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People | 18.11.2015

Frauen wollen Natürlichkeit

Schönheitschirurg Dozent Dr. Georg Huemer ist auf Brustvergrößerungen spezialisiert. Im Interview schildert der Linzer, welche Aspekte es bei einer Vergrößerung der Brust mit Implantaten zu beachten gibt.

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Ulli Wright im Gespräch mit Dr. Georg Huemer. (© Anja Strobl-Gubo)

Wohin geht der Trend in Sachen Brustvergrößerung?

Die Österreicherinnen wollen Natürlichkeit. Der Trend zu ganz großen Brüsten war hierzulande nie da. 

 

Welche Frauen lassen sich die Brüste vergrößern?

Das sind zum einen ganz junge Frauen, die fast keine Brust haben, zum anderen Frauen, die nach abgeschlossener Familienplanung nach dem Stillen einen Volumenverlust haben. Aber auch ältere Frauen lassen sich die Brust vergrößern und straffen. Meine älteste Patientin war 71 Jahre alt. 

 

Was genau passiert bei einer Brustvergrößerung mit Implantaten?

Der Raum hinter der Brust wird vergrößert. Zuerst werden die Größe und die Form des Implantates gewählt, anschließend wird festgelegt, wie man das Implantat in die Brust einbringt. Das geschieht entweder mit einem kleinen Schnitt über die Unterbrustfalte, über die Brustwarze oder über die Achsel. Dann muss man noch entscheiden, ob man neben der Vergrößerung auch eine Formkorrektur machen muss.

 

Wovon hängt es ab, für welche Methode man sich entscheidet?

Letztendlich entscheidet das die Patientin. Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge ist die Einbringung des Implantates über die Unterbrustfalte die weltweit am häufigsten verwendete Methode. Sie macht auch die wenigsten Komplikationen. Durch den Schnitt in die Unterbrustfalte kann man eine sehr gute Positionierung des Implantates machen, und auch die Schädigung des umliegenden Gewebes ist sehr gering. 

 

Mit welchen Implantaten arbeiten Sie? Was hat sich hier im Lauf der Zeit verändert?

Vorwiegend verwende ich Implantate der Firmen Allergan und Motiva. Allergan ist schon sehr lange am Markt. Motiva ist eine jüngere Firma, die sehr innovativ ist und viel Forschung betreibt. 

 

Was ist das Innovative an den Motiva-Implantaten?

Sie verfügen derzeit über das weichste Gel am Markt. Auch der Faktor Natürlichkeit ist sehr hoch, die Implantate greifen sich sehr gut an. Im Gegensatz zu anderen Implantaten sind sie an der Oberfläche weniger rau. Anatomisch geformte Implantate in Tropfenform sind zwei- oder dreidimensional sehr gut. Die runden Motiva-Implantate sind auch vierdimensional sehr gut. Sie bieten eine Verformbarkeit, die die natürlichen Bewegungen mitmacht. Das sieht man sehr gut, wenn die Frau liegt. 

 

Können die Frauen ihren neuen Busen vor der Brust-OP sozusagen testen?

Ja, sicher. Zum einen werden verschiedene Probe-Implantate mit einem Sport-BH probiert. Dabei kann die Frau sehr gut sehen und ertasten, wie groß die Brust sein wird. Dann gibt es noch die 3D-Simulation. Dabei wird ein dreidimensionales Bild gemacht, anhand von Computersoftware können dann verschiede Möglichkeiten probiert werden. 

Wie läuft die Operation ab? Wie lange dauert sie?

Eine klassische Brustvergrößerung dauert im Prinzip eine halbe bis eine dreiviertel Stunde. Es ist eine sehr standardisierte Operation. 

 

Sie bieten Brustvergrößerung auch in tagesklinischer Form an. Was, wenn in der Nacht Probleme auftreten?

Die Patientinnen bekommen selbstverständlich eine Notfallnummer mit nach Hause. Wenn man genau arbeitet und alles exakt macht, ist die Komplikationsrate extrem niedrig. Falls es zu einer Komplikation kommt, wäre das eine Nachblutung, und diese tritt sehr rasch nach der Operation auf.

 

Was passiert, wenn Implantate verrutschen, verkapseln oder kaputtgehen? 

Wenn ein Implantat verrutscht, kann man das mit einer erneuten Operation korrigieren. Dieses Problem hat man allerdings beim runden Implantat nicht. Das Verkapseln ist sozusagen der Heilige Gral in der Brustchirurgie und der limitierende Faktor in der Langlebigkeit von Implantaten. Je länger man ein Implantat hat, desto geringer ist das Auftreten einer Kapselfibrose. Und natürlich kann das Implantat auch kaputtgehen, das ist allerdings ganz selten der Fall. Man merkt es bei den regelmäßigen Kontrollen. 

 

Wie lange ist man nach einer Brustvergrößerung arbeitsunfähig? Wie lange muss man auf Sport verzichten? 

Eine Woche nach der Operation ist das Gröbste überstanden und bei normalen beruflichen Tätigkeiten kann man wieder arbeiten. Beim Sport hängt es immer davon ab, welche Sportart man macht. Am Ergometer kann man relativ rasch wieder trainieren. Mit Laufen, Tennisspielen oder Liegestützen sollte man bis zu sechs Wochen warten. 

 

Wie häufig muss man Implantate wechseln bzw. gibt es welche, die man nicht wechseln muss?

Die neuen Implantate haben kein Ablaufdatum. Ich würde Implantaten plus/minus 20 Jahre im Körper geben. Da gibt es natürlich grobe Ausreißer. Es kann sein, dass eine Frau nach fünf Jahren leider eine Kapselfibrose hat. Es gibt aber auch Frauen, die ihr Implantat 35 Jahre im Körper haben, und es ist nach wie vor in Ordnung. 

 

Kann man Krebsvorsorge mit Implantaten machen?

Das hängt immer von der jeweiligen Konstellation ab. Wenn eine Frau eine sehr flache Brust hat und auf C-Körbchen geht, besteht die Brust fast nur aus Implantat. In diesem Fall wird es technisch schwierig sein, die Brust in den Mammograph zu bringen. Eine Untersuchung mit Ultraschall kann man allerdings immer machen. Wenn eine normale Mammographie nicht möglich ist, macht man eine MR-Mammographie. 

 

Wie viel kostet eine Brustvergrößerung in Ihrer Ordination?

Die Kosten liegen relativ konstant zwischen 5500 bis 6000 Euro.