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People | 29.05.2019

Gegen den Mainstream

Egal ob bei einer Bergtour auf das Matterhorn oder vor einem Kundengespräch – eine konsequente Vorbereitung hat für Oberbank- Generaldirektor Franz Gasselsberger (60) absolute Priorität und dürfte auch sein Erfolgsgeheimnis sein. Denn nachdem die Oberbank AG heuer zu Jahresanfang ihr 150-Jahr-Jubiläum gefeiert hat, legte sie für das Geschäftsjahr 2018 zum neunten Mal in Folge ein Rekordergebnis vor. Warum die Oberbank AG entgegen dem allgemeinen Trend verstärkt auf Filialisierung setzt und was er sich von der Bundesregierung in Sachen Steuerreform wünscht, erzählt Generaldirektor Franz Gasselsberger im Interview mit dem OBERÖSTERREICHER.

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Der gebürtige Ampflwanger Franz Gasselsberger begann nach dem Studium der Rechtswissenschaften 1983 in der Oberbank zu arbeiten. 1998 stieg er in den Vorstand auf, seit 2002 steht er an der Spitze des Vorstandes der Bank. Foto: Andreas Röbl

Am elterlichen Bauernhof in Ampflwang hat Franz Gasselsberger das harte Arbeiten gelernt. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften in Salzburg begann er im Jahr 1983 seine Karriere in der Oberbank AG. Als Leiter der Geschäftsstelle im innviertlerischen Altheim lernte er das Bankenbusiness von der Pike auf kennen. Mit 1. Mai 2002 übernahm der dreifache Familienvater die Leitung der Oberbank AG, 2005 wurde er zu deren Generaldirektor bestellt und hat seither die Expansion der Bank durch Filialisierung enorm vorangetrieben. Mit Stand 2018 zählt die Oberbank AG insgesamt 170 Filialen in Österreich, Deutschland, Tschechien, Ungarn und der Slowakei. Für 2019 sind insgesamt neun Filialgründungen geplant. Privat ist Franz Gasselsberger begeisterter Bergsteiger, und als langjähriger Sponsor des Oberbank Linz Donau Marathons geht er auch beim Halbmarathon immer wieder selber an den Start.


„150 Jahre Oberbank“ wurde bereits Anfang des Jahres mit 1.500 geladenen Gästen gefeiert. Dabei wurden Sie von Bundeskanzler Sebastian Kurz mit dem Großen Silbernen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet. Welche Bedeutung haben Jubiläen und Auszeichnungen für Sie?
Das Jubiläum 150 Jahre Oberbank ist schon etwas ganz Besonderes, denn nicht ein jedes Unternehmen wird 150 Jahre alt. Wir sind die älteste unabhängige, börsennotierte Aktienbank in Österreich, und der Auftrag, den wir 1869 von den Gründern bekommen haben, nämlich heimische Unternehmen entsprechend zu unterstützen, ist heute so aktuell wie eh und je. Natürlich hat sich das Bankgeschäft in diesen 150 Jahren etwas verändert, aber die ursprüngliche Zielsetzung verfolgen wir heute noch. Das Große Silberne Ehrenzeichen sehe ich einerseits als Alterserscheinung (lacht), aber natürlich nimmt man eine derartige Auszeichnung auch stellvertretend für die vielen Mitarbeiter entgegen. Jedes Lob, vor allem aus den Händen des Bundeskanzlers, ist ein Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung, und ja, ich habe mich gefreut.

