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People | 02.09.2022

Geht nicht, gibt‘s nicht

... lautet das Motto von Lisa Frisch, deren Start in die Selbstständigkeit als Steuerberaterin im kleinen Hinterhofbüro eines alten Fabrikgebäudes erfolgte. Aber die gebürtige Salzburgerin hatte immer schon Ambitionen zu mehr und erzählt im Interview, wie es dazu kam, dass sie es 2019 als erste Frau und Mutter in die Geschäftsführung der BNP Steuerberatung schaffte.

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Das stylische Wohlfühlbüro der BNP Steuerberatung mitten in Linz trägt die Handschrift von Geschäftsführerin Lisa Frisch. © Julia Traxler

Wir treffen Lisa Frisch im wunderschönen und sehr stilvoll eingerichteten Büro von BNP Steuerberatung in der Herrenstraße in Linz zum Covershooting. Die großformatigen Bilder mit Motiven von Gmunden an den Wänden deuten auf die traditionelle und bodenständige Erfolgsgeschichte der BNP Steuerberatung hin, die ihren Ursprung 1958 im Salzkammergut hatte. Heute zählt das Unternehmen 140 MitarbeiterInnen an den fünf Standorten Bad Ischl, Vorchdorf, Wels, Gmunden, Linz und Vöcklabruck. Als einzige weibliche Geschäftsführerin bringt Lisa Frisch viel frischen Wind und jede Menge Frauenpower zu BNP. 

Dass nachhaltige Frauenpower nicht nur ein Schlagwort ist, sondern im gesamten Unternehmen gelebt wird, sieht man an einer Frauenquote von 80 Prozent und drei frischgebackenen Prokuristinnen. Homeoffice und flexible Arbeitszeiten sind bei BNP mittlerweile selbstverständlich, denn als Mutter einer zwölfjährigen Tochter weiß Lisa Frisch sehr genau, was Frauen brauchen, um Kind und Karriere vereinbaren zu können. Wir haben mit der zierlichen Blondine, die in der Freizeit gerne auf die Jagd geht, über ihren Werdegang gesprochen und eine sehr zielstrebige und bodenständige Frau, Chefin und Mutter kennengelernt.

 

OBERÖSTERREICHERIN: Frau Frisch, Sie sind als Steuerberaterin in einer Männerdomäne erfolgreich. Wie kam es dazu?

Lisa Frisch: Mit 17 Jahren absolvierte ich ein Schulpraktikum bei einem Salzburger Steuerberater, der mich so sehr begeistert hat, dass ich mir damals schon sicher war, diesen Beruf einmal zu wählen. Auch dass es sich um einen sehr männerdominierten Berufsstand handelte, schreckte mich nicht ab. Ganz im Gegenteil, ich wollte schon immer „anders“ sein und dem Vorbild meiner Großmutter folgen, die sich im Jahr 1944 trotz zweier Kinder selbstständig gemacht hat. Sie war eine starke und bewundernswerte Frau! Und ich kann mich auch noch gut daran erinnern, als ich meine Pläne meinem leider im Vorjahr verstorbenen Vater offenbarte. Er war ein Gastronom durch und durch und meinte: „Mädl, wenn du glaubst, dass es das Richtige für dich ist, dann mache es!“ 

 

Was haben Sie beruflich gemacht, bevor Sie 2009 als Steuerberaterin selbstständig wurden?

Nachdem ich eine Zeit lang als Leiterin des Rechnungswesens in einem Salzburger Unternehmen tätig war, ging ich nach Linz und wechselte in die Finanzabteilung eines internationalen Handelskonzerns. Gleichzeitig absolvierte ich berufsbegleitend mein Studium und die Ausbildung zur Steuerberaterin – mit dem fixen Plan, mich mit einer eigenen Steuerberatungskanzlei selbstständig zu machen. 

 

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Lisa Frisch im Linzer BNP-Büro. © Julia Traxler

Eine mutige Entscheidung. Hatten Sie nie Zweifel?

