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People | 11.01.2021

Frauenpower in der Kanzlei

Jung, motiviert, dynamisch: Kristina Etzl tauschte ihr Saxofon gegen Gesetzbücher und wird mit 28 Jahren die erste weibliche Geschäftsführerin in der Geschichte der Steuerberatungskanzlei HWT in Grieskirchen.

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Steuerberaterin im Beruf, Saxofonistin in der Freizeit. ( © Dominik Derflinger)

Der 11.11. ist ein besonderer Tag für Kristina Etzl. Heute steht sie nicht nur für Interview und Fotos im Rampenlicht, sondern setzt ihre Unterschrift auf jenes Dokument, das die in Peuerbach aufgewachsene Grieskirchnerin offiziell zur Geschäftsführerin der HWT Hochhold-Weninger-Treuhand Steuerberatung GmbH erklärt. Damit reiht sich die sympathische Absolventin der JKU Linz in eine Männerriege ein und bereichert das Team aus drei Steuerberatern, einem Unternehmensberater und rund 20 Mitarbeitern mit Fachwissen, Professionalität, Einsatz und einer gewinnenden Art. Auch wenn sich in ihrem Leben lange alles um die Musik drehte – Adalbert Stifter Musikgymnasium Linz, künstlerisches Basisstudium und außerordentliches Studium Saxofon  an der Anton Bruckner Privatuniversität Linz, „prima la musica“-Bundessiegerin, CD- und Rundfunkaufnahmen – so findet sie jetzt genauso viel Freude am Steuer-Business. Vor sechs Jahren stieg sie mit dem Titel Bachelor of Tax Law bei HWT ein, nun übernimmt sie eine Führungsrolle. Wir treffen die Steuerberaterin in den topmodernen Räumen in der Trattnach-Arkade 1. Ein Interview über Diskretion, Digitalisierung und was an der Materie Spaß macht.

 

Musik und Steuerberatung, das sind zwei konträre Richtungen. Die meisten Menschen stellen sich Gesetze und Steuern als eher „eintönige“ Materie vor. Andererseits ist es ein sehr wichtiger Beruf. Warum fiel für Sie der Entschluss, das Saxofon gegen Gesetzbücher zu tauschen?

Kristina Etzl: Ich wollte mir ein solides Standbein aufbauen. Bis zur Matura drehte sich bei mir alles um die Musik. Ich machte noch die Aufnahmeprüfung für das ordentliche Studium an der Anton Bruckner Privatuniversität Linz. Doch dann kam ich zu dem Schluss, dass die Jobaussichten in der Musik wohl nicht so gut aussehen würden. Schließlich fiel meine Wahl auf Wirtschaftsrecht und über diese Entscheidung bin ich sehr glücklich. 

Was ist für Sie das Schöne an dem Beruf?

Es ist der tägliche Kontakt mit Menschen aus den unterschiedlichsten Branchen und Berufsgruppen, die ich in der komplexen Materie des Steuerrechts unterstützen kann. Die Herausforderungen liegen dabei in komplexen Lösungen von Sachverhalten und der sich ständig ändernden Materie, auch durch die Gesetzgebung. Steuerberatung ist daher niemals eintönig und bringt schöne Erfolgserlebnisse mit sich.

 

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Als Steuerberaterin kennt sich Kristina Etzl in wirtschaftsrechtlichen Belangen bestens aus. ( © Dominik Derflinger)

Sie sind die erste weibliche Geschäftsführerin in der Unternehmensgeschichte von HWT, gegründet 1979 von Karl Hochhold-Weninger. Welches Gefühl löst das bei Ihnen aus?

Es ist auf jeden Fall eine Ehre und ich freue mich sehr über das Vertrauen, das mir entgegengebracht wird. Dass ich die erste weibliche Geschäftsführerin im Unternehmen bin, ist vermutlich ein Zufall, da der Beruf des Steuerberaters mittlerweile nicht mehr männerdominiert ist. 

Es geht auch um Vertrauensvorschuss und das sensible Thema Geld. Wie sehr sind Einfühlungsvermögen und Diskretion im Beruf gefragt?

Sehr. Wir arbeiten mit unseren Klienten auf einer sehr vertrauensvollen Basis und auf Augenhöhe zusammen. Der persönliche Kontakt ist uns sehr wichtig.

Verlagerten sich Beratungen während des Corona-Lockdowns auf Online- und Videoportale?