150 Jahre Oberbank bedeuten auch eine sehr wechselvolle Geschichte: Börsenkrach, zwei Weltkriege, mehr als fünf politische Systemwechsel und sechs verschiedene Währungen. Gegenwärtig ist die Oberbank AG eine international tätige Regionalbank im Herzen Europas. Wann wurden die Weichen für die heutige Struktur und auch für die Unabhängigkeit der Bank gestellt?
Wenn man sich die Geschichte der Oberbank vergegenwärtigt, muss man sich im Prinzip zwei Jahre ganz besonders merken: 1869, das Jahr der Gründung, und 1984, die Geburtsstunde der Unabhängigkeit, als der Syndikatsvertrag mit der Creditanstalt unterzeichnet wurde. Die Unabhängigkeit und auch der Börsengang im Jahr 1986 haben eine Neuausrichtung der Strategie verlangt. Mitte der 1980er-Jahre haben wir begonnen, auch außerhalb von Oberösterreich und Salzburg zu expandieren. Die Oberbank ging nach Niederösterreich, Wien und Deutschland. In der Folge wurde aus der „Bank für Oberösterreich und Salzburg AG“ offiziell die „Oberbank AG“, auch wenn wir im Kern noch immer die Bank für OÖ und Salzburg sind.

 

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Generaldirektor Franz Gasselsberger in seinem Büro an der Linzer Donaulände im Interview mit Ulli Wright und Josef Rumer. Foto: Andreas Röbl

Die Oberbank steht in ihrem großen Jubiläumsjahr sehr gut da: Sie ist ertragreich, hat niedrige Kosten und genug Eigenkapital. Seit 17 Jahren tragen Sie die Verantwortung für die Oberbank. Was waren in dieser Zeit Ihre ganz persönlichen Meilensteine, worauf sind Sie besonders stolz?
Ich habe das Bankgeschäft von der Pike auf gelernt und bin sehr stolz darauf, dass ich einmal Filialleiter in Altheim im Innviertel war. Ich weiß von Grund auf, wie man Filialen gründet und führt. In diesen vergangen 17 Jahren sind wir durch eine entsprechende Filialisierung sehr stark in die Expansion gegangen. Heute sind wir in Wien sehr stark. 2004 ging die Oberbank nach Tschechien, 2007 nach Ungarn und 2009 in die Slowakei. Seit dieser Beschleunigung der Expansion steigen Filialzahl und Ergebnis gleichermaßen. Diese Expansionen und das sehr starke Wachstum in Deutschland würde ich in jedem Fall als meine persönlichen Meilensteine bezeichnen.

Die Oberbank hat sich als Regionalbank positioniert und Sie setzen ganz klar auf die Erweiterung des Filialnetzes. Warum halten Sie daran in Zeiten der Digitalisierung fest?
Beratung vor Ort und Onlinebanking – man braucht beides, und natürlich kommt es auch immer darauf an, wie eine Bank aufgestellt ist. Wir werden im Jahr 2019 insgesamt 180 Filialen in unserem großen Einzugsgebiet haben. So viele Filialen haben manche Banken in einem einzigen Bundesland, was bedeutet, dass wir in keinem Fall überfilialisiert sind. Aber für das qualifizierte Kundengeschäft und für beratungsintensive Dienstleistungen brauchen wir die Filialen. Denn an der Tiefe zum persönlichen Gespräch mit dem Mitarbeiter in der Filiale führt kein Weg vorbei. Aber überall dort, wo es sich um Routinebankdienstleistungen handelt, hält die Digitalisierung auch mit einem großen Tempo in der Oberbank Einzug. Der Kunde hat nicht jeden Tag ein qualifiziertes Bankanliegen, sondern er möchte sich ganz einfach über seinen Kontostand informieren, einen Dauerauftrag selbst installieren, eine Kreditkarte oder Bankomatkarte bestellen oder Zahlungsverkehrsdienstleistungen in Anspruch nehmen, und das will er zeit- und ortsungebunden an sieben Tagen in der Woche durchführen können. Dort hat die Digitalisierung natürlich ihre Existenzberechtigung.

Wir haben es derzeit mit einer Abschwächung der Wirtschaft zu tun, die Zuwachsraten werden in allen Bereichen geringer ausfallen. Inwieweit werden sich die Rahmenbedingungen für Banken ändern?
Wir reden derzeit von einer gewissen Abkühlung der Konjunktur. Wobei man sagen muss, dass das sehr unterschiedlich abläuft und vor allem die Exportwirtschaft trifft. Gewerbe, Handwerk oder Bauindustrie hingegen sind nach wie vor sehr stark. Klar ist aber, wenn die politischen Rahmenbedingungen diese Abschwächung mitinduzieren, dann führt das möglicherweise doch auch zu einer Reduzierung der Kreditnachfrage. Wenn die Börsen volatiler werden, sind die Anleger zurückhaltender mit Investitionen, und das spüren wir natürlich alle, denn die Bilanz der Bank ist das Spiegelbild der heimischen Wirtschaft.