Zweifel? Nein, mein Weg war vorgezeichnet und es war nur eine Frage der Zeit, wie schnell ich meine Pläne umsetzen und meine Ziele erreichen würde. Nach der Angelobung zur Steuerberaterin machte ich mich 2009 mit drei Klienten selbstständig. Heute würde das in dieser Form wahrscheinlich niemand mehr machen, da sich die Rahmenbedingungen wesentlich geändert haben. Es war für mich aber keine Frage des Mutes oder der Unbedarftheit, sondern vielmehr des Fleißes und des persönlichen Einsatzes. Ich bin eine starke Persönlichkeit und wenn ich Entscheidungen treffe, dann werden diese auch umgesetzt. Getreu meinem Motto „Geht nicht, gibt‘s nicht!“ habe ich mein Ziel konsequent verfolgt. Dass der Weg so hart und steinig werden würde, habe ich nicht vermutet. Aus heutiger Sicht muss ich sagen, es war „fast ein bisschen crazy“ (lacht). 

 

Wie ging es in der Selbstständigkeit weiter? 

Es folgten zehn spannende, erfahrungsreiche und auch nicht immer einfache Jahre. Durch das stetige Wachstum meiner Kanzlei und die steigenden personellen und fachlichen Anforderungen habe ich schließlich den Entschluss gefasst, entweder mit einer anderen Kanzlei zu fusionieren oder einen Partner bzw. eine Partnerin in meine Kanzlei zu nehmen. Im Jahr 2018 hat dann ein sehr guter Freund von mir, der steuerlich bei BNP vertreten ist und schon einmal in meinem Leben eine wichtige berufliche Weiche gestellt hat, den Kontakt zu BNP hergestellt. BNP hatte gerade eine Steuerberatungskanzlei in Linz übernommen und war auf der Suche nach einem Partner. Nach einigen Monaten intensiver Gespräche über die mögliche Fusion und Zukunftsstrategie in Linz wurde dann 2019 mein Gesellschaftsvertrag mit BNP unterfertigt und ich wurde Gesellschafterin und Geschäftsführerin. Seither leite ich als erste Frau in der Partnerfunktion den Linzer Standort mit derzeit 25 MitarbeiterInnen. Eine grandiose Aufgabe mit täglich neuen Herausforderungen.

 

Bei BNP sind Sie die erste Frau in der Führungsebene. Noch immer scheinen Frauen und Führungspositionen ein Gegensatz zu sein, wie stehen Sie dazu?

Ich bin überzeugt, dass eine Frau frischen Wind in die Führung und Unternehmenskultur bringen kann, denn weibliches Feingefühl, Diplomatie und ein weiblicher Blickwinkel sind sicher oft von Vorteil. Die Diskussionen mit meinen männlichen Geschäftsführerkollegen sind herausfordernd und spannend zugleich und der eine oder andere Männerwitz bleibt nicht aus (schmunzelt). Frauen in Führungsrollen sind noch selten, aber wenn ein Unternehmen wie BNP mit 140 MitarbeiterInnen und einer Frauenquote von 80 Prozent die Möglichkeiten dazu bietet, dann trauen sich auch mehr Frauen diese Herausforderungen anzunehmen. 

 

Wie darf man sich das in der Praxis vorstellen? Welcher Führungsstil wird bei BNP gepflegt? 

BNP bindet MitarbeiterInnen in organisatorische und relevante Prozesse ein, Fairness und Transparenz werden bei uns ganz großgeschrieben. Die Beziehung zu unseren MitarbeiterInnen ist uns sehr wichtig. Wir arbeiten laufend an der Entwicklung unseres Unternehmens und legen großen Wert auf die Pflege unseres Images als Arbeitgeber und darauf, wie BNP in der Öffentlichkeit als „die Marke BNP“ wahrgenommen wird. 

 

Mittlerweile konnten Sie auch drei Mitarbeiterinnen aus den eigenen Reihen als Prokuristinnen für das Unternehmen gewinnen.

Ja, genau. Wir sind sehr stolz darauf, dass Katharina Sturm in Gmunden, Evelyne Gstettenhofer in Linz und Elisabeth Schönhuber in Vorchdorf, die ihnen gebotene Chance, Verantwortung in der Führungsebene von BNP zu übernehmen, wahrgenommen haben. Ich bin sehr froh, dass ich weitere weibliche Unterstützung bekommen habe, und hoffe, durch diesen Schritt auch junge Frauen motivieren zu können, uns bei BNP zu unterstützen und ihre Karrierechancen wahrzunehmen. Für den Standort Linz wünsche ich mir eine weitere Frau als Partnerin an meiner Seite. Also liebe Kolleginnen, traut euch raus aus der Komfortzone!

