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People | 18.05.2016

Fußball & Familie

Der Linzer Florian Klein ist einer von zwei Oberösterreichern, die bei der Fußballeuropameisterschaft in Frankreich spielen werden. Wir haben mit dem 29-Jährigen gesprochen – über seine Familie, Erwartungen bei der EURO und die Angst vor möglichen Terroranschlägen.

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© APA

Zwei Dinge spielen im Leben von Florian Klein (29) die Hauptrollen: Fußball und Familie. Mit seiner Frau Tamara und den beiden Söhnen ist der Linzer vor zwei Jahren nach Deutschland gezogen, wo er beim Bundesligisten VfB Stuttgart spielt. Begonnen hat seine fußballerische Laufbahn erst beim FC Keli Linz, später beim Linzer Traditionsverein LASK. Heuer erfüllt sich ein Traum: Er wird Oberösterreich im Nationalteam bei der EURO in Frankreich vertreten. 

 

Am 10. Juni startet die EURO 2016. Österreich steigt vier Tage später in das Turnier ein und trifft im ersten Gruppenspiel auf Ungarn. Mit welchen Gefühlen denken Sie heute an die Europameisterschaft?

Die Europameisterschaft ist natürlich sehr präsent, seitdem wir vorigen Herbst die Qualifikation geschafft haben. Dennoch ist es für einen Fußballer eine lange Zeit, in der viele Spiele beim eigenen Verein dazwischen liegen. Aber besonders wenn ich zu Hause in Linz bin, werde ich immer wieder darauf angesprochen. Und ich muss sagen, dass die Vorfreude schon sehr groß ist!

 

Sie sind einer von zwei Oberösterreichern im Nationalteam für die EURO. Sind Sie darauf auch stolz?

Ich bin sehr stolz darauf, dass ich Linz bei einem so großen Ereignis vertreten kann. Es ist für jeden Fußballer etwas Besonderes, für das eigene Land zu spielen. Meine Familie ist übrigens auch sehr stolz und freut sich wahnsinnig, dass ich dabei bin. Meine Eltern, mein Opa, mein Bruder – sie alle werden bei unseren Spielen abwechselnd dabei sein. Das ist ein gutes Gefühl und ich hoffe natürlich, dass sie viel sehen werden und wir nach den drei Vorrundenspielen noch dabei sind.

 

Was, glauben Sie persönlich, ist für Österreich bei der EM drinnen? Die Qualifikation habt ihr ja so gut wie schon lange nicht mehr gespielt …

Ich hoffe natürlich, dass wir so weit wie möglich kommen. Wir haben eine starke Quali gespielt, das heißt aber nicht automatisch, dass wir auch beim Turnier gut sein werden. Wenn uns ein guter Start in den Vorrunden gelingt, ist vieles möglich.

 

Ende des Vorjahres wurden Testspiele für die EURO wegen der Gefahr vor Terroranschlägen abgesagt. Die EURO ist ein absolutes Großereignis. Ist da auch mal die Angst vor Anschlägen ein Thema bei Ihnen?

Ich hoffe nicht, dass etwas passiert. Wobei es bei Ereignissen dieser Größenordnung natürlich immer Bedenken gibt. Ich will mir dadurch aber nicht die Freude trüben lassen. Das Sicherheitsaufgebot wird immens sein – und alles ausschließen kann man ohnehin nie.

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Österreicher unter sich: Florian Klein und David Alaba nach dem Spiel. (© Eibner / EXPA / picturedesk.com)

Sie haben Ihre Karriere beim LASK begonnen und spielen seit knapp zwei Jahren beim deutschen Bundesligisten VfB Stuttgart. Das klingt, als würde der Traum eines jeden Fußballers wahr werden. Hat sich das auch für Sie so angefühlt?

Ja, es hat sich tatsächlich ein bisschen so angefühlt. Ich denke, dass es das große Ziel eines jeden Profi-Fußballers ist, im Ausland zu spielen. Bei mir ist es zu einem eher späten Zeitpunkt passiert. Ich war 27 Jahre alt, als ich nach Stuttgart gegangen bin. Wenn man das erreicht hat, erfüllt es einen mit großer Freude und mit Stolz.

 

Können Sie sich an Ihr erstes Tor in der deutschen Bundesliga erinnern?

(Lacht) Selbstverständlich! An so etwas erinnert man sich immer! Für mich als Verteidiger war es zusätzlich etwas ganz Besonderes. Es war im Oktober 2014 beim Heimspiel gegen Bayer Leverkusen. Ich habe in der 67. Minute zum 2:3 getroffen. Das Spiel ist dann übrigens 3:3 unentschieden ausgegangen.

 

Sie sind gemeinsam mit Ihrer Frau und Ihren beiden Söhnen nach Deutschland gegangen. Wie wichtig ist Ihnen der private Rückhalt, auch in Hinsicht auf Ihre sportlichen Leistungen?

Dieser Rückhalt ist mir sehr wichtig. Fußball ist immer sehr präsent in meinem Leben. Wenn ich Freunde oder
Bekannte treffe, ist es natürlich das Thema Nummer eins. Jeder will irgendetwas von mir wissen und mit mir über Fußball reden. Das ist auch so, wenn ich in Linz bin. Ich bin aber sehr froh, dass es zu Hause noch andere Themen gibt. Mein älterer Sohn ist zum Beispiel im Herbst in die Schule gekommen, das war sehr spannend. Es war eine Umstellung für uns alle und er macht es wirklich sehr gut. 

 

Hätten Sie sich auch vorstellen können, ohne Familie nach Stuttgart zu gehen?

Nein, für uns war klar, dass wir das nur gemeinsam machen. Es war aber glücklicherweise nie Thema. Obwohl das nicht abzusehen war, weil ich beim LASK gespielt habe, als ich meine jetzige Frau kennengelernt habe. 

 

Sind Ihre Söhne auch Ihre beiden größten Fans?

Das kann man so sagen (schmunzelt). Beide sind schon extrem fußballbegeistert. Sie sind bei jedem meiner Spiele dabei – entweder live im Stadion oder eben vor dem Fernseher.

 

Wie haben Sie sich in Stuttgart eingelebt?

Wir fühlen uns sehr wohl hier und haben uns auch gut eingelebt. Unseren Kindern gefällt es, der größere geht in die Schule, der kleinere noch in den Kindergarten. Wir haben uns einen großen Freundeskreis aufgebaut und können uns durchaus vorstellen, noch länger hier zu bleiben.

Kommen Sie auch noch regelmäßig nach Linz?

Regelmäßig geht es sich nur im Sommer und im Winter aus, wenn ich Urlaub habe. Zum Beispiel über Weihnachten. Ansonsten zahlt es sich einfach nicht aus. Dafür kommt meine Familie oft zu uns. Sie schauen sich meine Spiele an und so können wir das eine gut mit dem anderen verbinden.

 

Sie haben gesagt, dass Sie sich vorstellen können, länger in Stuttgart zu bleiben. Wo sehen Sie sich später vielleicht auch noch?

So etwas lässt sich im Fußball nur schwer vorhersagen. Mein Vertrag bei Stuttgart läuft noch bis Mitte 2017. Ob ich dann hier verlängern oder zu einem anderen Verein wechseln werde, kann ich im Moment noch nicht sagen. Wir lassen das einfach auf uns zukommen!

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Florian Klein mit seiner Frau Tamara und den beiden Söhnen Julian (7) und Noah (3,5). (© privat)