 

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Unabhängigkeit bedeutet für Generaldirektor Franz Gasselsberger die Eigenständigkeit, Entscheidungen ausgewogen treffen zu können. Foto: Andreas Röbl

Inwieweit spielt hier die internationale wirtschaftliche Lage hinein?
Ein Thema, das allseits bekannt ist, ist der Handelskonflikt mit China. Das ist sicher eines der größten Themen. Alle warten hier auf eine Einigung, denn es ist nicht sicher, ob die Zuwachsraten, die man verspricht, auch wirklich erreicht werden können. China hat eines der größten steuerpolitischen Maßnahmenpakete und auch Geldmengenwachstum. Das heißt, man gibt den Unternehmen sehr günstiges Geld, um die Wirtschaft zu stimulieren. Die Volksrepublik feiert heuer ihr 70-Jahr-Jubiläum, da will China in keinem Fall Schwäche zeigen. Der chinesische Markt ist wiederum für den heimischen Maschinenbau oder die Automobilproduzenten sehr wichtig. Da hängt sehr viel dran. Weiters sollte der Brexit in irgendeiner Form gelöst werden, und auch die Schuldenkrise in Italien ist als negativ zu bewerten. Alles zusammen wirkt sich natürlich auf die Wachstumsrate hierzulande aus. Wobei Österreich auch heuer wieder stärker wachsen wird als der Durchschnitt der Europäischen Union. Unsere Wirtschaft ist in einer relativ guten Verfassung. Wir haben einen gut funktionierenden Tourismus und ein hohes verfügbares Ein- kommen, weil die Kollektivvertragsabschlüsse sehr hoch waren. Außerdem haben wir eine sehr hohe regionale Positionierung Richtung Osteuropa. Da haben wir einen gewissen Standortvorteil. Wir entwickeln uns besser als die anderen, und darauf können wir ruhig ein bisschen stolz sein.

Die nächste Steuerreform in Österreich ist im Anmarsch. Welche Wünsche haben Sie als einer der wichtigsten Bankenmanager des Landes an die Bundesregierung?
So, wie es derzeit aussieht, sollte eine Entlastung der Abgabenquote in Richtung 40 Prozent insgesamt kommen. Die Sozialversicherungsbeiträge sollen reduziert werden, die Kleinverdiener sollen entsprechend entlastet und auch die Körperschaftssteuer soll reduziert werden. Seitens der Bank wünsche ich mir, dass es auch Maßnahmen in Richtung Kapitalmarktförderung geben wird. Diese Aktien- und Wertpapier-KESt, die nicht viel an Steuereinnahmen bringt, aber dennoch für den Kapitalmarkt nicht besonders förderlich ist, sollte meiner Meinung nach gestrichen werden. Zudem sollte es auch Maßnahmen geben, um die Pensionsvorsorge steuerlich zu begünstigen. Österreich ist derzeit europaweit gesehen ziemlich weit hinten, was die Förderung der Pensionsvorsorge der sogenannten dritten Säule anbelangt. Die dringend notwendige Pensionsreform ist seitens der Regierung nicht geplant. Aber das Paket, das jetzt beschlossen wurde, ist immerhin 6,5 Milliarden Euro schwer und muss auch entsprechend gegenfinanziert werden. Ich weiß, die Wunschliste ist lang, aber die Attraktivierung des österreichischen Kapitalmarktes und der persönlichen Pensionsvorsorge sollten unbedingt mitberücksichtigt werden.