 

Sie sehen nachhaltige Frauenpower bei BNP als wichtige Strategie und Investition in die Zukunft. Was bedeutet Nachhaltigkeit für Sie und welche Maßnahmen setzen Sie bzw. BNP?

Nachhaltigkeit ist ein wichtiger Bestandteil unserer Unternehmensstrategie und -kultur und für mich ein wesentlicher Teil der gesellschaftlichen Verantwortung. Daher ist Nachhaltigkeit auch ein Teil unseres Büroalltages.

 

Wie setzen Sie das in der Praxis um?

Wir erzeugen Ökostrom durch unsere eigenen PV-Anlagen auf Bürogebäuden und treffen uns für Meetings im digitalen Raum. Durch Zoom-Veranstaltungen und Webinare machen wir weniger Geschäftsreisen und Reisen zu internen sowie externen Seminaren und leisten damit einen Beitrag zur CO2-Entlastung. Weiters sind Ladestationen für E-Autos sowie die Umstellung auf Refurbished Electronic in Planung. Wir halten den Papierverbrauch so gering wie möglich und verzichten auf Plastikverpackungen. Für BNP ist das kein Greenwashing. Wir sehen es als wichtigen, freiwilligen Beitrag der Wirtschaft zu einer nachhaltigen Entwicklung, der über die gesetzlichen Anforderungen hinausgeht. Nachhaltigkeit ist aber auch unser Anspruch auf langfristige MitarbeiterInnenbindung durch nachhaltige Benefits und unsere gute, persönliche Beziehung zu unseren KlientInnen. 

 

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Gender-Pay-Gap und Chancengleichheit sind bei BNP schon lange kein Thema mehr. Mit den Prokuristinnen Katharina Sturm, Elisabeth Schönhuber und Evelyne Gstettenhofer (von links) konnten drei Frauen aus den eigenen Reihen als Prokuristinnen gewonnen werden. © Julia Traxler

Spielt das Thema Nachhaltigkeit auch bei Ihnen privat eine Rolle?

Auf jeden Fall, ich kaufe hauptsächlich Lebensmittel und Produkte aus nachhaltiger und biologischer Produktion und wir essen gerne Wildbret aus der eigenen Jagd. Regionalität ist bei uns zu Hause selbstverständlich.

 

Wie sehen Sie die Vereinbarkeit von beruflicher Selbstständigkeit und Familie?

Ich bin der Überzeugung, dass Familie und Beruf, oder besser Muttersein und Beruf, grundsätzlich gut organisiert werden können und keine Gegensätze sind. Ich bin selbst Mutter einer zwölfjährigen Tochter und weiß aus eigener Erfahrung, was organisatorisch für eine ausgewogene Work-Family-Balance notwendig ist. Der Tag ist von morgens bis abends exakt durchgetaktet und unverhoffte Anrufe von Kindergarten oder Schule können durchaus Stress verursachen. BNP ist ein sehr familienfreundliches Unternehmen und steht für flexible Arbeitszeiten, Teilzeit und Homeoffice. Wir motivieren unsere Mütter, bald wieder ins Unternehmen zurückzukommen oder auch während der Karenz von zu Hause aus zu arbeiten. Wir ermöglichen ihnen auch während der Karenz, laufende firmeninterne Fortbildungen zu absolvieren. Das Wichtigste für uns ist, dass die Kolleginnen und Kollegen ständig den gegenseitigen Kontakt halten und trotz Homeoffice voll integriert sind. 

 

Sie sind selbst über Nacht Mutter geworden, das klingt ungewöhnlich, wie kam es dazu? 

