Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 21.02.2022

Frauenpower in der Kanzlei

Dass sich Familie und Selbstständigkeit sehr wohl vereinbaren lassen, beweisen Julia Schürz und Janine Karlsböck. Die zweifachen Mütter haben im letzten Oktober ihre eigene Kanzlei in Linz eröffnet und sind seither die Anlaufstelle für große Mandanten. Die erfolgreichen Powerfrauen im Porträt.

Bild 2202_O_Wirtschaft_RechtsanwÃ.jpg
© Mag. Roland Karlsböck

Der Ausbildungsweg zum Rechtsanwalt ist ein sehr langer, der sich gerade für Frauen mit Kindern aufgrund von straffen Zeitplänen, zwingender Gerichtspraxis und anderen Absolvierungen kaum bis zum Ende gehen lässt. Einen Umstand, den auch Dr. Julia Schürz und Mag. Janine Karlsböck am eigenen Leib erfahren mussten. Kein Grund jedoch für die zweifachen Mütter aufzugeben. Sie gingen den Weg erfolgreich zu Ende und sind seit Oktober letzten Jahres Partnerinnen ihrer eigenen Kanzlei in Linz. Was sie dazu bewogen hat und wie sie den Spagat zwischen Selbstständigkeit und Mutter-Alltag bewältigen, haben uns die 35-jährige Oberösterreicherin und die 31-jährige Tirolerin im Interview verraten.  

 

Sie haben sich 2014 in der Kanzlei Hengstschläger Lindner Rechtsanwälte kennengelernt und sind seit letztem Jahr Partnerinnen Ihrer eigenen Kanzlei in Linz.  Wie kam es dazu? 

Julia Schürz: Uns war schon ziemlich bald nach unserem Kennenlernen klar, dass wir gerne zusammenarbeiten. Im Oktober letzten Jahres beschlossen wir, Nägel mit Köpfen zu machen und uns selbstständig zu machen.

 

Wie waren die Reaktionen aus Ihrem Umfeld? 

Janine Karlsböck: Die Reaktionen waren durchgehend positiv. Jeder aus unserem Umfeld hat uns in unserer Entscheidung bestärkt und uns zu unserem großen Schritt gratuliert. 

 

Ende 2019 lag die Frauenquote in der österreichischen Rechtsanwaltschaft bei 23 Prozent. Haben Sie das Gefühl, dass es Frauen in der Branche schwerer gemacht wird als Männer? 

Julia Schürz: Ja und nein, es gibt in der Tat gewisse Vorgaben in unserer Branche, die es gerade Paaren mit Kindern schwerer machen. So konnte ich zum Beispiel die verpflichtende Gerichtspraxis ausschließlich auf Vollzeitbasis absolvieren und die Kammerbeiträge sind nach dem ersten Lebensjahr des Kindes auch bei reduzierter Stundenanzahl stets auf voller Basis zu entrichten. Da die Kinderbetreuung aber beide Partner betrifft, würde ich nicht unbedingt sagen, dass es ausschließlich Frauen betrifft. Fakt ist aber, dass sich die Regelungen natürlich mehr auf uns Frauen auswirken, da in der Regel gerade in den ersten Lebensjahren die Mütter gefragt sind. 

 

Haben Sie es schon einmal am eigenen Leib erlebt, dass Sie als Frauen in der Branche nicht ernst genommen wurden? 

Janine Karlsböck: Es kam schon des Öfteren vor, dass wir bei einem Termin gefragt wurden, wo der Anwalt ist. Als Frau bekommt man in solchen Situationen sofort das Gefühl, sich beweisen zu müssen. Mittlerweile haben wir gelernt, uns eine selbstbewusste Antwort parat zu legen. In den meisten Fällen merkt das Gegenüber dann schnell, dass die Aussage unpassend war.

 

Heute betreuen Sie gute und große Mandanten. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?  

Julia Schürz: Das gegenseitige Vertrauen und Verständnis, das wir ineinander haben, gepaart mit unserer fachlichen Kompetenz und Erfahrung. Da wir uns auf zwei unterschiedliche, aber doch überschneidende Fachgebiete im Unternehmensbereich spezialisiert haben, ergänzen wir uns wunderbar und haben damit gleichzeitig die Möglichkeit, ein breites Spektrum abzudecken.

 

Wie setzen sich Ihre Mandanten zusammen? 

Julia Schürz: Es ist tatsächlich komplett durchgemischt. Wir haben das Glück, dass wir in allen Bereichen sowohl mit Männern als auch mit Frauen zusammenarbeiten dürfen und darauf legen wir auch großen Wert. Wir wollen als Kanzlei gesehen werden, die hier bewusst keinen Unterschied macht. 

 

Neben Ihrer eigenen Kanzlei sind Sie Mütter von zwei Kindern. Wie schaffen Sie den Spagat zwischen Beruflichem und Privatem? 

Janine Karlsböck: Eine eigene Kanzlei zu führen mit zwei Kindern, klingt zunächst unbewältigbar, tatsächlich bringt die Selbstständigkeit aber viel Flexibilität mit sich, die gerade uns als Mütter zugute kommt. Wir können uns unsere Termine bis auf ein paar Ausnahmen frei einteilen und sollte es doch zu einem spontanen Notfall kommen, haben wir das große Glück, auf unsere Familien sowie aufeinander zurückgreifen zu können. Aber ich glaube, ich kann im Namen von uns beiden sprechen, dass wir den Spagat zwar meistens, aber nicht immer schaffen.

 

Was raten Sie anderen Frauen, die sich selbstständig machen möchten? 

Janine Karlsböck: Es einfach zu tun. Man kann nicht voraussagen, was in der Zukunft passiert und sie deshalb schon gar nicht planen. Ich kann nur raten, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen und der Rest ergibt sich von selbst. Man sollte sich nicht von anderen entmutigen lassen, schon gar nicht als Frau oder Mutter. Ich denke, wir sind das beste Beispiel, dass es möglich ist.   

 

Kontakt

Schürz & Karlsböck Rechtsanwälte 

Promenade 25

4020 Linz

Tel.: 0732/23 777 0

E-Mail: [email protected]

www.sk-ra.at