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People | 01.10.2020

Frauen machen Mut

Frauen machen MutIm Buch „Mutmacherinnen“ erzählen zwölf Frauen ihre Geschichte und über ihre Erfahrung mit Brustkrebs. Wie wichtig es ist, sich zu vernetzen und die Hoffnung niemals aufzugeben, haben uns drei Mutmacherinnen aus dem Buch berichtet.

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© Sarah Cervantes on Unsplash

Brustkrebs ist in Österreich und in Europa die häufigste Krebserkrankung der Frau. Jede achte Österreicherin erkrankt im Laufe ihres Lebens daran.  Die Diagnose kommt für die Betroffenen meist völlig unerwartet und von einem Tag auf den anderen ist nichts mehr so wie es war. Neben der kräfteraubenden Therapie breiten sich vor allem auch Angst, Unsicherheit, Hoffnung und Verzweiflung aus. Die meisten Patientinnen holen sich bei den Krebshilfe-Beraterinnen in ganz Österreich Informationen und Unterstützung und/oder schließen sich  der geschlossenen Facebook-Gruppe „Brustkrebs Österreich“ an. Nicht zuletzt, um mit den nachvollziehbaren Ängsten besser umgehen zu können und neuen Mut zu schöpfen.

Reinerlös an Krebshilfe.

Im Mittelpunkt des neuen Buches „Mutmacherinnen“ erzählen zwölf Frauen, stellvertretend für Tausende Frauen, ihre Geschichte und ihre Erfahrung mit der Erkrankung. Der Reinerlös des Buches geht an die Österreichische Krebshilfe zur direkten Hilfe und Unterstützung von Brustkrebspatientinnen.

 

 

Die Botschafterinnen
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Claudia 

Die Brustkrebsbotschafterin

Fotos: Sabine Hauswirth

Die Bekannteste der zwölf Frauen, die im Buch porträtiert werden, ist Claudia Altmann-Pospischek. Die Niederösterreicherin gehört zu jenen Krebspatientinnen, die sehr offen mit ihrer Erkrankung umgehen. Egal ob im Urlaub, auf einem Charity-Event oder bei Behandlungen im Krankenhaus – unter dem Titel „Claudias Cancer Challenge“ kann man ihren Alltag als Krebspatientin auf Facebook und Instagram verfolgen. Ihre Markenzeichen sind eine unglaubliche Lebensfreude und eine stylishe Kurzhaarfrisur. Ihr Appell an alle Gesunden: „Geht zur Krebsvorsorge!“ 

Knoten in der Brust. Die Diagnose kam 2013 aus dem Nichts. In der glücklichsten Phase ihres Lebens ertastete Claudia Altmann-
Pospischek eines Tages einen Knoten in der linken Brust. Nach der Untersuchung stand fest, dass sie Krebs hat. Ihr winziges Mamma-
karzinom hatte bereits in die Leber und in die Knochen gestreut. Das alles ohne genetische Vorbelastung und trotz regelmäßiger Vorsorgeuntersuchungen. Damals wurde ihr eine Durchschnittsüberlebenszeit von zwei Jahren prognostiziert. Was folgte, war ein kräftezehrender Therapiemarathon. 

Das Bauchfell entfernt. „Als mich die erste Akut-
therapie psychisch angeschlagen zurückließ, trat meine Krebshilfe-Betreuerin in mein Leben. Genau zum richtigen Zeitpunkt. Sie schenkte mir wieder Kraft, Mut und Hoffnung und begleitet mich seither“, so Claudia. Vergangenes Jahr erhielt sie dann die Folgediagnose – Bauchfellmetastasen. Als erster Brustkrebspatientin wurde der Niederösterreicherin im Zuge eines neunstündigen Eingriffs das Bauchfell entfernt, danach gab es wieder Chemotherapie. „Eine heftige und schmerzhafte Erfahrung, die mir aber zu meiner derzeitigen Stabilität verhalf“, so Claudia.  

Sprachrohr für Betroffene. Im Laufe der Jahre wurde ihr klar, dass sie ihren Fokus auf Brustkrebsaktivitäten richten möchte. „Dafür brenne ich. Ich will aus meiner Krankheit das Beste machen, möchte ‚Brustkrebsbotschafterin‘ sein, zur Vorsorge aufrufen und Solidarität mit Betroffenen einfordern“, schildert Claudia. Damit einher geht die Arbeit an ihrem „Sprachrohr“ – dem Blog „Claudias Cancer Challenge“ – sowie an ihrem Buch (Arbeitstitel: „Unheilbar, aber glücklich“). „Schreiben ist für mich Teil des Verarbeitungsprozesses. Dass mir auf Facebook und Instagram bereits über 15.000 Menschen folgen, freut mich immens. Gerade viele metastasierte Patientinnen haben das Gefühl, mit ihrem Schicksal allein auf weiter Flur zu sein. Aus diesem Grund habe ich die „Meta Mädels Meetings“ ins Leben gerufen, das sind Treffen metastasierter Patientinnen. Obwohl uns die Schwere unserer Erkrankung bewusst ist, sind wir kein Trauerverein – wir lachen zusammen und planen gemeinsame Aktivitäten“, erzählt Claudia. Wer sich online austauschen möchte, dem legt sie die Facebook-Gruppen „Brustkrebs Österreich“ und „Metastasierter Brustkrebs Österreich“ ans Herz.

