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People | 29.04.2015

Gutes Design ist zeitlos

Für Jürgen Christian Hörl (39) war schon als Kind klar, dass er einmal etwas mit Mode machen möchte. Sein erstes Kleidungsstück hat er aus der Bettwäsche seiner Oma genäht. Heute zählt der gebürtige Linzer zu Österreichs bekanntesten Designern, zu dessen Kunden Conchita Wurst und Michael Niavarani zählen (www.jchoerl.com). Wir haben mit ihm über Mode und Inspiration gesprochen – und warum er immer wieder gern nach Hause kommt.

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Die aktuelle Frühjahrs-/Sommerkollektion von Jürgen Christian Hörl: Seine Mode ist tragbar und unterstreicht die Persönlichkeit der modernen, selbstbewussten Frau. (© Susanne Spiel)

Siee haben bereits im zarten Alter von zehn Jahren mit Nadel und Zwirn gearbeitet. Ein eher ungewöhnliches Hobby für einen Jungen in diesem Alter. Woher rührt Ihr Interesse am Nähen bzw. Designen von Kleidung? 

Die Modewelt war für mich als Kind kaum erlebbar. Über damalige Medien und diverse Modemagazine habe ich alles, was ich finden konnte, regelrecht aufgesaugt! Ich war schon immer kreativ und handwerklich begabt und wollte etwas Eigenes erschaffen.

 

Können Sie sich noch an Ihr erstes Stück erinnern, das Sie selbst genäht haben?

(Überlegt) Hmm, ja, tatsächlich! Es war ein Kleid aus ganz feinem Karo-Stoff. Ich glaube, ich habe die Bettwäsche meiner Oma zu einem Kleid verarbeitet. Oben war es schmal geschnitten, mit oder ohne Arm, das weiß ich nicht mehr so genau, aber von der Taille war ein Ballonrock abgesetzt. 

 

Wenn Sie an einer neuen Kollektion arbeiten und diese erst einmal in Ihrem Kopf und auf dem Papier kreieren: Was ist Ihnen am wichtigs­ten? Dass die Kleidungsstücke tragbar sind? Dass man an jedem Stück Ihre Handschrift erkennen kann?

Es ist wie ein Moodboard in meinem Kopf, das später in Details der Kollektion oder ganzen Kleidungsstücken endet. Der Weg zum Kleidungsstück hängt aber auch davon ab, ob ich für eine Kollektion, eine Show oder einen Kunden entwerfe. Jedes Stück aus unserem Haus, ob tragbar, Show-Piece oder Kostüm, entsteht dadurch mit meiner Handschrift.

 

Was zeichnet Ihre Mode aus? 

Meine Mode unterstreicht die Persönlichkeit der modernen, selbstbewussten Frau. Mit Liebe zum Detail, kompromissloser Qualität und hohem Augenmerk auf Passform und Verarbeitung. Gutes Design ist zeitlos und nachhaltig.

 

Was inspiriert Sie?

Meine Reisen und Menschen. Die verschiedenen Kulturen, Personen und unterschiedlichen Stile und Lebensarten sind so reichhaltig. Man muss nur die Augen öffnen und die Schöndinge des Lebens sehen. 

 

Sie lassen Ihre Kollektionen ausschließlich in Wien fertigen. Warum?

Es ist mein persönliches Anliegen, als Designer lokal zu produzieren. Die Qualität, die ich vertrete, kann ich nur gemeinsam mit meinem großartigen Team in enger, familiärer Zusammenarbeit erreichen. Und das machen wir in unserem Atelier in Wien. 

 

Gibt es einen Kollegen oder eine Kollegin, den oder die Sie besonders schätzen? 

Es gibt viele Kollegen, die tolle und spannende Mode machen. Doch nur wenige sind wahre Künstler. Einer davon war Alexander McQueen.

 

Zu Ihren Freunden und Kunden zählen auch zahlreiche Promis, wie Conchita Wurst, Michael Niavarani und Hilde Dalik. Ist das wichtig für einen Designer? Sind bekannte Gesichter so etwas wie unbezahlbare Werbung?

Designer – Celebrities, Celebrities – Designer. Es ist ein Geben und Nehmen.

 

Sie leben seit mehr als zehn Jahren in Wien, sind allerdings in Linz geboren, haben hier die Modeschule besucht und das Meisteratelier abgeschlossen. Kommen Sie noch regelmäßig in die „Heimat“?

Aber natürlich! Ich komme regelmäßig in die Heimat. Meine Familie, die wunderschöne Gegend und die langen Spaziergänge im Grünen ziehen mich immer wieder nach Hause. 

 

Der Job als Modedesigner in Österreich ist nicht unbedingt ein einfacher. Haben Sie je an Ihrer Entscheidung gezweifelt?

Natürlich hinterfragt man als Designer tagtäglich seine Arbeit und den kreativen Prozess. Denn das ist der Motor, der einen Künstler vorantreibt.