine Murmel Roman, € 22,90 ISBN 978-3-7099-8101-6 Haymon Verlag