Die Oberbank führt einen verpflichtenden Frauenanteil ein: 50 Prozent Frauen in 33 Bereichen. Der Anteil von Frauen in Führungspositionen soll in den nächsten zehn Jahren von derzeit 21 auf immerhin 40 Prozent verdoppelt werden. Wie kann man Frauen für Führungspositionen motivieren? Warum gibt es derzeit noch so wenige?
Der Grund für diese Maßnahmen liegt darin, dass wir uns in den vergangenen acht Jahren zwar bemüht haben, aber wenig erreicht haben. Es bedarf vor allem eines Kulturwandels in der Bank. Hier haben wir einige flankierende Maßnahmen gesetzt. So haben wir zum Beispiel Führungspositionen, die neu zu besetzen sind, offen ausgeschrieben. Das bedeutet, dass es nicht mehr den Männern überlassen werden soll, wen sie für die Nachfolge festlegen, denn Männer wählen meistens wieder Männer aus. Dahingehend wollen wir die Organisation durchlässiger machen. Derzeit haben wir 400 Führungskräfte in der Bank. Wir wollen die Führungskräftepotenziale massiv erhöhen und werden darauf achten, mehr weibliche Führungskräfte in diese Potenziale zu bekommen. Ein weiterer zentraler Punkt wird natürlich die Frage sein, wie wir mit dem Thema Babypause umgehen. Wie motivieren wir möglichst viele Frauen dazu, möglichst schnell nach der Babypause wieder in den Arbeitsprozess einzusteigen?

 

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Konsequent, leistungsorientiert, direkt und unmissverständlich: Seinen Führungsstil bezeichnet der Bankenmanager als „typisch oberösterreichisch“. Foto: Andreas Röbl

Wie gehen Sie das an?
Erstens muss es uns gelingen, Frauen früher als bisher in Führungspositionen zu bringen. Das heißt also: noch vor der Babypause. Dadurch sind sie sicher stärker motiviert, schneller wieder ins Unternehmen zurückzukommen. Und wenn sie zurückkommen, dann muss man auch die Arbeitszeitflexibilität erhöhen. Es muss den Frauen möglich sein, via Homeoffice mehr von zu Hause aus zu arbeiten. Zweitens muss man die Kommunikation mit Frauen ändern und ihnen die Vorteile einer Führungsfunktion noch stärker schmackhaft machen bzw. ihnen den Weg auch über eine Stellvertreterfunktion ebnen. Das sind ein paar Ingredienzien, die mithelfen, den Frauenanteil in Führungspositionen zu erhöhen. Ich bin da recht zuversichtlich, aber natürlich braucht man Zeit – und zehn Jahre ist ein langer Zeitraum. Aber auch der Organisation müssen die Vorteile erklärt werden. Es geht nicht nur darum, den Frauen Gutes zu tun. Indem wir die Potenziale im Haus steigern, können wir auch den Generationswechsel entsprechend darstellen. Derzeit haben wir einen Frauenanteil von 60 Prozent, der Männeranteil liegt bei 40 Prozent. Wenn wir die Nachfolge immer nur aus der Minderheit besetzen, dann verzichten wir auf das große Potenzial und auch die Diversität. Denn nur wenn man die Organisationen bunter und vielfältiger gestaltet, fließen auch unterschiedliche Sichtweisen ein. Frauen sind kritischer, sie hinterfragen mehr, sie sind risikoaverser, und sie gehen mehr ins Detail. Männer sind Frauen manchmal zu schnell in ihren Entscheidungen, zu oberflächlich. Ich glaube, eine gute Mischung in einer Abteilung bzw. in einer Organisation ist letztlich ein Vorteil für das gesamte Unternehmen.

Der Oberbank-Vorstand ist derzeit noch rein männlich. Könnte hier auch bald einmal eine Frau an der Spitze stehen?
Ja, freilich, überhaupt keine Frage. Aber zuerst brauchen wir eine gewisse kritische Menge an weiblichen Führungskräften, und dann sollte das eigentlich auch nur eine Frage der Zeit sein.