Ich wollte immer Kinder haben, aber das Leben ist kein Wunschkonzert und mir war offenbar ein anderer Weg vorbestimmt. Vor einigen Jahren habe ich mich dazu entschieden, ein Mädchen aus Indien zu adoptieren. 2015 kam dann plötzlich aus heiterem Himmel der Anruf des indischen Waisenhauses, dass meine Tochter abzuholen sei, was mich im ersten Moment vor viele neue Herausforderungen stellte, da ich zu dem Zeitpunkt mitten im Aufbau meiner Kanzlei stand. Vom Kinderzimmer über Kleidung bis hin zu einem Kindergartenplatz musste alles binnen kürzester Zeit organisiert werden. Meine MitarbeiterInnen wussten übrigens bis dahin nichts von meinen Adoptionsplänen und ich kann mich noch genau erinnern, als ich ihnen am 28. Mai 2015 in einer kurzfristig angesetzten Besprechung mitteilte, dass ich am nächsten Tag nach Indien fliegen und in drei Tagen als Mutter eines viereinhalbjährigen Mädchens zurückkommen werde. 

 

Warum haben Sie sich für Indien und ein Mädchen entschieden? 

In Indien stehen Mädchentötung, Mitgiftmorde, Vergewaltigung und Gewalt gegen Frauen leider immer noch auf der Tagesordnung. Es ist eines der frauenfeindlichsten Länder der Welt. Auch wenn das Kastensystem offiziell abgeschafft wurde, lebt die damit verbundene Mentalität weiter. Vor allem Mädchen in Waisenhäusern haben in diesem Land keine Chance. Sie werden mit 16 Jahren aus den Waisenhäusern verbannt, zwangsverheiratet oder zur Prostitution gezwungen.

 

Ihr Mann und Sie sind beruflich sowie auch privat ein Team – das klingt nach einer Herausforderung ...?

Ich kann nur sagen, dass es keine Herausforderung ist, beruflich und privat ein Team zu sein. Ganz im Gegenteil, es ist vielmehr Inspiration, tiefe Verbundenheit und ehrliche Kritik. Wir diskutieren zwar oft und viel über BNP, über Zukunftsvisionen, Strategien und effektive Maßnahmen, was zum Beispiel das Thema Employer Branding anbelangt, dennoch ist es uns wichtig, berufliche Themen nicht mit nach Hause zu nehmen. Zum Glück haben wir viele gemeinsame Hobbys, die uns das Berufliche gut zur Seite legen lassen. Wir gehen gerne laufen, machen Skitouren und teilen unsere Liebe zu den Bergen und zur Jagd. 

 

Was würden Sie sich wünschen, wenn Sie einen Wunsch frei hätten?

Das ist schwierig zu beantworten. Ich bin sehr glücklich damit, wie es ist, und ich wünsche mir, dass es beruflich und privat so perfekt weiterläuft.

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Vom großen Besprechungszimmer geht es raus in den grünen Innenhof. Lisa Frisch, übrigens auch begeisterte Jägerin, im feschen Dirndl von Mamoka (made in Salzkammergut). © Julia Traxler

In Kürze: 

Glücklich macht mich, …
... wenn meine Familie glücklich ist und ich Zeit an meinem Kraftplatz mit meinen wichtigsten Menschen verbringen kann.

Niemals vergessen werde ich, …
... als ich meiner Tochter zum ersten Mal in die Augen sehen durfte und wir beide nicht wussten, was uns erwarten wird.

Zum letzten Mal geweint habe ich, …
... als mich mein Vater vor seinem Tod mit letzter Kraft umarmt hat.

Die größte Herausforderung für mich ist, …
... ein Vorbild für meine Tochter zu sein, ihr beizubringen, großzügig und demütig zu sein sowie Job und Muttersein gut zu vereinen. 

Dankbar bin ich, …
... dass es uns so gut geht und wir in der Lage sind, etwas für andere zu tun. In Indien habe ich unvorstellbare Zustände gesehen und erlebt.

Mein Lebensmotto:
„Lache über dich selbst und nimm dich nicht zu wichtig!“ 

 

Make-up: Steffi Klein/Cambio Beautyacademy

 

BNP Wirtschaftstreuhand und Steuerberatungsgesellschaft m.b.H.

Herrenstraße 7/Promenade 15,
4020 Linz
Tel.: 0732/77 73 28-0
E-Mail: [email protected]

Weitere Standorte:
Wels, Gmunden, Bad Ischl,
Vorchdorf, Vöcklabruck
www.bnp.at