Wir hatten im ersten Lockdown kurzfristig keinen direkten Klienten-
kontakt mehr und wickelten viel über Telefon und online ab. Allerdings muss ich sagen muss, dass der persönliche Kontakt nicht ersetzt werden kann. 

Der Gesetzgeber hat auf diese Corona-Pandemie sehr kurzfristig mit einer Flut von Gesetzesänderungen und Förderprogrammen reagiert. Inwiefern bekam das die HWT zu spüren?

Es gab ad hoc viel zu bewältigen. Wir sind meist erster Ansprechpartner für Unternehmer, was Förderungen betrifft. Es ist selten, dass diese vom Klienten selbst beantragt werden können, fast immer ist die Unterstützung eines Steuerberaters notwendig. Beispielsweise war und ist die Abrechnung der Kurzarbeit ein großes Thema. Sehr aktuell sind auch die Investitionsprämien und Fixkostenzuschüsse, die auch von uns beantragt werden. Neu hinzugekommen ist jetzt noch der Lockdown-Umsatzersatz. Wenn solche Maßnahmen am Freitag verabschiedet werden, laufen bei uns Montag in der Früh schon die Telefone heiß. Da ist man gefordert, sich schnell auf den neuesten Stand zu bringen. Aber genau das macht es spannend.

Ist Digitalisierung ein Thema bei HWT?

Ja, ein sehr großes. Die Digitalisierung im Unternehmen voranzutreiben ist eines meiner ersten Projekte als Geschäftsführerin. Mit Jahreswechsel werden wir eine neue Business Software einführen. Ziel ist ein möglichst papierloses Büro, interne Arbeitsabläufe sollen verbessert werden und es ist eine Onlineplattform für Klienten geplant. Dadurch soll der Datenaustausch vereinfacht werden und der Klient immer und überall Einsicht in die Belege und Auswertungen nehmen können. 

 

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Ein moderner Auftritt, 40 Jahre Erfahrung, Jugendlichkeit, Dynamik und eine vertrauensvolle Basis zu den Klienten sind die Eckpfeiler von HWT. ( © Dominik Derflinger)

Für welches Aufgabengebiet sind Sie bei HWT zuständig?

Mein Hauptaufgabengebiet ist natürlich die aktive Steuerberatung, angefangen von der Beratung bei Unternehmensgründungen, Investitions- und Finanzierungsentscheidungen, über die Erstellung von Planungsrechnungen, Jahresabschlüssen, Steuererklärungen und Unternehmensanalysen bis hin zur Unterstützung bei Betriebsprüfungen. Außerdem begleitet das HWT-Team sämtliche Angelegenheiten in Sachen Unternehmenskäufe und-verkäufe, von der Berechnung eines angemessenen Kaufpreises bis hin zur steuerlichen Due Diligence.

Regelmäßig gibt es Änderungen im österreichischen und europäischen Steuersystem. Wie schaffen Sie es, auf dem Laufenden zu bleiben?

Da steckt natürlich viel Zeit und Fleiß dahinter. Einerseits geschieht das über Seminare, andererseits muss man sich vieles selbst erarbeiten.  

Ein Steuerberater erhält manch tiefen Einblick in das Leben seiner Mandanten. Fühlen Sie sich manchmal auch als Lebenscoach?

(Lacht). Nein, als Lebenscoach nicht, auch wenn man oft einen Einblick ins Private bekommt. Es bereitet mir Freude, die Entwicklung von Unternehmen mitzugestalten oder Gründer bei ihren Start-ups zu unterstützen. Idealerweise begleiten wir unsere Klienten von der Gründung weg bis zu einer erfolgreichen Übergabe und darüber hinaus.

Wie geht es Ihnen mit ausschließlich männlichen Kollegen?

Sehr gut, es macht großen Spaß mit meinen Kollegen zusammenzuarbeiten. Wir haben ein sehr freundschaftliches, leistungsorientiertes Verhältnis. Außerdem ist der Frauenanteil im Unternehmen mit 19 Frauen insgesamt recht hoch, da sind wir Frauen sowieso in der Überzahl  (lacht).

Wie gestalten Sie Ihre Freizeit? Sind Sie der Musik noch treu geblieben?

Ja, neben Saxofon habe ich das Klavierspiel wieder für mich entdeckt, das ich früher als Nebenfach hatte. Sportlich  bin ich gerne in den Bergen unterwegs und im Fitnesscenter ein Stockwerk über uns.

Gibt es ein persönliches Motto?

Alles im Leben ist für etwas gut, manchmal merkt man es nur nicht gleich.