Die Oberbank hat aktuell rund 2.100 Mitarbeiter. Wie ist Ihr Führungsstil?
Klar Orientierung gebend, aber sehr fordernd. Sehr konsequent, sehr leistungsorientiert, direkt und unmissverständlich – eigentlich typisch oberösterreichisch. (lacht)

Sie sind sehr sportbegeistert, sind Marathonläufer, waren zweimal am Matterhorn und zweimal auf dem Kilimandscharo. Inwieweit kann man Herausforderungen beim Marathon und am Berg mit jenen im Unternehmen vergleichen?
Man muss sich auf Aufgaben immer entsprechend vorbereiten, egal ob in der Bank, für einen Marathon oder für eine Bergtour. Diesbezüglich bin ich sehr konsequent. Egal, wo ich hingehe, die rechtzeitige Vorbereitung ist für mich das Um und Auf. Ich habe sechs Sechstausender absolviert, dazu gilt es im Vorfeld ausreichend Kondition und Kraft zu tanken. Dasselbe gilt für den Halbmarathon. Ich bin jetzt 60 und weiß aus Erfahrung, dass man einen Halbmarathon nicht irgendwie laufen kann. Außerdem geht einem ja mit steigendem Alter auch immer mehr die Kraft und Energie aus. Eine gute und konsequente Vorbereitung ist die halbe Miete.

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Wenn der begeisterte Bergsteiger von seinen Touren aufs Matterhorn und den Kilimandscharo erzählt, geht ihm das Herz auf. Foto: Andreas Röbl

Wie sind die beiden Berge zu vergleichen?
Im Gegensatz zum Matterhorn ist der Kilimandscharo eine gemütliche Wanderung. Nur die letzte Etappe ist eine Herausforderung, da man um Mitternacht losgehen muss, damit man um sechs Uhr Früh bei Sonnenaufgang am Gipfel ist. Das Matterhorn ist alpinistisch gesehen eine Herausforderung. Wenn du um 04:30 Uhr einsteigst, warten 30 bis 40 Bergsteiger vor dir, es ist kalt, und man muss schnell auf Betriebstemperatur kommen. Man geht in Seilschaft mit einem Bergführer und muss schauen, dass man von Beginn an in einen Flow kommt. Am Matterhorn ist man extrem gefordert.

Gibt es einen Lieblingsberg in Österreich?
Ja, das ist der Traunstein.

Sie haben Jura studiert und nach dem Studium in der Oberbank zu arbeiten begonnen. Hatten Sie auch ein anderes berufliches Ziel im Auge?
Eigentlich hätte ich gerne die elterliche Landwirtschaft übernommen. Mein Vater war Land- und Forstwirt. Am elterlichen Bauernhof habe ich das Arbeiten gelernt. Im Nachhinein betrachtet, war das viele Arbeiten für mein weiteres Leben gut und wichtig. Damals hat mir das weniger gut gefallen, da hätte ich gerne mehr Freizeit gehabt. Wenn mich mein Vater nach Abschluss des Studiums gefragt hätte, ob ich den elterlichen Hof übernehmen würde, hätte ich vielleicht sogar Ja gesagt. Heute bin ich allerdings froh, dass es das Schicksal anders gemeint hat.

Sie haben drei Töchter. Tritt eine von ihnen in Ihre Fußstapfen als Bankerin?
Nein, sie sind alle drei berufstätig und haben jede für sich ein ganz unterschiedliches Naturell. Sicher hätte die eine oder andere das Zeug dazu, aber sie wollen sich entsprechend profilieren – und womöglich möchten sie auch nicht mit dem Vater verglichen werden. (lacht)

„Unabhängigkeit ist unser höchstes Ziel“ lautet das oberste Ziel der Oberbank AG. Was bedeutet für Sie persönlich Unabhängigkeit?
Die Eigenständigkeit, Entscheidungen ausgewogen treffen zu können. Dass man die Interessen der Kunden, der Mitarbeiter und der Eigentümer ausgewogen berücksichtigen kann und nicht irgendeine Gruppe bevorzugen muss. Unabhängigkeit bedeutet für mich aber auch, politisch unabhängig zu sein und sich nicht parteipolitisch orientieren zu müssen. Und es bedeutet, dass man all das hin und wieder unter Beweis stellen muss.