Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 25.02.2020

„Green Tech made in Austria ist sehr gefragt“

Europas 24 Millionen Klein- und Mittelbetriebe, immerhin 99,8 Prozent aller europäischen Unternehmen, sind ein wesentlicher Schlüssel, wenn es um Innovation, neue Arbeitsplätze und die Erreichung der Klimaziele geht. Unermüdlich hat sich die Mühlviertler Unternehmerin Ulrike Rabmer-Koller als SMEunited-Präsidentin für KMU-Anliegen eingesetzt. Ihr wichtigster Erfolg: ein gutes Fundament für Digitalisierung und Ökologisierung zu schaffen.

Bild 2002_O_RabmerKoller_1.jpg
Vier Jahre für Klein- und Mittelbetriebe an der EU-Spitze: Ulrike Rabmer-Koller verabschiedet sich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. (© Caro Strasnik)

Vier intensive, schöne und herausfordernde Jahre sind für Ulrike Rabmer-Koller (53) mit 2019 zu Ende gegangen. Die Mühlviertler Unternehmerin hat an der Spitze des europäischen KMU-Verbandes SMEunited maßgeblich am Fundament mitgearbeitet, um wichtige Interessen von Europas Klein- und Mittelunternehmen (KMU) durchzusetzen, und sie war die einzige Österreicherin und KMU-Vertreterin in der 20-köpfigen Expertengruppe „Industrie 2030“ zur Weiterentwicklung der Europäischen Industriepolitik. Worauf ihr französischer Nachfolger Alban Maggiar aufbauen kann, ihre Teilnahme an der Klimakonferenz in Madrid und was sie an Brüssel vermissen wird, darüber spricht die OBERÖSTERREICHERIN mit der Politikerin, WKO-Vizepräsidentin, Zweifachmama und antriebsstarken Chefin eines Bau- und Umwelttechnikunternehmens.

 

Frau Rabmer-Koller, verabschieden Sie sich eher mit einem lachenden oder einem weinenden Auge von Ihrer SMEunited-Präsidentschaft?

Beides. Es war eine sehr intensive, schöne Aufgabe, und daher empfinde ich etwas Wehmut, dass diese spannende Zeit mit all ihren Herausforderungen und Gestaltungsmöglichkeiten nun statutengemäß für mich zu Ende geht. Gleichzeitig freue ich mich über unseren großen Erfolg, dass KMU wieder ganz oben auf der europäischen Agenda stehen.

 

Digitalisierung und Ökologisierung der Wirtschaft waren die Leitthemen Ihrer Präsidentschaft. Welche war die härteste Errungenschaft, die unter Ihrer Mitwirkung beschlossen wurde und im März verabschiedet wird?

Die Aufnahme einer neuen KMU-Strategie ins Programm der EU-Kommission für März 2020 ist sicher ein wesentlicher Erfolg der vergangenen vier Jahre. Wir als SMEunited sind sehr stolz, dass die neue EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen dieser jahrelangen Forderung nachgekommen ist. Jetzt geht es an die konkrete Ausgestaltung der Maßnahmen, da kann der von uns erarbeitete Forderungskatalog als gute Basis dienen. Speziell bei digitaler Transformation und Ökologisierung sehen wir großen Handlungsbedarf und haben beispielsweise einen europaweiten Know-how-Austausch von Best-Practice-Beispielen angestoßen.

 

Was ist immer noch ein großer Hemmschuh für KMU in Europa?

Einer der größten Hemmschuhe für KMU ist immer noch der Zugang zu Finanzierungen. Aber auch hier können wir einen Erfolg verbuchen: zum einen durch eine erleichterte Kreditvergabe der Banken an KMU, zum anderen konnte der KMU-Anteil am Europäischen Fonds für strategische Investitionen EFSI erhöht werden.

 

Eine Ihrer letzten Amtshandlungen war im Dezember die Teilnahme an der UNO-Klimakonferenz in Madrid, neben 195 anderen Staaten. Worin bestand Ihre Aufgabe?

Aufzuzeigen, dass Wirtschaft ein wichtiger Teil der Lösung ist, wenn es um die Erreichung der Klima- und Umweltziele geht. Als Wirtschaftskammer Österreich haben wir die jährliche UN-Klimakonferenz auch dazu genutzt, österreichische Umwelttechnik und innovative grüne Technologien einem breiten, internationalen Publikum vorzustellen. Als KMU-Vertreterin werde ich nicht müde zu betonen, dass 24 Millionen KMU in Europa – immerhin 99,8 Prozent aller europäischen Unternehmen – auch der Schlüssel zu einer erfolgreichen Klima- und Nachhaltigkeitspolitik und somit zur Zielerreichung sind. Einerseits gibt es bereits viele innovative Klein- und Mittelbetriebe, die mit ihren Produkten auch international Vorreiter bei Green Tech sind. Andererseits ist es wichtig, auch traditionellere Betriebe auf diesem Weg bestmöglich zu unterstützen. Wenn jeder einzelne Betrieb einen Beitrag zu Ressourceneffizienz leistet, erzielen wir einen starken positiven Effekt für das Klima. Noch dazu führen Investitionen in Klimaschutzmaßnahmen oft zu Kosteneinsparungen.

 

Welchen Ruf hat Österreich EU-weit gesehen bei Klima- und Umweltschutz?

Green Tech „made in Aus-tria“ ist sehr gefragt und diese ressourcen- und energieeffizienten Technologien schaffen zukunftssichere Arbeitsplätze. Die österreichische Umwelttechnik-Branche sorgt für 200.000 Jobs und trägt rund zehn Prozent zum BIP bei. Die Lösungskompetenz der österreichischen Eco-Tech-Unternehmen schafft eine Win-
Win-Situation und ist ein wesentlicher Beitrag zur Erreichung der Klimaziele sowie ein Turbo für die heimische Wirtschaft.

 

Für viele ist die EU abstrakt und wenig greifbar. Wie haben Sie das Arbeitsklima in Brüssel erlebt? Was wird Ihnen fehlen?

Brüssel habe ich als ein sehr dynamisches Umfeld erlebt. Im Vergleich zur nationalen Ebene sind es ganz andere Abläufe, es gibt unzählige Player und man muss Allianzen schmieden. Fehlen werden mir die Menschen und die vielen bereichernden Begegnungen mit unterschiedlichen Entscheidungsträgern auf EU-Ebene.

 

Was sind Ihre weiteren Pläne?

Ich werde mich wieder verstärkt auf mein Unternehmen, die Rabmer Gruppe, konzentrieren. Wir haben viele spannende Innovationen und Produkte, die ich vorantreiben und auf neue Märkte bringen möchte. Lösungen für den Umwelt- und Klimaschutz bleiben weiterhin ein Herzensanliegen und das nicht nur, weil ich selbst aus dem Bereich Umwelttechnik komme.