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Sonja 

"Vernetzt euch!"

 

Wie wichtig die „Öffentlichkeitsarbeit“ von Claudia Altmann-Pospischek ist, zeigt die Geschichte von Sonja. Die zweifache Mutter erhielt 2016 im Alter von 42 Jahren die Diagnose Brustkrebs. Der Schock saß tief. „Erst beim Gespräch mit unseren Kindern konnte ich das erste Mal so richtig weinen. Ich fühlte mich schuldig, meiner Familie so etwas antun zu müssen“, schildert Sonja. Kräfteraubende Chemotherapien folgten und nach der anschließenden Masektomie und Strahlentherapie galt sie aus ärztlicher Sicht als gesund. Bis ihr im Jahr 2017 leichte Rückenschmerzen zu schaffen machten. Nach Untersuchungen folgte erneut eine niederschmetternde Dia-
gnose: Metastasen in den Knochen und in der Leber. „Ich ging auf Reha, um bei Kräften zu bleiben und auch in der Hoffnung, andere Frauen mit metastasiertem Brustkrebs kennenzulernen. Aber da war niemand. Ich fühlte mich so allein.“

Endlich eine Betroffene. Ihre Krebshilfe-Betreuerin schlug Sonja schließlich vor, Claudia Altmann-Pospischek zu kontaktieren. „Endlich war sie da, eine Betroffene in meinem Alter und noch dazu mit ähnlicher Erkrankung. Sie strahlte so viel Zuversicht und Mut aus, das beeindruckte mich sehr“, erinnert sich Sonja und trat den Facebook-Gruppen „Brustkrebs Österreich“ und „Metastasierter Brustkrebs Österreich“ bei. Weiters nahm sie am Krebshilfeprojekt „Face it with a Smile“ teil und fasste neuen Lebensmut. Ein richtiger Wendepunkt war jedoch die Gründung der Gruppe „Meta Mädels“.

Mama/Papa hat Krebs. Anderen krebserkrankten Frauen möchte sie Folgendes mit auf den Weg geben: „Nehmt das Beratungsangebot der Krebshilfe in Anspruch und vernetzt euch mit anderen Betroffenen, denn niemand muss alleine sein. Wenn Kinder involviert sind, dann gibt es zum Beispiel das Krebshilfe-Beratungsangebot „Mama/Papa hat Krebs“. „Meine Kinder haben nun eine Person, mit der sie über Dinge reden können, die sie vielleicht in der Familie nicht besprechen wollen.“  

 

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Sonja 

"Flirten mit Krebs"

 

„Wir wollen das Leben feiern, die Schmetterlinge mal wieder im Bauch fühlen, wie ein Teenager sich Hals über Kopf verlieben, ja, auch das soll es mit Krebs geben“, lautet der Tenor von Sonja, unter dem sie Einsame oder Menschen auf Partnersuche einlädt, in ihre geschlossene Facebook-Gruppe „Flirten & Verlieben mit Diagnose Krebs“ zu kommen.  Auch Sonja hat bereits eine lange Leidensgeschichte hinter sich. Ihre erste Brustkrebsdiagnose erhielt sie im Jahr 2006 im Alter von 30 Jahren, ihr Sohn war damals gerade einmal zweieinhalb Jahre alt. „Während der Chemo nahm ich neun Kilo ab, war konstant erschöpft und zu nichts fähig. Heute noch bin ich meinen Eltern und meinem Ex-Mann für all die Unterstützung sehr dankbar. Ich hätte es alleine nicht geschafft“, erinnert sich Sonja.  

Vor jeder Kontrolle Angst. Nach der Operation, Chemo- und Strahlentherapie musste sie insgesamt fünf Jahre lang die Anti-Hormontherapie nehmen und war mit allen möglichen Nebenwirkungen konfrontiert. Als besonders belastend empfand sie vor allem die Kontrolluntersuchungen. 

