Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 05.01.2016

Hauben kaufen und Gutes tun

Hauben häkeln – was vor einigen Jahren als Hobby begann, ist für Susanne Frühmann mittlerweile eine Erfolgsgeschichte rund um Handarbeit, Qualität und „Mode mit Herz“ geworden. Mode mit Herz deswegen, weil die junge Oberösterreicherin kürzlich ihre erste Kollektion auf den Markt gebracht hat, die fair hergestellt und gehandelt wird.

Bild Susanne_Haube Kopie.jpg
© Markus Frühmann/www.lefti.at

Ich habe schon vor Jahren Hauben selbst gehäkelt, als ,Do-it-yourself’ noch weit davon entfernt war, cool zu sein“, erinnert sich Susanne Frühmann aus Roitham lächelnd. „Ich wollte selbst etwas mit meinen Händen herstellen. Sie sei süchtig nach kreativen Ideen, Mode und Handarbeit gewesen. Und so war es naheliegend, aus dieser Leidenschaft mehr zu machen. Zumal ihre Hauben sehr begehrt waren: Immer mehr Freunde und Bekannte wollten diese besondere Kopfbedeckung haben.

 

Häkeln wie am Fließband

Der nächste logische Schritt: die Gründung des Start-up-Unternehmens „beanie.at“ vor fünf Jahren. Seitdem bietet die 34-Jährige ihre handgefertigten Häkel-Hauben in einem Onlineshop an. 

„Anfangs haben viele die Idee belächelt, mit Häkel-Mützen ein eigenes Unternehmen zu gründen“, erzählt Frühmann, die auch Wirtschaft an einer berufsbildenden höheren Schule in Bad Ischl unterrichtet. „Heute kann ich aber schon auf einige erfolgreiche Jahre zurückblicken. Was ganz klein begonnen hat, ist immer größer geworden. Jeden Winter hat es für mich und meine Familie aufs Neue geheißen: Hauben häkeln wie am Fließband. Alle haben zusammengeholfen. Vor allem meine Oma Christl und meine Mutter Brigitte.“ 

 

Erste Fair-Trade-Kollektion

Doch das sollte erst der erste Schritt sein, denn seit Oktober bietet die Mutter eines vierjährigen Sohnes in ihrem Online-Shop eine zweite Produktlinie an. Das Besondere daran: Sie wird in Kooperation mit einem Sozialprojekt in Peru hergestellt. „Das ist meine erste Fair-Trade- Winterkollektion“, freut sich Susanne Frühmann und erklärt, wie es dazu gekommen ist: „In der Vergangenheit habe ich einige Angebote von Firmen in Osteuropa und Asien bekommen, meine Mützen billig ,in Masse’ herstellen zu lassen. Maschinell gestrickt, minderwertige Materialien oder unmenschliche Arbeitsbedingungen führen natürlich zu niedrigen Preisen und bieten große Handelsspannen. Aber ich dachte mir nur, dass es auch anders gehen muss. Das ist nicht meine Philosophie. Lieber verzichte ich auf Zwischenhändler und produziere faire, hochwertige und leistbare Mode.“

Bild Susanne_Kinder Kopie.JPG
Susanne Frühmann während ihrer Peru-Reise. (© Markus Frühmann/www.lefti.at)

Fair und nachhaltig hergestellt

Durch Zufall hört sie von einem Sozialprojekt in den peruanischen Anden – und weiß sofort, dass das der richtige Weg für sie ist. Die Oberösterreicherin reist daraufhin in diesem Sommer selbst nach Peru, um sich vor Ort von der fairen und nachhaltigen Produktion zu überzeugen. „Diese Reise war großartig“, schwärmt Frühmann. „Ich habe wunderbare Menschen und ein beeindruckendes Land kennengelernt. Und ich weiß jetzt, dass jede einzelne unserer Mützen von den Frauen dort mit viel Liebe zum Detail gestrickt wird.“ Damit bekommen junge Mütter in einer der ärmsten Regionen Perus Arbeit, die sicher und fair entlohnt wird, und auch eine neue Perspektive. 

 

Feinste Wolle von Babyalpakas

Hergestellt wird die Strickmode aus reiner peruanischer Babyalpaka-Wolle, die nicht umsonst das „Vlies der Götter“ genannt wird. Sie ist kuschelig weich und zählt zu den wertvollsten und exklusivsten Naturfasern, die es gibt. Zudem sind Alpakafasern hypoallergen und auch für Allergiker geeignet, da sie kein Lanolin enthalten. „Es ist so schade, dass man die Stücke online nicht angreifen kann“, sagt Frühmann. „Diese Wolle ist die beste, die ich je in den Händen hatte. Sie ist so luxuriös, fein und flauschig. Wer das einmal gespürt hat, weiß, was ich meine.“ Aus diesem Grund ist Susanne Frühmann mit ihrer Alpaka-Strickmode auch auf Designmärkten vertreten. Beim großen Stilmarkt in München zum Beispiel, der im Oktober stattgefunden hat, waren die Rückmeldungen sehr positiv. 

 

Mit Oma am Tüfteln

Die erste „Beanie.at Fairknits“-Kollektion umfasst übrigens drei unterschiedliche Hauben-Modelle, ein Stirnband, einen Poncho und einen Maxi-Schal. Designed und ausgetüftelt werden die Modelle im Salzkammergut – von Susanne Frühmann und ihrer Oma Christl (82), dem handarbeitstechnischen Gehirn des Unternehmens. Im Moment arbeiten die beiden allerdings bereits an ihrem nächsten Clou: einer Dirndlweste und einem ärmellosen  Janker für Herren. Außerdem soll die Hauben-Kollektion um Modelle für Kinder erweitert werden. Alles natürlich wieder aus feinster Alpaka-Wolle gefertigt.

„Unser Ziel ist es, nachhaltige Mode mit Herz zu produzieren“, betont Frühmann. „Es reicht uns nicht, für jeden Kopf die passende Mütze zu machen. Es muss auch das Umfeld passen, in dem sie entsteht.“

Bild Susanne_Wolle Kopie.jpg
© Markus Frühmann/www.lefti.at