Der Krebs kehrt zurück. Dann ein weiterer Schock. Im Jahr 2015, Sonja arbeitete wieder als Ambulanzsekretärin in einem Spital, kehrte der Krebs zurück. Die Diagnose: Metastasen in der Lunge! „Der Gedanke, wieder eine Chemo machen zu müssen, war schrecklich und  eigentlich wollte ich nicht noch einmal durch all das durch. Aber dann dachte ich an meinen elfjährigen Sohn und daran, dass ich ihn aufwachsen sehen will.“

Gründung der „Soul Sisters“. Um sich mit anderen betroffenen Frauen austauschen zu können, trat Sonja der FB-Gruppe „Brustkrebs Österreich“ bei. „Hier lernte ich Andrea Pape kennen und anschließend Natascha, Sabine, Barbara. Innerhalb kürzester Zeit wuchsen wir zu den ‚Soul Sisters‘ zusammen und wurden wahre Freundinnen. Leider ist Barbara 2019 an den Folgen ihrer Brustkrebserkrankung verstorben. Seither sind wir nur mehr zu viert. 

Dauertherapie. 2016, an ihrem 40. Geburtstag, bekam Sonja ihren abschließenden CT-Befund, der besagte, dass die Therapie erfolgreich war und alles „weg“ ist. „Ich war unglaublich erleichtert, ging wieder arbeiten und versuchte, in diese neue Normalität zurückzufinden. Aber im Februar 2018 kamen die Lungenmetastasen wieder zurück.“ Seither steht Sonja unter Dauertherapie und ist soweit stabil. 

Verlier nie dein Lachen. „Im Großen und Ganzen komme ich ganz gut zurecht - wenn man von meiner Thrombose, Nebenwirkungen und der psychischen Belastung absieht. Jeder Frau, die vielleicht in einer ähnlichen Situation ist, möchte ich gerne sagen: Verlier nie dein Lachen und die Hoffnung. Stell deinen Ärzten Fragen und zögere nicht, dich anderen Frauen anzuschließen, die diesen Weg bereits gegangen sind. Sie haben Tipps oder hören einfach nur zu.“

 

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© stefanjoham

„Zeigen, dass keine mit ihrer Krankheit alleine ist.“ 

Doris Kiefhaber ist seit 2001 Geschäftsführerin der Österreichischen Krebshilfe. Nur ein Jahr später startete sie die Pink Ribbon Aktion Österreich. Helfen zu dürfen und zu können,  ist für die  58-Jährige ein Privileg. Menschen auf Lebensabschnitten begleiten zu dürfen, erfüllt sie mit Demut und Dankbarkeit. 

Im Buch „Mutmacherinnen“ gehen zwölf Frauen ganz offen mit ihrer Krebserkrankung um. Wie wichtig ist Offenheit?

Es soll und muss jeder Patientin selbst überlassen sein, wie offen sie mit der Erkrankung umgeht. Wir raten weder zu dem einen noch dem anderen, zeigen aber Vor- und Nachteile auf. Für welchen Weg sich Patientinnen auch immer entscheiden, wir begleiten sie auf diesem Weg und stehen für alle Fragen zur Verfügung. Die zwölf Mutmacherinnen haben den Weg der Offenheit gewählt und wollen anderen Patientinnen Mut machen. Ihnen zeigen, dass keine Frau mit ihrer Geschichte allein ist, dass es wichtig ist, Unterstützung anzunehmen, sich untereinander auszutauschen und trotz Rückschlägen, nie die Hoffnung und Lebensfreude zu verlieren.

Was war Ihnen und dem Team bei der Gestaltung des Buches wichtig?

Für uns war wichtig, dass sich jede Mutmacherin bei den Interviews wohlfühlt, dass sie Freude daran hat, ihre Geschichte zu erzählen und mit der Öffentlichkeit zu teilen. Diese wunderbaren Frauen stehen stellvertretend für so viele Tausende, die jährlich mit der Diagnose Brustkrebs konfrontiert sind und brutal aus der Leichtigkeit des Lebens gerissen werden. Sie zeigen auf, wie verschieden ihre Geschichten sind, aber auch, wie entschlossen sie alle sind, sich von der stets präsenten Angst nicht die Lebensfreude rauben zu lassen.

 

 

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Das Buch „Mutmacherinnen“ wird von Schriftstellerin Julya Rabinowich, Starfotografin Sabine Hauswirth und Uschi Pöttler-Fellner zugunsten der Österreichischen Krebshilfe im echo medienhaus herausgegeben. Im Mittelpunkt stehen zwölf Frauen, die stellvertretend für Tausende Frauen, ihre Geschichte und ihre Erfahrung mit der Erkrankung erzählen. Erhältlich ab 1. Oktober im gut sortierten Buchhandel. Der Rein- erlös geht an die Österreichische Krebshilfe zur direkten Hilfe und Unterstützung von Brustkrebspatientinnen.